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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-09-23 · Heft 39 (23.9.1904) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 39 (23.9.1904)
Date
1904-09-23
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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m gegen die Einführung des Religionsbuches für die bayrischen Mittelschulen haben, soll vorläufig von der Eingabe an daS Ministerium, das Religionsbuch des Dr. Groß für ganz Bayern einzusühren, Abstand genommen werden. Vorerst sollen die einzelnen Rabbiner in Bayern, die gegen die Einführung des Buches keine Bedenken haben, in den Schulen ihres Bezirkes die Einführung desselben erwirken. Nach der Aufzehrung der ersten Auflage oder spätestens nach einer Frist von zwei oder drei Jahren, während welcher Zeit durch praktische Erfahrung die Einzelheiten des Lehrbuches von den Lehrern erprobt werden können, wird in der Konferenz der bayrischen Rabbiner das Buch noch einmal eingehend besprochen werden." Kollege Groß erklärt sich bereit, soweit als möglich allen berechtigten Wünschen entgegen zu kommen und die heutige Konferenz gibt sich der zuversichtlichen Hoffnung hin, daß dann eine obligatorische Einführung des Lehrbuches für ganz Bayern erfolgen wird. Die überwiegende Majorität der anwesenden Rabbiner erklärt, die Einführung des Religionsbuches von Dr. Groß schon setzt erwirken zu wollen. Eine Anregung des israelitischen Lehrervereins, in eine von demselben gebildete dreigliedrige Kommission, welche die Förderung der Interessen der Religionslehrer bezweckt, drei Herren seitens der Rabbinerkonserenz zu delegieren, wurde unter dem Ausdrucke der Hoffnung auf ein gedeihliches Zusammenarbeiten angenommen und die Wahl der Kommission sofort vollzogen. Andere Anträge betrasen die segensreiche Ausrechterhaltung der religiösen Institutionen in den bayrischen Kultusgemeinden. Auf einem wohlmotivierten Antrag des Herrn Dr. Weinberg-Sulzburg hin wurde beschlossen, die Schaffung eines einheitlichen Lesebuches für die israelitischen Elementarschulen Bayerns unter Mitwirkung des israelitischen Lehrervereins zu Bayern in die Wege zu leiten. Nachdem noch Herr Dr. Ziemlich dem Büreau und besonders dem freundlichen Gastgeber, Herrn Dr. Kohn, im Namen der Versammlung Dank erstattet hatte, schloß diese wie sie begonnen hatte, mit einem begeisterten Hoch aus unfern geliebten Regenten. Auf ein an denselben gesandtes Huldigungstelegramm traf zu Händen des Vorsitzenden folgendes huldvolle Antworttelegramm ein: „Se. Kgl. Hoheit der Prinzregent entbieten den in Ansbach zur 9. freien Konferenz versammelten bayrischen Rabbiner 'für die an Allerhöchstdenselben gerichtete loyale Kundgebung freundlichen Dank. Hohenschwangau, 31. August 1904. Auf Allerhöchstem Befehl (gez.) Freiherr von Wiedemann, Generalleutnant, Generaladjutant. * Gesterreich-Nngarn. O Wien, 18. September. Der gegenwärtig hier tagende int er-- nati onale Preßkongreß hat eine eigenartige Wendung genommen, die allerdings Einsichtige vorher verkündigt haben. Von einer rein sachlichen Beratung ist er durch einen bei der Eröffnung stattgehabten Zwischenfall auf das politische Gebiet hinübergelangt. Die Vertreter der internationalen Journalistik schweigen wohl darüber, aber der Vorfall ist zu bezeichnend, um darüber hinweg zur Tagesordnung überzugehen. Zu der Eröffnung des Kongresses fand sich in Vertretung des Kaisers der älteste Erzherzog Rainer ein, ferner der Ministerpräsident Dr. von Koerber und viele staatliche Würdenträger Sie alle würdigten die Bedeutung der Presse mit anerkennenden Worten, nur der antisemitische Bürgermeister Dr. Lueger der.Stadt Wien holte mit gewohntem Taktgefühl zu einer kräftigen Grobheit aus. Er sagte am Schlüsse seiner Rede: „Ich drücke heute beide Augen zu und begrüße Sie in Wien." An dieser Stelle verzeichnet der Sitzungsbericht „lebhaften Beifall und langanhaltendes Händeklatschen!" Man war sich im ersten Moment über die Größe dieser Beleidigung nicht klar und begriff sie erst nach einigen Kommentaren. Es ist doch geradezu entehrend, wenn der Bürgermeister Dr. Lueger beide Augen zudrücken muß, um die Wiener Presse und ihre Gäste zu begrüßen. Freilich, er fleht infolge seiner Parteizugehörigkeit mit der „Judenpresse" auf Kriegsfuß, aber ein Kongreß, dem Journalisten aus aller Herren Länder beiwohnen, darf nicht der Ort sein, wo politische Gegnerschaft ausgetragen' wird. Wenn der Bürgermeister von Wien es unter seiner Würde findet, sich in die Gesellschaft der Journalisten.zu begeben,, dann mag er in seinem Rathause bleiben nicht über als Oberhaupt der Residenz Fremde und Einheimische ,Hb ihrer Parteistellung und Konfession schwer beleidigen. — Gegen den fl Redakteur des in Tri est erscheinenden antisemitischen Blattes „llsots,, wurde die Anklage wegen Erpressung erhoben. Eine gleiche Anklage wurde einige Tage später gegen den antisemitischen Redakteur des Krakauer „Glos Narodu" erhoben. Auch dieser wird beschuldigt, fortgesetzt Erpressungen an Juden verübt zu haben. Die Antisemiten bekennen seit jeher offen, daß sie das „jüdische" Kapital bekämpfen. Man wird zugeben müssen, daß Erpressung ein sehr radikales Mittel ist, um das „jüdische" Kapital in „antisemitisches" umzuwandeln. — Dem israelitischen Religionslehrer am Gymnasium in ^Brüx, Rabbiner Dr. Bi ach, wurde der Titel „Professor" verliehen. Van Jtfllf und fern. — Der Wettbewerb um den Preis der ersten Michael Beer'sch eit Stiftung für Maler und Bildhauer jüdischer Religion ist für das Jahr 1905 für Bildhauer eröffnet. Als Preisaufgabe ist gestellt worden: „Ankunft einer Handelskarawane". — Geheimer Sanitätsrat Dr. Blume nthal hat den Kronenorden III. Klasse erhalten. — Der Kaufmann Albert Rosenhain stattete auf seine Kosten die Synagoge in Rosenberg mit einer prächtigen Gasbeleuchtungsanlage aus und machte sie der Gemeinde zum Geschenk. — Am 16. d. M. ist der Oberinspektor Moritz Brand, der seit 1899 als Vorsitzender des rumänischen Unterstützungsbereins hier eifrig gewirkt hat, nach kurzem Krankenlager gestorben. Ehre seinem Andenken! — Der Schriftsteller Karl Wald, der sich vor einigen Jahren als eifriger Verfechter des Spiritismus und als Leiter antisemitischer Versammlungen vielfach bemerkbar machte, hat sich in seiner Wohnung erschossen. — Justizrat Dr. Ludwig Cohn in Breslau hat das Ritterkreuz II. Klasse des Herzoglich Sachsen - Ernestinischen Hausordens, Amtsgerichtsrat Dr. Friedländer in Altona den Roten Adlerorden IV. Klasse erhalten. — Auf der Synagoge in Malchin ist ein kleiner Turm, der im Laufe der Zeit sehr verwittert und teilweise heruntergesallen war — er hatte auch schon seit Erbauung des Gebäudes im Jahre 1834. seine Wacht gehalten — in diesen Tagen durch einen neuen ersetzt worden. — Zum ordentlichen Mitglieds und Professor für innere Medizin an der zum 1. Oktober zu eröffnenden Akademie für praktische Medizin in Köln ist der Oberarzt der inneren Abteilung der städtischen Krankenanstalten zu Köln a. Rh. Professor Dr. med. Oscar Minkowski ernannt worden. — In Kref eld ist der Bolksfchullehrer Buxbaum nach einem tätigen und pflichteifrigen Leben, das er über 40 Jahre im Dienste der Schule verbrachte, gestorben. Ehre seinem Andenken! — Der bayerische Finanzminister Dr. Freiherr v. Riedel kam am 14. d. M. zum Besuch seines Jugendfreundes, des Geheimen Hofrats Justizrat Josephthal in Nürnberg an und stieg bei dessen Schwiegersohn, dem Kaufmann Hans Hops ab. — Zum Besten des Sanitätswesens auf dem Kriegsschauplätze ist von der jüdischen Gemeinde Warschau durch allgemeine Sammlung der Betrag von 30 000 Rubel zusammengekommen. — Von dem Hilfsfonds von 100 000 Franks, den die Alliance vor kurzem für die notleidenden Juden Rußlands bestimmt hat, sind zunächst die folgenden Summen durch Beschluß des Zentralkomitees vom 13. d. M, überwiesen worden: nach Lodz 15 000 Franks, Bialystock 10 000 Franks, Odessa 10 000 Franks, Wilna 6000 Franks, Libau 4000 Franks, Dubrowno 3000 Franks. — Bei der Judenhetze in Smjela (Gouvernement Kiew) sind nicht weniger als 98 Häuser und 142 Läden, die Juden gehörten, zerstört worden. Die Gemeinde von Smjela ist dadurch in großes Elend versetzt. Die Alliance hat zur Bestreitung der dringendsten Anforderungen dem Grundeigentümer von Smjela, Senator Grafen Alexis Bobrinsky, 5000 Franks übermittelt. Graf Bobrinsky ist als Wohltäter der Juden bekannt.— In jüdischen Kreisen Rumäniens wird die Idee ventiliert, einen Kongreß einzuberüfen, um eine Massenpetition an die Regierung zu richten, welche gebeten werden soll, daß sie durch' ein Gesetz die Lage der jüdischen Gemeinden regle. — In Bukarest hat sich ein Zentralkomitee der israelitischen Schulen in Rumänien gebildet. Diesem Komitee gehören vorderhand blos die. Vertreter der israelitischen Schulen der Hauptstadt an. Der Zweck des Komitees ist, aus die Verbesserung der Lage Her israelitischen Schulen und der an denselben angestellten Lehrer hinzuarbeiten.

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