Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 47 (18.11.1904)
- Date
- 1904-11-18
- Page
- Seite 557 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Konservativen der Entwicklung unserer Gemeinde direkt schädlich wäre, weitere Siege des Zentralvereins bei der diesmüligen Repräsentantenwahl zu verhüten suchen. Verhängnisvolle Ueberraschungendürsten sonst den Wählern, die zu sehr aus das Uebergewicht des fortschrittlichen Gedankens, der trotz alledem ja unsere Zeit beherrscht, vertrauen, nicht erspart bleiben. Und darum fordern wir zum Schlüsse-nochmals alle liberalen Männer auf: Schreitet zur Wähl und wählet die folgenden Männer, die 'freudig bereit sind, für Judentum im Bunde mit dem Fortschritt und der Kultur entschieden einzutreten: Rentier Moritz Manheimer Stadtverordneter Louis Sachs - Professor Dr. Blaschke Kommerzienrat und Stadtverordneter Julius Martin Friedländer Professor Dr. Ludwig Geiger- Kaufmann Ad. Mayer Syndikus Dr. Georg Minden Stadrat Dr. Max Weigert Kaufmann BenaI Levh Kaufmann Willibald Löwenthal Justizrat Dr., Hermann Veit Simon Augenarzt Dr: Wilhelm Feilchenfeld Professor Dr. S. Kalischer Kaufmann Emil Pincus Fabrikbesitzer Moritz Rosenow Kaufmann Louis Eduard Sachs Kursmakler Paul Schlochauer. Die Slljshrisr Iubelkeier drs jüdilchthrolosilchen Seminars in Lrrslau. erhebender und würdiger Weise wurde in den Tagen J vom 29. bis 31. v. M. in Breslau das 50 jährige Jubiläum der ältesten Pflanzstätte jüdischer Theologie und jüdischer Wissenschaft in Deutschland gefeiert. Alle Kreise des deutschen Judentums nahmen aufrichtigen und herzlichen Anteil an der berechtigten Freude des Seminars und berufene Vertreter des Auslandes bewiesen durch ihr Erscheinen und durch ihre begeisterten Ansprachen, welche Wertschätzung und welches Ansehen sich die Breslauer Hochschule weithin durch die Lande zu erwerben und zu bewahren gewußt hat. So wuchs die Feier weit hinaus über den schlichten Rahmen, in dem sie ursprünglich geplant war, zu einer Huldigung, die das gesamte Judentum seinem ältesten wissenschaftlichen Mittelpunkt darbrachte. Die Festlichkeiten wurden eingeleitet durch einen Gottesdienst, der in feierlicher Weise in der mit frischem Grün geschmückten Seminarsynagoge abgehalten wurde. Die ältesten anwesenden Schüler, ergraute Rabbiner und Gelehrte, wurden zur Thora gerufen, die Totengebete für die verewigten Kuratoren, für die dahingeschiedenen Dozenten Frankel, Grätz, Bernays, Lazarus, Rosin, Zuckermann, Manuel Joel, David Joel wurden in ergreifender Weise verrichtet. Die Festpredigt hielt der Dozent für Homiletik Dr. S. HöroWitz im Anschluß an den Text: „Ich will groß machen deinen Namen und du sollst ein Segen sein." In geistvoller und scharfsinniger Weise wußte der Redner an der Hand dieses Satzes die Prinzipien darzulegen, nach denen die Heranbildung der Rabbiner in dem verflossenen halben Jahrhundert in der Anstalt gehandhabt worden ist. Für den Abend desselben Tages hatte das Stiftungskuratorium die Festteilnehmer zu einem gemütlichen Beisammensein in den Räumen der Lessingloge eingeladen. Stadtrat <Milch begrüßte die Gäste im Namen des Kuratoriums und betonte, daß der Zweck der Zusammenkunft d e r sei, die Herren einander persönlich näher zu bringen^ Bald entwickelte sich ein fröhliches Treiben, manch Freundeswort, manch Freundesgruß wurde gewechselt zwischen jung und alt, und es währte nicht lange, da hatten die jüngeren und jüngsten Semester die Herren zu einer solennen Tafelrunde vereinigt, die Lieder klangen und aus dem Schatz der Erinnerung schöpftendie älteren und ältesten Semester manch köstlichen Scherz.. In der Frühe des Sonntags wallte die Mehrzahl der Herren hinaus auf den alten Friedhof und aus bewegten Herzen erklangen die Totengebete, an den in herbstlichem Nebel still daliegenden Gräbern der dahingeschiedenen Meister. Um 11 Uhr versammelten sich alle geladenen Gäste im großen Saale der Lessingloge. Die gesamten Räumlichkeiten des Logenbaues hatte der Magistrat der Stadt Breslau aus eigener Initiative herrlich ausschmücken lassen. Ein Chor eröffnete durch Vortrag von Psalm 19 in der Komposition von Beethoven die eigentliche Jubiläumsfeier. Alsdann hielt Stadlrat Milch im Namen der Verwaltungsbehörde eine Ansprache, in der er eine Uebersicht gab über die segensreiche Wirksamkeit der Fränkellschen Stiftungen in den ersten fünfzig Jahren ihres Bestehens; insbesondere schilderte er das Werden und Wachsen des Seminars, betonte, wie neben dem Geiste der Frömmigkeit und der Charakterfestigkeit die Liebe zu Kaiser und. Reich in die Herzen der Hörer gepflanzt werde, und schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Kaiser. Darauf ergriff das Wort Herr Seminarrabbiner Dr. Lewy und skizzierte in einem einstündigen Vortrage „Die Entwicklung des talmudischen Lehrhauses" von den ältesten Zeiten bis an die Schwelle der Gegenwart. Nunmehr überbrachten die Deputationen und Delegierten die Glückwünsche der Gesellschaften, Gemeinden, Vereine und theologischen Lehranstalten. Der Magistrat der Stadt Breslau hatte sich durch drei Mitglieder vertreten lassen, durch Bürgermeister Muehl, Geheimer Regierungrat Stadtschulrat Pfundtner und Stadtrat Müller; in ihrem Namen sprach Bürgermeister Muehl, hob. hervor, daß die Stadt ein begründetes Interesse daran habe, wenn alle wissenschaftlichen Anstalten in ihrer Mitte blühen und gedeihen. Dieses Haus trage den Namen Lessings an seiner Stirn; vom Geiste dieses Denkers durchdrungen entbiete die Stadt der Jubilarin ihre Glückwünsche. Ihm dankte Stadtrat Milch und hob hervor, daß der Magistrat aus eigenem Antrieb habe sich vertreten lassen und dadurch nicht nur die Anstalt, sondern auch sich selber ehre. Für den Vorstand der Synagogengemeinde Breslau sprach Stadtrat Pringsheim dem Seminar die Anerkennung und den Dank aus. Begeisterte Worte und herzliche Wünsche waren es, die Rabbiner Dr. Guttmann-Breslau im Namen des deutschen Rabbinerverbandes an das Lehrerkollegium richtete Einmütig huldigten heute alle Mitglieder, selbst die abweichender religiöser Richtung, dem Seminar, weil seine Gründung eine Tat gewesen in der Geschichte der Judenheit, weil seine Entwicklung dazu beigetragen habe, Lehre und Leben, Glauben und Wissen zu versöhnen. Er selbst bezeichnte sich mit freudigem Stolz als ein Schüler dieser Anstalt. Im ausdrücklichen Aufträge der Königlich württ e m b er gisch e n Israelitischen Oberkirchenbehörde beglückwünschte nunmehr Kirchenrat Dr. Kroner-Stuttgart die Anstalt und gedachte dabei, daß in der Gründung, des Seminars langjährige Begebungen der württembergischen Juden endgültige Verwirklichunggesunden, daß kein kleiner Teil der württembergischen Rabbiner Schüler des Seminars seien und daß die gegenwärtige Feier einzig dastehe in der Geschichte der Judenheit. Für den