Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 42 (14.10.1904)
- Date
- 1904-10-14
- Page
- Seite 504 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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nicht aus dem Sinn und zwar der: „Du wirst in die Tieferr des Ateeres ' versenken . all ihre Fehle!" - Ich : will hier keine Nöschhaschonoh-Predigt halten, um so weniger, da auch schon das Sllkkoth-Fest vorüber ist. Aber der Umgang mit der Natur weist uns unwillkürlich auf solche Betrachtung lsiu, wenn wir vorher^ den Umgang mit den Menschen gepflegt und den Erzählungen von ihren Sorgen und Erfolgen, von ihren Leiden und Hoffnungen zugehört haben. Wer doch die Gespräche die man so in stiller Abendstunde am Heringsdörfer Strand mit anhört oder vielmehr im Vorübergehen auffängt, festhalten und in eine angemessene Verbindung bringen könnte, der würde ein ebenso wertvolles Kapitel der Völkerpsychologie zustande bringen. Ich denke eines solchen Abends gerade vor meinem Scheiden von dem herrlichen Seebade. Es war einer jener unvergeßlichen Abende, wie man sie eben nur dort erleben kann. Der Mond goß sein volles Silberlicht über das schlafende und wie aus dem Schlaf murmelnde Meer weit hinaus. Tiefe Stille herrschte überall, nur selten unterbrochen von dem Gespräch der Menschen, das allerdings mehr als oft geeignet war, die poetische Ruhe zu unterbrechen, wie :etwa der folgende Dialog eines jungen Berliner Ehepaares. Sie: „Welch" herrliche Nacht, diese Lichterpracht am Himmel." Er: „Tu mir den Gefallen und sieh Dir die Sterne nicht so an. Ich kann Dir doch keinen kaufen!" . Die Größe der Natur demütigt eben das kleine Menschenherz und bringt es in Stimmungen, die ihm vielleicht sonst ganz fremd geblieben wären. Wie dem Musiker zuweilen infolge gewisser Anregung eine rührende Melodie im Ohre nachklingt und, ihm unbewußt, sein Auge mit Tränen füllt, so mußte auch ich in solch feierlicher Abendstunde jenes ergreifenden. Gesanges aus dem Weltgedicht von Dante mich erinnern, wo beim Anbruch der Dämmerung eine Schar büßender Seelen am grünenden Abhänge sitzt, in die Ferne schaut .und einen Sang zum Lobe des höchsten Wesens anstimmt. An die Freuden des Aufenthalts der Seligen reicht nun freilich der Zauber des Ortes nicht. entfernt hin; für Männer aber, die sich noch am Kampfe des Lebens beteiligen müssen, die im Wechsel von Tag und Nacht, von Glück und Leid zu dulden haben, war er schön und rein und unvergeßlich. 6. K. Literarische Mitteilungen. --- Ein großes und wichtiges Unternehmen wird wieder in Amerika geplant. Die bekannte Verlagsfirma Witwe und Gebrüder Romm in Wilna, die schon im Jahre 1789 begründet worden, hat in New York eine Filiale eröffnet und beabsichtigt nun unter der Mitwirkung hervorragender Kapitalisten nichts mehr und nichts weniger als eine Illustierte Geschichte der Juden und der jüdischen Literatur in Einzeldarstellungen in 50 Bünden ü 350 Seiten herauszugeben. Die Geschichte Amerikas soll in 3, England und seine Kolonien in 2, Deutschland, die Schweiz, Holland, Dänemark und Schweden in 3, Rußland in 4; Oesterreich-Ungarn in 2, Spanien- Portugal in 1, Italien in 1, Frankreich, Algier, Marokko, Tunis und Bulgarien in 1 und ■ Asien ebenfalls in 1 Bande behandelt werden. Die jüdische Literaturgeschichte soll in folgenden 12 Abteilungen dargestellt werden. Geschichte der Bibelexegese und Einleitung in das alte Testament 2 Bände, Handbuch der biblischen und nachbiblischen Archäologie 2 Bände, Geschichte der Exegese des Talmuds und seiner Kommentare 4 Bände, Handbuch des talrnüdischen Rechts 3 Bände, Geschichte der hellenistischen Literatur 1 Band, Geschichte der karaitischen Literatur 2 Bände, Religiöse Poesie, Liturgie und synagogäle Musik 3 Bände, Geschichte der jüdischen .Hornkletik 2 Bände, Geschichte der hebräischen Philologie und des.Buchdrucks 1 Band, Geschichte und System, der jüdischen Theologie, einschließlich der Ethik, Kabbala, Religionsphilosophie und Apologetik 4 Bände, Geschichte der neuhebräischen Literatur und des jüdischen Dialekts 2 Bände, Die Juden in der modernen Literatur, Wissenschaft und Kunst 4 Bände. Wie man sieht, handelt es sich hier um ein Riesenunternehinen, und man darf gespannt sein, ob und wie dasselbe zustande kommen wird. Sprechsaal. Geehrter Herr Redakteur! Nr. 38 Seite 446 Ihrer geschützten Zeitung heißt es: „Im .^ deutschen Reiche ist der Prozentanteil der jüdischen Bevölkerung von 1,3 auf 1 Prozent zurückgegangen." Unter anderen: wird dort angeführt: „Jüdische Abwanderung wird schwerlich als Grund der Verminderung auzusehen sein, jedenfalls wird sie durch jüdische Zuwanderung aus dem Osten mindestens ausgeglichen." — Gegen letzteres möchte ich Zweifel erheben, wenn man bedenkt, daß seit einem Vierteljahrhundert viele Juden aus dem Osten ausgewiesen worden sind und nur in seltenen Fällen solche hier die Naturalisation zu erlangen vermögeu. Nicht lange ist es her, das; an ganz harmlose jüdische Knaben aus Polen, welche hier die Schulen besuchter:, eir: Ausweisungsbefehl erging. Nach Sachlage fällt ein Zuzug aus den: Oster: kaum in die Wage, vielmehr dürften die Ausweisungen, die iuurrer r:och Vorkommen, auf die Verminderung derIüden 'nicht ohne Einfluß geblieben sein. Achtungsvoll Sehr geehrter Herr Redakteur! . - Xch sehe mich veranlaßt, alle Herren Kollegen, Vorstände und Wohltätigkeitsinstitute des In- und Auslandes auf einer: gewissen Simon Trompeter aufmerksam zu machen. Dieser saubere Man:: sucht auf seinem großangelegter: Schnorrertournee sich als unglückliches Opfer der. Verfolgungssncht der Rabbiner: hinzustellen. Die Rabbiner Dr. Steiner in Bielitz, Dr. Kausrnann in Virovitica, sowie der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde in Pakrae. (Slavonien) erzählen so manches von dessen gewalttätigem, unruhestiftendem und verlogenem Unwesen, das er auch in rneiner Gerr:einde getrieben. Den hiesigen Franziskanern erzählte Simon Trornpeter, das; ich aus der Kanzel Brandreden gegen das Iuderüum halte. Ferner bezeichuete er vor denselben die Juden als gemeines Gesindel. Es sei daher vor diesem Menschen, der eine Schmach des Kautorenstandes resp. des Judentums ist, gewarnt.. Hochachtungsvoll Pozega, 26. Septernber. Rabbiner Dr. Margel. *. Lerichtigung. Infolge eines Mißverständnisses, das wir -bedauern, ist die in unserer vorigen Nummer aus der Nationalzeitung abgedruckte. Zuschrift des Herrn Rechtsanwalts Mako wer zu der Frage der Einwanderung von Juden im Eingang nicht vollständig und teilweise verändert zum Abdruck gelangt. Es muß in: Eingang heißen, das; die Ursache der Verminderung der Juden in der Verhinderung der Einwanderung liege, während es dort hieß, daß die Ursache der „Abwanderung" in der Verhinderung der Einwanderung liege, was natürlich unrichtig ist. ■' ’/ In Nr. 29 unseres Blattes hat sich in den: Aufsatz über Spanien ein Irrtum eingeschlichen. Es muß dort heißen, daß die Juden, deren Zahl man auf 2500 schätzt, nur 0,014 Prozent der Gesamtbevölkerung bilden. Druck und Verlag von Rudolf Mosse ln Berlin. - Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin.