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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-09-23 · Heft 39 (23.9.1904) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 39 (23.9.1904)
Date
1904-09-23
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 jüdischen ^Glaubens eine Beschwerde darüber gerichtet, daß Pückler-Flug blätter von einem Schaffner in einem Straßenbahnwagen an die Fahrgäste verteilt worden waren. Die Direktion ließ hierauf dem Vereine folgenden Bescheid zugehen : „In Erledigung des gefl. Schreibens vom 25. d. M. teilen wir ergebenst mit, daß dem Personal das Verteilen von Zeitungen. Extrablättern oder Flugblättern aller Art strengstens untersagt ist. Wir werden diese Bestimmungen zur genauesten Befolgung nochmals in Erinnerung bringen, auch festzustellen versuchen, ob der schuldige Schaffner zu ermitteln ist." n. Breslan, 18. September. Heute bin ich in der Lage, Ihnen näheres über die Jubiläumsfeier des Seminars mitzuteilen. Dieselbe soll am 29. und 30. Oktober stattfinden. Am Sonnabend den 29. soll eine gottesdienstliche Feier in der Seminarsynagoge begangen werden, bei welcher der Lehrer der Homiletik, Dozent Dr. Horovitz, die Festpredigt halten wird. Am Abend desselben Tages beabsichtigt das Kuratorium, die Festteilnehmer und Gäste zu einem Bierabend in den Räumen der Lessingloge einzuladen. Am Sonntag den 30. Oktober soll der FestaktUs im großen Saal der Lessingloge stattfinden, wobei ein Mitglied des Kuratoriums und der derzeitige Vorsitzende des Lehrerkollegiums, Herr Seminarrabbiner Dr. Levh, die. Festreden halten werden. Ein Ausschuß des. Festkomitees gedenkt eine Ehrengabe, die von Gönnern und früheren Schülern der Anstalt gespendet worden ist, zu überreichen. lieber die Art ihrer Verwendung wird das Kuratorium im Verein mit dem Lehrerkollegium bestimmen. Am selben Tage findet ein Festessen für alle Teilnehmer am Feste in der Loge statt. Als Festschrift kommt die Geschichte des Seminars, dargestellt von Dozenten Dr. M. Braun, zur Verteilung. Für Montag den 31. Oktober ist von den gegenwärtigen Hörern der Anstalt ein Kommers in Aussicht genommen. Br. Beutheu D.-S., 15. September. Im patriarchalischen Alter von fast 86 Jahren ist gestern hier der Partikulier Herr L ö b e l Guttmann aus dem Leben geschieden. Derselbe entstammte einer Familie,- in welcher Thora- und Talmudstudium traditionell gepflegt wurde und aus welcher Rabbiner von gutem Klang und Namen hervorgegangen sind. In unserer Gemeinde hat er eine segensreiche Wirksamkeit entfaltet. Erfüllt von der Liebe zur Thora hat .er ihr hier eine Pflegestätte bereitet, in der er unermüdlich im altjüdischen Geiste tätig war. Aus allen Gebieten der rabbinischen Wissenschaften .eine Autorität, hat er lehrend und lernend die Jugend an sich gezogen, um sie zu unterweisen und in streng konservativen Grundsätzen zu erziehen. Um auch auf das gereifte Alter religiös einzuwirken, hat er als Begründer und Leiter des Vereins Ez chajim im Sinne des Bibelwortes Sprüche 3, 17 und 18 im zähen Festhalten an den überlieferten Satzungen auf seine kleine Gemeinde eingewirkt. Auch die Gegner seiner religiösen Ansichten standen ihm persönlich freundlich und sympathisch gegenüber, schätzten seine hohe Ehrenhaftigkeit, die Größe seines Charakters und sein unbestreitbares Verdienst, durch Lehre und Beispiel segensreich gewirkt zu haben. Das Andenken des Frommen zum Segen! N. Hamburg, 13. September. Rabbiner Chajim Weiß, einer der hervorragendsten Talmudgelehrten unserer Gemeinde, ist an den Folgen eines Schlaganfalles sanft entschlafen. Der Verstorbene, der ein Alter von 64 Jahren erreichte, wurde 1879 zunr Stiftsrabbiner am Wallich'fchen Klausinstitut (Elbstraße) gewählt; er hat demnach 25 Jahre dort fungiert, außerdem bekleidete er auch seit vielen Jahren das Amt eines Geistlichen bei der Beerdigungs-Brüderschaft der Gemeinde. In weiteren Kreisen genoß der Verblichene, der als Kenner des jüdischen Schrifttums sehr geschätzt war, hohe Achtung und Wertschätzung, sein frühes Hinscheiden erregt weit über unsere Gerneinde hinaus allseitige Teilnahme. Die Beerdigung fand unter großer Beteiligung vom israelitischen Krankenhause aus statt. Nebst beit zahlreichen Verwandten und Freunden hatten sich die Rabbiner von Hamburg und den Nachbargemeinden sowie die Vorstandsmitglieder der verschiedenen Institutionen eingefnnden, auch die Journalisten und Schriftstellerwelt war zahlreich vertreten. (Die Gattin des Verblichenen ist die bekannte Schriftstellerin Karoliue Deutsch.) Die Trauerrede hielt Oberrabbiner M. Hirsch, der anknüpfend an die Worte aus bem Wochenabschnitt Deuteronomium 32 Vers 4 den Lebensgang des Heimgegangenen schilderte, dessen Tätigkeit in der Gemeinde und namentlich an dem Lehrinstitut, das er seit 25 Jahren leitete, eine so segensvolle war. Außer dem greisen 93jährigen Vater, der Gattin und den tiefgebeugten Kindern trauern zahlreiche Schüler um den Heimgang ihres Lehrers, namentlich sind es aber auch die armen Auswanderer, die den Heimgang eines Wohltäters beklagen, der stets bereit war, ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Mit ergreifenden Trostesworten an die Hinterbliebenen schloß die Trauerrede. Hierauf wurde der Sarg von Mitgliedern der BeerdigungSfBrüderfchaft auf den Leichenwagen gehoben und der imposante Leichenkondukt, dem sich zahlreiche Fußgänger anschlossen, bewegte sich nach den: Friedhof in Ohlsdorf. Hier widmete Rabbiner Dr. Löwenthal deur Heimgegangenen Lehrer tiefempfundene Worte des Nachrufes. Das Andenken des Verewigten wird irr unserer Gemeinde stets irr Ehren gehalten werden. x. Düsseldorf, 7. September. Endlich haben auch wir eine neue Synagoge. Dieselbe wurde gestern feierlich eingeweiht.. Außer dem Vorstand der jüdischen Genreirrdeverwaltung, den hiesigen Jüdischen Kultusbeamten und den Rabbinern aus Elberfeld, Köln und Aachen nahmen an der Feier teil u. a. Oberregierurrgsrat vorr Walter, welcher den Regierungspräsidenterr vertrat, Herr Landeshauptmann Dr. Ren- Vers, Herr Oberbürgermeister Marx, verschiedene Beigeordnete der Stadt Düsseldorf, Stadtverordnete und geladene Bürger. Gegen 11 Uhr begab sich die Festgesellschaft vor den Eingang der Synagoge, wo die Gemeindevorstandsmitglieder mit den Thorarollen Aufstellung genommen hatten. Der Festakt begann mit einer Ansprache des Vorstehers der jüdischen Gemeinde, I. Levisohn. Alsdann hielt der Vorsitzende der Baukommission, Dr. Mäher, eine längere Ansprache, in der er einen Rückblick auf die früheren gottesdienstlichen Veranstaltungen und auf die Geschichte des hehren Bauwerks, das heute seiner Bestimmung übergeben wurde, warf. Weißgekleidete Mädchen brachten auf seidenen Kissen den goldenen Schlüssel zum Hauptportal, welchen eins der Kinder unter einer kleinen Ansprache in Versen dem Erbauer der Synagoge, Professor Kleesattel, überreichte, der seinerseits den Schlüssel dem Vorsteher der jüdischen Gemeinde übergab. Dieser überreichte den Schlüssel Herrn Oberregierungsrat v. Walther, der die Tür des Gotteshauses öffnete und damit den Bau seiner Bestimmung übergab. Die Festgesellschaft begab sich alsdann in das Gotteshaus, wo sich die Mitglieder der jüdischen Gemeinde bereits sehr zahlreich zum Festgottesdienst eingefunden hatten. Der Festgottesdienst begann mit einem feierlichen Chor (Psalm 100). Nach dem Umzug und Einheben der Thorarolleu wurde das Mendelssohnffche Terzett „Hebe deine Augen" von drei Damen gesungen. Herr Rabbiner Dr. Hochfeld hielt alsdann eine ausgezeichnete Festpredigt, welche mit einem Gebet für Kaiser und Vaterland endete. Nach einem darauf folgenden Gesang für Kantor, Chor und Gemeinde wurde die ewige Lampe unter Weihegebet und Segen angezündet. Mit einem Schlußchor (Psalm 150) wurde der Festgottesdienst geschlossen. Am Nachmittag fand in der Städtischen Tonhalle ein Festessen statt, welches sich einer zahlreichen Beteiligung erfreute. Anläßlich der Einweihung der neuen Synagoge ist deur verdienstvollen Vorsitzenden des Vorstandes der hiesigen Shnagogengemeinde, Herrn I. Levisohn, der rote Adlerorden IV. Klasse verliehen worden. s. Ansbach, im September. Am 31. v. M. tagte hier in der Wohnung des Distriktsrabbiners Dr. P. Kohn und unter seinem Vorsitze die IX. freie Konferenz der bayrischen Rabbiner. Dr. Kohn-Jchenhausen war verhindert an der Versammlung teil zn nehmen. Dr. Werner-München erstattete den Bericht über die Tätigkeit des geschäftsführenden Ausschusses. Aus dem Berichte ging hervor, daß der Ausschuß zu jeder Zeit am rechten Orte die Interessen der bayrischen Judenheit vertreten hat. Der wichtigste Punkt der Tagesordnung war die Beratung über die Einführung des nunmehr im Druck vorliegenden Religionslehrbuches von Herrn Dr. Groß-Augsburg. Dasselbe, unter beständiger Mitarbeit einer Kommission der Rabbinerkonferenz geschaffen, ist insbesondere für die vier obern Klassen der bayrischen Mittelschulen berechnet. Nach dem Referat des Herrn Dr. Stein-Schweinfurt, in welchem die vielfachen Vorzüge des Religionsbuches hervorgehoben wurden, und nach eingehender Debatte wurde folgender Antrag des Herrn Dr. Werner angenommen: „In Rücksicht darauf, daß einzelne der Herren Kollegen noch Bedenken

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