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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-11-11 · Heft 46 (11.11.1904) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 46 (11.11.1904)
Date
1904-11-11
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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gewicht zu bringen, sein felsenfestes Gottvertrauen zu erschüttern. Die Liebe zu seinem Schöpfer betätigte er in der Liebe zu seinen Mitmenschen. Das am Sonntag erfolgte Leichenbegängnis gestaltete sich 511 einer Kundgabe aufrichtiger Teilnahme seitens der hiesigen Einwohnerschaft, die ohne Unterschied der Konfession dein allseitig beliebten und hochgeachteten Verblichenen das letzte Geleit gab. Die Grabrede hielt sein aus Pankow bei Berlin herbeigeeilter Schwiegersohn, Schriftsteller Albert Katz, dem der Hingeschiedene noch kurz vor seinem Tode diesen seinen letzten Wunsch schriftlich mitteilte. Das Andenken des wackeren Mannes wird in unserer Gemeinde als ein gesegnetes fvrtleben! 8. Jnowrazlaw, 0. November. Die von der Stadtverordnetenversammlung beschlossene Aenderung des Namens der Stadt in Hohensalza hat unter den polnischen Hitzköpfen begreiflicherweise eine gewaltige Erregung hervorgerusen. Sie wendet sich natürlich zuerst gegen die Juden. Das war auch der Zweck der Protestversammlung, welche die Holen am 16. Oktober gegen die beschlossene Namensänderung einberufen hatten und die der „Urpole" Bankdirektor Großmann leitete, der auch'Vorsitzender des polnischen Kreiswahlkomitees ist. Das Ergebnis des Abends war natürlich wie üblich, eine Resolution, in welcher gegen eine Namensänderung feierlichst Protest erhoben und das gesamte Judentum in Acht und Bann getan wird, „in der Erwägung, daß außer einem einzigen Stadtverordneten jüdischen Bekenntnisses alle Juden in der Stadtverordnetenversammlung nicht nur für die Umtaufe Inowrazlaws gestimmt, sondern einer von ihnen sogar verletzend und geradezu verhöhnend gegen die polnische Nation aufgetreten ist." Ueberhanpt kamen die Juden in der Versammlung schlecht weg. Vergessen war, daß die Vater ihre durch Reisen und glänzende Festlichkeiten heruntergewirtschafteten Güter einst nur mit deutschem und jüdischem Gelde vor dem Zusammenbruch gerettet haben und daß einst der Jude bei den polnischen Schlachzizen eine Hauptrolle gespielt hat. Einer der Redner, Dr. von Brodnicki, forderte sogar offen . den Boykott gegen die Juden. Er führte u. a. aus: So haben wir es denn erlebt, daß der uralte Name unserer Stadt, welche einst die Deutschen und Juden gastfreundlich ausgenommen, ihnen das magdeburgische Stadtrecht verschafft und sie beschützt hat, der Stadt, unter deren Mauern wir manchen Streit mit den Kreuzrittern ausgefochten haben,' in'Hohensalza umgewandelt worden ist. Wem verdanken wir diesen brutalen, Vandalismus? Den Juden, den heimatlosen Herumzüglern, welche von allen Nationen verfolgt und bedrückt, in Polen einen glücklichen Haltepunkt und eine Zufluchtsstätte gesunden haben. Wir gaben ihnen die Möglichkeit eine glückliche Existenz zu begründen,- bei uns wurden sie eine finanzielle Macht, und dafür vertragen sie sich heut, angemästet von unserem Blute und unserer Arbeit, mit unseren Feinden, welche sie verachten nnd sie auch verfolgen, die aber stärker und mächtiger find als wir und uns Hieb auf Hieb versetzen. Es ist sicher, daß es für manchen von uns und insbesondere für uns Landwirte schwer, vielleicht sogar unmöglich sein wird, sogleich alle Handelsbeziehungen mit den Juden zu lösen, aber ich erkläre Ihnen im Namen der Grundbesitzer des hiesigen Kreises, daß wir daran denken und arbeiten und daß wir,' so Gott will, den Getreide- und Viehhandel den jüdischen Händlern entreißen werden, sei es durch Begründung von Handelshäusern nach dem Muster des Mogilnoer „Rolnik" oder auf irgend eine andere Weise. Gegenwärtig haben wir uns gegenseitig versprochen, soweit wie möglich' nur von Landsleuten zu kaufen und an diese zu verkaufen." — Frankfurt a. M, 26. November. Hier hat sich ein Komitee zur Erhaltung und Wiederherstellung der Grabmäler auf dem alten israelitischen Friedhof am Börneplatz gebildet, und hat folgenden Aufruf, erlassen: Die Unterzeichneten erlauben sich, Ihnen bei dem großen Interesse, das Sie unserer alten Vaterstadt bewahren, nachstehendes mitzuteilen. Der alte, seit dem 13. Jahrhundert benutzte und im Jahre 1828 geschlossene Friedhof der israelitischen Gemeinde (am Börneplatz) mit seinen nahezu 6000 zum Teil gut erhaltenen Grabsteinen, gehört zu den historisch und künstlerisch wichtigsten Denkmälern unserer Vaterstadt und zu den bedeutsamsten der jüdischen Gemeinden der Welt. Der mitnnterzeichnete Herr Rabbiner Dr. Horovitz, unser Ehrenvorsitzender, ließ vor 20 Jahren die Grabsteine mit einer Numerierung versehen und durch berufene Männer Abschriften der in hebräischer Sprache abgefaßten Inschriften anfertigen. Diese Abschriften sind in dem von Herrn Rabbiner Dr. Horovitz herausgegebenen Buche „Inschriften des alten Friedhofes" veröffentlicht und bilden anerkanntermaßen wertvolle Dokumente unserer Frankfurter Geschichte. Nachdem durch die von Seiten der. Stadt definitiv hergestellten Straßenanlagen' das Fortbestehen des alten Friedhofes gesichert ist, hat der Vorstand der israelitischen Gemeinde die den Friedhof umgebende Mauer, sowie die Wege ausbessern und den zu dichten, den Zutritt an manchen Stellen erschwerenden Pflänzenwuchs -teilweise lichten zu lassen. Die Unterzeichneten sind zusammengetreten, um diese Stätte mir ihren zahlreichen und bedeutsamen Erinnerungen für die Zukunft zu erhalten. Schon sind von Nachkommen der auf dem Friedhof Ruhenden Grabsteine renoviert worden, so daß der altehrwürdige Friedhof unserer Gemeinde bereits den .zahlreichen Besuchern von der Pietät des lebenden Geschlechts Zeugnis ablegt. Um indessen dieses Werk sortzusühren, sind weitere Maßnahmen erforderlich, deren Ausführung die Unterzeichneten erstreben. Es ist in Aussicht genommen: 1. Denjenigen, welche die Grabstätten ihrer Ahnen erneuern lassen wollen, bei der Ausführung behilflich zu sein. Das Komitee, in dessen Mitte sich Sachverständige befinden, wird bestrebt sein, jeden einzelnen Fall nach jeder Richtung hin im Sinne der Anforderungen der Denkmalspflege zu prüfen. 2. Grabsteine bedeutender Männer, deren Nachkommen nicht mehr festzustellen sind, sowie Grabsteine, welche einen kultur- und kunsthistorischen Wert besitzen, zu renovieren und vor weiterem Verfall zu bewahren. 3. Auf Wunsch Abschriften in hebräischer Sprache und in deutscher Uebersetzung ansertigen zu lassen. 4. Inschriften von Grabsteinen, die noch nicht veröffentlicht sind, abschreiben und sämtliche Steine mit neuen Nummern versehen zu lassen. Zur Ausführung unseres Vorhabens bedarf es größerer Geldmittel, zu deren Beschaffung wir nicht allein alle Diejenigen aufrufen, deren Ahnen aus dem Friedhofe ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, sondern wir wenden uns auch an alle Kreise, welche der Erhaltung unserer vaterstädtischen Kunst und Kulturdenkmäler Interesse entgegenbringen. Wir hoffen zuversichtlich, daß Sie unser Unternehmen mit Freude begrüßen und durch einen einmaligen größeren Beitrag unterstützen werden. Hochachtungsvoll Das Komitee zur Erhaltung und Wiederherstellung der Grabdenkmäler aus dem alten israelitischen Friedhof am Börneplatz: Rabbiner Dr. Horovitz, Ehrenvorsitzender, Raphael M. Kirchheim, Vorsitzender, Kommerzienrat I. Lu Beer, Martin Deutz, Louis Feist. I. Eduard Goldschmid, Manfred S. Goldschmidt, Kassierer, Architekt Dr. Jul. Hülsen, Direktor Hermann Maier, Moritz N. Oppenheim, Wilhelm S. Posen, Schriftführer, Ferdinand E. Schwarzschild, Siegmund Schwarzschild, Jacob H. Weiller. Gesterretch-Angarn. □ Wien, 7. November. Nach der letzten österreichischen Vo lkszählung wurden im ganzen 1 293 951 jüdische Seelen gezählt, und zwar in : Galizien 881 183, Niederösterreich 157 278, Bukowina 96 150, Böhmen 92 745, Mähren 44 255, Schlesien 11988, Küstenland 4774, Steiermark 2283, Oberösterreich 1280, Tirol und Vorarlberg 1125, Dalmatien 334, Kärnten 212, Salzburg 199, Krain 145. — In Loschitz ist am 20. vorigen Monats der Vorsteher der dortigen Gemeinde, Karl Ehrlich, ein vortrefflicher Mann, der durch sein Wirken - vorbildlich geworden ist, ein glaubenstreuer Jude, ein opferfreudiger Mensch von seltener Herzensgüte, nach langem Leiden gestorben. Ehre seinem Andenken! — Am 19. v. M. ist hier der galizische Reichsratsabgeordnete Jakob Pieper- Poratinski nach längerer Krankheit im 59. Lebensjahre gestorben. Der Verblichene war Apotheker und Präsident der Handelskammer in Lemberg, welche ihn auch in das Abgeordnetenhaus entsandte. Im Reichsrat war Pieper Mitglied des Sanitätsausschusses. Er war auch galizischer Landtagsabgeordneter, Präsident des ostgalizischen Apothekergremiums und Ritter des Franz-Josefs-Ordens. — Beim letzten Armee-Avancement wurden, wieder zahlreiche Juden befördert, darunter Major 'Georg Winternitz zum Oberstleutnant des Infanterieregiments Nr. 40, der Oberstleutnant-Auditor Leopold Fei gl zum Oberst-Auditor, der Oberstabsarzt I. Klasse Dr. Julius Kepes zum Generalstabsarzt. — Herr Rabbiner Dr. Brettholz, in I Triest ist am 39. v. M. von dem neuen Statthalter Prinzen von

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