Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-09-30 · Heft 40 (30.9.1904) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 40 (30.9.1904)
Date
1904-09-30
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3228581-3228622--61151-3274959
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

der Pädagogik lebte, der das Geheimnis all ihres Sinnens und Erfolges ist. So ist Marx ein ganzer Mann des Geistes und des Herzens, in feinem Wesen und Wirken jedem desto höher, je mehr er mit ihm zu verkehren Gelegenheit hat. Mögen dem Wackeren noch viele Jahre der Ruhe in seinem hübschen Familienkreise vergönnt sein. OefterreLch-Nngarn. LI Wien, 25. September. Am 10. September waren es sechs Jahre, das; unsere unvergeßliche Kaiserin durch Mörderhand geendet; das; ihr Andenken noch frisch in unseren Herzen lebt, davon gab unter anderem neuerdings die erhebende Feierlichkeit Kunde, die jüngst im neuerbauten Tempel in der Neudeggergasse stattgesunden hat, und bei welcher eine Gedenktafel an die verewigte Kaiserin enthüllt wurde. — Dem Großindustriellen, kais. Rate Moritz Doktorwürde der Orden der Eisernen Krone III. Klasse mit Nachsicht der Taxen verliehen und die Herren Karl Hirsch, Industrieller in Horitz und Siegmnnd Landau, Direktor der Oesterreichischen Eisenbahn-Verkehrsanstalt, zu kaiserlichen Räten ernannt. — Am Vorabende des Neujahrsfestes verschied in Marienbad der k. k. Kommerzialrat Albert Janowitzer, der Chef des großen und angesehenen Exporthauses A. Janowitzer in Wien. Der Verblichene war ein Mann von umfassender kaufmännischer und universeller Bildung?-der durch besondere Tüchtigkeit, unermüdliche Tatkraft und verständnisvolles Erfassen der Bedürfnisse des Weltmarktes seine Firma zu einer der bedeutendsten und angesehensten des Kontinentes zn gestalten wirßte. Oroszvrttannien. ----- London, 21. September. In der jüdischen Kolonie im Ost- Ende kam es am Versöhnuugstage zu tnmultuösen Auftritten, die ein großes Polizeiaufgebot notwendig machten. : In der Kolonie befindet sich eine Anzahl sozialistischer Juden, die den orthodoxen Juden wegen ihrer Vernachlässigung in religiöser Hinsicht ein Dorn im Auge sind. Es war bereits früher zwischen den sozialistischen und den orthodoxen Juden fast täglich zn Streitigkeiten gekommen, die sich am Sonntag aus dem Markte zu Spitalfields zu einer regelrechten Prügelei zuspitzten. Am Montag nachmittag zwischen 3 und 4 Uhr wurden die Unruhen noch größer. Tausende von Juden gingen durch die Straßen, als die sozialistischen Juden, vermutlich um sie zu reizen, einen Wagen mit Lebensmitteln durch die Menge der Fastenden fuhren. Die orthodoxen Juden stürzten sich ans den Wagen, während die anderen Juden sich in den sozialistischen Klub flüchteten, aus dessen Fenstern sie ein Bombardement mit Flaschen ans ihre Angreifer eröffneten. Es kamemverschiedene, glücklicherweise jedoch nicht schwere, Verletzungen vor. Der ganze Distrikt war bald in Aufruhr. Die Häuser 'der bekanntesten Sozialisten wurden mit Steinen beworfen. Eine starke 'Polizeitruppe räumte die Straßen und nahm mehrere Verhaftungen vor. Es ist sehr traurig, das; solche Vorkommnisse der Agitation für die „Fremdenbill" Wasser auf ihre Mühle führen. Bei dem Prozeß, der übrigens mit Freisprechung der Angeklagten endete, sagte der Richter selbst: ,)Es ist bedauerlich, das; ein Volk, welches für Jahrhunderte den heftigsten Verfolgungen ausgesetzt gewesen ist, nun in den; einzigen freien Lande sich aus religiösen Gründen untereinander bekämpft." Amerika. H. Newyork, 4. September. Heute starb hier der verdienstvolle Schulmann-und Erzieher Dr. Hermann Baar im 79. Lebensjahre. Baar, am 7. April 1826 in Stadthagen geboren, war früh verwaist, wurde in Seesen erzogen, wo er später auch als Lehrer wirkte. Er machte hierauf seine akademischen Studien in Göttingen, wo er 1852 promovierte. Durch die Vermittlung seines Landsmannes, des Chef Rabbi Dr. Nathan Adler, der ihn für eine Lehrstelle am Jewis College ausersehen hatte, wurde er nach England berufen, wo er von 1857 bis 1868 als Prediger in Liverpool wirkte. Durch ein Halsleiden gezwungen, seinen Beruf aufzugeben, ging er nach New-Orleans, wo er eine Schule eröffnete. Im Jahre 1876 wurde ihm die Leitung des Newyorker Waisenhauses Hebrew Orphan Asylme übertragen, die er bis zu seinem vor fünf Jahren erfolgten Uebertritt in den Ruhestand mit väterlicher Hingabe und glänzendem Erfolge führte. Die Anstalt,. welche zuletzt gegen 1000 Zöglinge zählte, gedieh unter seiner Leitung aus das herrlichste. Baar schrieb zwei Bändchen Jugendpredigten, Homilles and Religons Topics und eine biblische Geschichte. Auch veröffentlichte er in der letzten Zeit interessante- Erinnerungen aus seiner Jugendzeit im.^merlean Hebrew und in bet* Menorah. Seine Gattin, eine geborene Breslauerin, ging ihm vor einigen Monaten im Tode voran. Von Sah und Fern. — Das alte jüdische Gemeindehaus, Ecke Rosenstraße und Heidereutergasse wird jetzt abgebrochen. Es besteht fast ebenso lange wie die Synagoge, also ungefähr 190 Jahre, — Die Synagogengemeinde Angermünde hatte am 12. Mai an den Bezirksausschuß ein Schreiben gerichtet, das Schächten im städtischen Schlachthause nach wie vor zu gestatten. Darauf ist von dem Ausschuß eine abschlägig^ Antwort eingegangen und die erforderliche Genehmigung versagt worden. Die jüdische Gemeinde hat jetzt eine Eingabe an den Minister gerichtet. — Am 26. d. M. ist in Langguhle der bekannte Rittergutsbesitzer Isidor Rohr im 66. Lebensjahre gestorben. Ehre seinem Andenken! — Zinn Inspektor des Caspar Lachmann'schen Waisenhauses in Graudeuz ist der bisherige Lehrer der Israelitischen Erziehungsanstalt in Ahlem, Herr Max BluMensel d gewählt worden. — In Seesen fand am 22. d. M., an der Jacobson-Schule (berechtigte Realschule mit realproghmnasialer Abteilung) die Reifeprüfung unter dein Vorsitz des als herzoglicher Negierungskommissar füngierenden Schulrats Professor Dr.' Brandes aus Wolfenbüttel statt. Fünf Prüflinge haben dieselbe mit Erfolg beständen und sich dadurch die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst, erworben. — In Dresden feierte unter lebhaften Kundgebungen der Anerkennung und Verehrung der erste Kantor der Gemeinde, Herr R. Hofstein sein 25jähriges Amtsjubiläum. — In Schwerin ist am 12. d. M. Frau Rika Jasfe, die Inhaberin des bekannten Bankhauses L. I. Jafse, im Alter von 84 Jahren zu Grabe getragen. Sie war eine geborene de Lemos, eine Nachkomme des berühmten portugiesischen Arztes Benjamin de Lemos, des Vaters von Henriette Herz. — Der Hilfsverein ssir kranke Juden, die sich alljährlich zur Kur nach dem Limansee in Odessa begasten, mußte dieses Jahr infolge des' schrecklichen Notstandes aus seine philanthropische Tätigkeit verzichten. Der Zahl der pflegebedürftigen Juden beläuft sich auf 2000. — Die Gesamtbevölkerung Mos kaus beträgt 1 092 362^ worunter 9018 Juden. Darunter sprechen 4658 jüdisch-deutsch. — Während der Mobilisierung kam es zu förmlichen Judenhetzen in vielen.Teilen Bessarabiens. Diese antisemitischen Ausschreitungen wendeten sich hauptsächlich gegen jüdische Händler, die Lebensmittel und Getränke verkauften. — Nach einem Ukas des Statthalters General Alexejew ward der Schütze-des ostsibirlschen Regimentes Chain; Bar atz durch Verleihung des Georgsordens ausgezeichnet. Baratz befand sich in Begleitung der Offiziere, welche Nachrichten aus der belagerten Festung Port Arthur brachten und bewies große Tapferkeit dadurch, das; er den Feind, eine japanische Patrouille, niedermachte und glücklich entkam. In Nikolajew (Gouvernement Cherson) brach in der Synagoge infolge blinden Feuerlärms eine entsetzliche Panik aus. Alles drängte dem Ausgange zu, wobei viele Menschen, namentlich Frauen, schwerverletzt wurden^ Die Meisten erlitten Arm- und Beinbrüche, andern wurde der Brustkasten eingedrückt. Eine Frau verlor vor Angst die Sprache. DieZahl derOpfer ist noch nicht festgestellt,—Durch einenUnsall in den Alpen ist der Advokat Leon Brunschwig, früher in Nantes zuletzt in Paris, in schrecklicher. Weise ums Leben gekommen. Derselbe hat lebhaften' Anteil an der Wissenschaft des Judentinns genommen und in der Revue des Rtudes «luives wertvolle Studien über die Juden in Angers und Nantes u. a. m. veröffentlicht. Ehre seinem Andenken! — Nach der Statistik kamen im Jahre 1853 ans 1000 geschlossene Ehen in England *1,8 jüdische, und im Jahre 1'902 7,4 jüdische. — Dr. Ezekiel Moses Ezekiel wurde zum Lektor für semitische Sprachen an der Universität in Bombay ernannt. — In Clev elan d (Ohio) ift ein Hebrew Talinudical College als Präparandenanstalt für Rabbiner orthodoxer Gemeinden begründet worden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.