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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-11-18 · Heft 47 (18.11.1904) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 47 (18.11.1904)
Date
1904-11-18
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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gründete v ortreffliche „Gefellschaft Magine Reim, Verein zu gegenseitiger Hilfe" ihr Jubelfest. Sie blickt in diesem Jahre aus ihr hundertjähriges Bestehen zurück. Am Vormittag fand die hundertste Generalversammlung im Saale des Brüder-Vereins statt. Die Zahl der Mitglieder hat sich im letzten Jahre um 135 vermehrt und beträgt gegenwärtig 1494, darunter 55 lebende und 242 verstorbene immerwährende. Im Jahre 1903 betrugen die Einnahmen 35 731,25 Mark (darunter Jahresbeiträge 16 986, Zinsen 10 877,25), die Ausgaben 16 702,39 Mark (davon für Unterstützungen 14150), das Kapital 324 782,60 Mark. Die Witwen- und Waisenanstalt vereinnahmte 11617,29 Mark und verausgabte für Unterstützungen 11- 267,29 Mark. Das Vermögen beläuft sich aus 119 033,61 Mark. Der Vorstand der Gesellschaft besteht aus den Herren Moritz Manheimer, Vorsitzender, Hernmnn Landsberger, stellvertretender Vorsitzender, Syndikus Dr. Georg Minden, Schriftführer und Archivar, Emil Pincus, Schatzmeister, Max Goldstein und Manuel Schwarz, Pflegeväter, Kommerzienrat Emil Jacob, Kontrolleur, Stadtverordneter Hermann Bamberg, Schatzmeister der Witwen- und Waisenkasse, Geheimer Sanitätsrat Dr. I. Blumenthal, Beisitzer. Bei dem stimmungsvollen Feste, das vom Kommerzienrat Emil Jacob und dem Stadt-, verordneten Hermann Bamberg sorgsam vorbereitet war, brachten der hochverdiente Vorsitzende der Gesellschaft, Herr Moritz Manheimer, Herr Hermann Landsberger, Syndikus Dr. Minden, Rabbiner Dr. Weiße, Stadtverordneter Louis Sachs und Justizrat Cassel Trinksprüche aus. Der musikalische Teil, an dem namentlich die Hofopernsünger Berger und Philipp und Fräulein Goldberg mitwirkten, wurde von Musikdirektor Eugen Philippi geleitet. Auf die sehr interessante Festschrift kommen wir noch ausführlich zurück. Möge die Gesellschaft, die im abgelaufenen Jahrhundert so viel Gutes geleistet, noch lange blühen und gedeihen, und in gleichem Sinne zur Ehre unserer Gemeinde wirken wie bisher. s. Berlin, 13. November. Am 10. d. M. ist hier der Landgerichtsrat Franz Baer vom Landgericht I nach kurzem Leiden im Älter von 53 Jahren gestorben. Er war am 9. Januar 1874 beim Appellationsgericht in Frankfurt a. O. als Referendar in den Justizdienst getreten und im Kümmergerichtsbezirk am 22. Juni 1878. zum Gerichtsassessor ernannt worden. Im Mai 1881 erfolgte seine Anstellung als Amtsrichter in Spremberg, von wo er am 1. Juli 1889 als Landrichter nach Berlin versetzt wurde. Seine Ernennung zum Landgerichtsrat hatte er im Mai 1892 erhalten. Als besonders tüchtiger und scharfsinniger Jurist geschätzt, war Baer während der Zeit seiner hiesigen Tätigkeit wiederholt als Hilfsrichter zum Kammergericht einberufen worden; zum Kammergerichtsrat wurde er aber nicht ernannt, obwohl ihm dies wiederholt angeboten war. Die Antwort, die er auf dieses Anerbieten regelmäßig gab, ist seinerzeit viel besprochen worden. Beim Landgericht I war er in den letzten Jahren als Vorsitzender einer Kammer für Handelssachen tätig. . Die Beeröigung fand heute von der Leichenhalle in Weißensee aus statt. Ehre seinem Andenken! Berlin, 6. November. Der Verein „Freunde der - T aubstummen-ileäicle 11mim" versendet soeben nachstehenden Aufruf: „Das bevorstehende Chanukafest gibt uns wiederum Veranlassung, Sie zur Mitarbeit an werktätiger Liebe aufzufordern und Sie zu bitten, uns zu helfen, damit wir das Los unglücklicher, jüdischer, taubstummer Kinder mildern und sie zu schaffensfreudigen Menschen erziehen. Wir hoffen zuversichtlich, daß Sie auch in diesem Jahre, ebenso wie in den voraufgegangenen beiden Jahren, bei den Kindern Ihrer Gemeinde das Mitgefühl für die unserer Anstalt anvertrauten Kinder erwecken und sie veranlassen werden, ihr Scherflein beizutragen, um unglückliche Kinder zu erfreuen. Wir haben unsdas Ziel gesteckt, allen armen jüdischen taubstummen Kindern aus ganz Deutschland eine Heimstätte zu bieten; sie sollen bei uns durch Bildung und Erziehung in den Stand gesetzt werden, alle Menschennnd Bürgerpflichten zu erfüllen und dadurch, daß sie die Fähigkeit zu sprechen erlernen, gleichwertig mit ihren hörenden Mitmenschen gestellt werden. Gleich diesen haben sie ein Anrecht auf religiössittliche Erziehung, wie sie in unserer Anstalt unseren Zöglingen geboten wird. Aber nicht nur während der Schuljahre sorgen wir für diese unglücklichen Kinder, sondern wir führen sie auch ins Berufsleben ein, sorgen weiter für sie während der Lehrzeit nach Maßgabe unserer Mittel und sind darauf bedacht, durch Vermehrung unseres Fonds für entlassene.Zöglinge ihnen, wenn sie hilfsbedürftig werden, eine Stütze zu bieten. Finden wir hierzu die Unterstützung aller mildtätigen Menschen, dann wird es kein Proletariat mehr unter den jüdischen Taubstummen geben, und wir werden mit unsäglicher Freude auf unsere Arbeit zurückblicken können. Versagen Sie uns hierzu Ihren Beistand' nicht, zur Ehre Gottes, zum Segen für die Taubstummen und zum Heile der Menschheit!" Die Bestrebungen des Vereins verdienen die kräftigste Unterstützung. Etwaige Postsendungen sind an Herrn Adolph Salomon, Berlin NW. 23, Flensbnrgerstr. 9, zu richten. . , e. Potsdam, 7. November. Erlauben Sie mir noch einmal etwas ausführlich auf das Begräbnis unseres früheren Rabbiners Dr. Tobias Cohn zurückzukommen, das am 6. d. M. hier von der Synagoge aus ftattgefunden hat. Um 11 Uhr nahm die überaus erhebende Trauerfeier in der Synagoge, die bis auf den letzten Platz unten im Schiff, wie auf den Emporen besetzt war und welcher Herr Bürgermeister Vorkastner, sowie als Vertreter der „Litteraria", deren Ehrenmitglied der Verstorbene war, die Herren Sanitätsrat Dr. Hausmann als Direktor dieser literarischen Gesellschaft und die Mitglieder Gymnasialdirektor Professor Dr. Treu und Landgerichtsrat Rademacher beiwohnten, ihren Anfang. Nach einem im gedämpften Orgelklange verklungenen Präludium stimmte der Synagogengesangverein mit Orgelbegleitung das Trauerlied an, dem der vom Kantor Schönberger solo gesungene Psalm „Herr! was ist der Mensch, daß Du Dich sein annimmst" folgte, worauf nochmals der Chor das „Es ist der Mensch nur Pilger hier" rc. intonierte. Nun bestieg. Rabbiner Dr. Kaelter die Kanzel, um in einer wahrhaft von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Gedächtnisrede ein herrliches Lebensbild dieses hochverdienten Gottesmannes zu geben, dessen höchstes Ideal die Verbrüderung der Menschheit war. Die Nus wärmstem Herzen quillenden Worte hinterließen einen tiefen Eindruck auf die Trauerversammlung. Hierauf betrat der Vorsteher der hiesigen Synagogengemeinde, Justizrat Dr. Friedländer die Kanzel. Auch er feierte den nunmehr Abberufenen als die Verkörperung edelster Menschlichkeit, treuster Gesinnung und höchster Wahrhaftigkeit in des Wortes schönster Bedeutung, als der Besten einen, dessen edle Persönlichkeit und hoher Geistesflug unauslöschlich mit der hiesigen Gemeinde verbunden sei. Chorgesang schloß die wahrhaft erhebende Trauerfeier, worauf Mitglieder der Chebrah Kadischa den Sarg aufhoben und zu dem vor dem Gotteshause harrenden Leichenwagen trugen. Am offenen Grabe widmeten Rabbiner Dr. Eschelbacher dem verstorbenen Kollegen namens des Verbandes deutscher Rabbiner und Rabbiner Dr. Kaelter namens des Verbandes der liberalen Rabbiner herzliche Nachrufe-. Nach Segen und Gebet schloß sich das Grab über einem Toten, der, wie alle wahrhaft Frommen, im Tode höher steht wie im Leben. - Lp. Aus der Provinz Posen, im November. Die Kaufleute M. Auerbach und St. Ruhmann in Krotoschin sind zu Mitgliedern des dortigen Kreistages gewählt worden. — Der Stadtrat Salomon Fabian in Tuchel ist zum Stadtältesten daselbst ernannt worden. — Der Vorschußverein in Grätz hat den Kaufmann Silberg daselbst zu seinem Direktor gewählt. — Der Magistrat in Schneidemühl hat in Gemeinschaft mit den Stadtverordneten daselbst den Kaufmann Samuelsohn zum Mitglieds des Kolmarer Kreistages bestimmt. — In Zempelburg ist neulich die älteste Einwohnerin, die-jüdische Witwe Kalentscher, im Alter von 103 Jahren gestorben. —Kaufmann Salo Gellert in Pleschen ist zum Direktor des Vorschußvereins daselbst gewählt worden. — Der israelitische Frauenverein in Bro m b er g beging kürzlich das Jubiläum seines 50jährigen Bestehens in feierlicher Weise. x. Lifsa, im November. Der Tod hat unter den verdienten .Mitgliedern unserer Gemeinde in letzter Zeit leider in schmerzlichster Weise aufgeräumt. Zn ihnen gehören die Kaufleute Wolfs Metis und Julius Hamburger, die viele Jahre hindurch als Repräsentanten rc. für das Wohl der Gemeinde und ihrer Einrichtungen mitgesorgt hatten. Am 30. Oktober starb nun auch plötzlich im Eisenbahnwagen, als er im Begriffe war, zur Beerdigung eines Freundes nach Breslau zu fahren, Herr Kaufmann Louis Eisen-

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