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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-11-18 · Heft 47 (18.11.1904) · p. Seite 558

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 47 (18.11.1904)
Date
1904-11-18
Page
Seite 558 (sequence 6)
Language
German
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Großherzoglich badischen Oberrat der Israeliten war Stadt- und Konferenzrabbiner Dr. Steckelmacher-Mannheim erschienen. In seiner von warmen Gefühlen getragenen Rede zeichnete er die Stellung des Seminars, die sowohl gegen die Frivolität des Unglaubens als auch gegen den Fanatismus des Aberglaubens Front mache. Den Empfindungen des Breslauer Rabbinats gab sein Senior Rabbiner Dr. Rosenthal beredten Ausdruck. Gerade - die Breslauer Gemeinde, die einst, so von Parteiungen zerklüftet war, verdanke ihre einheitliche, friedliche Gestaltung und Entwicklung dem Seminar, das einen Ausgleich zwischen Erhaltung des Judentums und den Bedürfnissen der Zeit gefunden habe. Professor M. Phllippson-Berlin wies als Delegierter des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes und der Gesellschaft für Förderung der Wissenschaft des Judentums darauf hin, daß der Gemeindebund ein besonderes Interesse am Seminar habe, weil er von der Wichtigkeit des Rabbinats für die Gemeinden durchdrungen sei, die Gesellschaft für Förderung der Wissenschaft des Judentums sei mit dieser Pflegestätte jüdischen Wissens durch natürliche Bande verknüpft. Für die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin überbrachte Dozent Dr. Elbogen die Grüße und Glückwünsche des Dozentenkollegiums und Kuratoriums. Der durch Gründung der Berliner Hochschule zum Ausdruck gebrachte Gegensatz gegen die Breslauer Anstalt sei längst entschwunden und wiederholt hätte die Hochschule aus der Breslauer Schule hervorgegangene Dozenten auf ihre Lehrstühle berufen. Das Jewish theol. Seminary in Newyork hatte Dr. Drachmann entsandt, der das amerikanische Seminar in deutschem Sinne als Tochteranstalt des Breslauer bezeichnete, wie die Kultur Amerikas ein Produkt der geistigen Strömungen Europas sei. Im Namen des Prosessorenkollegiums überbrachte er eine künstlerisch ausgestattete Adresse und verlas sie in der Ursprache. Ein unvergeßlicher Anblick war es, als nunmehr die drei ältesten, vor 50 Jahren bei der Gründung des Seminars eingetretenen Schüler: Oberrabbiner Dr. Gudemann-Wien, Dr. Goldschmidt-Kolberg und Lehrer einer. Bach-Myslowitz, die Tribüne bestiegen und in ihrem Namen der greise Oberrabbiner von Wien der Anstalt ein weiteres glückliches Gedeihen wünschte. Die Alliance israelite universelle ließ ihre Glückwünsche durch Rabbiner Dr. Frank-Köln aussprechen, der zugleich im Namen der alten Kolonie Agrippinensis, der allerersten jüdischen Gemeinde Deutschlands, der Anstalt ein frohgemutes vival, crescat, floreat zurief. Für die Gemeinde Posen gratulierte Rabbiner Dr. Bloch, für Stettin Rabbiner Dr. Vogelstein, für Lemberg Rabbiner Dr. Caro, für Dresden Rabbiner Dr. Winter, der als Abgesandter der Stadt kam, in der Frankel vor seiner Berufung nach Breslau als Oberrabbiner gewirkt und der er seine Liebe bis zum Tode bewahrt habe: Die Krankenverpflegungs- und Beerdigungsanstalt zu Breslau, die mit den Fränkelschen Stiftungen durch das alte jüdische Hospital (Fränk. Stiftung) eng verknüpft ist, ließ durch Herrn Eduard Sachs warme Begrüßungsworte übermitteln. In doppeltem Aufträge, nämlich der jüdischen Lehrerschaft Schlesiens und Posens und des Hilfs Vereins deutscher Juden sprach Professor Badt-Breslau, und für die gegenwärtige Hörerschaft Dr. Wilde-Breslau. Die meisten Redner waren, Schüler des Seminars und wußten ihren Worten eine besondere persönliche Note hinzuzufügen. Mit dem Vortrage des 150. Psalms schloß die Feier. Nachmittags um 5 Uhr vereinigten sich die Festteilnehmer zu einen: glänzenden Festmahl. Stadtrat Mark eröffnete die Reihe der Trinksprüche durch einen kernigen Kaisertoast, im Anschluß daran sang die Versammlung die Nationalhymne. Die Gäste wurden in liebenswürdiger Weise von Kurator Dr. Freund begrüßt. Manch treffliches, begeistertes Wort, manch launige, humorvolle Rede erklang im Laufe des Abends, und die frohe Stimmung bewies, daß in aller Herzen wahre Festesfreude eingezogen war, Der Chronist darf nach der Fülle der bereits verzeichneten Reden sich auf Wiedergabe der Namen der Toastenden beschränken: Professor Dr. Kisch- Prag, Dozent Dr. Braun, Oberrabbiner Dr. Güdemann-Wien, Kurator Stadtrat Milch-Breslau, Kirchenrat Dr. Kroner- Stuttgart, Rabbiner Dr. Guttmann-Breslau, Religionslehrer Dr. Klueger-Breslau, Professor Dr. Bacher-Budapest, Dr. Behrens-Breslau, Dr. Frank-Köln, Dr. Münz-Gleiwitz, Dr. Zuckermandel-Breslau und Seminarrabbiner Dr. Lewy. Montag vormittag veranstalteten die beiden Seminaristen- Verbindungen, die „Litteraria" und die „Amicitia" einen Frühschoppen für die anwesenden Alten Herren. Am Abend vereinigten sich die Festteilnehmer noch einmal zu einem glänzend verlaufenen Kommers, zu dem die jetzige Hörerschaft eingeladen hatte. Unter dem Präsidium des Herrn Dr. Koch erweckte der Kommers eine solch fröhliche und angeregte Stimmung, daß selbst die ältesten Semester nnt ihren Damen bis zu vorgerückter . Morgenstunde ausharrten. Außer den bereits bei den vorhergehenden Festlichkeiten genannten Rednern sprachen der Reihenfolge nach Dr. Ludwig Levy-Breslau, Dr. Kober-Breslau, Dr. Eschelbacher-Berlin, Professor Dr. Biach-Brüx, der Vertreter der „Thuringia" (K. C.) stud. jur. Oskar Guttmann, Vertreter des V. I. St. cand. jur. Mannaberg, Dr. Posnanski-Pilsen, Professor Simonsen-Kopenhagen, Dr. med. Rosenthal-Breslau im Aufträge der Bne Brith-Loge. Damit schloß die Jubelfeier des jüdisch - theologischen Seminars, die wohl bei allen, die Zeugen des Festes waren, einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Die oiertk Tagung der Ladilchen Lsndkslynade. Von Geh. Negierungsrat Dr. Mayer in Karlsruhe. II. er Inhalt der von der Synode gutgeheißenen Bezirksverfassung ist im wesentlichen folgender: Die Religionsgemeinden, für die ein Bezirksrabbiner bestellt ist, bilden zusammen einen mit den Rechten einer öffentlichen Korporation ausgestatteten Bezirksverband, der die Bezeichnung Synagogenbezirk führt und seinen Sitz am Dienstsitze des Vezirksrabbiners hat. Aufgabe des Synagogenbezirks ist die Pflege der gemeinsamen Interessen der Verbandsgemeinden und die Aufbringung der erforderlichen Mittel (nach Maßgabe der im Jahre 1895 erlassenen Besteuerungsordnung). Die Verwaltungsbehörde des Shnagogenbezirks ist die Bezirks sh nagoge; sie besteht ans dem Bezirksrabbiner als Vorsitzenden und einem oder mehreren Bezirksältesten. Die. Bezirksältesten und die erforderlichen Stellvertreter werden nach Erhebung der Vorschläge der Synagogenratskollegien des Bezirks von dem Oberrat jeweils für eine fünfjährige Amtsdauer (statt wie seither auf Lebenszeit) ernannt. Der Dienst als Bezirksältester ist ein Ehrenamt; bei auswärtigen Dienstgeschäften werden die notwendigen Auslagen aus der Kasse des Bezirksverbandes erstattet. Zu den Beschlüssen' der Bezirkssynagoge, die gewöhnlich mittels Umlaufschreibens, in besonders wichtigen

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