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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-11-04 · Heft 45 (4.11.1904) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 45 (4.11.1904)
Date
1904-11-04
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Satzungen für das israelitische Waisenhaus in Rybnik; Stellungnahme zu dem Beschlüsse des Bezirksvereins Schlesien im Deutschen Fleischerverbande bezüglich der Schlachtgebühren. Die Rechnung des Gemeindeverbandes für 1903/04 balanziert in Einnahme und Ausgabe mit 1900, die WaisenhauD-Rechnung mit 15140 Mark. i. Hannover, 29. Oktober. Der siebente Geschäftsbericht des Israelitischen Vereins für Altersversorgung und.Krankenpflege für die Jahre 1902 und 1903 ist ein beredtes Zeugnis für den Geist der Bruderliebe in unserer alten Gemeinde. Wie aus dem ärztlichen Berichte des leitenden Arztes, Sanitätsrat Dr. Block, hervorgeht, ist unser Krankenhaus in diesem Jahre immer mehr von Kranken ausgesucht worden,- und zwar nicht nur von jüdischen, sondern auch in sehr erheblichem Maße von nichtsüdischen Kranken, was uns den erfreulichen Beweis dafür bietet, dyß diese Anstalt auch das Vertrauen unserer nichtjüdischen Mitbürger sich erworben hat. Der Zuspruch hat sich derart gemehrt, daß sich in der letzten Zeit das Bedürfnis herausgestellt hat, die Zahl der Betten zu vermehren. Auch in diesen beiden Jahren hat der Verein ansehnliche Geschenke und Stiftungen erhalten. In Ehrung des letzten Willens der hier verstorbenen Frau Selma Fiebermann s. A. hat ihr Neffe Herr Julius Neumark in Newyork, durch Vermittlung des Testamentsvollstreckers, Herrn Dr. S. Hirsch, uns 4500 Mark überreicht. Herr Louis Oppenheimer, hier, überreichte uns ein Geschenk von 1000 Mk. und Frau Dora Heß ein solches von 500 Mark. Zu einer Zimmerstistung übergaben uns die Herren Max, Sellh und Siegmund Meyerstein als zweite und dritte Rate 4050 Mark und Herr Senator Leopold Fischer von sich und seiner Gattin Frau Martha Fischer zu demselben Zwecke zur Ergänzung ihrer bereits geleisteten Beträge den Restbetrag von 4000 Mark. Trotzdem gehört noch irnnser ein sehr beträchtlicher Teil der Gemeindemitglieder nicht zu den Mitgliedern des Vereins. Mit den erweiterten Ansprüchen, welche durch die Zunahme an Kranken erwachsen, vermehren sich auch die Ausgaben, und die erhöhten Einnahmen reichen nicht aus, um die erhöhten Ausgaben zu decken. In den beiden Geschäftsjahren sind, wenn von den großen Geschenken abgesehen wird, die Einnahmen um nicht weniger als 12 000 Mark hinter den Ausgaben zurückgeblieben. Auch wird man demnächst an die Erweiterung des Altersversorgungshauses herantreten müssen. Wir meinen, daß eine Einrichtung, welche einem tiefempfundenen Bedürfnis der Gemeinde entspricht, auch die Unterstützung aller Mitglieder unserer Gemeinde verdient. Die Einnahmen des Vereins betrugen 1903 62191,86 Mark, die Ausgaben 59 646,33 Mark, das Gesamtvermögen 342 818,38 Mark. Der Vorstand besteht aus den Herren: Dr. S. Gronemann, Vorsitzender, Justizrat Otto Jüdell, stellvertretender Vorsitzender, Louis Alexander, Rechnungsführer, Jacob Berliner, Senator Leopold Fischer, Bernhard Löwenstein, Max Meyerstein, Israel Oppenheimer, Sartorius Rheinhold, Jacob Salomon, Eduard Spiegelberg. m. Vom Rhein, im Oktober. Erfreuliches und Unerfreuliches bringt mein diesmaliger Bericht aus dem schönen Rheinland, dem Erfreulichen sei der erste Platz gewährt. Dem verdienstvollen ersten Rabbiner unserer Metropole Köln, Herrn Dr. Frank, sind kürzlich mehrere Ehrungen zuteil geworden. Er ist in die „Internationale Kommission zur Bearbeitung einer Denkschrift für die diplomatische Konferenz in Bern" von dem internationalen Kongreß gegen die unsittliche Literatur aus Deutschland gewählt worden. Die städtischen Behörden Kölns haben ihn zu der kürzlich stattgefundenen feierlichen Eröffnung der „Akademie für praktische Medizin", sowie zum Festmahl und zur Festvorstellung im Theater eingeladen. Diese Auszeichnungen sind sowohl eine Folge seines würdevollen und mannhaften Auftretens imKongreß, als auch seiner toleranten seelsorgerischen Tätigkeit. Nicht die Scheidung von unseren andersgläubigen Brüdern, sondern die Vereinigung zur Arbeit im Garten der Kultur überwindet die vorhandenen Schranken. — So haben auch christliche und jüdische Kreise zusammengestanden, als das benachbarte Deutz das goldene Jubiläum seines beliebten Lehrers und Kantors Blumenthal festlich beging. — In Krefeld wurde der Kantor der jüdischen Gemeinde, Herr Meyer, ausgefordert, seine Gesangeskunst in den Dienst der Volksunterhaltungsabende zu stellen, dem er gern folgte. Seine Leistungen wurden in den Krefelder Zeitungen rühmend hervorgehoben. — Der Verein zur Förderung des Handwerks und der technischen Berufsarten unter den Juden, der seinen Sitz in der schönen Kunst-und Gartenstadt Düsseldorf hat, bietet in seinem soeben veröffentlichten Jahresbericht ein erfreuliches Bild seiner Wirksamkeit. 46 Schüler bezw. Fachschüler standen im Berichtsjahre unter der Obhut des Vereins. — Der „Setzofen", in welchem das Sabbatessen zubereitet wird, das vom Freitag bis Samstagmittag darin ohne Unterbrechung brodelt, hat eine ganze Familie in Geilenkirchen an den Rand des Grabes gebracht. Die dem Ösen entströmenden Gase drangen aus der Küche in das nebenan liegende Schlafzimmer und betäubten die Schlafenden. Nur mit Mühe konnte man die fünf Menschen ins Leben zurückrufen.' Ob nun der Setzofen in die Rumpelkammer wandert? Mit diesen veralteten und unsinnigen Einrichtungen schadet man aber nicht bloß dem Leben und der Gesundheit der Juden, sondern auch dem Judentum. — In dieser Woche ist ein Mann aus einer segensreichen Laufbahn zu seinen Vätern heimberufen worden, dessen Name nicht nur in seiner engeren Heimat einen guten Klang hat, sondern auch weit über unsere Grenzen hinaus ehrenvoll genannt wird. Der Seminarlehrer Abraham Treu in Essen hat am Vorabend zu seinem 76. Geburtstage seine freundlichen Augen geschlossen zu ewigem Schlafe. Ueber das Werden und Wirken dieses Mannes gestatten Sie mir, nächstens ausführlicher zu berichten. K. Crefeld, 25. Oktober. Nachdem am Versöhnungstage Herr- Ob errabbiner Dr. Horowitz in einer tief ergreifenden Ansprache sich von seiner Gemeinde verabschiedet hat, wurde ihm am 5. Oktober noch eine offizielle Abschiedsfeier bereitet, deren Verlauf ein beredtes Zeugnis ablegte von der Liebe und Anhänglichkeit, die der Scheidende sich in seinem Wirkungskreise erworben hat. Mit Rücksicht aus das Befinden des Herrn Dr. Horowitz bewegte sich das Fest in einem ganz engen Rahmen. Erschienen waren Vorstand und Repräsentanten, die Vorsteher der verschiedenen Gemeindeinstitutionen, die Lehrer der Volksschule und Herr Rabbiner Dr. Tawrogi-Kreuznach sowie Herr. Dr. Kalischer-Bonn. In einer Reihe trefflicher Reden wurde das Wesen und Wirken des verehrten Herrn geschildert und ihm der Dank ausgesprochen für seine allezeit treue und gewissenhafte Pflichterfüllung. Auch der Rheinische Rabbinerverband hatte es sich nicht nehmen lassen, auf dem Plane zu erscheinen, um seinem Mitbegründer eine Ehrung zuteil werden zu lassen. Der zeitige Vorsitzende des Verbandes, Herr Dr. Tawrogi, überreichte Herrn Dr. Horowitz eine kunstvoll gearbeitete Adresse, durch welche er zum Ehrenmitgliede ernannt wurde. Der Gefeierte, tief ergriffen von diesen Huldigungen, dankt allen für die in so reichem Maße ihm erwiesenen Aufmerksamkeiten und ermahnte die Anwesenden, dahin zu wirken, daß auch ferner in unserer Gemeinde Friede und Eintracht herrschen möchten, damit all die schönen Errungenschaften desselben weiter blühen und gedeihen könnten. Dem Herrn Dr. Horowitz aber wünschen wir, daß ihm in der schönen' Düsselstadt ein köstlicher Lebensabend vergönnt sein möchte. 3) Alzey, 23. Oktober. Im Laufe dieser Woche wird Herr Rabbiner Dr. Levi Alzey verlassen, um sein neues Amt als Oberrabbiner der israelitischen Gemeinde in Krefeld anzutreten. Von der allgemeinen Beliebtheit und der hohen Wertschätzung, die er sich während seiner 13jährigen Tätigkeit zu erringen wußte, zeugte die überaus zahlreich besuchte Feier, die man in der vorvergangenen Woche anläßlich seines Scheidens in Verbindung mit der. Feier des 50jährigen Bestehens der hiesigen Synagoge veranstaltete. Das Vorstandsmitglied, Herr Theodor Wolf, sprach Herrn Dr. Levi in warmen, anerkennenden Worten den Dank der Gemeinde für seine segensreiche, vielseitige Tätigkeit im Dienste der Gemeinde, deren Vereine und der Schule aus; eine ehemalige Schülerin trug ein Gedicht vor, in dem die zahlreichen Verdienste unseres scheidenden Rabbiners hervorgehoben wurden. Daß Herr Dr. Levi auch in nichtjüdischen Kreisen sich hoher Achtung und Beliebtheit erfreute, bewies die ihm zu Ehren seitens der Kasino-Gesellschaft veranstaltete Abschiedsfeier. Der Vorsitzende der Gesellschaft, Herr Bürgermeister Dr. Sutor, gab dem allseitigen Bedauern über, das Scheiden des Herrn Dr. Levi Ausdruck; Herr Realschuldirektor Dr. Büchhold sprach namens der Realschule, des Pröghmnasiums und im Aufträge des staatlichen Lehrerseminars und feierte den Scheidenden als allgemein beliebten Kollegen und äußerst gewissenhaften Beamten; endlich richtete noch

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