Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 47 (18.11.1904)
- Date
- 1904-11-18
- Page
- Seite 560 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3228581-3228629--61263-3275078- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Bei. der hierauf vorgenormnenen Wahl' des' Synodalausschuffes wurden die. Abgeordneten Dr.-Fri ed berg-Karlsruhe, . Dr. Rawicz-Offenburg, Z immern-Mannheim und H a ll e-Hockenheim; als Ersatzmänner die Abgeordneten M a rx-i Bruchsal, Epstein -Eichstetten- Carlebuch- Heidelberg unfi Rothschild-Konstanz gewählt. . ,;- r Nach den üblichen Danksagungen,! wobei Präsident Dr. Fr ie d b e r g dem Oberrat Anerkennung' uussprach, daß er sich auch diesmal - wieder als - Vertreter der G e s am t h e i t der' badischen Israeliten erwiesen habe und als eine Behörde,-die von einer höheren Warte ans die Förderung der Gesamtinteressen im Auge habe, schloß der landesherrliche Kommissär Geheimerat Becher er die Tagung mit folgender Ansprache: - Hochwürdige, hochgeehrte Herren! Nach dem sehr erfreulichen Verlauf Ihrer Beratungen erübrigt mir nur, Ihnen-allen für die Mühe und Arbeit, mit der Sie den an Sie gestellten Aufgaben in so kurzer Zeit gerecht geworden sind, den wärmsten Dank auszusprechen. Wir danken auch für die warmen Worte der Anerkennung, die Ihr Herr Präsident dem Oberrate gewidmet hat. Wenn auch nicht alle Positionen des Voranschlags Ihre Zustimmung gefunden haben, so sind wir doch besonders dankbar für die Aufrechterhaltung der Position für Aufbesserung gering besoldeter Religionslehrer. Können damit auch nicht alle Wünsche derselben befriedigt werden, so zweifle ich doch nicht daran, daß die Lehrer das Gebotene dankbar anerkennen werden. > - Möge die Einmütigkeit und Eintracht, die bisher zwischen Oberrat und Synode bestanden hat, auch für die Zukunft obwalten! Mit dem Wunsche, daß Sie nach dieser kurzen, aber inhaltreichen Tagung wohlbehalten in Ihre Heimat zurückkehren mögen, erkläre ich im Namen und Auftrag, des Großherzoglichen Oberrats die Synode für geschlossen. Konferenzrabbiner Dr. Appel sprach noch ein Schlußgebet, worauf mit einem vom Präsidenten ausgebrachten Hoch auf den Großherzog, in das die Versammlung herzlich einstimmte, die Tagung ihr offizielles Ende fand. Bei dem sich anschließenden Mahle, das freilich erst am späten Abend beginnen konnte, kam unter freundlicher Beteiligung auch der Damen von Oberräten und Synodalen die Gemütlichkeit zu ihrem Rechte. Manches gute Wort wurde noch gesprochen; insbesondere der Trinkspruch des Geheimen Hofrats Rosin auf den Vorsitzenden des Oberrats, Geheimerat Becher er, fand freudigen Anklang. Aus dem Toaste des- Verfassers dieses Berichts auf die Synode wögen als instruktiv für das Verhältnis des Oberrats zu dieser noch folgende Sätze hervorgehoben werden: Der Oberrat ist sich jederzeit bewußt, daß nicht er das feste Fundament unserer Landessynagoge ist, sondern daß es die Gemeinden-sind, und daß er mit all seiner vom Staate übertragenen Macht nichts vermag, wenn nicht die Gemeinden, deren legitime Vertretung die Synode ist, hinter ihm stehen. Auch in den drei Jahren, während welcher wir uns mit Ihnen nicht im Ständesaal zusammenfinden, fühlen wir uns aufs engste mit Ihnen verbunden, und -zwar dergestalt, daß Sie einen ganz bedeutenden Einfluß auf unsere Tätigkeit ausüben. Denn bei jeder wichtigeren Angelegenheit, die an uns herantritt, müssen wir uns fragen: Dürfen wir das ohne die Synode machen? Und selbst wenn wir diese Frage bejahen, sind wir vor die weitere gestellt: Was wird seinerzeit die Synode dazu sagen? Ich kann Versicherndaß wir diese Fragen nicht leicht nehmen und daß wir eher auf die volle Betätigung der dem Oberrat organisationsmäßig zustehenden Befugnisse verzichten, als daß wir der Synode vorgreifen möchten. Sie sehen also, meine Herren, daß Sie nicht bloß bei den Vorlagen, die wir Ihrer Zustimmung unterbreiten, sondern ununterbrochen eine sehr gewichtige Rolle in der Verwaltung unserer Landessynagoge spielen. Das ist auch durchaus der Wunsch des Oberrats, denn er betrachtet die Synode mit ihrer kontrollierenden und Rechenschaft fordernden,Wirksamkeit als die beste Gewähr für eine gesunde Entwicklung unserer Verhältnisse. - Möge sich die Synode dieser ihrer hohen Aufgabestets bewußt bleiben. Möge-sie Ms-den Mut zum -Tadel, finden, wo zu tadeln ist; möge sieabör auch den-Mut und'die Kraft zu energischer Mitarbeit bewähren,, wenn sie der Ueberzeugung ...ist, daß der Oberrat auf der Höhe seiner Aufgabe steht! Wir schließen unseren, Bericht mit dem Wunsche, daß Oberrat und Synode den großen und schwierigen Aufgaben, die die heutige Zeit-allen -denjenigen. stellt, die ^zur. Fürsorge für die religiösen. Bedürfnisse berufen find, sich gewachsen zeigen mögen. . Leminsriehrer pdrshsm Treu. Von I. Nußbaum, Viersen. 1 /Iutt tu^ er irr seiner Ehrengruft, womit ihm die würdige jüdische Gemeinde Esten auch nach seinem Tode ihre Verehrung bewies. Der strömende Regen hielt seine Freunde' nicht zurück, ihm noch einmal zu-folgen, diesmal bis zum Grabe. Aber ihre Liebe, ihre Dankbarkeit, ihr Hochachtung nahm er mit ins schönere Jenseits. Daß Lehrer ihn zu Grabe trugen, war ganz nach seinem Sinn. „Ein hohes Lied der Ideale, ein hohes Lied der Liebe zu den Kleinen, zu der jüdischen Schule" nannte Herr Rabbiner Dr. Samuel in seiner Grabrede das Leben des Verklärten. Das Wort Melanchthons aus Trotzendorf : „Wie Scipio zum Feldherrn, so ist Trotzendorf zum Schulmann geboren", war auch auf Treu anwendbar. Was ihn zum Lehrer stempelte, das waren seine Menschenliebe Und der Drang zur Menschenbeglückung. Die Ursache des Menschenelends lag seinen Augen offen; es war die Vernachlässigung der edlen Gottesgabe Vernunft, sowie der Reis, womit die Roheit und der finstere Fanatismus die Herzen der Menschen verdarben. Diesen Feinden des Menschengeschlechtes. galt darum sein Kampf. Freudig folgte er der Fahne, die Pestalozzi liebestark in stürmischen Zeiten entrollte, und mit Diesterweg gehörte er zu den deutschen Bannerträgern Pestalozziffcher Ideale. Nicht kümmerten ihn die Schmähungen der Finsterlinge, nicht hinderten ihn die Unkenrufe der Rückwärtser. Siegesgewiß ging er seine Bahn, und er erlebte die Freude, daß unter den erwärmenden Strahlen des göttlichen Sonnenlichtes seine ausgestreuten Samenkörner aufgingen und fröhlich gediehen. Als Jugendbildner begann er seine Laufbahn. In der Stadt rastlosen Fleißes, wo hartes Metall zu kunstvollen Gebilden umgewandelt wird, in Essen, bildete er die Weichen Kinderherzen. Dann führte ihn sein Weg ins Land der roten Erde. Dabei versäumte er nicht, sich selbst am Born des Wissens zu stärken und für seinen Beruf zu vervollkommnen. Die Marks-Heinsdorffische Stiftung, das jüdische Seminar zu Münster, erkannte in ihm den geeigneten Mann als Bildner der Jugendbildner, als Erzieher der Erzieher. 40 Jahre wirkte er segensreich in Münster. Ein Anhänger Diesterwegs, mit dem er in Verbindung stand, und für dessen „Rheinische Blätter" er ein eifriger Mitarbeiter war, wußte er seine Schüler zu fesseln und'anzuregen. Diesterwegs Grundsatz: „Die Bestimmung des Menschen ist die Selbsttätigkeit im Dienste des Wahren, Guten und Schönen" war auch sein Leitstern. Es war ihm nicht darum zu tun, die Köpfe seiner Schüler mit totem Wissen anzufüllen. Das Unterrichten soll nur ein Erregen fein, der Lehrer sei ein „Wecker der Volkskraft". Begeisterung für ihren heiligen Berus zu erwecken, sie, seine Schüler, zu Trägern seiner Ideale zu erziehen, darauf kam es ihm an, und — er hat es auch erreicht. Mit feinen Schülern, denen er Freund und