Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 44 (28.10.1904)
- Date
- 1904-10-28
- Page
- Seite 527 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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goldeten Sänfte, umgeben von einer Schar von Begleitern ein vornehmer Palmyrener vor der Vorhalle' angelangt. . Stolz - erhobenen Hauptes? durchschritt er den Raum, während bei seinem Nahen die. in der Halle Anwesenden sich tief bis zur Erde - neigten; jedoch sein verächtlicher Blick flog hinweg über die.gekrümmten Rücken der Palastbeamten, wie über die zu Boden gesunkenen Sklavenum sich mit gewinnendem Lächeln einem älteren Manne zuzuwenden, dessen Haar und Bart den Juden verriet, wie die kostbare Gewandung auf den Reichtum des Trägers'hinwies. . Mit würdevoller Verneigung begrüßte er den vornehmen Herrn, der sich jetzt wohlwollend lächelnd an ihn wandte. „Sei mir-gegrüßt im Palaste, edler Schalmalath! Es ist lange her, seit Du hier nicht gesehen wurdest." „Welch hohe Ehre erweisest Du mir, mein Fürst," entgegnete der Jude, „daß Du mein Fernsein merktest." „O, wir haben nicht viel Deinesgleichen hier in Palmyra," unterbrach ihn der andere, „als daß Deine Abwesenheit nicht bemerkt würde." -Und wenn nun gar Du,' edlerMäonius, geruhtest, dies zu bemerken, der Du doch wahrlich Dinge genug im Kopfe trägst, die wichtiger sind, als . . ." „Meinst Du," gab lachend der junge Mäonius zurück, „meinst Du, daß es hier am Hofe nicht auffällt, wenn sich der edle Schalmalath zurückzieht und die Nähe des Hofes flieht?" „Vergib Deinem Diener, o Herr, was Du mir zum Vorwurf machst, das tat ich nicht aus nichtigen Gründen — allein, wie Dir, edler Prinz, wohl nicht bekannt sein dürste, ich hatte in den letzten Wochen wieder einmal eine große und wichtige Karawane durch die Wüste zu geleiten." „O,. wer in Palmyra wüßte nicht, welch ein unschätzbares Verdienst Du Dir erwirbst um den Handel des Landes und um die Sicherheit' der Wüstenwanderer." „Mein Fürst überschätzt meine geringen Verdienste," wehrte bescheiden Schalmalath. - „Neinnein! Wir alle wissen Deine Verdienste um das Land hoch zu schätzen, und wenn ich einen Augenblick daran vergessen konnte, daß Deine Zeit wichtigere Dinge in Anspruch nehmen, als im Palaste zu erscheinen, so lag es daran," schloß er lachend, „daß — Du sagtest es ja selbst — mein Geist durch mancherlei beschäftigt ist . . „Der Geist," gab mit feinem Lächeln Schalmalath wieder, „und auch das Herz." „Mag sein," lächelte der junge Fürst, „auch das Herz ist nicht frei — und wie wäre dies denn möglich hier in Palmyra, wo die Schönheit herrscht."; „Und wo die Herzen der Schönsten dem tapferen Mäonius zufliegen, der durch seine Wahl wohl die edelsten.Töchter des Landes glücklich machen würde . . ." „Ich denke nicht daran," unterbrach ihn mit zerstreuter Miene der^junge Fürst, „mag ein anderer unter den Töchtern Palmyras wählen — wer die Sonne erschaut, kann der noch in den Sternen Umschau halten — doch ich vergaß, Dich führt wohl wichtigeres hieher, als die kostbare Zeit mit mir zrr verlieren."; „Die Zeit, die ich in Deiner erhabenen Gesellschaft weile, o Mäonius, ist keine verlorene . , ." „Doch, da sie zu dem nicht führt, was Deine Anwesenheit bezweckt. Was führt Dich her?" „Du weißt, mein Fürst, daß meine Glaubensgenossen von nah und ferne, sobald sie hieher nach Palmyra kommen, sei es, um einen großen Handel abzuschließen, sei es, daß sie an den Stufen des Thrones Klage führen wollten, über erlittenes Uüpecht, sich stets in ihrer Not an mich wenden, - daß ich ihnen beistehe 6 - „Und" daran tun sie wahrlich gut," rief der Prinz, „denn ihre Sache ist dann ' dem besten Manne anvertraut und die Bitte, die deredle Schalmalath befürwortet, ist wohl im voraus schon gewährt." - ' „Nicht immer, mein Prinz! Gar oft stellen - sich mir Hindernisse in den Weg!" - - •- „Die zu beseitigen Deiner: Klugheit wohl stets - gelingt, weiser Schalmalath." 'i'; > ' „Du überschätzest mich, edler Prinz. Wohl gilt mein Wort viel bei Hofe, ich weiß es und freue mich dieses Einflusses t - „Hast Du ihn ja allezeit-nur zum besten angewendet,'" warf Mäonius ein. . '; „Allein es lebt eine Partei hier in Palmyra, die meinen Einfluß untergräbt und meine Handlungen durchkreuzt." f „Du glaubst: die, welche der neuen Lehre huldigen — Du sprichst von Paulus und seinen Anhängern . . - > -!- „Nein, edler Mäonius, Bischof Paulus von Samosate mag mir und meinen Glaubensgenossen nicht gnädig gesinnt fein, allein der Bischof ist ein, edler Mantt und hat bei einer Tat der Nächstenliebe seine Hilfe nie versagt." i > „Er ist mächtig, der mächtigsten einer in unserem Lande." „Du sagst es, mein Fürst, und ich preise den würdigen 'Bischof, der seine Macht nicht dazu nützt, um das Böse zu vollbringen. Die Griechen aber sind es, deren schädlichen Einfluß ich stets befürchte und Du weißt, ihre Macht ist groß." I „Allerdings, da ja Longinus an, ihrer Spitze ffteht und mit spitzfindigem Philosophengeist stets die A)inge so wendet, /daß sie sich für ihn und seine Partei günstig gestalten." „Und seiner Anhänger sind zahlreiche — ist ja seine Stellung als Erzieher des edlen Vaballath eine mächtige." : Ueber die Züge des Prinzen glitt bei den Worten ein / unwilliger Ausdruck und das Gespräch schroff, abbrechend, -wandte er sich zum Gehen. „Mag sein," schloß er kurz, „so wünsche ich Dir denn den besten Erfolg für Dich und Deine Schutzbefohlenen." * Trilnken vor Glück und namenloser Wonne war . Assad , durch die dunklen Straßen der Stadt wieder dem Hause Rabbi iJochanans zugeschritten. In ihm jubelte und jauchzte es. -Wie war er doch ausgezogen, so arm, so herzensöde, und nun . barg er ein Glück in seinem Herzen, das übermächtig war 7 und das seiner Seele Schwingen lieh, auf daß sie sich erhebe :und ihn, Assad, den Jüngling aus Damaskus, über, alle, alle -Menschen hinwegtrüge und zum Glücklichsten mache, den je-;: mals die Sonne beschienen hier im herrlichen Palmyra, und . der jemals durch die. düstereren Gassen wandelte daheim in Thayaskus. O daheim! Gab es für. ihn von nun ab - eine Heimat? Wie war er doch so arm gewesen und seine -Wünsche so geringe, als er noch daheim bei den Seinen - weilte und mit teilnahm an ihren kleinen Sorgen und .? Handlungen— was kümmerten ihn nun jene! In seiner Seele gab es nur Raum für einen Gedanken,, in seinem Geiste lebte fortan nur ein Bild — das ihre! .Mochten die Eltern , sich über den Verlust ihres Sohnes trösten, der. alte SSamuel wieder heimkehren, woher er gekommen, was kümmerts - ihn? Er hatte keinen Anteil mehr an dem Geschicke der; anderen, sein Weg war ihm nun .vorgezeichnet — und er; mußte ihn zur höchsten Seligkeit geleiten!! Mit fieberhaft erhitzten Wangen, mit vor glühender Er- ' regung leuchtenden Augen langte er bei.dem Hause Jochaanans - an. Da trat ihm an der Schwelle Leilah entgegen. .