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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-12-02 · Heft 49 (2.12.1904) · p. Seite 587

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 49 (2.12.1904)
Date
1904-12-02
Page
Seite 587 (sequence 11)
Language
German
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das Reich und seine Gebieterin zu eigenseien? Bedürfte es noch eines Wortes, wo mit grausamer Klarheit die Tat-redete, die er für sie, für,! i hr e Machtbegangen.? Sollte sie^ Weib genug sein, dies zu vergessen, wohlan, so wollte er es in ihr Gedächtnis zurückrufen. Mit raschen Schritten durchmaß er die weiten Hallen, die zu den Gemächern der Königin führten, und mit herrischer Geberde wies er die Kammerfrau an, ihn zu melden. Doch erschreckt wies sie sein Ansinnen zurück. „Verzeihet, edler Prinz, allein es ist nicht die Stunde, in der Ihr Eintritt erlangen könnet!" - „Das Recht, das einem niedrigen Juden gestattet, jederzeit vor dem Angesichte der Herrin zu erscheinen," unterbrach sie Mäonius rauh, „wirft Du wohl mir, dem Fürsten, nicht vorenthalten wollen. Du erglühst und blickst verwirrt," fuhr er milder werdend fort, „die Königin ist nicht allein?" „Ich weiß es nicht," entrang es sich mühsam der Fassungslosen. „Wie, Du weißt es nicht?" brauste Mäonius auf, „und hältst doch Wache hier vor den Gemächern Deiner Herrin? Dann ist es wohl Zeit, daß Du verjagt wirst und ich will dafür Sorge tragen!" Dabei schritt er an ihr vorbei, dem Gemache der Königin entgegen. Da warf sie sich angstvoll flehend vor ihm nieder: „Wage es nicht, o Mäonius! Die Kaiserin hat den Eintritt untersagt!" „So will ich mir ihn mit Gewalt erringen," unterbrach sie Mäonius, indem er die Erzitternde heftig beiseite schob. Zornflammend richtete sich der'Blick Zenobias nach dem Eindringling hin. „Bin ich jso unbewacht?" rief sie und eine Zornfalte umwölkte ihre Stirn, „daß man es wagen darf, gegen mein Gebot hier einzudringen?" „Vergib Deinem Sklaven, erhabene Augusta!" sagte Mäoniusindem er vor der Königin auf die Knie sank. „Allein, es verlangte mich nach Deinem Anblicke und . . ." „Und da erzwangest Du Dir den Eintritt?" unterbrach ihn unwirsch die Königin. „Dazu sah ich mich genötigt, o Zenobia, da Du mir Deinen Anblick entziehst. . ." „Nicht Dir, nicht jenem!" unterbrach ihn die Königin, „allen! Hat denn eine Herrscherin nicht das Recht, daß jedem niedrig geborenen Weibe zu eigen, sich zu verschließen mit ihrem Herzen, und ihren Gedanken freien Lauf zu gewähren?.. Doch es muß wichtige Kunde sein, die Du mir bringst und die Dich meinem Befehle trotzen hieß." „Die Kunde, Herrin-" entrang es sich seinen bebenden Lippen, „daß ich Dich liebe, daßich vergehe ohne Deinen Anblick." „Und-die duldete keinen Aufschub?" „Nein!" rief Mäonius mit bewegter Stimme, „es verlangt mich heiß, in Dein göttliches Antlitz zu schauen, den Ton Deiner Stimme zu vernehmen und aus Deinem Munde selbst das Gerücht widerrufen zu hören, das die Stadt durchschwirrt." „Und das es wagt," unterbrach ihn die Königin, „sich mit der Trägerin der Krone zu befassen?" „Siehst Du, erhabene Augusta, nun zürnst Du selbst und Dein Auge glüht in edlem Feuer. O! Vergiß Deiner königlichen Würde nicht, sei wieder meine geliebte Zenobia, wieder die strenge Königin!" „Mäonius, hätte ich denn jemals meiner königlichen Würde vergessen?" „Ertöte den giftigen Funken der Verleumdung, der sich an Deine erhabene Person wagt," fuhr Mäonius fort, „verbanne den fremden Jüngling ans Deiner Nähe ..." „Assad," unterbrach ihn hastig die Königin, und jähe Glut bedeckte ihre Wangen. „Was tat er Euch und weshalb der-, langst Dü seine Entfernung?" j „Weil ich ihn hasse," zischte in unterdrücktem Grimme Mäonius, „weil.mir sein Milchgesicht, seine kindliche Fratze Dein Herz geraubt." - „Das Dir doch nie zu eigen war," warf höhnisch die Königin ein.. „Das zu erringen jedoch ich mir zugeschworen; und was meiner skavischen Ergebenheit, was dem Beistand der Götter gelungen -wäre, hätte jenen der Hades verschlungen, eh ihn sein Unstern hierhergebracht." „Nimmermehr, Mäonius, nicht jeüer herrliche Jünglingist es, daß Dir die Hoffnung raubt — nein, auch ohne sein Erscheinen hier in Palmyra, das wie ein Sonnenstrahl in inein von Kampf und heißer Arbeit erfülltes Leben fiel, auch ohne ihn wäre ich nie die Deine geworden." Ein heiserer Wutschrei entrang sich seiner Kehle. „Nie!' sagst Du, und nährtest dennoch die Hoffnung in meinem Herzen, daß Du mein fein, die Herrschaft mit mir teilen wolltest . . ." „Wann hätte ich dies getan?" „Wann?" äffte er jeder Besinnung beraubt, „nun dazumal, als Du mir gnädigst gestattetest, den unbequemen Odenath aus dem Wege zu räumen." „Ich hieß Dich nicht, die grause Tat zu vollbringen," wehrte die Königin. „Mit Worten nicht! Aus meinen blutigen Händen aber hast Du die Krone empfangen, ich habe Dich zur Herrscherin gemacht, weil ich Dich liebe, weil Du für mich das Leben bist! Vollende, was jene blutige Tat mir verhieß, die ich wohl nicht auf Dein Geheiß, jedoch mit Deiner Zustimmung beging." Schaudernd verhüllte die Königin das Gesicht. „Du wehrtest mir nicht," fuhr er unerbittlich fortT „als ich Dir damals an jenem Jagdtage, dem letzten, den der unglückliche -Odenath mitgemacht, meinen Plan mitteilte — nein. Du wehrtest nicht, in Deinen Mienen las ich die Billigung meiner Tat und in Deinen berückenden Augen die Verheißung seligsten Lohnes. Nun denn, so beraube mich jetzt dieses Lohnes nicht! Sei mein, erhebe mich zu Deinem Gatten und beglücke mich durch Deine Liebe!" „Verlaß mich, Mäonius!" gebot die Königin jetzt, indem sie sich zürnend erhob. „Nicht, eh' Du mir das Leben wiedergibst! Sei mein, versage mir nicht Deinen Besitz, für den ich so gräßliches begangen! Zerstöre den Bund, den eine höhere Macht besiegelt, nicht durch Deine Leidenschaft für jenen goldhaarigen Sklaven." „Was wagst Du?" brauste die Königin in wildem Grimme auf. „Zu lange schon habe ich Dir mein Ohr geliehen! Geh!" „Nicht ehe Du mir Dein königliches Wort gegeben . . ." „Nun denn!" ries sie und ihre Wangen erglühten in freudiger Lust. „Ich gebe Dir mein königliches Wort, daß ich Assad liebe, liebe mit der ganzep Glut meiner Seele!" Wie ein Rasender war er emporgeschnellt. Wilder Haß loderte in seinen Augen und mit wutverzerrten Mienen starrte er in das glücklich leuchtende Antlitz der jungen Königin. Da teilten sich-die Purpurvorhänge, und eine Dienerin trat ein. „Erhabene Kaiserin!" sagte sie und ihre Stirn berührte den Boden. „Ein Bote ist angelangt, der wichtige Kunde bringt aus Rom." „Benachrichtige Zäbdas, den Feldherrn, und geleite den Boten in den Saal! Dort will ich ihn anhören. Du aber Mäonius, erlöse mich von Deinem Anblick." - . . (Fortsetzung folgt.)

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