Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 49 (2.12.1904)
- Date
- 1904-12-02
- Page
- Seite 586 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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UR m des Mythos mühselig nach Ausdruck -ringenden Sehstsuchtsseufzern heben,-sich allmählich zwei große Gruppen der Unendlichkeitsprojektion heraus: die allüberall verbreitete Legende vom „goldenen Zeitalter", vom „Paradies", von einem durch Sündenfall verlorenen Unschuldszustande mit der gemeinsamen Glorifizierung des „Rückwärts", und daneben die sie bekämpfende Mythengruppe von der „ewigen Wiederkunft", der „unermeßlichen Zeit", welche in der iranischen Kultur.der Zendavesta das ewige „Vorwärts" in den Vordergrund stellt. Der buddhistische Religionsthpus verlegt die Unendlichkeit, das Jenseits, örtlich in den unendlichen Raum (Nirwana), der iranisch-parsische in die unendliche Zeit (ewige Wiederkunft.). Dort wird; die Ruhe (der Raum), hier die Bewegung (Zeit) vergottet und substanzialisiert. Und diesen beiden Mythologien korrespondieren in der indischen wie in der griechischen Philosophie zwei große Gedankentypen: Ontologismüs und Evolutionismus, ewiges Zugleich und ewiges Nacheinander,. Konstanz des Nebeneinander und Konstanz in' der Aufeinanderfolge. Bildlich ausgedrückt: das „Vollen der Raum, bei den Eleaten, das „Feuer", die „fließende Zeit", bei Heraklit. Wie die Anhänger des Zoroaster den Sonnengott, das Licht, das. Feuer anbeten, so empfiehlt der Heraklit-Anhänger Kleanthes, das zweite Schulhaupt der Stoa, in seinem „Hymnus auf Zeus", den Sonnen- oder Feuerkultus. Wir erhalten solchergestalt zwei große Denk-und Gefühlstypen: Optimistisch gerichtete Lichtreligionen und entsprechende philosophische Systeme, welche den ewigen Ausstieg wie der Welt so des Menschengeschlechts künden, und pessimistisch gestimmte Finsternisreligionen und korrespondierende Shstembildungen, welche den ewigen Abstieg lehren. Die dunkle Rätselsprache Heraklits hat dafür die Worte geprägt: der Weg nach Unten und der Weg nach Oben. . Nach den Lehren des Buddhismus befinden wir uns auf dem „Weg nach Unten", nach denen des iranisch-parsischen Lichtgottes auf dem „Wege nach Oben". Die Ahnengalerie des Optimismus geht also auf die Lehren der Zendavesta, auf das Zweitälteste Kultursystem, den iranisch-parsischen Sonnenkult zurück, dessen Reformator ebenso Zoroaster war, wie Buddha den älteren Brahmanismus oder Laotse die Lehren des Konfuzius umgeformt hat. Wie wir hier die Ahnenreihe des Optimismus 'rückwärts verfolgt haben, so werden wir nunmehr diese Galerie bis in die Gegenwart hinein fortzuführen versuchen. Bit lksjkrrin des Oltens. Historische Novelle von Eduard Noth. .■ ' . ... VII2. - .;■ Wochen waren vergangen. Der alte Samuel hatten sich einer Karawane angeschlossen, die Schalmalath durch die Wüste geleiten ließ, und war tiefgebeugt wieder heimgekehrt nach Thayakus. Wohl war der Zweck seiner Reise erreicht: Seine Tochter sollte wieder zurückkehren ins Vaterhaus, von ■ seinem Haupte sollte die Schmach abgewendet werden, mit der ihn die schnöde Tat des frechen Heiden bedeckt hatte — seine Glaubensgenossen durften wieder frei an den ihnen von Gott und den Propheten gebotenen Tagen ihre Feste feiern — er hatte alles erreicht, um das er ausgezogen, aber —- ,-Gott meiner Väter! um welchen Preis! Mein Kind kehrt mir zurück und den Sohnden Erwählten ihres Herzens, habe ich verloren. meinen.Glaubensgenossen bringe?ich die -Freiheit'wieder.und. eine Seele, ist mir entflohen! Allgütiger, wie werde ich.hintreten vor mein Kind und ihr Herz' mit der. schlimmen Kunde brechenwie werde ich vor dem Angesicht der Gemeinde erscheinen, die von mir. den frommen Jüngling.zurückfordern wird, undwelcher Kummer zerreißt mein Herz, wenn ich erst, an jene denke, denen ich ja das teuerste geraubt — an die Eltern, die mix ihr Kind, vertraut." - ' Und nocheinmal wandte sich nun sein feuchtes Auge nach der Stadt zurück, die da inmitten ihrer zauberischen Gärten und stolzen Bauten sich ausbreitete, einem Paradiese gleich, und die .ihm doch das Teuerste geraubt — dann aper erhob er sein Auge zum Himmel empor, und heiß und flehend entrang es sich feinem Herzen: „Ewiger, unser Gott, der du der Allgütige bist und der Allerbarmer, und nicht richtest nach den Handlungen der Menschen, erbarme dich seiner und lasse ihm dein gnadenreiches Antlitz leuchten,, auf daß er wieder zurückkehre!" Und er zog weiter durch die Wüste, heim nach Thayaskus. Die Tage vergingen den beiden Glücklichen ü palaste von Palmyra wie im seligen Traum. Assad war im Palaste geblieben und auf Befehl der Königin dem Hofstaate des kleinen Vaballath, dem Lieblingssohne Zenobias und den von ihr bestimmten Nachfolger in der Herrschaft über das Reich zugeteilt worden, und bald verband denn auch innige Zuneigung den künftigen Beherrscher des Orientes dem Jünglinge, dessen fremdartige Schönheit ihn emporhob über alle Edlen des Hofes. Gar oft begleitete der fremde Jüngling den . Thronerben auf die Jagd, unterwies den Knaben in ritterlichen Spielen und erheiterte durch seine frohe Laune das Gemüt des Kindes, das im ausschließlichen Verkehre mit seinen griechischen Lehrern und durch angestrengtes Studium fremder Sprachen frühzeitig seine kindliche Laune eingebüßt hatte. Darum leuchtete sein Auge, wenn . es ihm gestattet war, mit Assad in den Gärten des Palastes zu lustwandeln, und sein Antlitz erglühte in freudiger Lust, wenn er frei jedes beengenden Hofzwanges mit dem Gefährten sich ergehen durste. Allein auch sonst hatte sich Assad in der ihm so ungewohnten Umgebung zahlreiche Freunde erworben. Die meisten kamen dem Fremden wohlwollend entgegen und erfreuten ihr schönheitsdurstiges Auge an dem vollkommenen Ebenmaße seiner schlanken Gestalt. Und so hatte denn seine siegreiche Schönheit Assad, wie die Liebe der Fürstin, auch die' Herzen aller erobert. Nur einer war am Hofe, Mäonius, der den Günstling der Augusta mit scheelen . Blicken verfolgte, der mit stets wachsendem Unmute die- Gunst gewahrte, in der Assad bei dem jungen Vaballathus stand und in dessen Herzen wilde Stürmebrennender Eifersucht nunmehr loderten gegen diesen Günstling der über alles geliebten Königin- Allein noch hatte er keinen Anhaltspunkt gefunden für feine Befürchtungen, daß jener fremde Jüngling ihn aus dem Herzen der angebeteten Königin verdrängt habe, noch beschränkte sein Argwohn sich auf bloße Vermutungen -- aber wehe, wenn er Gewißheit erhielt. - Wie durfte sie, die stolze, mächtige Zenobia, rhres hohen. Ranges so vergessen, mit ihrer Gunst, diesen unbekannten Niedriggeborenen zu beglücken, aus die ein Anrecht doch allein ihm, Mäonius, gebührte! Wohl hatte sie seine Hoffnungen aus ihren Besitz und die Herrschaft des Landes .nicht durch irgend welche Versprechungen genährt, allein bedurfte es dieser? War es nicht ein stillschweigendes Uebereinkommen, daß. ihm