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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-11-25 · Heft 48 (25.11.1904) · p. Seite 568

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 48 (25.11.1904)
Date
1904-11-25
Page
Seite 568 (sequence 4)
Language
German
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der Zeit, wann Bainbus als Vertreter des Barons Hirsch und der J. C. A., mit großen Vollmachten ausgerüstet, an die Spitze der ganzen Kolonisationsbewegung treten werde. Für das große Ideal, das seit zwei'Dezennien die besten Männer des Judentums bewegt, würde dann eine neue Periode begonnen und die gesamte Bewegung würde einen ungeahnten Ausschwung genommen haben. Der unerbittliche Tod, der in der letzten Zeit so manche Hoffnung geknickt, hat auch diese Aussicht zu Grabe getragen. Glücklicherweise war es den: im besten Mannesalter Heimgegangenen vergönnt gewesen, bereits von Europa aus für dies Ideal bahnbrechend zu wirken. Im Jahre 1900 übernahm er die. Direktion der Hamburger Weingesellschaft „Eliadab", die er von Berlin aus mit so glücklicher Hand leitete, daß der bis dahin fast unverkäuflich lagernde Palästinawein schon in. dem Jahre 1902 völlig ausverkauft wurde. Die Existenz von 3000 jüdischen Seelen hat damit zum erstenmale endlich eine ökonomische Grundlage, die jüdische Kolonisation Palästinas nach 20jährigem schwerem Ringen eine unerschütterliche Basis erhalten. Schon im darauffolgenden Jahre konnten die jüdischen Winzer daran gehen, ihre Weinberge wesentlich zu vergrößern und somit für Hunderte von neuen jüdischen Einwanderern Obdach und Existenz schaffen. Seine großen Erfolge hatte der Heimgegangene nebst seinen anderen Tugenden nicht zum wenigsten auch seiner schier übermenschlichen Arbeitskraft zu verdanken. Nicht nur konnte er 15 bis 18 Stunden ununterbrochen schaffen, er vermochte auch überaus ergiebig zu arbeiten und in einer einzigen Stunde ein Pensum zu erledigen, zu dessen Bewältigung ein Anderer eines vollen zehnstündigen Arbeitstages bedurft hätte. Dieser erstaunlichen Schaffensgabe hatte es Bambus zu verdanken, daß er seinen vielseitigen Aufgaben gerecht werden konnte und dennoch viel Zeit für seine weitere Orientierung übrig hatte. Er las eifrig alle Neuen Erscheinungen auf dem Gebiete der Handelspolitik und der Statistik, kannte alle besseren belletristischen Schriften und fand noch Zeit und Muße für eine fruchtbare journalistische Tätigkeit. Selbst seine schmerzensreiche, Mark und Nerv zerrüttende Krankheit vermochte bis knapp vor seinem Hinscheiden nicht, diese unverwüstliche Arbeitskraft zu zerstören. Gerade in diese Krankheitsperiode, 'die bereits seit 1902 währte, fällt die Gründung und die Organisation des Hilfsvereins der deutschen Juden, zu deren Durchführung SBcnnbitS in so hohem Maße beigetragen hat. Wie feine Arbeitskraft, so konnte seine Liebe zu Zion durch kein noch so qualvolles Leiden erschüttert werden. Noch im Februar dieses Jahres, da der Todesengel bereits seine Fittiche über ihn ausbreitete und er seine Tage gezählt wußte, raffte Bambus seine letzte Kraft zusammen, um noch ein einziges Mal die Berge Zions zu sehen, zum letzten Mal den heiligen Boden der Väter zu küssen. Er weilte in Jerusalem, Hebron und^den judäischen Kolonien, ordnete manche Verbesserung in: Keller von Rischon-Lezion an und schmiedete mit den Kolonisten zusammen manche Zukunftspläne .... Es war bereits zu spät. Der Imperator mors hat schließlich auch diese Energie gebrochen. Matt und lebensmüde kehrte er von der anstrengenden letzten Palästinareise zurück. . Noch besaß er Geistesfrische genug, um im Verein mit Dr. Paul Nathan an das jüngste große Werk des Hilfsvereins, die Organisation des jüdischen Auswand erungs Wesens zu gehen. So hinterläßt Bambus dem Hilfsverein der deutschen Juden eine gewaltige Ausgabe und ein heiliges Vermächtnis, dessen Vollziehung ihn in die Reihe der ersten jüdischen Organisatoren stellen muß. Das frühe Hinscheiden dieses Mannes ist ein schwerer Schlag für uns alle. Von all den Ausgaben, denen der Tote sein "kurzes, so tatenreiches Leben gewidmet hat, ist noch keine einzige gelöst. Sein Tod hat eine weite Lücke hinterlassen und niemand ist da, der in die Bresche treten könnte. Möge daher ein jeder von uns seinen Eifer verdoppeln, um so den großen Verlust nach Kräften zu ersetzen. Die Erinnerung an den edlen Mann wird aber für alle Zeit im Judentum fortleben! mm# ßrirf aus Bcfttrmd). November 1904. ie roten Bändchen der EngelhornMen Romanbibliothek werden viel gelesen. Ich gestehe, auch ich habe oft und gern zu den sauber und rot gebundenen Büchlein gegriffen, um eine müßige Stunde totzuschlagen, „pour passer le temps“, was unsre Väter mit „possle tamp“ wiedergeben in jenem seltsamen Jargon, den sie sprachen und in dem die Glücket von Hameln ihre Memoiren schrieb. Was soll nun Engelhorn mit seinen morgenrötlich gebundenen Romanen in diesen österreichischen Berichten? Da war mir in einem Stündchen, mit dem ich wieder einmal nichts anzufangen wußte, ach, ich habe deren so wenig, ein „Engelhorn-Roman" in die Hände gefallen, er war von einer der vielen jetzt in Deutschland Romane schreibenden Damen, sie heißt Frieda Freiin von Bülow, und führte den Titel: „Im Hexenring". Ein sonderbares Büchlein, das uns einen seltsamen Frauencharakter, „einen Dämon der Lüge" vorführt. Es ist schon ziemlich lange her, daß ich diesen Roman gelesen; wer kann sich auch alles genau merken, was man im Laufe der Zeit an Lesefutter zu sich genommen, aber noch fühle ich es, wie ich mich durch die Darstellung jene „den Schein anbetenden" Jntriguantin abgestoßen fühlte, die sich schließlich als Jüdin entpuppte. „Aha," dachte ich, „nicht nur die Juden, auch die Jüdinnen werden verbrannt," und dazu noch in den Engelhorn-Romanen. Wie erstaunte ich, und wohl alle, die in diesem „Hexenring" sich bewegt hatten, als wir die Botschaft hörten, die Hexe in jenem Ringe sei eine, sagen wir, historische Persönlichkeit, es sei keine andere, als die jetzt so viel genannte Frau Hervay von Kirchberg, Witwe weiland eines Bezirkshauptmanns, dem eine schöne Karriere winkte, so das; er vielleicht gar als hoher österreichischer Beamter geendet hätte; an Protektion scheint es ihm nämlich nicht gefehlt zu haben, ein schöner Mann war er auch, und einen klangvollen Namen führte er ebenfalls. Aber er hatte sich die Karriere selbst abgeschnitten, indem er, als alle Stricke rissen, eine wohlgezielte Kugel sich in die Schläfe schoß. Das Drama des galanten Bezirkshauptmanns von Mürzzuschlag, der einst auch die Ehre genossen, über das teure Leben des Zars Nikolaus II. zu wachen, und dieser Aufgabe mit Hilfe eines Regiments Gendarmen in belobter Form sich entledigte, ist aber mit seinem Tode nicht ganz zu Ende, es wurde vielmehr jetzt erst recht aufgerollt, und zwar inr Gerichtssaale der guten Stadt Leoben, die eine Bergakademie besitzt und auch an Naturreizen aller Art nicht arm ist. Dort inr Gerichtssaale hatte sich Frau Leontine von Hervay, die vierfach geschiedene Frau und jetzt verwitwete Hervay, wegen Bigamie und Falschmeldung zu verteidigen, es gelang ihr dies nicht, und 4 Monate Kerker harren nun ihrer. Das ist das Geschick. der „alles vergiftenden" Heldin des „Hexenrings", des rotgebundenen

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