Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 49 (2.12.1904)
- Date
- 1904-12-02
- Page
- Seite 578 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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wörtlich zu machen, wenn eher, als er es wünscht, sich Lüge' und Unrecht breitmachen. . . Und uns, die Feiernden, , sollen die Weihelichter -nicht. bloß trösteri^ sondern auch anspornen, daß wir nicht aufhören, für die. Verbreitungdes Lichtes, für -die Erleuchtung der Menschheit zu wirken. Wir alle sollen uns Juda Makkabi und seinen ebenbürtigen Brüdern gleich um die Fahne unseres Glaubens scharen, wohl nicht zum Kampfe, aber zur Verteidigung unseres höchsten Besitzes, unserer Thora. Dann ist unser der Sieg; die sich von uns heute noch abwenden, schließen sich am Ende uns an und kämpfen an unserer Seite für die Kultur der Menschheit. Hierzu fordert unser Fest einen jeden auf, welchen Bekenntnisses er auch sein mag, der nach Wahrheit und Menschlichkeit ringt. Das Chanukahfest der Zukunft soll ein' Lichtsest werden für die ganze Menschheit. Die Woche. Berlin, 29. November, förmlich wie eine Illustration zu unserem vorwöchentlichen VJ Leitartikel nimmt sich die Mitteilung der verschiedenen Blätter über die deutschfeindliche Gesinnung des ostmärkischen Antisemitismus aus, der anläßlich der Stadtverordnetenwahlen in Posen einen ebenso plumpen wie nichtswürdigen Wahlschwindel durch einen „vertraulichen" Aufruf versucht hat. Dieser begann mit folgenden Worten: „In der Versammlung des Ostnrarkenvereins vom 3. Oktober beschloß die Mehrheit, dahin zu wirken, daß die jüdischen Stadtverordneten, welche den Polen zum Durchdrückem des Antrages v. Trampczynski (Zulassung von Wahlzetteln bei. Gewerbegerichtswahlen.in polnischer Sprache) verholfen haben, nicht mehr gewählt werden sollen. Wie zum Hohne haben uns die Juden in der zweiten Abteilung, dritten Bezirk, die Herren Simon Asch und Dr. Ehrlich wiederum aufgedrungen." Ein derartiger Beschluß ist aber vom Ostmarkenverein natürlich nicht gefaßt worden. Schließlich heißt es in dem anonymen Aufruf: „Kein echter Ostmärker darf solchen Zuständen weiteren Vorschub leisten! Die Juden sind ohnedies in der Ueberzahl, mögen sie ihre polenfreundlich gesinnten Kandidaten allein durchbringen! Ein echter. Deutscher, welcher sein Mißfallen über die Polenbegünstigung der Juden, ausdrücken will, enthält sich morgen der Wahl!" Die beste Kritik des „nationalen Verfahrens" dieses Ost-, märkers lag wohl in einen: Wahlaufruf der konservativen Partei, in dem als gemeinsame deutsche Kandidaten für die Stadtverordnetenwähl die von dem Verfasser des Ausrufs perhorreszierten Herren Dr. Ehrlich und Asch bezeichnet und allen deutschen Wählern eingeschärft wurde, es sei „Pflicht jedes deutschen Mannes, sein Wahlrecht auszuüben und den gemeinsamen deutschen Kandidaten seine Stimme zu geben." Aber dieser antisemitische Wahlschwindel zeigt wieder einnral, wie der Antisemitismus in der Ostmark dem Deutschtum bewußt entgegenarbeitet. Einen anderen Erfolg hatte er nicht, denn die deutsche Liste wurde mit großer Majorität gewählt, trotz der von den Antisemiten so perhorreszierten Kandidaten. Wäre es nach ihnen gegangen, so läge das Ziffernverhältnis erheblich ungünstiger für das Deutschtum. Und darin liegt der Kernpunkt der Sache. 4p Und wieder wie eine Illustration zu, unserem vörwochigen Artikel über jüdischen Antisemitismus nehmen sich die Mft-, Leitungen aus, die uns aus verschiedenen Städten über den Mischmasch-bei Stad t v e r vr.dn'etenwahlen zugehen. '-'Wurde - doch in Berlin selbst für einen vor wenigen Jahren getauften Baurat im' 'antisemitischen Interesse Stimmung gemacht. . Sein : Gegenkandidat war ein Jude, und unter denen, die. für den getauften Kandidaten am lebhaftesten agitierten, tvar auch ein Jude: Ist das wohl zu glauben? Aehnliches wird uns aus anderen Städten. 'gemeldet, das tollste aber aus Darmstadt. Dort wurde ein Kompromiß sämtlicher bürgerlicher- Parteien, - also der Nationalliberalen- Freisinnigen, der Zentrumspartei und der Antisemiten, abgeschlossen. Diesem Konglomerat, d. h. den in ihm vertretenen Antisemiten, wurde der von den Frei- \ sinnigen in Aussicht genommene frühere Landtagsabgeordnete Langenbach geopfert, indem an seiner Stelle als freisinniger Kandidat Professor Dr. Otto Harnack nominiert und auch gewählt, während der Antisemit Hüfner von allen Parteien anstandslos akzeptiert wurde. Den Wahlaufruf J zugunsten dieses antisemitischen Kandidaten aber hat auch ein Mitglied des derzeitigen Vorstandes der israelitischen Religionsgemeinde unterschrieben! Eine solche Verwirrung erscheint geradezu unglaublich. Hat man denn gerade in Hessen gar nichts aus den Vorgängen der letzten Jahrzehnte gelernt.? Eine höchst ergötzliche Szene spielte jüngst im niederösterreichischen Landtag. Es handelte sich um das Schächtverbot. Wohl wissen die Antisemiten, daß sie eigentlich nur eine Demonstration aussühren, und in dem Bewußtsein, daß ihre Vorlage nie Gesetz werden wird, beantragten und beschlossen sie eine Eventualresolution, der Stadt Wien zu empfehlen, auf ihrem Gebiete' das Schächten zu verbieten. Das kann die Stadt Wien immerhin in ihrem Schlachthause tun, aber die praktische Wirkung würde doch nur die sein, daß das Vieh außerhalb des Gemeindeterritoriums geschächtet und das Fleisch nach Wien importiert werden würde.. Die ergötzliche .Szene bestand aber darin, daß wider Erwarten auch die Opposition für das Schächtverbot eintrat, so daß zu allgemeiner Verblüffung eine Debatte gar nicht stattfinden konnte. Die Art und Weise, in der die Opposition nun gegen die Juden auftrat, war aber eine so ironische, daß sie die Antisemiten christlich-sozialer wie katholisch-ultramontaner Observanz in Helle Wut versetzte. Der sozialdemokratische Abgeordnete Seitz machte sich nämlich darüber lustig daß der Staat die religiösen Genossenschaften stütze. Seine ironische Spitze richtete sich aber durchaus nicht gegen die-Juden, wenn, er sie auch in den Vordergrund stellte. Er persiflierte vielmehr das ultramontane Treiben und verlangte, mit dem, Grundsatz, daß die Religionsgenossenschaften immer 'vor allem gehen, daß ihnen das allgemeine öffentliche Interesse aufgeopfert wird, endlich einmal gebrochen werde. . Monsignore Scheicher nannte dies Vorgehen eine widerliche Komödie. Wir sind anderer Ansicht. Wir meinen, daß in diesen Reden der Opposition eine heilsame Lehre für die Ultramontanen liegen sollte, die auch die religiösen Bräuche der Juden anzutasten wagen. Da ist das deutsche Zentrum stets vornehmer und klüger gewesen. ~ ■ $ Die armen rumänischen Juden fangen wieder an;zu hoffen. Gelegentlich der Einweihung eines neuen Verwaltungs-, gebäudes. in Bottuschani wurde zu Ehren des anwesenden Ministers des Innern Vasile Laskar ein Bankett veranstaltet, an dem auch Vertreter der jüdischen Bevölkerung teilnahmen.