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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-10-07 · Heft 41 (7.10.1904) · p. Seite 489

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 41 (7.10.1904)
Date
1904-10-07
Page
Seite 489 (sequence 9)
Language
German
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489' des Lehrers zurückzusühren ist — einmal für immer zu beseitigen. Dies dürfte, meine ich, nicht schwer fallen. Man hätte nur nötig, das Religions sch ul Wesen, welches seit einigen Jahren in den größeren Städten — so vor allem in Berlin — besteht und welches sich hier so gut bewährt hat, gehörig auszubauen. An die Stelle des p rivaten jüdischen Religionsunterrichts muß der obligatorische Religions sch u l unterricht treten; Lehrer und Unterricht müssen der Aufsicht der jüdischen Gemeinde unterstellt werden. Nur auf diese Weise wird man es durchführen können, daß der Religionsunterricht künftig ausschließlich von berufenen und würdigen Lehrern erteilt wird. 6. Soviel über das Subjekt des Religionsunterrichts! Wenden wir uns jetzt zu dein Inhalt dieses Unterrichts. In der Mehrzahl der Fälle besteht der vom Privatlehrer erteilte jüdische Religionsunterricht einzig und allein darin, daß den Schülern die biblische Geschichte — wenn es hoch kommt, auch die nachbiblische Geschichte — vorgetragen wird, und daß Stellen aus dem Urtexte der jüdischen Gebete, des Pentateuchs oder vielleicht auch der Propheten in die deutsche Muttersprache übersetzt werden. Aber statt daß die Schüler in den Geist der biblischen Geschichte eingeweiht werden, trägt man ihnen nur die nackten, sauber aneinander gereihten Tatsachen vor. Statt daß den Kindern der Inhalt der jüdischen Gebete näher gebracht wird, läßt man es sich mit der bloßen Übersetzungsübung als solcher begnügen. Der Verstand nur wird befriedigt, nicht das Herz. Schon dies ist ein entschiedener Fehler. Der Hauptmangel des Unterrichts besteht aber darin, daß mit der biblischen Geschichte und den Uebersetzungsübungen das ganze Programm des privaten jüdischen Religionsunterrichts erschöpft zu sein pflegt. Was diesem Programm vollkommen fehlt, das ist die Sittenlehre des Judentums; nicht eimnal den Grundzügen nach wird sie gelehrt. Und doch sollte diese.Lehre eine der wichtigsten Aufgaben — meines Erachtens sogar die wichtigste Aufgabe — des Religionsunterrichts sein. . Gewiß, historische und dogmatische Kenntnisse sind wie auf jedem Wissensgebiete so auch auf dem Gebiete der Religion erforderlich. Aber der Religionsunterricht darf es sich mit' der Religionswissenschaft allein nicht genug sein lassen, er muß auch den Schülern die Grundgesetze der jüdischen Ethik aufdecken, muß die Kinder lehren, ihr Tun so einzurichten, daß es jederzeit mit jenen Gesetzen im Einklänge steht. , „Praktisches Judentum" verbreiten helfen, das gehört auch zu den Ausgaben eines gesunden Religionsunterrichts; und nur ein Unterricht, der diesen Aufgaben gerecht wird, wird in den Herzen der Kinder Liebe zum Judentum zu erwecken vermögen. Wie das Subjekt des Religionsunterrichts, so zeigt also auch der Inhalt desselben mannigfache Mängel. Sie abzustellen, wird auch hier das bereits gekennzeichnete Mittel dienen: die Einführung des obligatorischen Religionsschulunterrichts. Denn besteht dieser erst, dann wird ja der Unterricht eines jeden jüdischen Kindes entsprechend jenem vortrefflichen, fehlerlosen Lehrplan stattfinden, welchen die heut schon bestehenden jüdischen Religionsschulen ihrer Tätigkeit zugrunde legen. Dann wird einer der Mängel, welcher an der Entfremdung der Jugend die Schuld trägt, beseitigt ssin. In allen jugendlichen Herzen wird durch den Unterricht wieder Liebe zum Judentum erweckt werden. (Schluß folgt.) — MWK» Dir Ogilerin drs Mtrns. Historische Novelle von Eduard Noth. Erstes Kapitel. Die Ankunft. ^^om sengenden Strahle der Sonne wachgeküßt, reifte die schwere Frucht der Rebe. Im Felde wogten die goldenen Aehren und auf den Bäumen prangte in üppiger Fülle die reife Frucht. Zierliche Beete voll blutroter, farbenfroh erglühenden Rosen, in schneeiger Weiße prangender Lilien in den kunstvoll angelegten Gärten wechselten mit kühlen, schattigen Olivenbäumen, und hochragende Palmen breiteten ihr schützendes Dach über die vom Sonnenbrände versengte Erde. Welch ein Anblick! Und welch belebender Hauch erfrischte das vom wochenlangen Wüstenstaub geblendete Auge und erquickte die vom Wüstensand verschmachtende Lunge. „Dem Ewigen sei Lob und Dank! Wir sind am Ziele unserer mühseligen Wanderung." „Ja, dreifach Dank und Preis dem Herrn!" rief mit freudig erregten Mienen der jüngere der beiden Gefährten. „Denn, wahrlich, näherten wir uns nicht schon der Stadt, ich hätte die Geduld verloren." „Und wärest wohl umgekehrt?" lautete die in spöttischem Tone gehaltene Gegenrede, „und wärest wohl wieder heimgekehrt nach" ... „Nimmermehr!" brauste der Jüngling auf. „Nimmer soll mein Fuß den Boden jenes Ortes betreten, der uns zum Verderben wurde . . . ehe . . ." „Nun, Du sagst es selbst, haben wir deshalb die Heimat verlassen ..." „Die Heimat?!" lachte höhnisch der Jüngling, „nennst Du, Samuel, diesen verruchten Ort die Heimat?" „Und wo anders wäre denn diese Heimat, wenn nicht an dem Orte, wo unsere Vorfahren gelebt und zu dem Allmächtigen gebetet hatten aus tiefster Not und Drangsal, wo die Gebeine unserer Eltern und Voreltern ruhen seit langen, undenklichen Zeiten und wo wir in froher Jugendlust das herrliche Gottesfest feierten, das sich jetzo wieder naht..." „Und wo es jedem persischen Schurken frei steht, im§ zu unterdrücken und in unser Haus, die Schande zu bringen!" brauste der Jüngling auf — doch ein Blick in das schmerzdurchfurchte Antlitz des Greises ließ ihn innehalten. „Vergib, ehrwürdiger Freund und Vater," rief er mit flehender Geberde, „wenn ich an die Wunde rührte, die Dein edles Herz bluten macht und Dein greises Haupt bedrückt." „Und Du wähntest diese Wunde bereits vernarbt?" kam es voll bitteren Wehs aus dem Munde des Alten, „wähntest die Schmach vergessen, die der Heide meinem greisen Haupte zugefügt, weil ich es vermied, während unserer langen und gefahrvollen Wanderung Dir mein kummervolles Herz zu öffnen und erneute Klage zu führen wider die Züchtigung Gottes? O, welch leichter Sinn beherrscht doch Deine Jugend!" „Nicht leichter Sinn ift's, der mir die Bitte um Vergebung in den Mund legte — habe ich ja geschwiegen, während der langen Wanderung, habe alles vermieden, was in Deinem Herzen die Erinnerung an das Schmerzliche wachrusen könnte — nun aber ließ ein Blick in Dein kummervoll gesenktes

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