Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 49 (2.12.1904)
- Date
- 1904-12-02
- Page
- Seite 584 (sequence 8)
- Language
- German
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ff if Ife M günstigen Bedingungen, wirkt, auf die anvertraute Jugend zu > und muß zu weit günstigeren- Erfolgen führen, alswiesteein Lehrer in den starkbesuchten; Volksschulen selbst bei dem größten Eifer und Pädagogischem Geschick erzielen kann. Nur aus : Unkenntnis der tatsäch lich en Leistungen der jüdischen Schule stammen die Behauptungen, - daß die jüdischen Kinder durch die einktasfige jüdische Schule weniger gut wie die christlichen versorgt sind, daß sie in ihnen keinen Anschluß an höhere Lehranstalten finden;. die maßgebenden Beurteiler haben über die Erfolge, die in jüdischen Schulen erzielt wurden, anders geurteilt, und diese Erfolge waren es auch, die einem großen Teil derselben die Erhebung zu öffentlichen Schulen gebracht hat. Das Gesetz vom 23. Juli 1847, das die bürgerlichen Verhältnisse der Einwohner jüdischen Glaubens im einzelnen regelt, gewährte den Lehrern dieser Schulen den gleichen Rang und die gleiche Stellung (freilich nicht die gleiche Besoldung) wie den Lehrern an den christlichen Volksschulen und verpflichtete die Kommunen zu Bei- ■" Hilfen für die öffentliche jüdische Schule/ oder zur Befreiung der Einwohner jüdischen Glaubens von den Leistungen für die Kommünalschule. Auf dem Gebiet des Schulwesens vollzog sich so zuerst die Gleichstellung der Staatsbürger jüdischen Glaubens mit den übrigen Bewohnern, die dann die Verfassungsurkunde vom 31. Januar 1850 und das Gesetz vom 3. Juli 1869 allgemein zum Ausdruck gebracht hat. Welche Schwankungen und Wandlungen seit Erlaß dieser Gesetze auch vor sich gegangen sind, wie oft man (und nicht ohne Erfolg) auf dem Verwaltungswege die klaren Bestimmungen über unsere Gleichberechtigung zu vereiteln oder wenigstens zu beschränken versucht hat — die öffentlichen jüdischen Volksschulen bewahrten sich durch ihre Leistungen allerorten ihre völlige Gleichwertigkeit und Ebenbürtigkeit, die Lehrer jüdischen Glaubens blieben durch alle Strömungen der Zeit mit den christlichen Amtsgenossen durch das Band gleichen Wirkens nach gleichem Ziel treu und inniglich verbunden. Es ist bezeichnend, daß gerade an den Orten, die eine mit vollen Rechten ausgestattete jüdische Volksschule besaßen, der Gedanke der Gleichberechtigung aller Bürger in alle Schichten der Bevölkerung gedrungen und sich in friedlichem Zusammenwirken aller Teile für des Vaterlandes Wohl zur Tat umgesetzt hat. Ein Vorzug , der jüdischen Schule, der bereits gestreift worden ist, verdient noch besonders betont zu werden. Es ist die tätige Teilnahme der jüdischen Eltern an der Erziehung, die Erkenntnis des Elternhauses von dem Wert einer tüchtigen Vorbildung für das spätere Leben und infolgedessen die tatkräftige Unterstützung, die der Arbeit des Lehrers durch das Haus zuteil wird, selbst wenn die Verhältnisse in ihm noch so kümmerlich sind. Diese lebendige Teilnahme der Schulgemeinde hat nicht nur zu den schönen Erfolgen der jüdischen Volksschule beigetragen, sondern in gar vielen Orten zu einem Ausbau der Volksschule über ihr eigentliches Ziel Veranlassung gegeben. Gerade in jener Zeit der Regulative, die das Ziel öer preußischen Volksschule wesentlich beschränkten, wurden namentlich im Osten unseres Vaterlandes an die jüdischen Schulen Fyrtbildüngsklaffen gefügt, die den Knaben die Möglichkeit gewährten, sogleich in die mittleren Klassen höherer Lehranstalten einzutreten. Aus das frische Aufblühen der jüdischen Schule folgt leider seit den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine Zeit des Rückganges und der Verkümmerung, die noch gegenwärtig anhält. Die nächste Ursache dieses Rückganges liegt in der sozialen Differenzierung, die sich innerhalb der Einwohnerschaft jüdischen Glaubens in Preußen vollzog. Die Aera des Weltverkehrs brachte einem Teile, der die neuen Zeitverhältnisse -zu erfaßen ünd. zuverwerten; verstand/: Wohlstand, bisweilen großen Reichtum; die veränderten Interessen, die verschiedene Lebensführung lösten das Band der Zusammengehörigkeit, welches gleiches Geschick, gleiches Leiden und gleiches Streben durch Jahrhunderte um die Glaubensgenossen geschlungen hatte. Die wohlhabenderen Schichten sandten nunmehr ihre Kinder in die Standesschulen und besonders gern in die Vorschulen, die, fast jeder höheren Lehranstalt in den fünfziger und sechziger Jahren angefügt wurden. Noch schmerzlicher als dieser Verlust war die ' Abkehr der maßgebenden jüdischen Kreise von der jüdischen Schule nach Einführung der Simultanschule auch in Preußen. Von dem Namen geblendet und in ihrer -Unkenntnis des eigentlichen Charakters der Simultanschule als der Schulform für die vereinigten christlichen Konfessionen, wähnten .sie in ihr die Organisation zu sehen, die endlich der Unterscheidung der Bürger nach Konfession und Religion ein Ende zu machen bestimmt war, die ihre soziale Emanzipation nach der' politischen am ehesten und sichersten herbeiführen würde. Sie vergaßen, daß die menschliche Natur von Jahrhunderte alten Vorurteilen und Verkennungen sich nur schwer und allmählich frei machen kann, sie schoben alle Schuld für die Zurücksetzungen und Kränkungen, denen sie ihres Glaubens wegen noch immer ausgesetzt waren, der Trennung ihrer Kinder bei der Erziehung von der christlichen Jugend zu und behaupteten, daß diese Trennung allein das erwünschte Zusammenwirken und den Zusammenschluß, der verschiedenen Teile, der deutschen Nation verhindert habe. So gaben sie die Schule, die . ihren Vorfahren und noch ihnen eine Quelle des reichen Segens geworden, die sie befähigt hatte, mit ihren andersgläubigen Mitbürgern mitzuarbeiten an den Kulturaufgaben und teilzunehmen an den Kulturgütern unseres deutschen Vaterlandes, leichthin preis, sandten ihre Kinder, falls sie sie nicht den Vorschulen höherer Lehranstalten anvertrauten, in die Simultan¬ oder christlich-konfessionelle Schulen und ließen, namentlich in größeren Gemeinden, die jüdische Schule zu einer Armenschule herabsinken, m der besonders die Kinder der aus dem Osten eingewanderten Glaubensgenossen Unterricht und Erziehung empfangen sollten. Es bedurfte des unverwüstlichen Idealismus, der die jüdischen Lehrer beseelte, um bei diesen widrigen Verhältnissen in alter hingebender Weise ihres Amtes zu walten; lediglich diesem ihren idealen Sinn ist es zu danken, daß sich viele jüdische Schulen bis heut erhalten haben, daß heut noch die Stätten vorhanden sind, in denen die . Kinder der deutschen Bürger jüdischen Glaubens deutsche Bildung und deutsche Gesittung, zugleich aber eingehende Unterweis ungin der Religion ihrerVorfahren empfangen, in denen sie zu deutschen Bürgern und treuen Gliedern ihrer Glaubensgemeinschaft herangebildet werden, 7 ' & ■■■ ' Die Mnrnsslrrir des Optimismus. Von Prof. Dr. Ludwig Stein-Bern. " Ta.- ' 0 ange vor Bastian hatte schon Lobeck in seinem „Aglaophamns" darauf hingearbeitet, jene vorgeschichtlichen mythologischen Schichten auszudecken, aufdenen die geschichtlich bekannten Mythen ruhen. Diesen Spuren sind Philologen von Ruf, wie Erwin Rohde in seiner „Psyche" und Hermann Usener in seiner Studie über „Götternamen", wie in seinen/