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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-10-21 · Heft 43 (21.10.1904) · p. Seite 515

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 43 (21.10.1904)
Date
1904-10-21
Page
Seite 515 (sequence 11)
Language
German
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ragenden Palmen, spiegelte sich in. tausend leuchtenden Farben in den Früchten der blühenden Zitronen- und Orangenhaine, inn dann mit seurigem Glanze hinter den fernen Bergen zu versinken. Wie mit leisem Gruße umfingen den erregten Jüngling jetzt die sanst wehenden Zweige des Oelbaumes und aufschauend aus seinen Sinnen sah er sich inmitten eines von Palmen und Lorbeersträuchern verdeckten, im reichsten Blumenflor prangenden Gartens. Wie erglüht von den letzten Strahlen der scheidenden Sonne erhob sich vor dem trunkenen Auge des Jünglings inmitten all. der leuchtenden Blumenpracht die Marmorstatue einer Göttin. Festgebannt hing das Auge des Jünglings an der in vollendeter Schönheit prangenden Gestalt der heidnischen Göttin und es war, als sollte er hinsinken zu ihren Füßen und den leblosen Stein preisen mit den heißesten Dankesworten für das Glück, das ihm im Anschauen der göttergleichen Züge geworden. Und es schien, als ob in die marmornen Züge der Göttin Leben trete und als ob sie sich neigte zu dem vorn Zauber ihrer Schönheit umfangenen Jüngling — er fühlte ihre belebende Nähe — er sah ihre strahlenden Augen mild lächelnd auf sein Antlitz gerichtet und auf seinen brennenden Wangen fühlte er den süßen Atem ihres Mundes. Doch da ließ den im seligen Anschauen versunkenen Jüng-. ling ein leises Geräusch erbeben. Traumbefangen riß er sich von dem zauberischen Anblick los, der seine Sinne gefangen genommen — und wie entgeistert richtete sich jetzt sein wie im Fieber leuchtendes Auge nach jener Stelle hin, aus der das Geräusch gekommen war — und wo — o! welch namenloses Glück — jetzt sie erschien, sie, die Göttin, zu deren Füßen er anbetend geruht — nein, nicht die Göttin, das kalte leblose Bild von Stein, nein, ein Wesen, dessen reizumflossene Erscheinung wohl die Züge der Göttin trug, das aber, erglühend in holder Verwirrung, noch.weit herrlicher war, und dessen große Flammenaugen sich jetzt in dunkler Glut auf das erregte Antlitz des zu Boden Gesunkenen hefteten. „O Dank, Dank Dir, o Göttin, daß Du herniederstiegst zu den Sterblichen!" Glühende Röte färbte das Antlitz derjenigen, in der Assad das Abbild der Göttin erblickte. . """" „Was wagst Du? Und wie gelangtest Du hierher?" unterbrach sie den verzückt zu ihr auffchanenden Jüngling. „Vergib Deinem Sklaven, o Göttin, der im Anschauen Deiner magischen Schönheit der Wirklichkeit vergaß — vergib! Doch — ich flehe Dich an — verjage mich aus Deiner Nähe nicht — es wäre mein Tod. „Und lebtest doch bisher ganz vergnügt," fiel sie lachend ein „und warst mir ferne. . ." „O Göttin," kam es heiß auflammend aus des Jünglings Brust, „da wußte ich ja nicht, was diese Stadt umschließt, da kannte ich Deinen Anblick noch nicht. . ." „Du bist ein Fremdling? Dacht" ich es doch . . . allein wie gelangtest Du ungesehen in diesen Garten, in den Hain der Astarte?" „Und ich dank" es meinem Glücksstern, der mich den Gefährten entrinnen ließ und im Dämmerschein der niedergehenden Sonne hierher führte, hierher zu Deinen Füßen." „Du weilst noch nicht länge in dieser Stadt?" unterbrach sie ihn. . „Nun ist"s aber genug der götzendienerischen Anbetung!" schloß sie lachend, „nun erhebe Dich und sieh" zu, wie Du Deine Gefährten wieder erreichst." „Du verbannst mich aus Deiner Nähe, Göttliche?" kam es in bebender Bestürzung aus seinem Munde, „wie, ich darf diese engelschönen Züge nicht Wiedersehen — mich nicht in Deinem Flammenauge spiegeln, nicht an Deinenr Anblick berauschen?" ' ' „Wie nennst Du Dich, Fremdling?" unterbrach sie des Jünglings heiß aufwallende Rede. „Assad, sagst Du? Nun denn, mein junger Assad, ich kann Dich nicht länger hier dulden — es könnte jemand hierherkommen und ..." „Was fürchtet meine Göttin? Wer könnte es wagen. Dir zu nahen?" „Wer es wagen könnte?" lachte sie, „und hast es selbst gewagt." „O, Herrliche, das was mich hierher zu Deinen Füßen geleitet, das war nicht bloßes Ungefähr — nein, getrieben von einer unsichtbaren Macht, von magischer Zauberhand geleitet, gelangte ich hierher — und fand Dich, Dich, die Du euerer Göttin gleichst an Schönheit!" „Und auf diese Gnade hin," sagte sie mit leisen: Lächeln, „wagst Du meinem Wunsche zu trotzen. Dein Gott, blondev Germane, besäße er die Macht, hätte Dich wohl lange schon aus seiner Nähe verbannt, wenn Du ihn: den Gehorsam verweigertest." „Du irrst, göttliche Zauberin, mein Vaterland liegt nicht im kalten Norden ..." „So bist Du wohl gar Römer?" unterbrach sie ihn mit hastigem Ungestüm. „Ich bin Dein Sklave, Himmlische! Wohl hatt" ich, ehe ich Dich sah, eine Heimat, einen Gott — ja, mir lebt noch Vater und Mutter- — allein ihre Züge verschwinden vor meinen: Auge — das nur Dich sieht, nur in Dir, in Deinem beseligenden Anschauen lebt." Leises Beben zog durch ihre Gestatt, da traf ein Blick aus den im reinsten Blau des Himmels strahlenden Kinderaugen des Jünglings ihr Auge — und eine heiße Glutwelle drang in ihr Antlitz und färbte ihre Wangen mit jähem Rot. Nun erhob sie den glänzenden Blick und, ihr dunkles Auge tief in das Antlitz Assads senkend, sagte sie: „Erhebe Dich, holder Assad, es ziemt einem Sohne- Deines Stammes nicht, im Staube zu liegen vor einer Sterblichen." „Die eine Göttin ist, ja, eine Göttin, deren Anbetung ich mich geweiht habe, fortan mit meinem ganzen Herzen! — — O höre auf die Stimme, die aus meinem Herzen zu Dir spricht und die Dir zurust: „Ich liebe Dich! Ich bete Dich an!" Er hatte es hervorgestoßen, rasch, leidenschaftlich, glühend. Da hatte sie sich jäh emporgerichtet . . . mit bebenden Fingern erfaßte sie den langen, weißen Schleier, der ihre nachtschwarzen, glänzenden Locken bedeckte, um ihr Gesicht zu verhüllen. „O, entzieh nur doch den Anblick Deiner göttlichen Züge nicht! flehte der Jüngling, „verweile noch, ich flehe Dich an." „Nein, laß mich scheiden, mein holder Fremdling, zu lange schon habe, ich hier verweilt . . ." „Du nimmst mein Leben mit, verlaß mich nicht — töte mich nicht." „Es muß sein, Assad," kam es' zögernd von ihren Lippen, „Nur müssen uns trennen — allein, ich will Dich Wiedersehen, komm, wenn die Sonne zweimal ihren Lauf vollendet." „Nun denn, so sei"s! Wenn die Sonne das nüchstemal hinter den Bergen versinkt — sehen wir uns hier wieder!" . . Die schöne Unbekannte war in den schattigen Gängen des Gartens verschwunden. Er aber sank zur Erde hin und bedeckte den Rasen, den ihr Fuß betreten, mit glühenden Küssen. (Fortsetzung folgt.)

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