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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-12-09 · Heft 50 (9.12.1904) · p. Seite 599

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 50 (9.12.1904)
Date
1904-12-09
Page
Seite 599 (sequence 11)
Language
German
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wie das Schwert, Du magst niederschreiben, was meine Entgegnung ist." „Zenobia, Königin des Orientes, an den. Kaiser Aurelian! Noch nie hat jemand verlangt, was Du in Deinem Schreiben zu fordern wagtest. Mit Tapferkeit muß man ausführen, was man im Kriege erstrebt. Du verlangst von mir die Uebergabe der Stadt Palmyra mit all ihren reichen Schätzen, die Entsagung auf die Krone, die mir gebührt, als ob Du nicht wüßtest, daß Kleopatra, meine Stammesverwandte, lieber als Königin untergehen, als in der Schmach anderer — wenn auch ehrenvoller Verhältnisse leben wollte. Du erhoffest Dir den Sieg, weil Du den größten Teil meines Heeres in Aegypten wähnst. So wisse denn, daß die Unruhen dort beendet und meine siegreichen Truppen wieder heimgekehrt sind zum Schutze ihres Landes und ihrer, rechtmäßigen Königin. Uns werden auch die persischen Hilfsvölker nicht verlassen, auf unserer Seite stehen die Armenier, auf unserer die Sarazenen. Die syrischen Räuber, o Aurelian, haben dein Heer besiegt. Wie wird es dann fein, wenn die Scharen ankommen, die von allen Seiten erwartet werden und die unsere Macht verstärken werden? Dann wird wahrscheinlich Dein Uebermut gedämpft werden, mit dem Du mich jetzt, als wärest Du schon auf allen Punkten siegreich, zur Uebergabe von Palmyra aufforderst." „Dies, o Zabdas, überreiche dem Boten aus Rom, auf daß er es in die Hände seines übermütigen Kaisers niederlege!" „Ich selbst", rief die Königin in flammender Erregung aus, „will ihm an der Spitze meines Heeres entgegenziehen und den frechen Römer in die Flucht schlagen." „Das verhüten die Götter," sagte der Feldherr, „daß Du, erhabene Zenvbia, Dein geweihtes' Haupt dem Speere jenes dakischen Bauernsohnes aüssetzest. Ueberlaß mir den Oberbefehl, über das Heer. Am Ende einer siegreichen Schlacht will ich das Haupt Aurelians an der Spitze meiner Lanze wieder hinbringen nach Palmyra." „Und es wäre nicht schimpflich, o Zabdas, bliebe ich daheim und ließe Euch, meine Tapferen, in die Schlacht ziehen, meine Krone zu sichern? Was würden meine Palmyrener sagen, sähen sie, wie ihre Königin es sich wohl sein läßt auf ihrem Throne, indes die tapferen Söhne ihres Volkes sich für sie schlagen?" „Die Palmyrener, o Zenobia, sie kennen Deinen Heldenmut. Gar oft hast Du an der Spitze Deiner Truppen siegreich gekämpft." „So will ich es auch diesmal tun!" unterbrach ihn die Königin, „hindere mich in meinem Plane nicht, es litte mich nicht daheim, geschützt von den festen unbezwinglichen Mauern Palmyras, das Ende der Schlacht müßig zu erwarten. Stets habe ich noch meine Truppen zum Siege geführt und so soll auch diesmal meine Anwesenheit ihren Mut anfeuern und den Feind vernichten." „Unter deinem Banner, siegreiche Königin", rief Zabdas feurig aus, „wollen wir den Römer aufs Haupt schlagen und Dein Reich befestigen für ewig!" „Ewig, Zabdas?" sagte mißbilligenden Tones die Königin. : „Wandelbar sind die Geschicke, der Völker! Sah die Welt nicht den Untergang Babylons, nicht das Versinken Assyriens? Eine höhere Macht leitet unser Geschick, ein höherer Wille entscheidet unser Los." „Das mag Dein erleuchteter Geist so deuten, weise Königin," sagte Zabdas. '„Ich aber," und seine starke Faust umklammerte den Griff seines Schwertes, „ich vertraue aus das Glück unserer Waffen!" „Das uns auch diesmal den Sieg erringen helfe!" sagte sich erhebend die Königin, „jetzt aber, Zabdas, laß den Priestern verkünden, daß sie sich morgen mit Tagesanbruch, -im Tempel des Sonnengottes zu feierlichem Opferdienste versammeln mögen, an dem auch ich mit Vaballathus und dem - ganzen Hofstaate teilnehmen werde, zum Heile unseres Landes und zum Ruhme unseres Heeres!" Strahlend war der Morgen angebrochen. Vom Lichte der ausgehenden Sonne umflutet entfaltete sich all der Paradiesische Glanz, mit dem das herrliche Palmyra so reich geschmückt war. In den leuchtendsten Farben erglühten die ragenden Kuppeln der zahlreichen Tempel- und all der künstlerischen Bauwerke, in schneeiger Pracht erhoben sich die glänzenden Marmorstatuen der Götter, mit denen insbesondere die große Säulenstraße geschmückt war, und in prächtiger Fülle blühten und dufteten köstliche Früchte, berauschende Blumen. Schon früh am Tage pilgerten Scharen von Andächtigen zu dem Sonnentempel hin, in dem heute die Königin dem Opferdienste der Priester anwohnen und ihre Gebete mit denen ihres Volkes vereinigen werde, auf daß der große Baal ihren Fahnen den Sieg verleihe. Geschah es ja nicht gar zu oft, daß 'Zenobia an dem allgemeinen Gottesdienste teilnahm. Darum eilten sie auch alle in zahlloser Menge festlich geschmückt herbei, um der Königin/ die durch ihre kluge Politik den Wohlstand des Landes zu solcher Blüte gebracht und ihrem Volke eine weise und gütige Herrscherin war, ihre Huldigung darzubringen. , Zahllos war die Menge der Andächtigen, die der riesenhafte Bau umfing und noch immer strömten neue hinzu, noch immer wuchs die Versammlung der Gläubigen. Geräuschlos glitten, die Schritte über den mit farbigein. Mosaik ausgelegten Boden, künstlerisch vollendete Reliefs schmückten die riesenhafte Kuppel und zahllose goldene Zierrate bedeckten die Wände. Hunderte hoch ragender Marmorsäulen trugen den mächtigen Bau, goldene mit Edelsteinen verzierte Kronleuchter wechselten mit kunstvoll ziselierten griechischen Lampen, in denen mit mildem Lichte das Oel brannte. Von zahllosen Alabastersäulen getragen, funkelnd von Gold und Edelsteinen erhob sich der aus glänzendem Elfenbein, reich mit leuchtenden Korallen und milchweißen Perlen verzierte Thron des Baalsgottes. Zu Häupten des überlebensgroßen, ganz und gar mit Juwelen und Gold überladenen Götzen leuchtete in tausend glitzernden Funken die diamantene Strahlenkrone und ein Leuchten ging aus von diesem Throne des Baal, daß . die Menge des gläubigen Volkes geblendet von der überirdischen Pracht atemlos in bangem Schauer verharrte. Lautlose Stille herrschte in dem von tausenden erfüllten Raume. Jetzt klang es wie fernes Brausen und mitten in das gottesfürchtige Schweigen klang der-helle Ton der Tuben, der das Nahen der Augusta kündete. Schon waren die in blendend weiße Gewänder gehüllten-Vorläufer vor dem Gotteshause angelangt, und jetzt wurde auch die purpurverhängte goldene Sänfte sichtbar, in der die Königin nahte. Da ging es wie ein Rauschen durch die Menge, demütig neigten sie ihr Haupt und berührten mit ihrer Stirne den Boden des Gotteshauses. Gefolgt von Vaballathus und seinen Lehrern, umgeben von einer glänzenden Schar vornehmer Edlen und reichgeschmückter Hofdamen, war jetzt die Königin eingetreten. Ihre volle schlanke Gestalt umwallte der kostbare juwelenbesetzte Königsmantel und auf ihrem Haupte prangte die glitzernde goldene Strahlenkrone. Einen kurzen Augenblick nur streifte ihr großes/dunkles Auge das zu Boden gesunkene Volk. Dann aber richtete sie ihren Blick nach dem durch ein funkelndes Gewoge goldener

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