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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-10-28 · Heft 44 (28.10.1904) · p. Seite 519

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 44 (28.10.1904)
Date
1904-10-28
Page
Seite 519 (sequence 3)
Language
German
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Jahr Juden Sonstige Personen Insgesamt 1893 19 828 847 1894 16 757 773 1895 17 869 886 1896 14 769 783 1897 14 768 782 1898 7 776 ' 783 1899 . 10. 670 680 1900' 7. 608 615 1901 9 . 716 725 1902 ... . - 8 ‘ - 623 _ 631 zusammen 1893—1902 121 7384 V. 7stt5 Im Durchschnitt der letzten 10 Jahre stellt sich nach den obigen Zahlen der Anteil der Juden an den wegen Meineids bestraften Personen für das Reich auf 1,61 Prozent Prozent (121 unter 7505). Im Durchschnitt der letzten drei Jahre sinkt die Ziffer ans 1,22 Prozent (23 unter 1971). Die Zahlen für Preußen insbesondere lauten für die letzten drei Jahre. . Die im preußischen Staat wegen Meineids bestraften Jahr Juden Sonstige Personen Insgesamt 1900 6 348 254 1901 7 392 399 1902 5 JB13 318 zusammen 1900- -1902 18 1053 1071 Im Durchschnitt der letzten drei Jahre stellt sich hiernach der jüdische Anteil aus 1,68 Prozent (18 unter 1071), für das letzte Jahr 1902 insbesondere auf 1,57 Prozent (5 unter 318). Wie ein Anteil von 30 Prozent herauskommen soll, ist ganz unerfindlich. Der Satz schwankt zwischen 1 und 2 Prozent, übrigens auch bei Einschluß der anderen Verletzungen der Eidespflicht. Für Preußen pro 1902 stellt er sich in diesem Fall auf 1,68 Prozent (12 unter 714). Mit der Einbeziehung von fahrlässigem Falscheid re. wird aber meines Erachtens das Bild nur verwischt, das Ergebnis verwässert. Die Tauglichkeit der Prozentsätze der an sich schwächer vertretenen Delikte für bündige Schlüsse über das Vorhandensein'besonderer krimineller Anlagen bei den einzelnen Konfessionen erscheint aber überhaupt sehr zweifelhaft und zwar von allem andern abgesehen — schon wegen der so ungleichen Konfessionsverteilung der Reichs- oder Landbevölkerung: die Verhältnisziffern der Juden als eines ganz geringen Bruchteils der Gesarntbevölkerung sind gegen zufällige Schwankungen ungleich empfindlicher, als die der christlichen Konfessionen. Wenn im ganzen Deutschen Reiche — vom Belt bis zur Donau — in einem Jahre mal drei Juden mehr oder weniger, als im vorhergehenden wegen Meineids bestraft werden, so wird dies jeder als lediglich zufällig und jeder Beweiskraft entbehrend ansehen. Die drei Fälle aber würden von der Zahl des Jahres 1902, welche wie oben angegeben sich auf 8 stellte, nicht weniger als 37,5 Prozent bedeuten. Und in wesentlich gleichem Maße würde der Anteil der wegen Meineids bestraften Juden an der Gesamtzahl der Inden durch die drei Fälle beeinflußt werden. Mit einem Wort: Die absolute Zahl der jüdischen Meineidsfälle ist an sich zu gering, als daß die daraus berechneten Verhältnisziffern mit den bezüglichen der christlichen Konfessionen die gleiche Stufe von Glaubwürdigkeit und Beweiskraft einzunehmen vermöchten. In der deutschen Kriminalstatistik für 1901 ist der Anteil der wichtigsten Strafarten an der strafwürdigen Bevölkerung jedes Bekenntnisses berechnet. Da lauten denn die (auf 100 000 der strasmündigen Personen bezogenen) Ziffern für Meineid: bei den Evangelischen . 1,7 „ „ Katholiken . . 2,1 „ „ Juden .... 2,2 Bedenkt man, daß bei den Juden schon ein Fall die Ziffer um 0,2 verändert, so wird man, will man die Wahrheit nicht grundsätzlich von sich weisen, anerkennen müssen, daß die geringe Abweichung der jüdischen von der Ziffer der beiden christlichen Konfessionen ganz und gar zufälligen Charakters ist. Nicht entbehrt es in gewissem Umfange der Komik, wenn nach derselben amtlichen Quelle die entsprechende Ziffer für Mord (!!!) bei den Juden sich höher als bei Evangelischen oder Katholiken stellt; 0,24 auf 100 000 strafmündige Juden, dagegen 0,23 bei den Evangelischen und gar nur 0,19 bei den Katholiken. Daß aber die Juden an Mordsucht ihre christlichen Mitbürger übertreffen, hat wohl die „Deutsche Hochwacht" am wenigsten erwartet. Die Ninaldo Rinaldinis aber müssen doch wenigstens Courage haben. Für die Gesamtheit der Delikte stellen sich die Ziffern übrigens bemerkenswert günstig. 1100,5 auf 100 000 strafwürdige Juden gegen 1136,1 bei' den Evangelischen und 1439,0 bei den Katholiken. * : Es ist interessant zu hören, daß es sich bei den Reservistenunruhen in Südrußländ nicht um Judenhetzen in erster Reihe gehandelt hat. Die „Ruff. Tel. Ag." stellte bekanntlich die durch Nachlässigkeit der Intendantur leicht erklärbaren Unordnungen als eine Judenhetze dar, die hervorgerusen sei durch. Preissteigerungen jüdischer Nahrungsmittelhändler und durch den Zorn der Christen über jüdische Sozialisten, welche Aufrufe gegen den Krieg verteilt hätten. Ein Korrespondent der „V. Z." ist nun in der Lage, eine allseitig nachgeprüfte Darstellung der tatsächlichen Vorkommnisse zu geben. Es hat sich in diesem Falle nicht um Judenhetzen, sondern um Bummeleien der Intendantur im Zusammenhang mit mangelnder Geschicklichkeit der Transportführer und Ortsbehörden gehandelt. Kleinere Unordnungen sind nach den eingelausenen Nachrichten wohl überall da v.orgekommen wo die Reservisten zwei Tage und mehr nicht mit warmen Speisen versorgt wurden, in Odessa, Jekaterinoslaw und zahlreichen anderen Orten. Zu wirklichen Plünderungen der Eisenbahnbüfetts und einzelner Brotbuden kam es in Snamenka, Sdolbunowo, Mironowska, Korsum, Schepetoloka, Rowno. Sehr böse muß es in Jekaterinoslaw gewesen sein, wo die dortigen organisierten Fabrikarbeiter sozialistische Aufrufe verteilten und zur Auflehnung gegen die Obrigkeit aufforderten. Polizei und. Gendarmerie leisteten den Reservisten keinen ernstlichen Widerstand. In der Fabrikstraße organisierten sich die Juden zu bewaffnetem Widerstande und wurden darin von etwa 300 Fabrikarbeitern unterstützt. Dennoch wurden einige Läden zerstört. Schließlich gelang es,"' -die zum Teil betrunkenen Leute zu umzingeln und gegen den Dnjeprfluß zu drängen. Schlimmer sah es in Alexandria, einem kleinen Städtchen des Gouvernements Cherson, aus. Dorthin waren gegen 1800 Reservisten konsigniert, die, direkt vom Lande kommend, vom 14. September ab eintrafen. Für Verpflegung war in keiner Weise gesorgt. Naturgemäß stiegen die Lebensmittelpreise in gleichem Maße wie die Zahl der Verbraucher. Am 17. (Sonnabend) wurde ein einem Russen gehöriges Geschäft zerstört, da die jüdischen Geschäfte geschlossen waren. Sonntag aber gab es in allen 20 bis 25 Lebensmittelhandlungen Unzuträglichkeiten, die in Prügeleien und später in einen geschlossenen Angriff gegen die Geschäfte ausarteten. Ein Jude wurde getötet, zwei schwer verwundet. Erst als am Sonntag Kosaken erschienen, wurde die Ruhe wieder hergestellt. Ebenfalls blutig gingen die Prügeleien in Wologda aus, wo es keine handeltreibenden Juden geben soll. Es bedarf ihrer auch gar nicht, denn der russische Kulak (Blutsauger) kennt sein Geschäft besser als der jüdische. Das ist kurz der Tatbestand, dem erst das Dementi Bedeutung gibt. Denn wie zu des seligen Plehwe Zeiten werden darin die Juden verantwortlich gemacht für die Schuld der Intendantur. Das Dementi ist ein weiterer Beleg für die Behauptung des Fürsten Trubetzkoy, Professors an der Universität Kiew, in Nr. 39 der Wochenschrift „Prawo", daß im gegen-

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