Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-11-11 · Heft 46 (11.11.1904) · p. Seite 546

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 46 (11.11.1904)
Date
1904-11-11
Page
Seite 546 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228581-3228628--61244-3275058
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

W ■$s\!:■ U'\ noch die Zerrissenheit des deutschen Volkes erlebt hat und dessen Einigung zü seiner innigen Genugtuung auf dem Schlachtfelde mit erkämpfen durste, der weiß auch/ daß alle Opfer an Gut und Blut nichts gefruchtet hätten, wenn nicht deutsche Fürsten, wie unser Großherzog, Selbstbescheidung und Entsägungsfreudigkeit zur Erreichung des großen Zieles bewiesen hätten. Wie durch seine Vaterlandsliebe,/ so ragt Großherzog Friedrich auchdurch Gerechtigkeitsliebe unter den Zeitgenossen hervor; seine Regierung wurde stets nach dem Grundsätze ajustitia furdamentum regnorum“ geführt; von der Tugend der G6-- rechtigkeitsliebe ist unser Großherzog ganz erfüllt, sie war der Schmuck-seiner Jugend und ist die Zierde seines Alters. Meine Herren, ich bitte -Sie, Ihren Gefühlen für unseren geliebten Großherzog dadurch Ausdruck zu geben, daß Sie mit mir ausrusen: Unser väterlicher Landesfürst, Friedrich der Deutsche, Friedrich der Gerechte, er lebe hoch!" Stürmisch stimmte das Haus in diese Huldigung ein. Der Präsident widmete hierauf einen ehrenvollen Nachruf dem im vorigem Jahre Heimgegangenen edeln,. der israelitischen Religionsgemeinschaft stets wohlgesinnten vormaligeü Staatsminister Dr. Nokk, sowie den verstorbenen früheren Mitgliedern der Synode B. Dukas-Freiburg, D. Dreyfuß- Offenburg Und S. N etter-Heidelberg und fuhr dann unter anderem fort:; Ich betrachte die Synodalverfassung als eine äußerst glückliche, dem modernen Zeitbewußtsein gerecht werdende Organisation für die religiösen Gesamtinteressen der Glaubensgenossen unseres engeren Vaterlandes,- welche, richtig verstanden und gehandhabt, es ermöglicht, die vitalen Interessen unserer Glaubensgenossen für jede bestehende Richtung zu wahren; ich sage ausdrücklich „für jede Richtung" und vermeide es absichtlich, von „Parteien" zu sprechen, weil ich der Ansicht bin, daß es in Korporationen des öffentlichen Rechts, wie der unsrigen, ja im religiösen Leben überhaupt, Parteien im Sinne des politischen Lebens nicht geben darf, wohl aber verschiedene Richtungen, die jedoch alle das gleiche Ziel haben müssen, wenn sie es,auch aus verschiedenen Wegen zu erreichen suchen. Unser Ziel muß sein die Befestigung, Förderung und Heiligung unserer ehrwürdigen Religion, und wenn dieses Ziel im Auge behalten wird, dann ist ein Zusammenwirken aller Richtungen, heißen sie nun liberal, konservativ oder orthodox-gesetzestreu, sehr gut möglich; wenn sie nur alle die Gleichberechtigung der verschiedenen Richtungen - nicht nur nicht verkennen, sondern anerkennen. Meine Herren! Es gibt keinen besseren Prüfstein für wahrhaft freiheitliche Gesinnung, als die Achtung vor der Gewissensfreiheit und deren Hochhaltung; hier ist die Grenze der Ausübung der Rechte der Majorität, aber auch umgekehrt die Grenze der Berechtigung der Bekämpfung der Majorität seitens der Minorität. Die Majorität achte und schütze die gewissenhafte Ueberzeugung der Minorität, diese anerkenne aber auch die Ueberzeugung und das redliche Bestreben der Majorität. Wenn beide Teile so Zusammenwirken, dann können und müssen nicht nur segensreiche Früchte für unsere Glaubensgemeinschaft im engeren Vaterland, sondern auch für das Gesamtjudentum aus unseren Arbeiten hervorgehen. So ist meine Auffassung von der Art, wie wir in Baden Zusammenarbeiten wollen, und ich hege das Vertrauen zu unserer obersten Kirchenbehörde, daß sie auch in diesem Sinne gemeinschaftlich mit der Synode die Interessen unserer Landesshnagoge wahrnehmen werde; ist doch der Vater der Synodalverfassung Mitglied dieser Behörde. Die Verdienste dieses Mannes um unsere Glaubensgemeinschaft in das rechte historische Licht zu setzen, ist hier nicht der richtige Ort/ es muß das einer, späteren Zeit Vorbehalten bleibend) ') Dieser der amtlichen „Karlsruher Zeitung" entnommene Passus der Rede des hochgeschätzten Synodalpräsidenten gibt dem Verfasser des obigen Berichts nicht unerwünschten Anlaß zu einer öffentlichen Klärstellung. Ich will dem Urteil der Geschichte nicht vorgreifen; jedenfalls aber muß die Anerkennung der hervorgehobenen Verdienste Nach Ueberwersung der Vorlägdn des Öberrats und der' sonstigen- Einkäufe an die Kommissionenschloß -'der Präsident die erste Sitzung und beraumte die zweite aus Dienstag 11 Uhr an. _ Den Nachmittag über fanden Kommissionsberatungen statt, und am Abend folgten die Mitglieder der Synode einer Einladung des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur zu dem von diesem im Rathaussaale veranstalteten Vortrage des' Stadtrabbiners Dr. Hannes von Konstanz über „Bibelklänge in Goethes Faust." Später vereinigten sich nahezu sämtliche Oberräte und Synodalen in den schönen Räumen der Karl Friedrich-Loge mit deren Mitgliedern und ihren Damen, wobei der Logenpräsident Dr. Rosenberg eine gehaltvolle Begrüßungsansprache hielt und zahlreiche weitere Trinksprüche von der Uebereinstimmung der idealen Bestrebungen der offiziellen Organe der Landessynagoge mit denen der Logen Zeugnis gaben. Wenn man den weiteren Verlaus der Synode in seiner ganzen Tragweite würdigen will, muß man sich folgende' der Tagung vorausgegangene Vorkommnisse vergegenwärtigen. Ein im vorigen Jahre gegründeter „Verein zur Wahrung der Interessen des gesetzestreuen Judentums in Baden" . hatte, statt in stiller, friedlicher Arbeit der Erhaltung der auf den gesamten Oberrat bezogen werden, wenn sie mit der historischen Wahrheit - vereinbar sein soll. Ueberdies habe ich auch ein begreiliches persönliches Interesse daran, in der Oeffentlichkeit nicht, wie es häufig geschieht, für die Entschließungen und Schöpfungen des Oberrats ausschließlich oder auch nur verwiegend verantwortlich gemacht zu werden. Gern übernehme ich die Mitverantwortung für alles, was der Oberrat seit meinem vor 21 Jahren erfolgten Eintritt in denselben — ich war damals ein lächerlich junger Mann von 29 Jahren unter ehrwürdigen Greisen — getan hat, und ich hege auch die Zuversicht, . daß es im wesentlichen zum dauernden Heile der badischen Judenheit gereichen wird. Aber eine absolute Sicherheit hierfür gibt es nicht; auch mußte und muß oft von dem Oberrat im Interesse des Ganzen über Wünsche und Ansprüche einzelner Glieder der Landessynagoge in einer von ihnen vielleicht als unbillig empfundenen Weise hinweggegangen werden. Für dieses alles gegenüber den Beteiligten und vor ,der Geschichte die Verantwortung zu tragen, kann nur dem Kollegium des Oberrats im ganzen zugemutet werden. Mein Hauptverdienst, auf das ich mir in der Tat etwas zugut tue, besteht darin, jeweils Persönlichkeiten von unbestrittenem Ansehen und hervorragender Leistungsfähigkeit für den Eintritt in den Oberrat gewonnen zu haben. Es dürfte auch für weitere Kreise von Interesse sein; wenn ich hier ein kurzes Bild von der gegenwärtigen Zusammensetzung des Oberrats entwerfe; man wird daraus vielleicht ersehen, wie ungefähr eine solche Behörde zusammengesetzt sein muß, wenn sie praktische Erfolge erzielen soll. Vor allem ist der lebendige Zusammenhang mit den größten israelitischen Gemeinden des Landes,und ihrer: Verwaltungsorganen dadurch gewahrt, daß deren erste Vorsteher, die Stadträte Fritz Homburger-Karlsruhe und Max Stockheim- , Mannheim, zwei durch umfassende Bildung,, reiche Erfahrung aus allen Gebieten des öffentlichen Lebens und seltene Tatkraft ausgezeichnete Männer, in den Oberrat berufen worden sind. Auch Oberrat Leopold Ettlin.ger-Karlsruhe, der für alle wichtigen Ehrenstellen in Staat und Gemeinde gesuchte, im jüdischen Schrifttum nicht minder als in den deutschen Geistesschätzen bewanderte Kaufherr mit weitem Blick und idealem Sinn, sowie Oberrat Rechtsanwalt Dr. Hachenburg-Mannheim, der als hervorragender Kommentator des Handelsgesetzbuchs in ganz Deutschland gekannt ist und der der Landessynagoge nicht bloß als Synodalpräsident, sondern auch als Kurator großer Mannheimer Studienfonds wichtige Dienste geleistet hat, sind zugleich einflußreiche Mitglieder der Synagogenräte der genannten Großgemeinden. Dagegen bekleiden Geheimer Hofrat Dr. No sin, der bekannte Staatsrechtslehrer an der Freiburger Universität -7in jeder Hinsicht eine Zierde und eine nie BE

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.