Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 45 (4.11.1904)
- Date
- 1904-11-04
- Page
- Seite 535 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Demselben Geist, wie dieser Beschluß gegen die Orgel, entstammt das Verlangen der Konservativen daß das Gebetbuch für die Neue Synagoge inhaltlich revidiert, die Uebersetzung durchgreifend geändert werde. Sollen veraltete Gebete über Opfergebräuche Wiederaufnahme finden? Seit drei Jahren bereits wird ein Jugendgottesdienst am Sabbatnachmittag nach altem Ritus abgehalten, geplant wird das nämliche für die hohen Festtage. Die Gebetordnung für den Jugendgottesdienst soll in orthodoxem Sinne umgestaltet werden. Nicht Gleichberechtigung für die konservative Richtung wird erstrebt, sondern Alleinherrschaft. Allem, was liberal ist, oder als liberal gilt, soll im Kultus -und in der Verwaltung der Boden abgegraben werden. Was Wunder, daß unter diesem konservativen Regiment eine große Anzahl Plätze in der Rhkestraßen- Shnagoge und — was zum erstenmal der Fall ist — auch in der alten Synagoge unverkauft blieb. Wähler! Erwäget dies alles und bedenket, daß in Eurer Hand die Entscheidung über die Zukunft der ersten Gemeinde des Deutschen Reiches liegt. Tretet alle Mann für Mann an die Wahlurne und gebet Eure Stimme dem liberalen Kandidaten! Der Vorstand: Bernhard Breslauer. Justizrat. Vorsitzender, Kaiser Wilhelmstraße 3. Wilhelm Plonsker, Rechtsanwalt, Schriftführer, Badstraße 54. Benas Levy, II. Schriftführer, Fafanenstraße 93. Eugen Landau, Generalkonsul, Schatzmeister, Wilhelmstraße 70 b. Professor Dr. S. Blafchke, Altonaerstraße 21. Julius M. Friedländer, Kommerzienrat, Kurstaße 41/44.' Willibald Loewenthal, Oranienburgerstraße 54. Dr. Georg Minden, Syndikus, Kleiststraßei. James Simon, Klosterstraße80/81. Dr. M. Schaefer, Oberlehrer, Klopstockstraße 24. S. Weile, Maurermeister, Karlstraße 5a. Dr. Max Weigert, Stadtrat, Kielganstraße 2. H. Witkowski, Stadtverordneter, Auguststraße 1. Der Ausschuß: L. Arndt, Justizrat, Oranienburgerstraße 60,63. Wilhelm Arnheim. Tauenzienstraße 6. Professor Dr. H. Aron, Geheimer Negierungsrat, Lichtenstein-Allee 3 e. Albert Beer. Grünstraße 16. Isidor Borchardt, Neue Königstraße 19. Heinrich Buchholz, Kommerzienrat, Fehrbellinerstraße81. Richard Cassel, Grünstraße 3. Moritz Cheim, Kastanien-Allee 88. Julius Cohn, Landgrafenstraße 9. Michael Cohn, Großbeerenstraße 4. Dr. K. Edel, Sanitätsrat, Charlottenburg, Berlinerstraße 17/18. Dr. Georg Eger, Regierungsrat, - Rauchstraße .5. Isidor Freymark, Kurfürstendamm 242. Leopold Friedeberger. Kantstraße 154 a. Leopold Friedmann, Oranienstraße 69. Professor Dr. Ludwig Geiger, Schaperstraße 8. Dr. I. Ginsberg, Karlsbad 7. A. Hahn, Nitterstraße 50. Carl Heymann, Schönhauser Allee 164. Dr. Max Hirsch. Abgeordneter, Genthinerstraße 12/14. Dr. Benno Holz, Sanitätsrat, Marburgerstraße 3. Fred Kaftan, Knesebeckstraße 43/44. I. Landau, Chefredakteur, Steglitzerstraße 12. Ignatz Lasch, Charlottenburg. Goethestraße 80. Joseph Levy, Klopstockstraße 12. M. Lipschitz, Zahnarzt, Mohrenstraße 26. Dr. Max Löwenthal, Chausseestraße 10/11. Adolph Mayer, Dorotheenstraße 22. Emil Mosse, Bendlerstraße 33 a. S. Pulvermacher, Friedrichstraße 36. Moritz Rosenow, Brandenburgstraße 72. Louis Eduard Sachs, Lichtenstein-Allee 2. Dr. Ernst Schwerin, Geh. Sanitätsrat, Schmidtstraße 29. Georg Silberstein, Reichenbergerstraße 154. Hugo Sonnenseld, Rechtsauwalt, Leipzigerstraße 108. Julius Wagner, Neue Friedrichstraße 3. Dr. M. Wiesenthal, Geh. Sanitätsrat. Karlsbad 4. Dieser Aufruf spricht für sich selbst. Er ist offen und freimütig, ohne jede Verschleierung der Tatsachen, ohne jeden politischen Hinterhalt. Alle, die für die fortschrittliche Entwicklung in der größten Gemeinde des deutschen Reichs eintreten wollen, werden diesen Aufruf freudig begrüßen und mit aller Entschiedenheit bei den bevorstehenden Wahlen für die Sache des Fortschritts im Judentum begeistert und mutig eintreten! Uus Nbrrlchlklien. Unter dieser Überschrift brachten wir in Nummer 37 unseres Blattes einen Brief, in dem anläßlich der Wahl in Pleß-Rhbnik die Stellung besprochen wurde, welche die jüdischen Wähler jenes Kreises zu den verschiedenen Parteien (Zentrum, Konservative, Polen) eingenommen haben. Der Aufsatz hat seinerzeit in Oberschlesien großes Aufsehen erregt, und der Verfasser ist mit seiner Ansicht über die-Frage, wie aus den Antworten klar zu ersehen war, die die Blätter der verschiedenen Parteien gegeben haben, durchaus im Rechte gewesen. Nun aber müssen wir auf die Sache leider nochmals zurückkommen. Herr Amtsgerichtsrat Theodor Cohn aus Rybnik hat sich nämlich mit der Art des Abdrucks seiner Zuschrift an uns in Nr. 39 d. Z. nicht für befriedigt erklärt; im wesentlichen, weil wir an seiner Zuschrift einige Milderungen vorgenommen haben, dann aber auch, weil nach seiner Ansicht die Stelle, an der der Abdruck erfolgte, nicht die richtige ist. Das letzte ist, insofern es sich um eine preßgesetzliche Berichtigung handelt, zutreffend. Der Herr Einsender hatte zwar zunächst auf die Form der Berichtigung verzichten wollen, aber unter Bedingungen, deren Erfüllung nicht in unserer Macht stand. Wir müssen deshalb sein Verlangen, seine Zuschrift nochmals als Berichtigung im Sinne des 8 11 des Preßgesetzes zum Abdruck zu bringen, nachgeben. Dagegen sehen wir uns nach Rücksprache mit unserem Rechtsbeistand nicht in der Lage, die eingesandte Berichtigung vollständig wortgetreu zu bringen, da wir uns hierdurch einer strafbaren Handlung (Beleidigung) schuldig machen würden. Wir haben die betreffende Auslassung durch den Druck als solche in der nachfolgenden Berichtigung gekennzeichnet. * . * Der unter dem Titel „Aus Oberschlesien" in Nr. 37 dieser Zeitung pro 1904, Seite 439, erschienene Aufsatz von Arnold Wiener aus Kattowitz enthält u. a. folgende, mich betreffende, bezw. sich auf mich beziehende Stellen: 1. „In der Hauptversammlung des Vaterländischen Wahlvereins zu Nybnik, welche sich mit der Aufstellung des Kandidaten befaßte, ist Herr Amtsgerichtsrat Cohn für die Kandidatur des konservativen Herrn Lukas eingetreten . . ." 2. „Wenn dennoch jüdische Männer von Bildung und prominenter Stellung in der Provinz so manches Mal für die konservative Partei sich brauchen lassen, so liegt das nur an der politischen Unerfahrenheit dieser... Herren, welche instinktiv der Honoratiorenpartei zuneigen und sich häufig durch die sympathische Persönlichkeit der in Verwaltung und Gesellschaft führenden Männer bestechen lassen." Ich habe hierauf folgendes zu erklären: a) Der Passus zu 1 enthält eine [......] Unwahrheit. In der fraglichen, am 28. August d. I. stattgehabten Versammlung standen auf der Tagesordnung die Beratung und Festsetzung der Statuten des Vereins sowie die Frage betreffend die demnächst zu erfolgende Ersatzwahl eines Kandidaten für den kürzlich verstorbenen Landtagsabgeordneten Sanitätsrat Dr. Moritz. Beim ersten Punkte der Tagesordnung habeich wiederholt das Wort ergriffen. Ich habe mich aber vor Erledigung dieses Punktes aus Gründen, die nicht hierher gehören, aus der Versammlung entfernt. Zum zweiten Punkte der Tagesordnung, der hier allein in Frage kommt, bin ich in die fragliche Versammlung n i ch t m e hr z u rü ck g ek e hrt. Dies schicke ich zur Klarstellung der Sachlage voraus und bemerke dazu, daß ich weder in der fraglichen Versammlung,