Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 39 (23.9.1904)
- Date
- 1904-09-23
- Page
- Seite 468 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Wort- und Satzbildung die eingehendste kritische Würdigung findet, woraus sich so manches im vorliegenden Wörterbuch erst, wird erklären lassen. Virovitica. Rabbiner Dr. Kaufmann.^ --- Die soeben erschienene Nummer 9 (September 1904) vbn „Altneuland", Monatsschrift für die wirtschaftliche Erschließung Palästinas, bringt an erster Stelle einen Aufsatz von Dr. jur. Bruno Blau über „Die administrative Autonomie der Insel Samos." Professor Dr. E. Schönfeld liefert im weiteren Verlauf seiner Schilderung der Halbinsel Sinai Angaben über die Flora, Fauna, Bevölkerung des von ihm behandelten Gebietes. Professor Dr. O. Marburg beschließt seinen großen Aufsatz über die Kolonisation in Nordsyrien auf Grundlage der Baumwollenkultur im Gebiet der Bagdadbahn. Er schlägt zum Schluß die Gründung von zwei Gesellschaften vor. Eine auf rein geschäftlicher Basis aufgebaute Baumwoll-Erwerbsgesellschaft, die aus ihren Gütern jüdische Arbeiter beschäftigt und sie aus diese Weise praktisch in der Baumwollkultur unterweist. Die zweite, die jüdische Kolonisationsgesellschaft, hätte die Kosten zur Kolonisation der besseren Arbeiter längs der Bagdadbahn und im weiteren Umkreise um dieselbe zu liefern. - - , Sprechssal. Geehrter Herr Redakteur! ie Auslassung des Pfarrer Schneider bezüglich des Rückgangs der Juden, die die Wochenübersicht der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" zum Abdruck bringt, ist nur zum Teil richtig. Als Fernwirkung wird die Mischehe dem Judentum gewiß verhängnisvoll j genug, für den Augenblick dürfen ihre Folgen aber nicht überschätzt j werden. Gewiß ist der aus den Mischehen allein resultierende Ver-! lust von 10000 in einem Vierteljahrhundert erschreckend groß, ver- ' schwindet jedoch zu einem kaum beachtenswerten Faktum, wenn diese Zahl mit der allgemeinen Verlustziffer in Vergleich gestellt wird. Unser Anteil an der jetzt ziemlich genau 60 Millionen betragenden deutschen Bevölkerung hat sich um 1Ji Prozent verkürzt. Unser Verlust beziffert sich demnach in den letzten 30 Jahren auf 150 000 Seelen. Was will demgegenüber der Aderlaß von nicht ganz 10 000, die durch Mischehen eingebüßt sind, bedeuten. Selbst die Taufen erklären nur einen Bruchteil dieses Riesendefizits. Die Taufen, durchschnittlich mit 500 jährlich wohl richtig normiert, ergaben in den drei Dezennien unter Addierung des Mischehemankos insgesamt 25000, gewiß eine starke Ziffer, aber erst den sechsten Teil des Gesamtschadens. Man weiß, daß 5/6, also 125 000 des Fehlbetrags, aus ganz anderen Quellen stammen, j Quellen, die mit der Taufe und Mischehe nichts zu schaffen haben. Erst diese Mankoquelle macht die Mischehe zu einer die Existenz des Judentums schwer bedrohenden Erscheinung, während sie bei normaler Gestaltung der Geburtenverhältnisse wenig hemmend ins Gewicht fiele. Die Geburten betragen nur 50 Prozent des allgemeinen Durchschnitts und zeigen in den 30 Jahren auf jüdischer Seite allermindestens ein Minus von 200 000. Achtungsvoll Berlin, 19. September. Bernhard Traubenberg. * An die Redaktion der „Allgemeinen Zeitung des Judentums"! m Aufträge des Aufsichtsrats des Jewish Colonial Trust (Jüdische Kolonialbank) in London beehre ich mich Sie um Aufnahme nachfolgender Berichtigung ganz ergebenst zu ersuchen: In Nummer 36 Ihrer werten Zeitschrift schreibt Ihr Wiener Korrespondent: Die Indische Kolonialbank hat in vierjähriger Tätigkeit nur einmal eine Dividende von 2% verteilt. Diese Angabe ist durchaus unrichtig. Das erste Geschäftsjahr der Jüdischen Kolonialbank, deren Gründung auf Beschlüssen des zweiten und dritten Zionistenkongresses in den Jahren 1898 und 1899 beruht, war das Jahr 1902. In diesem ihrem ersten Geschäftsjahr hat die Bank auf ihr Aktienkapital von 5000000 Mark 2«/g Dividende verteilt. Im zweiten Geschäftsjahr ist eine Dividende nicht verteilt worden, da die Bank infolge des Rückganges der englischen Konsols vorsichtshalber große Abschreibungen vorgenommen hat. In der ersten. Hälfte des dritten Geschäftsjahres ist denn auch bereits wieder ein so großer Reingewinn erzielt worden, daß für das laufende Jahr eine Dividende von 3—4% in Aussicht steht. Ihr Wiener Korrespondent schreibt ferner: „Dieses Institut wurde bekanntlich gegründet, um die Kolonisierung der östlichen Juden zu unterstützen." Auch diese Angabe entspricht den Tatsachen nicht. Vielmehr ist die Jüdische Kolonialbank nicht als ein gewöhnliches, nur auf 'Dividende hinzielendes Institut gegründet worden, sondern als das finanzielle Instrument, durch das die Ideen des Zionismus praktisch auszuführen sind. Mit vorzüglicher Hochachtung Rechtsanwalt Dr. Hantle. Geehrter Herr Redakteur! er unter dem Titel „Aus Oberschlesien" in Nr. 37 dieser Zeitung pro 1904, Seite 439 erschienene Aufsatz enthält u. a. folgende, mich betreffende, bezw. sich auf mich beziehende Stellen: 1. In der Hauptversammlung des Vaterländischen Wahlvereins zu Rybnik, welche sich mit der Ausstellung des Kandidaten befaßte, ist Herr Amtsgerichtsrat Cohn , für die Kandidatur des konservativen Herrn Lukas eingetreten... 2. Wenn dennoch jüdische Männer von Bildung und prominenter Stellung in der Provinz, so manches Mal für die konservative Partei sich brauchen lassen, so liegt das nur an der politischen Unerfahrenheit dieser . . . Herren, welche instinktiv der Honoratiorenpartei zuneigen und sich häufig durch die sympathische Persönlichkeit der in Verwaltung und Gesellschaft führenden Männer bestechen lassen. Ich habe hierauf folgendes zu erklären: a) Der Passus zu 1 enthält eine Unrichtigkeit. In der fraglichen, am 28. August d. I. stattgehabten Versammlung standen auf der Tagesordnung die Beratung und Festsetzung der Statuten des Vereins sowie die Frage betreffend die demnächst zu erfolgende Ersatzwahl eines Kandidaten für den kürzlich verstorbenen Landtagsabgeordneten Sanitätsrat Dr. Moritz. Beim ersten Punkte der Tagesordnung habe ich wiederholt das Wort ergriffen. Ich habe mich aber vor Erledigung dieses Punktes aus Gründen, die nicht hierher gehören, aus der Versammlung entfernt. Zum zweiten Punkte der Tagesordnung, der hier allein in Frage kommt, bin ich in die fragliche Versammlung nicht mehr zurückgekehrt. Dies schicke ich zur Klarstellung der Sachlage voraus und bemerke dazu, daß ich weder in der fraglichen Versammlung, noch sonst öffentlich noch auch privatim für die Kandidatur des Herrn Lukas eingetreten bin. b) Der Passus zu 2 ist zweifellos ein Schluß aus dem Passus zu 1. Die in diesem Passus zu 2 enthaltene Unterstellung weise ich mit aller Entschiedenheit zurück. Allerdings neige ich nicht nur der Honoriatorenpartei zu, sondern ich glaube, mich hier auch dazu zählen zu dürfen. Trotzdem lasse ich mich aus dem angegebenen Grunde nicht bestechen. Den Verfasser des eingangs erwähnten Aufsatzes kenne ich nicht Ich habe auch keine Ahnung, wer sein Gewährsmann ist. Beide scheinen mich aber nicht im geringsten zu kennen. Denn wenn sie mich gekannt hätten oder es der Mühe für wert gehalten hätten, sich nur ein wenig über mich zu informieren, so würden sie es nicht gewagt haben, mich in so schwerer Weise zu verdächtigen. Sie richten sich durch die in dem fraglichen Aufsatze aufgestellten, hier in Betracht kommenden Behauptungen selbst. Schließlich will ich nicht unerwähnt lassen, daß ich als Führer einer bestimmten Parteirichtung nie öffentlich ausgetreten bin, wie dies in dem fraglichen Aufsatz angedeutet wird. Wenn ich hin und wieder mich an Debatten in öffentlichen Versammlungen beteiligt habe, so habe ich stets meine eigene, nach meiner Ueberzeugung dem Gesamtwohl förderliche Ansicht zum Ausdrucke gebracht. Das werde ich auch künftighin tun, wenn ich es für erforderlich halte. Hochachtungsvoll Rybnik, 14. September. Theodor Cohn, Amtsgerichtsrat. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Ber in.