Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 45 (4.11.1904)
- Date
- 1904-11-04
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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Gemeindevorstandes.von Wilmersdorf istum fo weniger begreiflich, als' bekanntlich in Preußen jeder Staatsbürger verpflichtet ist, für den Unterricht seiner Kinder in den Lehren einer anerkannten Religionsgemeinschaft Sorge zu tragen. In änderen Gemeinden räumt man deshalb ohne weiteres auch zum jüdischen Religionsunterricht Schulzimmer während der schulfreien Stunden ein. Das könnte jedenfalls auch in Wilmersdorf geschehen, dessen Schulwesen eine schnelle und immer größere Ausdehnung nimmt,so daß wohl in einer der verschiedenen Schulen sich ein zur Erteilung des jüdischen Religionsunterrichts geeignetes Lokal finden dürste. Die jüdischen Einwohner von Wilmersdorf find der Meinung, daß sie als Steuerzahler zum mindesten ein moralisches Anrecht daraus haben, nicht anders behandelt zu werden, als es in anderen Gemeinden geschieht. b. Königsberg, 17. Oktober. Gestern fand hier die feierliche Einweihung der Dr. Raphael Kosch-Waisenerziehungsanstalt - statt. Anwesend waren unter anderen der Oberpräsident v. Moltke und Oberregierungsrat Bergmann als Vertreter der Königlichen Regierung, Bürgermeister Kunckel und Stadtverordnetenvorsteher; Krohne, sowie eine Anzahl von Stadträten und Stadtverordneten als Vertreter der städtischen Behörden Königsbergs, die Vertreter der Ortsbehörden, mehrere Professoren der Universität und zahlreiche Freunde, Gönner und Gönnerinnen der Kochschen Stiftung. Oberbürgermeister Körte, augenblicklich in Frankfurt a. M. weilend, hatte seine guten Wünsche für das Gedeihen der Anstalt schriftlich zum Ausdruck gebracht. — Mit Gesang „Wenn Gott der Herr das Haus nicht bauet", nach der Weise eines altjüdischen Tondichters, begann die Feier der Weihe. Dann folgte die Ansprache des Vorsitzenden des Kuratoriums, Herrn Apotheker Guttmann, der für den zahlreichen Besuch dankte. Diese Beteiligung, meinte er, beweist, wie innig alle Menschenkinder verbunden sind, wenn es sich um Werke der Wohltätigkeit handelt. Dies Haus will Kindern, denen ein hartes Schicksal die Eltern entrissen, das Elternhaus ersetzen. Zu diesem Zwecke widmete Dr. Raphael Kosch den größten Teil seines Vermögens und legte in seinem Testamente Grundsätze und Plan seiner Stiftung fest. Am 4. Juni 1873 erfolgte die allerhöchste Bestätigungder Stiftung, im Jahre 1874 trat sie ins Leben.- Wie der im Jahre 1803 geborene, im Jahre 1812 nach Königsberg gekommene und hier 40 Jahre hindurch lebende Stifter der Anstalt segensreich gewirkt, wie feine Geistes- und Charaktereigenschaften, das war uns vor einem Jahre bei der Feier seines 100jährigen Geburtstages zu hören vergönnt. Ein Kapital von über 200000 Mark vermachte er zu dem Zwecke der Stiftung, und während der letzten 30 Jahre sind über 80 Waisenkinder, Knaben und Mädchen, durch die Zinsen seiner Stiftung erzogen werden. Bisher wurden die Waisenkinder in Familien untergebracht; an: 30. September 1901 faßte man im Kuratorium den einstimmigen Beschluß, ein eigenes Stiftshaus zu erbauen. Heute haben wir die Freüde, es zu weihen; es ist eine Ehrenpflicht, dabei derer zu gedenken, die den Bau ermöglichten. Durch sie ist ein Kapital von 90 000 M. angesammelt, mit dem der Bau einschließlich der Einrichtung, bestimmt zur Erziehung von 20 Zöglingen, 10 Knaben und 10 Mädchen, bestritten werden konnte. Eine weitere Ansprache hielt hierauf der Vorsitzende der Synagogengemeinde Herr Stadtrat Magnus, worauf Rabbiner Dr. Vogelstein die eigentliche Weiherede über das Haus, über den Mann, dessen Namen es trägt, über die Bedeutung der Waisenpflege im Judentum hielt. Mit dem Gebet eines der Anstalt angehörigen Waisenmädchens, der Uebergabe eines Bildes (Porträt einer Wohltäterin, Frau Dr. Berliner) seitens eines früheren Waisenkindes und mit dem Schlußgesange (Solo: Herr Oberkantor Birnbaum) hatte die schöne Feier ihr Ende erreicht. 8. Samotschiir, 18. Oktober. Am 16. d. M. fand hier unter großer Beteiligung der Bevölkerung und verschiedener Kriegervereine unter dem Ehrenvorsitz des Regierungspräsidenten v. Günther aus Bromberg die Enthüllung eines Kriegerdenkmals statt. Dasselbe, eine Zierde der Stadt, enthält auch eine Gedenktafel aus Bronze, auf welcher der Kriegerverein die Namen der im Kriege gegen Frankreich gefallenen Soldaten aus dieser Gemeinde ehrt, unter denen auch der Name des Sekondeleutnnnts Sali Cohn, eines Sohnes dieser Stadt, verzeichnet ist. Die Feier verlief sehr würdevoll und danach fand ein gemeinsames Festessen statt, woran nächst dem Herrn Regierungspräsidenten v. Günter auch der Landrat dieses Kreises Herr v. Plettenberg, viiile Offiziere und hiesige Bürger sämtlicher Konfessionen teilnahmen. - L. Breslau, 31. Oktober. Die Jubiläumsfeierlichkeiten des jüdisch-theologischen Seminars wurden am letzten Sonnabend durch einen Feftgottesdienst in der Seminarsynagoge eröffnet, an dem Seminardozent Dr, Horovitz die Festpredigt hielt. Am Abendvereinigten sich die Festteilnehmer in der Lessing-Loge zu einem von dem Stiftungskuratorium veranstalteten Bierabend, der in überaus gemütlicher Weise die alten Herren mit den jungen Semestern vereinigte. Kurator Stadtrat Milch begrüßte aufs wärmste die Gäste, die aus allen Gauen Deutschlands und seiner Nachbarländer sich eingefunden hatten. Sonntag vormittag 11 Uhr fand in der Lessing-Loge die Jubiläumsfeier statt. Nach Einleitung der Feier durch den Chor hielt Kurator Stadtrat Milch die Begrüßungsansprache und gab einen kurzen Ueberblick über die Geschichte der Fränckelschen Stiftungen, insbesondere über die Gründung des Seminars. Er schloß mit einem begeistert aufgenommenen Kaiserhoch. Die sich anschließende Festrede des Seminarrabbiners Dr. Levy behandelte das Thema: „Die Entwicklung des talmudischen Lehrhauses". Daraus folgten die Beglückwünschungen der Vertreter des Magistrats der Stadt Breslau, der Gemeindebehörden, der sonstigen Korporationen und anderer jüdischtheologischer Lehranstalten. Es sprach Bürgermeister Mühl im Namen des Magistrats der Stadt Breslau; ihn: dankte Kurator Milch. Im Namen der Synagogengemeinde Breslau, die dem Seminar eine Stiftung von 2000 Mark überwies, gratulierte Stadtrat Pringsheim. Für den deutschen Rabbinerverband sprach Rabbiner Dr. Guttmann- Breslau, im Aufträge der königlich israelitisch württembergischen Oberkirchenbehörde Kirchenrat Dr. Kroner, im Aufträge des großherzoglich badischen Oberrates der Israeliten Dr. Steckelmacher, für das Breslauer Rabbinat Dr. Rosenthal, als Vertreter des deutschisraelitischen Gemeindebundes und zugleich im Aufträge der Gesellschaft des Judentums für Förderung der Wissenschaft des Juden- - tums Professor Dr. Philippson-Berlin, als Delegierter der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin Dozent Dr. Elbogen, als Delegierter des lewisb tbeol. Leminaiv in Newhork Professor Dr. Drachmann, für die noch lebenden bei Gründung des Seminars eingetretenen Hörer Oberrabbiner Dr. Güdemann-Wien, für die Alliance israelite universelle und zugleich für die Gemeinde Köln Dr. Frank, für die Gemeinde Posen Dr. Bloch, für Stettin Dr. Vogelstein, für Lemberg Dr. Caro, für Dresden Dr. Winter, für die Chewra-Kadischah-Breslau Herr Eduard Sachs, als Vertreter der jüdischen Lehrerschaft Schlesiens und Posens und im Aufträge des Hilfsvereins deutscher Juden Professor Dr. Padt-Breslaü und als Vertreter der derzeitigen Hörerschaft Dr. Wilde. Die Redner waren fast ausschließlich ehemalige Hörer des Seminars. Um 2l/g Uhr schloß die würdige Feier. Das Festbankett in der Lessing-Loge begann um 5 Uhr und wurde von Kurator Stadtrat Marck durch einen Kaisertoast eröffnet. Kurator Dr. Freund begrüßte die Gäste. Alsdann folgten die Toaste von Professor Dr. Kisch-Prag. Dozent Dr. Braun, Oberrabbiner Dr. Güdemann-Wien, Kurator Stadtrat Milch, Kirchenrat Dr. Kroner-Stuttgart, Rabbiner Dr. Guttmann-Breslau, Religionslehrer Dr. Klueger, Professor Dr. Bacher-Budapest, Dr. Behrens-Breslau, Dr. Frank-Köln, Dr. Münz-Gleiwitz, Dr. Zuckermandel-Breslau und Seminarrabbiner Dr. Levy. Die Reihe der Festlichkeiten beschloß ein von der jetzigen Hörerschaft am folgenden Abend veranstalteter solenner Festkommers. — Berrtherr, 25. Oktober. Der Synagogen gern ei nde- Verband im Regierungsbezirk Oppeln hielt am 23. d. M. im Hotel „Zum deutschen Hause" zu Beuthen O.-S. seine ordentliche Hauptversammlung ab. Die Tagesordnung umfaßte unter anderem folgende Punkte: Bericht des Vorsitzenden Rechtsanwalt Schüller- Gleiwitz über die Tätigkeit des Verbandes im letzten Geschäftsjahre; Prüfung und Entlastung der Rechnungen des Gemeindeverbandes für 1903/04; Prüfung und Entlastung der Waisenhaus-Rechnungen für 1903/04; Bericht über die vom Verbände unterstützten Religionsschulen und die Beaufsichtigung des Religionsunterrichtes, erstattet durch den Amtsgerichtsrat Glogauer; Festsetzung des Waisenhauses für die Unterhaltung von 28 Zöglingen für 1904/05; Festsetzung des Haushalts des Gemeindeverbandes für 1904/05; Aenderungen der Satzungen des Synagogengemeinde-Verbandes; Aenderung der