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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-11-04 · Heft 45 (4.11.1904) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 45 (4.11.1904)
Date
1904-11-04
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Herr Rechtsanwalt Dr. Paul'Wolf als ehemaliger. Scknilerbegeisterte Worte der' Dankbarkeit und Anerkennung an den. ehemaligen Dehrer. Eine Ehrengabe, die Herrn Dr. Levi namens > der Gemeinde überreicht werden wird, wird das äußere Zeichen v der Wertsch ä tzun g für Herrn Dr. Levi.-und. des Bedauerns .sein/ daß er nunmehr Alzey'verlassen wird:: Möge er in seinem neuenWirkungskreise in gleich erfolgreicher Weise tätig sein, möge ihm dortdie gleiche Beliebtheit und Anerkennung beschieden sein, wie es hier der?.Fall war.?; König sprach von einenr Projekt, das alle nicht, orthodoxen Gemeinden. regeln würde.■ Im Theater wurde ein Stück der Königin gespielt, dasunser Glaubensgenosse, der gefeierte Dichter Dr. - Steuermann ins - Rumänische übersetzte. ' Die Königin /dankte ihm und dem jüdischen. Maler M. Finkelstein, der die Dekoration geleitet hat/ huldvoll und . zum Hofball wurden einige Juden — Bankiers- Industrielle, Literaten,.. wie -Rabbiner Dr. Niemirower und Frau geladen. Sollen die Juden etwa gar eine Besserung der Verhältnisse erwarten? -er. München, 23. Oktober. - . Unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung wurde heute die Gattin des allverehrten Kantors und Lehrers unserer Gemeinde, Frau Lina Frei, zu Grabe getragen. In tief empfundenen Worten schilderte Herr Rabbiner Dr.'Werner das Leben der in allen Kreisen durch die Vorzüge ihres Herzens und Gemütes beliebten Frau. ’ Anknüpfend an den Wochenabschnitt zeichnete er unter dem Bilde der Stammmutter Sara ihr Wirken-als hingebungsvolle Gattin, treubesorgte Muttermund aufopferungsfähige Freundin. Chorgesang eröffnete und schloß die erhebende Feierdie einen trostreichen Beweis lieferte von der hohen Wertschätzung, welche dem tiefgebeugten Gatten und seiner Familie in allen Kreisen unserer Gemeinde und weit über diese hinaus entgegengebracht wird. Gesterretch-Ansarn. Wien,. 30. Oktober. Also.Herr Dr. Lueger hat seinen Geburtstag gefeiert — und ganz Wien war in heller Aufregung.darüber.; In seiner Festrede hat Prinz Lichtenstein die „orientalischen Jour-1 nale" geschmäht — und die Wiener Journalisten, die neulich imÄathause pokuliert haben, mögen, sich das hinter die Ohren schreiben! Antisemitische Blätter schreiben: „Erstaunliche Auswüchse zeitigt zuweilen das Renegatentum. Als neugewähltes Mitglied der ungarischen Akademie der Wissenschaft in Pest debütierte kürzlich der Universitätsprosessor Ala dar B allägi mit einer Apologie der spanischen Inquisition. Ballagi hieß früher Bloch, hat sich christianisieren und magyarisieren lassen und ist wiederholt als ein chauvinistischer Vollblutmagyare aufgetreten... Von dem Standpunkt, des Chauvinismus scheint er bei seiner Apologie ausgegangen zu sein. Er erklärte die Notwendigkeit des Entstehens der Inquisition aus den ■* Bestrebungen des spanischen Volkes zugunsten der nationalen Einheit. * Alle Elemente, die als Feinde der spanischen Einheit angesehen wurden, mußten vertrieben oder vernichtet werden. Nach Vertreibung der Mauren kam die Reihe an die Juden. Ballagi zog eine Parallele zwischen Inquisition , und Revolution. Beide erklärte er als Entwicklungsbewegungen der Völker' in nationaler und religiöser Hinsicht. Während die Revolution ihr Ziel auf ungesetzlichem gewaltsamen Wege erstrebte, sei die Inquisition auf gesetzlichem Wege vorgegangen. Die Revolution wie die Inquisition arbeiteten mit Blutvergießen, aber eine Entwicklung ohne Blutvergießen ist für Ballagi nicht denkbar. Nach diesen wissenschaftlichen Darlegungen steht nichts mehr im Wege, daß dieser Mann in Ungarn eine neue Inquisition aufrichtet und mit ihrer Hilfe alle jene Elemente, die als Feinde der magyarischen Einheit angesehen werden, beseitigt. Als Renegat, wie er im Buche steht, wäre Ballagi die geeignete Persönlichkeit für die Oberleitung der neuen Entwicklungsbewegung in Gestalt der Wiederbelebung der Inquisition." So schreiben die Antisemiten! Wer. fühlt nicht die „Schmach unseres Volkes" bei diesen Worten? — Am 25. d. M. verschied in Budapest der auch im Auslande nicht unbekannte frühere Rabbiner Albanj - Szantö, Leopold Lipschitz, der nach dem Tode Reichspräsident der auto-' nomen orthodoxen Durchführungskommission war. Seine Leiche wurde - nach Abanj-Szäntö überführt. Rumänien. Jassy, im Oktober. Der Besuch der königlichen Familiehat auch die jüdische Bevölkerung in Atem gehalten. Leider wurde ■>, keine jüdische Institution besucht. Ein freudiges Ereignis war es aber, daß unser Rabbiner Dr. Niemirower zur Hoftafel geladen wurde. In seiner Unterredung mit König und Kronprinzen lenkte der Rabbiner das Gespräch auf die Emigrationsfrage und betonte auch die Notwendigkeit eines Gemeindegesetzes. Auch eine jüdische Delegation, der Audienz bewilligt wurde, hat durch die Sprecher DL Bürsten und Schnürer ein Kommunitätengesetz verlangt. Der Von jsioh und Fern. — Dr. med. Georg Heymann, .der sich, durch eine längere Reihe medizinalstatistischer Untersuchungen einen Namen gemacht hat, ist in das statistische Amt der Stadt Berlin eingetreten. Er wird dort an den Arbeiten über Medizinalstatistik teilnehmen, denen von Rudolf Virchow und S. Neumann her in. der Berliner Kommunalstatistik von jeher besondere Beachtung geschenkt wurde. — Am 26. v. M. ist hier der Stadtrat a. D. Hermann Wallach nach schwerer Krankheit' im 67. Lebensjahre gestorben. — Durch Versetzung des Lehrers Auerbach aus Neustadt a. W. nach Posen sollte auch die jüdische Volksschule in Neustadt wegen zu geringer Schülerzahl ausgelöst worden. Der . Schulvorstand hat sich indes dagegen gesträubt und soll mit . Genehmigung der Regierung zu Posen die Stelle wieder-zur Besetzung gelangen. — Seinen. 80. Geburtstag beging am 25. v. M. der Synagogendiener Wo l f- Wo.l sram, der.bereits 48 Jahre in Jastrow amtiert. An seinem Ehrentage würden ihm von allen Seiten Aufmerksamkeiten erwiesen. Herr - Wolfram ist noch geistig und körperlich rege und versieht sein Amt -nach wie vor. — Dem Vorstande der Israelitischen Religions- . gemeinde zu Leipzig ist aus sein an den König Friedrich August gerichtetes Beileidstelegramm folgende-telegraphische Antwort, eingegangen: „Seine Majestät der König, lassen dem Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig für die Anteilnahme, und das Gelöbnis unwandelbarer Treue herzlich danken. Seiner Majestät des Königs Kämmerer i. V. von dem Bussche." Ein gleiches Schreiben ging auch dem Vorstande der Dresdener Gemeinde zu.— Professor Friedrich Delitzsch hielt in Köln einen noch nirgendwo ' gehaltenen Schlußvortrag über „Babel und Bibel"-in der dortigen literarischen Gesellschaft. Er suchte zu -zeigen, daß die Babylonier ein gottsuchendes Volk waren, .und wies auf die Aehnlichkeit der babylonischen und alttestamentarischen Psalmen, hin! Der Schluß 'seiner Rede war ein Hymnus auf das Christentum. Auf diesen -Ausgang waren wir schon lange gefaßt. — Die vierte Tagung der badischen Landessynode hat am. 24. und 25. v. M. in Karlsruhe stattgefunden. Ein ausführlicher Bericht folgt wegen Raummangels erst in der nächsten Woche. — Der Großkanfmamr Louis Hirsch in Mannheim hat den Roten Adlerorden IV. Klasse erhalten. — In Bychowa (Gouvernement Mohilew), demolierten am 25. v. M., am zweiten Mobilisierungstage, Reservisten, alle jüdischen Magazine, Buden und einige. Häuser. Abends . wurden einige geplünderte Buden angezündet. Erst das Eintreffen von Militärkommandos aus Rogatschew ließ die Bevölkerung freier aufatmen und tat der Plünderung Einhalt. Der Schaden wird auf /.etwa 200000 Rubel geschätzt. — Die „Russische Telegraphen-Agentur" '/beeilt-sich natürlich wieder folgendes zu depeschieren: Die im Aus- Alande verbreiteten Nachrichten von antisemitischen Unruhen in Wilna sind unbegründet. Im Gouvernement Wilna herrscht vollkommene Ruhe. ' 'Die Einberufung von Reservisten vollzieht sich in voller Ordnung. — Anläßlich der Geburt des Thronfolgers Zesarewitsch hat der Minister der Volksaufklärung es für möglich erachtet, in diesem Jahre die Zahl der in die neurussische Universität Odessa aufzunehmenden Juden ans 15 Prozent der Gesamtzahl der Studierenden zu erhöhen. Außerdem ist gestattet worden, über die Norm noch 18 Juden aufzunehmen. — Der bekannte englisch-jüdische Schriftsteller Israel Zangwill weilt gegenwärtig in Newyork, um die Amerikaner für k'einen Kolonisationsplan zum Wohle der Juden zu interessieren. . Der Plan beschäftigt sich mit den russischen Juden. — Der Bürgermeister von Kapstadt, H. Liebermann, ist ein Jube.' Er ist einer der angesehensten Kaufleute daselbst. - .

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