Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 47 (18.11.1904)
- Date
- 1904-11-18
- Page
- Seite 562 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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MWMW^B^WWWWWDV^^MWW^ZWWW! 56S? .... """'... ' . WWWWM über das enge Gebiet seiner eigentlichen Domäne hinauszutreten. Seine Romane „Fürstengunst", „Ein deutscher Minister", „Der Spiegel der Gegenwart", „Die Starken" und „Silberne Hochzeit" fanden meist eine wohlwollende Beurteilung in der Presse und stets einen großen Leserkreis im Publikum. Da Kohn seinen Berns verlassen hatte, in der allgemeinen Schriftstellerwelt durch seinen besonderen Tätigkeitskreis und durch sein unbeugsam orthodoxes Judentum nicht so rechten Anschluß suchte oder fand, stand er, kinderlos und verwitwet, im Alter ziemlich vereinsamt da, aber unermüdlich war er bis in seine letzten Lebenstage schriftstellerisch und gemeinnützig tätig. Namentlich gewährte ihm seine vieljährige Wirksamkeit in der .jüdischen Gemeindevertretung, in der er einst der jüngste und nun der älteste war, große Genugtuung. In den schweren Tagen seines wirtschaftlichen Unglückes kränkte ihn gewiß der Verlust seines Vermögens nicht so tief, wie der Umstand, daß er von den sogenannten „besten Freunden" verlassen, eine Zeit Gefahr lief/ seines Mandats in dem Prager Jüdischen Rathause verlustig zu gehen. Mit Recht war er stolz darauf, nie, außer in einer schweren Krankheit, den Sitzungen der Repräsentanz nur für eine Sitzung fern geblieben zu sein. Bis in die letzten Tage rüstig und frisch, stürzte er am letzten Freitag morgen, als er die Synagoge besuchen wollte, in seinem Zimmer infolge eines Schwindelanfalls, brach eine Nippe und starb gestern an Lungenentzündung. Kohn war kinderlos, seine Frau ist ihm um sieben Jahre ins Grab vorangegangen. Ehre seinem Andenken! Bit Lmlerin des Vltens. Historische Novelle von Eduard Roth. Sechstes Kapitel. Le'i'lah. freudig bewegten Herzens war der alte Samuel heimgeeilt, um Rabbi Jochanan, der so regen Anteil an seinem Mißgeschick nahm und vor allem Assad die Freudenbotschaft zu überbringen, daß ihn die Königin gnädig empfangen und mehr als das, ihn: ihren mächtigen Schutz zugesagt hatte — o wie wird Assad triumphieren, hört er, was die huldvolle Königin gesagt, wie wird sein Auge leuchten in freudigem Stolze, wenn er erst vernimmt, daß sie, die allmächtige Herrscherin, sogar für die nächste Zukunft schon die Befreiung seiner Braut, der züchtigen Tochter Samuels, in sichere Aussicht gestellt habe, wie sagte sie doch — und mit glücklichem Lächeln auf den welken Zügen murmelte er halblaut die Worte der Königin in den Bart: „Eh' Ihr daheim die Lichter anzündet zum Chanukafeste, werdet ihr Eure Tochter Wiedersehen." Ja, ja, so wars, so sagte sie und so genau wußte sie, die mächtige Königin, daß nun bald Chanuka nahe — das dunkle Gerücht umßte also dennoch wahr sein, von dem es hieß/^daß Zenobia, die mächtige und siegreiche Beherrscherin des Orientes eine Jüdin sei — und daß sie, die Königin, es nicht offenkundig zur Schau trug, das hatte sicher einen tieferen Grund und hing wohl vor allem mit der Politik ihres Reiches zusammen. Mochte dein nun sein, wie ihm wolle, mochte die Königin eine ungläubige Heidin sein, heute war sie sicher vom Geiste Jehovas beseelt, und er, Samuel, dankte es dem Ewigen, der die sonst so strenge Zenobia heute so gnädig gestimmt hatte. Mit fliegendem Atem betrat der alte' Mann das Gemach, in dem nebst Lellah und einigen Jüngern des Rabbi sich auch Jochanan befand, die alle ungeduldig seiner Rückkehr geharrt. „Nun, Samuel," rief Jochanan freudigen Tones beim Anblick des glücklich Dahereilenden ihm entgegen. „Dein Antlitz gibt uns Kunde, eh' dies die atemlose Hast Deinem Munde zu tun gestattet." . „Dem Weisen bleibt nichts verborgen," lautete die im fröhlichsten Tone gegebene Antwort, „und es muß wohl wahr sein, daß Ihr, würdiger Rabbi, in den Herzen der Menschen zu lesen vermöget." „Heute mag dies nun dem Vater nicht schwer geworden sein," meinte lächelnd Lellah, „Euer Auge strahlt in: Glücke, ehrwürdiger Rabbi, und die Freude verjüngt Eure Wangen." „Nun ruhet aber ein wenig," mahnte Rabbi Jochanan, „Lerlah wird eine kleine Stärkung besorgen, die not tut nach der heftigen Erregung, in der Ihr Euch befandet, eh' Ihr zur Königin ginget und nach der freudigen, die Euer Herz jetzo erfüllt." „Dank, o Rabbi! Allein vergebt, wenn mein Auge Umschau nach dem Gefährten hält. Wo weilt Assad? Weshalb zögert er, die freudige Kunde zu vernehmen?" Und befremdet irrte sein Blick durch das Gemach, um sich dann mit forschenden: Ausdrucke auf das Angesicht Lellahs zu heften, die jetzt die Stube wieder betrat. „Der Jüngling ist nicht daheim," sagte sie, vor Samuel eine Schale köstlich duftender Früchte und einen Becher goldigen Weines hinstellend. „Ich sah ihn schon früh am Morgen das Haus verlassen." „Und ist seither nicht zurückgekehrt?" „Er war auch beim Mahle nicht zugegen," kam es gepreßt aus dem Munde Lellahs, „das ich allein hier eingenommen, da der Vater in seiner Arbeit nicht gestört werden durfte und Du bei der Königin weiltest. Doch siehe," und sie versuchte in einen scherzenden Ton einzugehen, „steh nur, wie diese frommen Jünglinge hier an Deinen Lippen hangen und gar zu gern erfahren würden, was Du gesehen und erlebt hast." „Davon will ich den Jünglingen, soserne sie es heischen, gerne berichten. Allein wüßt ich nur erst, was Assads Fernsein bedeutet! Und seit dem Morgen sagst Du, edle Jungfrau, hätt' er das Haus verlassen?" „Das, was Dir, o Samuel, absonderlich erscheint," entgegnen Lellah mit leichtem Beben in der Stimme, „daran haben wir uns seit Assads Ankunft schon gewöhnt." „Wie?" meinte Samuel erstaunt, und er war doch stets so aufgeräumt und heiter und schien sich so wohl zu fühlen hier im Hause und in Eurer Nähe, holde Jungfrau?" Und forschend ruhte sein Blick auf ihren Zügen. „Und lachte und scherzte mit Dir, Le'ilah, gleich einen: Bruder, der glücklich ist, eine Schwester wie Du sein zu nennen," warf hier der Rabbi ein. „Und noch beim Feste," sagte Samuel, „welch fröhlicher Uebermut lag da in all seinem Gebahren." „Ja," kam es rasch hervorgestoßen aus Leilahs Munde, „wie war er da so heiter und wie konnte er lachen und jubeln über jedes Scherzwort — allein nach dem Feste wars, vom Ausgang des Laubhüttensestes, ja" — und siedend heiß schoß ihr das Blut, zum Herzen, wenn sie jenes bitteren Augenblickes dachte, „seit jenem Abende ist Euer Gefährte ein anderer geworden. Er meidet mich und unser Haus, flieht die Gemeinschaft dieser Jünglinge, mit denen er anfangs gerne redete, irrt des Tags umher in den Straßen und wandelt des Nachts schlaflos umher in seinen: Gemache."