Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 44 (28.10.1904)
- Date
- 1904-10-28
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Justizrat Lilienthal, Emil. Stern, E. R. Wolfsohn^ Dorothea" Wg!^- ' mann. 'Der Schatzmeister des Vereins Sigismund' Blau, Neue Änß< bacherstraße '7.' Lp. Aus der Provinz Posen, im Oktober. - Der-bisherige erste. Vorsteher der jüdischen Gemeinde zu Witkowo, Kaufmann L.-Ln-. binski, hat anläßlich seines Scheidens von dort der Gemeinde einen Betrag - von > 500 Mark als Spende überwiesen. Frau Lubinski wav auch Vorsitzende des israelitischen Frauenvereins, daselbst. — In Neidenburg entstand auf dem jüdischen Friedhof Feuer, das. alles Brennbare^ vernichtete. Anscheinend war dies von böswilliger Hand, angelegt. — Per israelitische Jungfrauenverein in Wreschen hatte. im, letzten Jahre eine Einnahme von 238,55 Mark und eine Ausgabe - von 235 Mark. Zur Vorsitzenden wurde Fräulein Margarete. Wittfg gewählt. Der Verein zählt jetzt 52 , Mitglieder.: Rechtsanwalt Blau in Frankfurt am Main hat dem israelitischen Krankenpflege- und Leichenbestättungsverein zu P löschen 500 Mark überwiesen als Zuschlag zu dem Fonds, der dazu dient, armen Gewerbetreibenden zinslose Darlehne zu gewähren. — Ein» vierfaches Jubiläum beging neulich der Repräsentant der jüdischen Gemeinde zu Bütow, Kaufmann Simon Scheidemann daselbst, nämlich seine Silberhochzeit, sein 25 jähriges Geschäftsjubiläum, sein 25jähriges Mieterjubiläum und seine 25jährige Mitgliedschaft beim patriotischen Kriegerverein. ' Cp. Jnowrozlaw, 21. Oktober. Der in voriger .Woche iijt ehrenvollen Älter von 82 Jahren dahingeschiedene Stadtälteste Stadt,--- rat a. D. Aron Kurtzig, von dessen Hinscheiden Sie schon kurz Notiz genommen haben, war, eine der angesehensten Persönlichkeiten unter den deutschen Juden des Ostens. Lange Jahre, beinahe ety: Menschenalter, kam sein gemeinnütziges Wirken in gleicher Weise der Gemeinde wie der städtischen Verwaltung zugute. Beiläufig bemerktwar der Verstorbene einer der wenigen noch lebenden Abonnenten der „Allgem. Zeitung des Judentum" seit dem Tage ihres Bestehens. Aron Kurtzig war ein ehrlicher, überzeugungstreuer, aber liberaler Jude. So gab er dem Schreiber dieser Zeilen gegenüber im vergangenen Winter seine Freude darüber Ausdruck, daß es einer Revisionskommission der Repräsentantenversammlung und deß, Gemeindevorstandes der Jnowrazlawer Gemeinde, bekanntlich einer der stärksten in den östlichen Provinzen, gelungen sei, in Uebereinstimmung mit dem Rabbiner Dr. Cohn sich über die Entfernung einiger nicht mehr zeitgemäßen Gebete zu einigen. Von der allgemeinen Verehrung die der Verstorbene, eine ehrwürdige Patriarchenerscheinung, bei allen Schichten der Bevölkerung und Mitgliedern aller Konfessionen genoß, legte die unter überaus großer Beteiligung aus der Stadt und Umgebung erfolgte Beerdigung ein beredtes Zeugnis ab... Ehre dem Andenken des durch vornehme Gesinnung, mildes abgeklärtes Wesen, und. last not least, vielseitige, bei einem in parteiischem Leben stehenden Kaufmann — Kurtzig war Fabrikbesitzer — geradezu überraschende Kenntnisse in den verschiedensten Wissenszweigen aus-, gezeichneten Mannes! . — Celle, im Oktober. Nach einer interessanten Entscheidung des. hiesigen Oberlandesgerichts, welche wegen der bevorstehenden Neuregelung des Fideikommißwesens augenblicklich von besonderem Interesse sein dürfte, bestehen jüdischeFideikommisse im Deutschen Reiche zu Recht. In dem Testamente eines im Jahre 1756 ver-> storbenen jüdischen Erblassers, eines mit irdischen Gütern reich gesegneten Großkaufmannes, war bestimmt, daß die Hälfte des zum Nachlasse gehörenden Vermögens „zum beständigen Aufnehmen einer Familie", „zu einem ewigen und unauflöslichen Fideikommißkapitas. und Gut" gewidmet sein solle. Es war dann in dem Testament die. Nachfolgeordnung bis ins kleinste, sogar über das Aussterben des Mannesstammes hinaus geregelt; es waren „je- und allezeit" 300. Gulden für arme Verwandte ausgesetzt; es war verordnet, daß alle? zeit eine Anzahl jüdischer Gelehrter gehalten werden sollten; und es waren endlich als „Anhang des Geld- oder Geschäftsfideikommisses"'» welches somit die Hauptsache sein sollte, auch Häuser und Gürtendem Fideikommiß gewidmet, so daß sie mit solcher Qualität auf ewige; Zeiten behaftet sein sollten. Da, wie das Gericht seststellt, auch Juden . um die Mitte des 18. Jahrhunderts von der Errichtung von Fidei-. kommissen nach den aus dem Gewohnheitsrecht zum allgemeinen Privatrecht gewordenen Normen nicht ausgeschlossen waren, konnte es nach. den wiedergegebenen Anordnungen, keinem Zweifel unterliegen, baß. es.'sich um ein deutschrechtlithes Familienfideikommiß von ewiger». Dauer handelte. Dern stand .auch die etwaige Unfähigkeit der jüdischen Geschlechtssolger des Stifters, Grundeigentum zu erwerben, nicht^im Wege, , und. es widersprach dem ebensowenig, die mit dem Fideikornmiß verbundene Verpflichtung, das Geschäft weiterzuführen, da irgendwelche Verpflichtungen (die Bewirtschaftung eines Grundstücks u. dgl.) stets an ein Fideikommiß geknüpft sind.' , . Detmold, 1.8. Oktober. Ein : geachteter Bürger unserer Stadt und tätiges Mitglied unserer Gemeinde wurde heute dern Schoße der Erde übergeben. Am 14. d. M. verschied in.kräftigem Mannesalter nach eben vollendetem 39. Lebensjahre der. praktische . Arzt Herr Dr. Max Michelsohn. Der Verstorbene wurde in Aus-: Übung seines Berufs von der tückischen Thphuskrankheit ergriffen, der er zum Opfer fiel. Sowohl als pflichttreuer, gewissenhafter Arzt wie auch als Mensch erfreute er sich großer Beliebtheit und Hochachtung. Den Angelegenheiten, die das Judentum betreffen, brachte er stets als glaubenstreuer Jude ein lebhaftes Interesse entgegen. Jahrelang war er Vorsitzender des Wohltätigkeitsvereins. Am Grabe hielt Herr Prediger Plaut eine herzergreifende Rede. Eine betagte Mutter beweint den Verlust ihres einzigen Sohnes. Ehre seinen! Andenken, — Paderborn, 18. Oktober. Der 44. Jahresbericht über die israelitische Waisen - Erziehungs - Anstalt für Knaben und Mädch en aus Westfalen und Rheinland kann zwar auch in diesem-'Jahr wiederum nicht von großen Ereignissen; berichten, konstatiert aber mit Genugtuung die stetige gedeihliche Entwicklung der Anstalt, in der im verflossenen Jahre 47 Zöglinge waren, hiervon waren 23 aus' Westfalen, 24 aus der Rheinprovinz. Die Grundsätze, welche bei der Erziehung der Zöglinge befolgt werden, sind bekannt. Es wird für einen guten, gediegenen Elementarunterricht gesorgt, und wo sich besondere Anlagen zeigen, werden diese berücksichtigt und ausgebildet. Durch das Leben im Hause, durch die Begehung der patriotischen Gedenktage, und durch Abwechslung zwischen Spiel und Arbeit, gestaltet sich das Leben in der Anstalt für die Kinder in jeder Weise angenehm. Am 1. Mai d. I. schied Lehrer Speier nach 2^jähriger erfolgreicher Wirksamkeit aus der Anstalt: an seine Stelle trat Herr Heilbrunn, der früher in Horn i. W. amtierte. Leider hat die Anstalt auch einen herben Verlust durch den Tod des Herrn Kommerzienrat Moritz Beer in Essen (Ruhr), der seit Jahren dem Kuratorium angehörte und sich stets als gütiger Freund der Waisen zeigte, zu beklagen. Der Vorstand besteht aus der Vorsteherin Fräulein Paula Marcks und das Kuratorium: die Herren Louis Mahler in Paderborn, Nicolaus Ranfohoff in Paderborn, Kommerzienrat Emil Paderstein in Paderborn für Westfalen,- Oberrabbiner Dr. Horowitz in Krefeld, Bernhard Simons in Düsseldorf, Hermann Cohen in M.-Gladbach für Rheinland und Carl W. Sinlons in Düsseldorf, stellvertretendes Kuratoriumsmitglied. n. Mannheim, 19. Oktober. In unserer Gemeinde ist in letzter Zeit eine nachahmungswerte Einrichtung getroffen worden. Es kam nämlich eine neue Interessengemeinschaft zustande, nicht, wie sie an der Tagesordnung auf dem Gebiete des Bankwesens oder der Industrie ist, sondern diesmal stellt sie einen Zusammenschluß der hier existierenden drei Vereine für jüdisches Geistesleben zu gemeinsamer Betätigung dar. Diese Vereine: der Jüdische Diskussionsverein, der Verein für jüdische Geschichte und Literatur und die Zionistische Orts- > gruppe, die im einzelnen ihre Selbständigkeit und Tendenzen wahren, .haben sich zu einem „Jüdischen Vortragsverband" zusammengeschlossen, um von jetzt ab abwechselnd jeden Dienstagabend Vorträge mit anschließender Diskussion abzuhalten; die Mitglieder des einen Vereins haben auch zu den Abenden der anderen freien Zutritt. Der Vorstand des Verbandes setzt sich aus je zwei Mitgliedern der drei Vereine zusammen, zum Vorsitzenden wurde als siebentes Glied der Vorsitzende des Jüdischen Diskussionsvereins gewählt und leitet auch er die Versammlungen und Diskussionen. Der Verband hat sich noch weitere Ziele gesteckt, so die Errichtung einer jüdischen Lesehalle, den Ausbau einer vorhandenen Bibliothek rc. Vielleicht veranlaßt dies Vorgehen in gemeinsamer Arbeit auch andere Städte zu ähnlichem Beginnen.