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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-11-11 · Heft 46 (11.11.1904) · p. Seite 552

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 46 (11.11.1904)
Date
1904-11-11
Page
Seite 552 (sequence 12)
Language
German
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ich, Zenobia, bin Königin des Orients und/Kaiserin von Rom!" - . ~ Die Königin hatte geendet. -Einen Augenblick lang herrschte lautlose. Stille: im Saale, dann aber brach ein begeisterter Jubelruf aus: . -Heil'unserer Königin, lang lebe Zenobia, die Königin des Ostens!" ' ' . Sinnend ruhte der Blick Zenobias auf der Versammlung, .imd in ihren dunklen' Augen leuchtete stolze Siegesfreude. Dann aber umwölkte sich ihre marmorweiße Stirn, und mit döm Ton größter Erregung begann sie wieder: ' „Weshalb aber Zenobia all dies, das Euch allen ja genugsam bekannt ist, wieder erweckt — ich lese die Frage in Euren Zügen. Und nun gar Du, edler und weiser Longinus, der Du denkst: Sind das die Früchte der Lehren, die Zenobia aus den Schriften der Philosophen geschöpft, daß sie zur Schwätzerin geworden, und in eitler Selbstbespiegelung zur Verkünderin ihres eigenen Ruhmes wird? Allein nicht, um mein Verdienst in Euren Augen zu erhöhen — denn was ich errang, ich tats um der Größe des Landes willen — nein, nur um Euren Eifer anzuregen, entrollte ich vor Eurem Geist das Bild unserer schmählichen Vergangenheit, unserer ruhmreichen Gegenwart! ‘ Eine glückliche Friedenszeit war Palmyra beschieden, wir haben uns des gefreut und unsere Vorratskammern sind für lange Jahre gefüllt; allein es scheint, als. sollte der Frieden ein nahes Ende nehmen. Von Rom her kommt dunkle Kunde, daß Aurelian, der Hirtensohn aus Dazien, die Ruhe, die er sich in mörderischem Kampfe mit den Goten geschaffen, dazu benutze, um seine Streitkrüfte zu sammeln und unser Land mit Krieg zu überziehen!• Deshalb mußte ich heute weit zurückgreifen in der Geschichte unseres Landes und was ich vor Eurem Geiste wieder aufleben hieß, das, so denke ich, genügt, um Euch, meine tapferen Feldherren, zu heißen Schlachten anzuspornen, in Euch, edle Kaufherrn und Stützen meines Thrones, den Wunsch rege werden zu lassen, mit Euren reichen Mitteln unfern Sieg zu sichern, und daß Ihr, fromme Priester, des Opfers nicht spart, auf daß uns die Götter gnädig sein mögen und unfern Fahnen den Sieg verleihen!" „Heil Dir, Zenobia!" rief glückstrahlend Zäbdas aus, der Oberbefehlshaber des Heeres. „Du führst uns neuen Siegen entgegen!" ' „Heil und Segen unserer Königin!" klang es jetzt aus aller Munde. Mit siegesfrohem Lächeln vernahm die Königin den begeisterten Jubelruf der Versammelten, dann aber wandte sie ihr von rosiger Glut leuchtendes Antlitz Mäonius zu, der hinter ihrem Thronseffel stand und ihr jetzt leise ein paar Worte zuflüsterte. „Edler Aurelius!" sagte sie, indem sie mit gewinnendem Lächeln dem vornehmen Handelsherrn näher zu treten winkte; „Mäonius bittet mich. Dir in einer Angelegenheit Deiner Glaubensgenossen mein Ohr zu leihen. Rede!" „Von ferne an den Usern der Euphrat, erhabene Königin, von wo sich Dein Reich erstreckt bis an die Küste des Meeres, kam dieser Greis hierher, um an den Stufen Deines Thrones Recht zu erflehen'gegen erlittene Schmach." „Worüber führst Du Klage, würdiger Greis?" wandte sich jetzt die Königin an den alten Samuel, der sich bisher bescheiden im Hintergründe gehalten hatte. ' ... „Mächtige Kaiserin, erhabene Herrscherin Palmyras," begann er und seine welken Hände zitterten vor Erregung. „Daheim, im fernen Thayaskus, da lebt nur ein frommes. züchtiges.^ Weib; ihre Tage vergehen in Wohltun, wie die t meinen im Studium der heiligen Schrift — das Glück und; die Wonne unser Alters war unsere Tochter. Wir. hätten sie auch einem frommen Jünglinge zugedacht, der sie als Gattin heimführen sollte und unsere Jugend kehrte wieder, als wir das. Glück unserer Kinder sahen — da brach plötzlich über unser Haupt das Unglück herein. Ein Perser, ein Anhänger jenes Volkes, das selbst Deiner Größe, erhabene Kaiserin, nicht geziemend huldigt, ein scheinheiliger, lasterhafter Perser, entbrannte in Liebe zu meinem züchtigen Kinde und . . .". Heiße Tränen umflorten seine Rede und minutenlang verharrte er in atembeklemmendem - Schweigen. „.; . entführte es aus dem Hause seines Vaters in sein unheiliges Haus, zerstörte grausam den Bund zweier Herzen und bedeckte mit Schmach mein greises Haupt. — Darum flehe ich zu Gott, auf daß er mir Deine Gnade verleihe, daß Du die Schmach von meinem Hause nimmst und dem frechen Perser mein Kind wieder entreißest." „Und Du glaubst," unterbrach ihn die Königin, „daß, weil Gott schon so viele Wunder für Euer Volk getan hat, er auch dieses tun und Dir die verlorene Tochter wieder heimbringen werde?" „Dein Wille, erhabene Königin, ist es allein," nahm bebend Samuel wieder das Wort, „der mir mein Kind und unserer Gemeinde die Ruhe wiedergeben kann, die der freche Perser uns entzieht. Hier, in dem gesegneten Palmyra, unter Deiner weisen und gerechten Herrschaft, o Königin, ist es meinen Glaubensgenossen gestattet, frei und ungehindert ihre Religionsübungen abzuhalten — anders bei uns daheim, wo Deine erhabene Nähe fehlt und wo jeder Schurke sich kühn erdreistet, uns Vorschriften zu machen und uns an unserem Gottesdienste zu verhindern trachtet -- darum flehe ich Dich an, mächtige Kaiserin, leihe mir gnädig Dein Ohr und sende uns Deine Hilfe, aus daß mein Kind den Händen des Persers wieder entrissen werde und wir wieder, ungestört unserem Gotte nahen dürfen." - „Nicht vergebens sollst Du den Weg durch die Wüste bis in meine Residenz gemacht haben," sagte huldvoll Zenobia, „ich werde den Uebermut der Perser dämpfen und eh' ihr daheim zum Chanukaseste die Lichter vorbereitet, sollst Du Deine Tochter Wiedersehen." Mit tiefer Verneigung hatte sich Samuel zurückgezogen, während in seinem welken Antlitz die Röte der Freude aufzuckte. Da neigte sich Mäonius zu der Königin. „Deine göttliche Huld, o Zenobia, hat das vernichtete Glück dieser Menschen wieder aufgerichtet." „Ich bin selbst so glücklich heute," sagte träumerischen Blickes die Königin, „daß ich alle, alle Menschen dieser Erde beglückt sehen möchte." . „Alle?" meinte lächelnd Mäonius. „Selbst den Römer?" „Ja, auch den Römer!" lachte die-Königin. „Als glücklich Besiegten." Dann fügte sie ernst werdend hinzu: „Ich bitte Dich, o Mäonius, beende an meiner Stelle die Audienz — gewähre den Bittenden und lasse Gnade walten dem Frevler — Euch aber, gelehrte Herren, und Dich, Longinus, bitte ich, mir in das Bibliotheksgemach zu folgen, wo ich mich mit Euch an den Werken unserer Philosophen erbauen will!" Und sie schritt die Stufen des Thrones hinab, begleitet von den begeisterten Jubelrufen der einen und-den bewundernden Blicken der anderen. (Fortsetzung folgt.) Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwih in Berlin.

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