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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-10-07 · Heft 41 (7.10.1904) · p. Seite 490

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 41 (7.10.1904)
Date
1904-10-07
Page
Seite 490 (sequence 10)
Language
German
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Auge, in Deine gramdurchfurchten Züge, all das Gräßliche wieder aufleben, das Dir widerfahren, und da überkam es mich wie sinnlose Wut — und — vergib!" Samuel antwortete nicht; schlaff hingen die Hände an dem Zaum des Rosses, sein von langem weißen Bart umrahmtes Antlitz hatte sich gesenkt und sein mattes Auge blickte in tränenlosem Jammer vor sich hin. Minutenlanges Schweigen folgte den' erregten Worten des Jünglings, mit ängstlicher Spannung hingen seine Blicke an der Gestalt des Gefährten, in dessen welken Zügen es auszuckte wie in wehem Gram. Welch törichte Unbesonnenheit war es doch gewesen, gerade jetzt, wo sie am Ziele einer langen, gefahrvollen Wanderung anlangten, davon zu sprechen, was wohl des Alten Seele kummervoll bedrückte, was jedoch tief verschlossen lag in seiner Brust und wovon nie ein Wort aus dem Munde Samuels. verlautete. Wußte er doch, wie es daheim die Hausgenossen stets vermieden und sich ängstlich hüteten, an die Wunde des blutenden Vaterherzens zu rühren und er gerade, er, dem die . hohe Ehre zuteil geworden, den verehrten Rabbi auf dieser Wanderung durch die Wüste zu geleiten, gerade er mußte sich von sinnloser Wut soweit hinreißen lassen, dasjenige zu erwähnen, dessen schmachvolles Andenken nie und von keinem der Hausbewohner erweckt wurde. Nun aber war es doch geschehen und nichts konnte seine Ungeschicklichkeit mehr gut machen. In bangem Schweigen setzten die beiden Reisenden ihren Weg fort, der sie jetzt an den Rand eines dichten, von ragenden Palmen bedeckten Waldes brachte. Jetzt hatten sie den Wald erreicht, mit leisem Rauschen umfing sie die wohlige Kühle und erfrischte ihre von der Glut' der Sonne erhitzten Wangen. Mit freudigem Wiehern begrüßten die Rosse die kühle Waldesluft, begierig nach frischem Futter reckten sie den Nacken empor und stampften den weichen Boden mit ihren Hufen. - „Hier wollen wir ein wenig rasten, mein Sohn," sagte jetzt der Greis, indem er den Arm des Jünglings ergriff, um mit seiner Hilfe auf den Boden zu gelangen. „Die Sonne ist' im Sinken, und ehe sie ihren feurigen Laus beendet, sind wir an den Toren der Stadt." Freudig zuckte es auf im Angesicht des jungen Assad.. „Dem Ewigen sei Dank!" Nun war dieses peinliche Schweigen beendet, das er durch seinen Unbedacht heraufbeschworen, und das den ehrwürdigen Greis in so düstere Stimmung versetzt hatte^ Und gerade jetzt, ehe sie an den Waldessaum gelangten, und der Greis mit, trotz des Alters, geschärften Blicken in naher Entfernung die Zinnen und Kuppeln der Stadt erblickte, da hatte frohe Zuversicht aus den Zügen des Teueren, geleuchtet/ und er sandte ein heißes Dankgebet aus seinein Herzen zu Gott empor, der sie mitten durch die sengende Wüste, in steter dräuender Gefahr vor wilden Tieren und noch wilderen Menschen bis hierher geleitet hatte an ihr heißbegehrtes Reise-, ziel, an die Zaubergärten von — Palmyra! Jur Schatten einer weitragenden Palme hatten sie ihren Ruhesitz aufgeschlagen, während die Tiere sich an dem lang-' entbehrten, erfrischenden Futter labten. Jetzt hatte Assad die herabhängende Hand des Rabbi erfaßt und mit heißen andächtigen Küssen bedeckt. Sein im reinsten Blau - des Himmels leuchtendes Auge strahlte vor innerer Glückseligkeit, als der verehrte Rabbi ihm nicht die . Hand entzog, nein, mit mildgütigem Lächeln in seine erglühenden Wangen sah und voll väterlicher Zärtlichkeit den Blick auf seiner schlanken, männlich schönen Erscheinungruhen ließ. Tiefe, weihevolle Stille herrschte ringsum. Wie von leichter Zauberhand bewegt, neigten die stolz ragenden Palmen ihre Wipfel, leises, märchenhaftes Weben ging durch den Wald und bewegte mit unsichtbarer Hand die wehenden Blätter, nichts regte sich, nur von weiter, unsichtbarer Ferne her klang rauschend und wogend.das Leben der Stadt. . - Durch das dichte Blätterdach der Palme leuchtete in strahlendem Glanze die Sonne hernieder, nichts verdunkelte ihre strahlende Helle, nur ab und zu flogen leichte, rosige Wolken dahin, die sich ballten und hoben und senkten und zu abenteuerlichen Gestalten formten, um dann, im lichten Nebel aufgelöst, wieder in ihr Nichts zu entschwinden. Und es war, als ob die weihevolle Stille des schweigenden Waldes sich auch der beiden Reisenden bemächtigt und ihr Gemüt, das in wild erregtem Trotze sich aufzulehnen schien, gegen göttliche Vorsehung, besänftigt hätte, so plötzlich war der Unmut gewichen, der minutenlang ihre Seelen unterjocht hatte. Nun hatten sie ihr Minchagebet beendigt und nachdem sie sich für die kurze Strecke, die sie noch von dem Endziele ihrer Reise trennte, durch einen Trunk aus einem nahen sprudelnden Quell erfrischt hatten, traten sie neugestärkt und frohen Mutes voll die Weiterreise an.. Tiefer Frieden lagerte über der blühenden Oase, die sich vor ihren Blicken weitete und tiefer Frieden blickte auch aus den Zügen des greisen Rabbi und verschönte mit seinem unendlichen Zauber das jugendliche Antlitz Assads. Nun sollte ihrer mühevollen Wanderung reicher Lohn werden! Nun brachte sie jeder Schritt der Erfüllung ihrer heißen Sehnsucht näher, eine kurze Entfernung nur trennte sie noch von dem so heiß erflehten Ziele — wie hatten sie es herbeigesehnt und welche Mühsal hatten sie zu überwinden gehabt, wie oft hatten sie gebangt, ihr Ziel nicht zu erreichen und wären verzagt, hätten sie ihr Auge nicht stets zu ihrem Gotte erhoben, daß er sie bewahre vor den Tücken der Menschen und der wilden Blutgier der Tiere — und der Allgütige hatte ihr heißes Flehen vernommen und hatte sie erhört, hatte sie geleitet, durch den sengenden Brand der Wüste, vorbei an den Gefahren, die ihnen bei jedem Schritte gedroht, hatte sie in seine Obhut genommen, auf daß sie das gottgefällige Werk vollbrächten, zu dem sie herbeigezogen von den fernen Ufern des Euphrat, um Heil und Gnade zu suchen bei den Mächtigen dieser Erde, in deren Hände der Ewige die Macht gegeben, die Unterdrückten zu befreien und die Schwachen zu beschirmen. Die Sonne sank. - Voll heißen Dankes erhoben die beiden Wanderer ihr Haupt zum Himmel empor, an dem gleich einem Feuerball die sinkende Sonne erglänzte und ihre Lippen bewegten sich in leisem Gebete. Vom Lichte der untergehenden Sonne zauberisch umflutet erhob sich vor ihren Blicken das heißersehnte Ziel, das Wunderland — Palmyra! (Fortsetzung folgt.) Bon Nsguls noch heringsdork. HI. ie Sonne brannte glühend heiß, als wir mit einem Extrazug von Gravosa in das bosnische Land fuhren. Es ist. ein langer und weiter Weg, und wie sehr wir auch die Kulturfortschritte, die das Land seit der österreichischen Okkupation gemacht, und die imposanten Naturschönheiten zu bewundern Gelegenheit hatten, es blieb doch noch Zeit genug

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