Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 40 (30.9.1904)
- Date
- 1904-09-30
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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Kaiser Friedrich-Denkmal daselbst verwendet wurde. — Lehrer Spiel-- doch in B uk ist zum zweiten Vorsitzenden des Lehrervereins und'zum Vorstandsmitglied des dortigen Flottenvereins gewählt worden. — i Kaufmann Samuel Manasse in Mo sch in ist zum Vorstandsmitgliedes der dortigen Synagogengemeinde gewählt worden. — Der jüngst im Frankfurt a. M. gestorbene Rentier Hermann Liebes hat feiner Vater-"' gemeinde Ostrowo einen größeren Betrag für die dortigen israeli-; tischen Wohltätigkeitsvereine hinterlassen. — Neulich wurde in Jarotschin auf dem israelitischen Friedhofe das dem vor einem Jahre verstorbenen Rabbiner Bloch daselbst von der Gemeinde gestiftete Denkmal feierlichst enthüllt. — Zum Schulvorstandsmitgliede, der evangelischen Volksschule in Grabow ist der jüdische Kauf--; mann Samuel Speter daselbst gewählt und von der Regierung zu , Posen bestätigt worden. Die Schule wird auch von einigen jüdischen Kindern besucht. — Rentier Rausch in Rogasen hat der dortigem, jüdischen Gemeinde einen Betrag von 18000 Mark mit der Bestimmung überwiesen, die Zinsen hiervon zur Unterstützung armer,; Bräute zu verwenden. i. Dessau, 22. September. Ein Grabdenkmal für die Baronin«' von Cohn-Oppenheim ist auf der letzten Ruhestätte der Verstor--- benen auf »dein hiesigen israelitischen Friedhof zur Aufführung gelangt.?" Das Denkmal besteht aus einer etwa 2l/2 Meter hohen, nach einem, Entwürfe des Professors Massel-Berlin in Fichtelgebirgs-Dioritporphyr' ausg?ftthrten, prächtig stilisierten Urne. Die Vorderseite des kubischen Sockels trägt auf einer Bronzetafel die Inschrift: „Hier ruhet die- Asche Ihrer Exzellenz der Frau Baronin Julie von Cohn-Oppenheim. Ehrenbürgerin der Städte Dessau und Oranienbaum, geb. zu Berlin: 5. November 1839, gest. daselbst 5. Januar 1903. Sie war die beste.'« Tochter, die treueste Verwandte, eine edle Frau von starkem Geist!"-, M. Hamburg, 23. September. Herr Moritz Henle, der Ober-' kantor der Hamburger Tempelgemeinde, beging am Neujahrsfeste den' Tag, an dem er vor 25 Jahren zuerst als Vorbeter fungierte. Der' Jnbilar wurde im Jahre 1879 nach dem Tode des unvergeßlichen' Dr. Piza zum Oberkantor der Tempelgemeinde gewählt. Mit jugendlicher Begeisterung ging Henle ans Werk, den Gottesdienst im Tempel auf eine künstlerische Höhe zu bringen. Es gelang ihm,' einen freiwilligen Chor aus den Reihen der angesehensten Tempelmitglieder zu bilden, und er hatte bald die Genugtuung, daß der ueugeschaffene Chor und sein eigener künstlerisch vollendeter Gesang immer mehr Gleichgültige aufrüttelte, und dem Gotteshaus neues" blühendes Leben zuführte. Der ergreifend schöne Gottesdienst, wie er besonders an den hohen Festtagen das Herz der Tempelbesucher erhebt, ist Henles ureigenstes Werk. In der Musikwelt unserer Stadt, genießt Henle als Tonkünstler, Komponist und Gesanglehrer eines' geachteten Nameus. Am Neujahrsfeste, wo er den Gottesdienst selbst leitete, war sein Vorbeterpult herrlich geschmückt. Die Tempeldirektion ließ eine Glückwunschadresse überreichen, worin die Verdienste des Jubilars uni die Hebung des Gottesdienstes in der Tempelgemeindeallseitiganerkanntwurden. Die Gemeindemitglieder,namentlich' auch die vielen Schüler bereiteten dem Jubilar an seinem Ehrentage' mannigfache Ovationen. Möge derselbe noch lange .Jahre an der Stätte seiner Wirksamkeit mit ungeschwächter Kraft seines Amtes walten. o. Dülmen, 17. September. Bei der alljährlich stattfindenden Gedenkfeier des Kriegervereins am Kriegerdenkmal wurde vor dem ganzen Kriegervereine und vielen Bürgern der Stadt auch des am 13. März d. I. bei Owikokorero durch eine Hererokugel gefallenen Regiernngsbaumeisters und Leutnants der Reserve im Königlich bayrischen 3. Pionierbataillon, Josef Bendix, in ehrender Weise? gedacht. Am Denkmal war unter den Namen der für Kaiser und" Reich Gefallenen auch der Name dieses jungen Offiziers, der sich freiwillig der Schutztrüppe zur Verfügung gestellt hatte, angebracht worden. Der Bürgermeister der Stadt, Hauptmann der Landwehr und Mitglied des Vorstandes des Vereins, Lehbrink, widmete dem zu früh Geschiedenen ungefähr folgende Worte: „Kameraden, die Wunden der letzten Feldzüge sind jetzt fast vernarbt. Aber noch in diesen: Jahre sind unserer Stadt neue Wunden geschlagen, indem der Kmnerad Bendix fm Kampfe gegen die Herero den Tod gefunden hat.' Sein Name ist auf meine Veranlassung in das Denkmal cingegraben worden und wir haben damit einer Ehrenpflicht gegen den Gefallenen genügt. Ich hoffe, daß seine Angehörigen einen weiteren Trost in dem herben Leide, welches sie' in diesem Jahre getroffen, hierin erblicken werden." Angesichts der Ausnahmestellung, welche die jüdischen Soldaten bezw. Einjährigen in: preußischen Heere einnehmen, verdient diese Ehrung eines bayrischen jüdischen Offiziers wohl besondere Hervorhebung. l. Köln, 23. September. Am 22. dieses Monats ist hier Frau Dr. Schwarz. Gattin des vor 30 Jahren gestorbenen Kölner Rabbiners Dr. Israel Schwarz, s. A., auf dem israelitischen Friedhof zu Köln-Deutz zur letzten Ruhe bestattet worden. Sie ist 74 Jahre alt geworden. -Die allgemeine Verehrung für die Heimgegangene, die bis zu ihrem Lebensende tätiges Vorstandsmitglied des hiesigen israelitischen Frauenvereins gewesen, kam in einem stattlichen Leichengefolge aus allen Kreisen der hiesigen jüdischen Bevölkerung und in den tiefbewegten Abschiedsworten zum Ausdruck, die Rabbiner Dr. Rosenthal an ihrem Grabe sprach. Ehre ihrem Andenken! v. Aachen, 22. September. Herr D. N. Marx, Rentner in Aachen, hat der Synagogengemeinde zum diesjährigen Neujahrsfeste eine neue Orgel mit 36 Registern modernster Konstruktion zum Geschenk gemacht, nachdem er bereits im vorigen Jahre die beiden Synagogentürme neu mit Kupferdachung auf seine Kosten versehen ließ. HerrD. N. Marx ist Vorsitzender der Repräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde. Die Synagoge, welche im vorigen Jahre mit neuen Emporen, elektrischer Beleuchtung und Ventilation versehen wurde, wird durch diese neue Spende viel gewinnen. Die Orgel soll binnen Jahresfrist fertiggestellt werden. E. G. Aus dem Grosiherzogtum Hessen, im September. Zu Alsheim in Rheinhessen feierte am 27. d. M. der Lehrer Karl Marx, der Nestor der israelitischen Lehrer Hessens, in voller Rüstigkeit und Frische des Geistes und des Körpers seinen 80. Geburtstag. Marx nimmt in den Lehrerkreisen nicht nur Hessens, sondern ganz Deutschlands eine hervorragende Stellung ein. Geboren zu Geinsheim bei Oppenheim, ist er seit 1847 ununterbrochen in dem freundlich am Fuße rebenbestandener Hügel gelegenen Orte Alsheim tätig. In: Jahre 1897 feierte er unter der Teilnahme nicht bloß der jüdischen, sondern auch der politischen Gemeinde und zahlreicher Kollegen und Freunde von nah und fern das 50jährige Dienstjubiläum, wobei er. vom Landesherrn durch den Philippsorden ausgezeichnet wurde. Viele Vereine sowohl an seinem Wirkungsort als auch in seinem engeren und weiteren Vaterland verehren in Marx ihren Mitbegründer und eifrigen Förderer. Vor 40 Jahren gründete er mit seinem unvergeßlichen Freunde Klingenstein die „Achawa" zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrerwitwen und -Waisen. Marx wirkt seiden: ununterbrochen im Vorstand dieses Vereins und hat in Gemeinschaft mit anderen edlen Menschenfreunden schon viele Tränen trocknen helfen. Marx ist außerdem Mitbegründer des israelitischen Lehrervereins im Großherzogtum Hessen, dessen zweiter Vorsitzender er ist, und eifriger Förderer des Verbandes der jüdischen Lehrervereine in Deutschland. Er ist in: Vorstand des Vereins znr Unterstützung israelitischer Seminaristen in Hessen und war mehrere Jahre Vorstandsmitglied des paritätischen hessischen Landeslehrervereins. Die Gründungen an seinen Wirkungsort kommen allen seinen Mitbürgern, ohne Unterschied des Glaubens zugute, so ein Männergesangverein, den er nun 57 Jahre leitet, und dessen vorzügliche Leistungen vielen Brudervereinen als Vorbild dienen; ferner ein gemischter Chor, durch den er die Geselligkeit wesentlich hob, und ein Leseverein, durch den er seinen Mitbürgerndie Werke unserer besten Schriftsteller nahezubringen suchte. Bei all diesem gemeinnützigen Wirken hat Marx nichts in seiner engeren Berufstätigkeit versäumt. Die Anhänglichkeit seiner Schüler zeigte sich in geradezu überwältigender Weise an seinem goldnen Amtsjübiläum, wo ihm Zeichen der Dankbarkeit und Verehrung aus den fernsten Weltteilen dargebracht wurden. In seinem Glauben, dem heiligsten Band, welches das Menschenleben für seine kurze Dauer knüpft, zeigt sich Marx stets als der Mann des Gemüts. Seine Religion ist in erster Linie rastlose, werktätige Menschenliebe. Sein innerstes Wesen ist durchdrungen „von jenem Glauben, der sich, stets erhöhter, bald kühn hervordrängt, bald geduldig schmiegt, damit das Gute wirke, wachse, fromme, damit der Tag dem Edlen endlich konnne." Dieser Glaube ist Geist von jenem Geiste, der in den großen Meistern