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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-11-04 · Heft 45 (4.11.1904) · p. Seite 540

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 45 (4.11.1904)
Date
1904-11-04
Page
Seite 540 (sequence 12)
Language
German
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besäten Himmels und aus dieser Fülle - leuchtender Farben.' erhob sich, vom Glorienschein der Schönheit umgeben, die "reiz-- umflossene Gestalt. Leise glitt ihre Hand --über,' die glänzende Lockenfülle und lächelnd neigte sie sich zu ihm nieder: „Sieh, Assad, in diesen' Locken, die in goldiger Flut Dein Haupt umgeben, darin hat sich wohl schon manch Weiberherz verfangen und dort in Deinem Lande, da harrt sicher ein liebend Mädchen sehnsüchtig Deiner Heimkehr." - „Die doch nie erfolgen wird! Es sei denn. Du verjagtest mich aus Deiner Nähe — o, und dann kehrt ich auch nimmer heim . . . dann ging ich in den Tod!" „Deiner harrt also kein liebend Weib daheim?" „In meinem Herzen lebt kein anderes Bild als das Deine . . . . ich werde Dich lieben, solange ich atme . . . . ich werde Dich lieben mit der Allgewalt meines ganzen Seins .... ich habe''mich Dir ergeben mit jedem Pulsschlag meines Herzens ... Dir sei mein ferneres Leben geweiht und meine Liebe .... zu Deinen Füßen will ich verharren und Dich anbeten wie eine Göttin." „Frevle nicht, Assad, und erzürne die Götter nicht; siehst Du die Wolke, die über die Stirne der Göttin zieht — weil Du es wagst, die Sterbliche ihr an die Seite zu setzen . . . ." „Das bist Du nicht! Du bist ein Wesen, das . . ." ' „Assad, Du ahnst?" rief sie im Tone höchster Befremdung -aus,^ und. glühende Röte färbte ihr Antlitz. „Sieh', Herrliche, nun glüh'n Deine Wangen wie Rosen im Scheine, und Deine Flammenaugen glänzen gleich Demantsteinen ... ja, Du bist ein hehres Wesen, daß Gott, der Herr, auf die Erde gesandt, daß es den Menschen das Glück bringe und die Seligkeit — und mein Herz bebt bei dem Gedankendaß Du diese Erde wieder verlassen ..." „Und gar, wie der Prophet Eliahu, im goldenen Wagen gen Himmel fahren-könnte?", unterbrach sie ihn lachend. „Nein, Assad, das fürchte nicht, noch Hab' ich diese Welt zu lieb, als daß ich sie verlassen wollte, noch lacht mir das Leben und — noch manches Werk habe ich zu vollbringen — doch still! hörtest Du nichts . Ja, der Sand knirrschte unter nahenden Schritten — rasch, mein Assad, verlasse mich . . ." „Wie, Du stoßest mich von Dir? Ich sollte aus Deiner Nähe fliehen? die für mich das Leben ist?" „Zaudere nicht, Jüngling, verberge Dich hinter diesen undurchsichtigen Lorbeersträuchern — gehen die Schritte, die sich uns nähern vorbei, so kannst Du bleiben, naht aber jemand diesem Lorbeerhain/ so — so werde ich Dir Kunde senden . . . wo bist Du daheim?" 7 „Gib mir ein Zeichen Deiner Gnade — lasse mich nicht mit dem Tode im Herzen von hinnen gehen-" flehte er. „Rabbi Jochanan beherbergt mich." „Du sollst mich^wiedersehen," sagte sie, „und nun geh'!" „Du^hältst Zwiesprache'mit der Göttin, Erhabene?" tönte jetzt ^eine Helle Männerstimme durch die Zweige. „Mäonius??" Was führt Dich her um diese Stunde?" „Die Sorge um Dich, Herrm. Es ging die Kunde; Du wärest unpaß . . ." „Nun siehst Du wohl, daß ich es nicht bin, und daß Deine Sorge wohl ganz unnütz war," sagte sie gereizten Tones, und in fieberhafter Aufregung zuckten ihre. schlanken weißen Hände. „Dem Himmel sei Dank dafür, daß dem nicht so ist — Du blühest gleich der Rose im Morgentau — allein vergib Deinem Sklaven, o Herrin, der in begreiflicher Sorge um Dich war." „Was gab Dir Grund zu dieser Sorge?" klang es gereizt aus ihrem Munde, „ich bin doch wahrlich das zarte Püppchen nicht, dem ein leiser Windhauch gefährlich werden könnte." „Dein Mut und Dein tapferer Sinn, siegreiche Herrin, trotzt jeglicher Gefahr — allein, die Sonne Deines "Anblicks wurde mir nicht zuteil — schon zwei Tage nicht — und das war zuviel,-o Herrin/ zuviel für das liebeglühende Herz Deines Sklaven, zuviel für . . ." „Ich war müde," unterbrach sie ihn mit rascher Rede, „darum habe ich mich für zwei Tage hierher zurückgezogen in meine Einsamkeit — mit dem Morgen aber," setzte sie hinzu und ihr glänzender Blick suchte träumerisch die Ferne, „mit dem anbrechenden Morgen hat mein schöner Traum ein Ende." „O, so gewähre Deinem Sklaven die Huld, diese köstliche Einsamkeit mit Dir zu teilen, lasse mich hier zu Deinen Füßen ruhen und an Deinem göttlichen. Anblick berauschen . . . lasse mich im Gebete der Göttin nahen, auf daß sie mir mit himmlischer Gnade beistehe. Dein stolzes Herz zu erweichen." „Vergib, edler Mäonius," unterbrach sie ihn ungeduldigen Tones, „wenn ich mich zurückziehe, allein Du weißt, was mir der Morgen bringt." „Ja, reichliche Arbeit harret Dein, o Herrin, und die Ruhe der Nacht wird Dich erquicken. So gewähre mir denn die Gnade, erhabene Kaiserin, Dich zu Deinen Gemächern zu geleiten!" Mit leisem Rauschen glitt die Schleppe ihres weißen Gewandes über das raschelnde Laub, durch die Zweige der dichten Lorbeerstauden aber tönte der Aufschrei einer verwundeten Seele wieder. (Fortsetzung folgt.) Literarische Mitteilungen. Juden und Christen im alten Pompeji. Auf deren Spur macht Professor Restle-Maulbronn rn der „Zeitschrift für Kunde des Urchristentums" aufmerksam. Noch Harnack hatte m seinem neuesten großen Werk über die altchristliche Mission die Indizien für das Vorhandensein einer christlichen Gemeinde als äußerst zweifelhaft bezeichnet und in. ähnlicher Weise hatten ältere Gelehrte auch die Existenz von Juden in Pompeji bestritten. Es handelte sich dabei vor allem um eine ganz unsichere Kohleninschrift, die man Christanos lesen wollte; und ferner um eine Darstellung des salomonischen Urteils, die aber deshalb nicht beweiskräftig ist, weil es zu dieser Geschichte heidnische Varianten gibt. Nun finden sich aber in der Wand eines bescheidenen Hauses eingekratzt die Worte: Sodoma, Gomora. Man hat behauptet, diese Inschrift stamme von einem Manne, der sich beim Beginn des Aschenregens an den Untergang von Sodom und Gomorrha erinnert habe und voll Entsetzen diese Worte in die Mauer geritzt habe. Allein das Gekünstelte dieser Deutung fällt in die Augen. Nach Nestle ist es wahrscheinlich, daß diese Worte das Urteil eines frommen Mannes über das üppige, zügellose Leben Pompejis darstellen; und von hier aus ergeben sich zwei Möglichkeiten: Entweder der Urheber dieser Worte ist ein Jude, der die sprichwörtliche Bezeichnung der Sünde und Gottlosigkeit, wie sie in den Schriften des Alten Testaments, immer wiederkehrt, auf das Treiben seiner Stadt anwandte. Oder wir haben uns an das Wort Jesu zu erinnern/das er über die Städte gesprochen hat, die seine Jünger nicht aufnehmen würden: „Dem Lande der Sodomer und Gomorrer wird es erträglicher gehen am jüngsten Gericht denn solcher Stadt." Dann würde die Inschrift von einem Christen stammen. Angesichts dessen, daß die Zahl der Christen in Pompeji außerordentlich gering gewesen sein muß, die Stadt also in der Tat-zu denen gehörte, die mit dem Schicksal von Sodom und Gomorrha bedroht worden waren, ist die letztere Deutung nicht unwahrscheinlich. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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