Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 46 (11.11.1904)
- Date
- 1904-11-11
- Page
- Seite 551 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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In Wirklichkeit ist in jener ersten Mischnah des Traktates Bezah nicht von Hillel, sondern von seinen Schülern JTD) die Rede. Wen aber jener Schulstreit zu überlegenem Spott hinreißt, der beurteilt den Geist der Mischnah ungerecht. Das ist eben die Lehrmethode der Mischnah, daß sie an den einfachsten Beispielen aus dem Alltagsleben die wichtigsten gesetzlichen Begriffe demonstriert. Wie sie an dem einfachen Beispiel der ersten Mischnah des Traktates Sabbat den Begriff PIK2tn demonstriert, so hier in unserer Mischnah den Begriff naepiö.* Die theologische Wissenschaft muß erst das jüdische Schrifttum tiefer erfassen und in^seinen Geist eindringen, dann wird sie ihr Vorurteil auch ablegen. Die moderne Wissenschaft — sagte einmal Tennyson — sollte immerhin die Menschen gelehrt haben, Licht von Hitze zu unterscheiden. Der theologischen Wissenschaft wäre das erst recht zu wünschen. Im Interesse der Wahrheit und im Interesse der von Hillel und Jesus gleich gelehrten Nächstenliebe. ggUj|(|jggQg [ESZ Die Ksilerin Les Mtrns. Historische Novelle von Eduard Roth. V2. /■ nt Fuße der leise ansteigenden, von ragenden Zhpressenbäumen umsäumten Anhöhe, auf der sich der Palast der Kaiserin befand, hielt eine zahllose Menge reichgeschmückter Sänften, die, bewacht von einem Sklaventroß, der Rückkehr ihrer Gebieter harrten, die sich im Palaste zur Audienz bei Zenobia, der Königin des Orients, der Kaiserin von Rom, versammelt hatten. Die Vorhalle, die in den Thronsaal führte, war erfüllt von einer Anzahl vornehmer Audienzbewerber, die ungeduldig und in fieberhafter Erregung den Augenblick herbeisehnten, an dem es ihnen vergönnt sein würde, vor dem Angesichte der mächtigen Kaiserin zu erscheinen und ihr Anliegen vorzubringen oder auch einen Befehl entgegenzunehmen, der sie wohl gar für lange Zeit aus den Mauern Palmyras entfernte, um der weitverzweigten Politik der allmächtigen Zenobia wirksame Diplomatendienste zu weihen. Waren es zumeist die tapferen Feldherren, die von ihrer siegreichen Herrin den Ruf in den Kampf mit fremden aufrührerischen Völkern erhofften, so befanden sich auch die reichen Handelsherren unter den Harrenden, die durch ihre Reisen in ferne Weltgegenden der Politik der Königin die weitesten Dienste leisteten. Eben wurden weit die goldenen Türen geöffnet, die an der, der Vorhalle gegenüberliegenden Seite den Thronsaal mit den Gemächern des Palastes verband, und unter Vorantritt der obersten Hofwürdentrüger, umgeben von einer Scharglänzend geschmückter Edelfrauen erschien die Königin mit ihrem Gefolge. Ein in schneeiger. Weiße leuchtendes, von schwerer palmhrenischer Seide gewirktes Gewand, in das kunstvolle Rosen von in sattem Blau erglänzender Türkisen und leuchtender Smaragden gestickt waren, umgab ihre volle schlanke Gestalt, zahllose Reihen milchweißer Perlen schlangen sich um den stolzen Nacken, kostbares Geschmeide glitzerte an den schmalen weißen Fingern und in den rosigen Ohren; in weichen Falten fiel das duftige Gewebe des Schleiers über die dunklen Locken nieder und das Haupt zierte der von den kostbarsten Juwelen geschmückte, dreifach gewundene goldene Königsreif. „Seid mir willkommen, ihr Edlen meines Reiches!" begrüßte die Königin die sich tief zur Erde Neigenden. „Ich grüße Euch, tapfere Feldherren, deren kühner Heldenmut mein Heer stets zu neuen Siegen führt und die Grenzen unseres Landes ausdehnt, bis weit an die Tore von Ehalcedon." „O mächtige Kaiserin!" ergriff Zabdas das Wort. „Wer sühlte sich nicht hochbeglückt, der in Deinem Dienste sein Leben wagen darf. Ist es ja das leuchtende Bild unserer tapferen Königin, das unseren Kämpfern vorangeht und unser Banner stets zum Siege führt!" „Dank, o Zabdas!" entgegnete mit wohlwollendem Lächeln Zenobia. „Ich grüße Euch, Ihr edlen Bischöfe, die Ihr das Wort Gottes predigt und mein Volk lehrt, seinen Gott zu verehren und seiner Königin zu dienen — Ich heiße Euch willkommen, Ihr edlen Kaufherren, Firmus Dich und Dich, o Aurelius, Euch, meine getreuesten Bundesgenossen und Begründer des blühenden Wohlstandes unseres Reiches." „Das unter Deiner segensreichen Herrschaft, o Zenobia, zu einer Stätte des Glanzes und des Ruhmes geworden ist!" rief begeistert Firmus aus, der reichste Kaufherr des Landes. „Und auf das mit neiderfülltem Blicke die Augen der ganzen Welt gerichtet sind," warf Schalmalath ein. „Die Götter schützen uns vor dem Feinde, dem es nach unseren reichen Schätzen gelüstet," nahm jetzt die Königin das Wort. „Wohl sehe ich die Augen der ganzen Welt voll des Neides und der Bewunderung auf Palmyra gerichtet, allein, Ihr alle wisset, daß dieser Glanz und Ruhm noch nicht gar lange uns beglückt, denn ganz anders war's, als ich die Regierung übernahm. Da herrschte Unfriede und Unordnung im Innern, und von außen her bedrohte uns der Feind. Odenath, mein zu den Göttern versammelter Gemahl, war weit eher Knechtder Römer, als Fürst dieses Landes, und allezeit hat er sein Schwert lieber in den Dienst des römischen Kaisers gestellt, und das Blut der tapferen Söhne unseres Volkes geopfert nn Kampfe um die Befreiung Valerians, als für die Größe seines Reiches. Welches waren aber die Früchte seiner vielen Streitzüge zu Ehren der Römer? Nun, Ihr alle sähet sie: die Staatskassen waren leer, die Vorräte erschöpft, Volk und Krieger murrten über die unnütz vergeudeten Kräfte und zogen sich grollend von Herzog Odenath zurück — wahrlich, ein traurig Bild! In diesem Zustande nun übernahm ich bei Odenaths Tode die Regierung, und was ich seit diesem Zeitpunkte aus unserem Lande gemacht, des freut sich Euer Herz ebenso, wie blasser Neid unsere Feinde verzehrt. Blickt hin auf jenes, schmählichem Joche unterworfene Land, das ich übernahm und vergleicht es mit unserem reichgesegneten Palmyra, mit unserem stolzen, unabhängigen Ostreiche! — Und dann sagt selbst, ob ich nicht das Größte geleistet, was Herrscher zu leisten vermögen: ich habe in wenigen Jahren aus unserem geknechteten, arg darniederliegenden, von der Gnade des Römers abhängigen Vaterlande ein stolzes und mächtiges Reich geschaffen, habe mein Heer zu glorreichen Siegen geführt, die inneren Wirren geordnet und durch reiche Beute viel Schätze ins Land gebracht." - Eine Augenblick hielt sie inne, dann aber führ sie mit erhöhtem Tonfalle fort: „Ich habe das Reich des Ostens neu begründet, das nun nicht mehr Roin Frohndienste leisten muß — wir sind frei und keine Vasallen des Römerkaisers mehr! Kein Kaiser von Rom hat mehr die Oberherrschaft über unser Reich! Ihr, meine edlen Palmyrener, Ihr seid die Beherrscher des Ostens, und