Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 47 (18.11.1904)
- Date
- 1904-11-18
- Page
- Seite 564 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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* Und an jenem Abende, da hatte sie sich gelobt) ihr Geheimnis in ihre Brust zu verschließen, mit ihrer Qual allein - bleiben zu wollen und den teueren Vater nicht durch den An-) blick ihres Schmerzes zu verwunden. Nun aber krampste ihr die Angst um den Geliebtew-das Herz zusammen und nur mit Mühe vermochtesie ihre äußere. Fassung zu bewahren, um vor den spähenden. Augen Josuahs nicht zur Verräterin ihrer Gefühle zu werden. Jetzt hatten sich die Jünger verabschiedet, und auch der alte Samuel hatte, einem Wunsche des Rabbi gehorchend, sich zur Ruhe begeben. Lellah aber hatte mit fieberhafter Aufregung den Augenblick erwartet, an dem sie allein sein werde. Ihr brennendes Auge suchte das Dunkel zu durchdringen, angstvoll heftete sich ihr suchender Blick an den hier und da vereinzelt auftauchenden Gestalten Vorübergehender — umsonst! Assad war nicht darunter, und trostlos glitt ihr Auge in die Ferne. Erschreckt war sie zurückgewichen. „Assad!" entrang es sich mit jubelndem Ausrufe ihrer Brust, allein der nächste Augenblick riß sie aus ihrem Traume. „Vergib, holde Lellah, sagte in bittendem Tone Gideon, „ich habe mich von den Gefährten getrennt und bin Dir gefolgt . . . ." „Weshalb aber tatest Du es?" sagte mit leisem Vorwurfe Lellah, „wer hieß Dich mir folgen . . ." „O! Lellah, ahnst Du denn nicht, wie meine Seele nach Dir verlangt, und wie es mein Herz mit Kunnner erfüllt, wenn ich Deinen Grain^sehe." „Edler Gideon!" sagte das Mädchen und ihre- Augen senkten sich in sein Antlitz. „Du. kennst den Gram, der mein Herz erfüllt und bist dennoch mir gefolgt?" „Um Dich zu retten, geliebtes Mädchen! Ich ahnte es, als ich heute abend in Dein verstörtes Antlitz blickte — da. wußte ich, was Deine Seele bedrückt und Dich Deiner Jugend nicht froh werden läßt, und da gelobte ich mit heißem Schwure, Lellah, Dir nahe zu sein in jeder Gefahr!" „Ich bin nicht in Gefahr." „Doch, Lellah, Du bist es mehr als Du es ahnst . . . Du bist in Gefahr, Dein frommes Herz zu verlieren an einen Menschen,' der Dein nicht achtet, der .... Lellah, schaudere nicht, der sich abgewendet hat vom heiligen Glauben unserer Väter und' der einem verderblichen Abgrund entgegengeht.". Schaudernd verhüllte das Mädchen ihr Gesicht. „Komm Teure, ich bringe Dich heim zu Deinem Vater!" „Nicht elsi ich Assad wiedergefunden, der in Gefahr ist, und den ich retten muß." „Ihn kannst Du nimmer erreichen. .... Komm, ich will Dir sagen, was Dich für ewig von Assad trennt." (Fortsetzung folgt.) Sxrechsgal. Sehr geehrte Redaktion! V^^er die Berichtigung des" Herrn Amtsgerichtsrats Cohn in Nr. 45 liest, muß glauben, daß es mir nur darum zu tun gewesen ist, die jüdische Welt von der Stellungnahme desselben in der Wahlbewegung von Pleß-Rybnik zu unterrichten und ihm -für die Zukunft Verhaltungsmaßregeln zu geben. Wer jedoch meinen Artikel vom 9. September er. liest, wird finden, baß ich das öffentliche Hervortreten zweier jüdischer Notabeln im Bunde mit den Konservativen lediglich zum Ausgangspunkte einer Besprechung gemacht habe, in welcher ich feststellte, daß in dem erbitterten Wahlkampfe der Ausschlag bei den jüdischen Wahlmännern liegt und daß für diese nicht die geringste Veranlassung bestehe, jetzt schon das zweite Mandat der Zentrumspartei abzujagen und den Deutschkonservativen in die Hände zu spielen. Darum legte.ich ihnen ans-Herz/ den beiden Honoratioren die Gefolgschaft zu v ersagen. f DaS .Stimmenverhältnis Lei der Wahlhat meine Auffassung der * Sachlage vollkommen bestätigt. v Der Herr Einsender unterstreicht in seiner Berichtigung die Tatsache, daß er nicht für. die" konservative Kandidatur des Herrn Lukas 'eingetreten sei. Ich bin durch die knappe Fassung des Zeitungsberichtes, auf welchen ich meinen Artikel stützte, und der das Auftreten des Herrn Amtsgerichtsrat Cohn; als Redner in der betreffenden Wahlversammlung meldete, zu meiner Annahme veranlaßt worden. Die Vermutung, daß dieser Herr vorzeitig die Versammlung verlassen hat, lag so fern, daß ich auf sie nicht verfallen bin. Es ist jedoch unbestreitbar, daß der Herr Einsender als Mitglied und Redner im „Vaterländischen Wahlverein" für ein Zusammengehen mit den Konservativen öffentlich gewirkt und mit seinem einflußreichen Namen die konservative Kandidatur nach außenhin gedeckt hat. Da die Persönlichkeit des Kandidaten Lukas ganz indifferent ist und übrigens Herr Amtsgerichtsrat Cohn nur aus privaten Gründen, wie er andeutet, vor der Proklamation der Lukas'schen Kandidatur wegging, so unterscheidet sich meine Darstellung von dem wahren Sachverhaltenur durch eine geringfügige Ungenauigkeit, die kaum eine Richtigstellung verlohnt. Was die Bemerkungen des Herrn Einsenders zu dem von mir gewählten Ausdrucke „Honoratiorenpartei" betrifft) so ist es mir selbstverständlich ' nicht eingefallen, einem preußischen Amtsgerichtsrat in einer Kleinstadt die Eigenschaft als Honoratiore abzusprechen. Der Ausdruck „Honoratiorenpartei" ist jedoch ein offenbar satirischer, welcher den Zustand kritisieren will, daß in unseren ländlichen Wahlkreisen die Führung im öffentlichen Leben bei Personengruppen liegt, welche nicht an den politischen, sondern an den gesellschaftlichen Berührungspunkten ihrer Glieder Zusammenhängen.; Die „Honoratiorenpartei" ist immer und überall ein Unding. Meine Bemerkung endlich, daß unsere Notabeln sich häufig durch die sympathische Persönlichkeit der in Verwaltung und Gesellschaft fahrenden Männer bestechen und dadurch zu einer inkorrekten Haltung verleiten lassen, brauchte wirklich den Herrn Einsender nicht so zu erregen. Es liegt darin keineswegs ein besonderer Vorwurf, sondern es ist lediglich die Schilderung von Einflüssen, welchen wir alle mehr oder minder unterworfen sind. Wer in der Politik öffentlich auftritt, muß sich auch eine öffentliche .Kritik gefallen lassen. Mein Artikel hatte lediglich den Zweck, denjenigen Glaubensgenossen, die es nötig haben, nahezulegen, daß, solange der antisemitische Wortlaut des Tivoliprogramms noch gültig ist, wir Juden bei der deutschkonservativen Partei nichts zu suchen haben. Wenn es mir gelungen ist, nur ein wenig Klarheit hierüber zu verbreiten, so können mich die mancherlei Anfechtungen, die ich wegen meines Aufsatzes erfahren' habe, nicht verdrießen. Hochachtungsvoll Arnold Wiener. * Sehr geehrter Herr Redakteur! ^in der Einleitung zu dem Artikel „Das Schulkompromiß und die jüdische Volksschule" in Nummer 45 heißt es: „Darum wird es hoffentlich Unsere Leser interessieren zu erfahren, wie man in jüdischen Lehrerkreisen über das Schulkompromiß denkt, bezw. was die jüdischen Lehrer von jenem Anträge, sobald er in der vorliegenden oder einer ähnlichen Form Gesetz wird, für die jüdische Volksschule und ihre Lehrer erwarten." Ich bemerke hierzu, daß die jüdische Lehrerschaft in ihrer Gesamtheit zu dem Anträge noch keine Stellung genommen hat, sondern die Materie erst auf dem Lehrerverbandstage zu Kassel am 27. Dezember dieses Jahres beraten, wird. Jener Artikel enthielt also nicht das, was die jüdischen Lehrer von jenem Gesetz erwarten, sondern er gibt nur die Ansicht eines einzelnen Lehrers wieder. Magdeburg, 6. November 1904. Mit vorzüglicher Hochachtung der Vorsitzende des Lehrerverbandes f i. V.: M. Steinhardt-Magdeburg. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Vera.Nwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz tn Berlin.