Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 37 (9.9.1904)
- Date
- 1904-09-09
- Page
- Seite 444 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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444 W! Phöbes auf seine Tochter und auf seine Enkelin zu übev4 tragen." „Wie! Leben denn noch Abkömmlinge von dem biedern Manne?" „Ihr seht in mir seine Tochter, und in Klara hier — seine Enkelin." '/ „Klara?". „Betrachtet auch dieses, Vater Martens!" Bei diesen Worten zog sie ein halbes,- gelbgeblümtes Seidentuch hervor und hielt es Martens hin. „Eine ähnliche Hälfte," sagte Märtens überrascht, „befand sich in dem Polster, in welchem wir einst die kleine Klara zu zu uns nahmen." /: „Meine Mutter, die; es war, welche das Kind in EürH Küche niederlegte, hatte die eine Hälfte des auseinandepgeschnittenen Tuches dem Kinde beigegeben, während sie die ändere Hälfte zurückbehielt. Ihr seht wohl ein, daß diese Maßregel der Vorsicht nicht überflüssig war." „Wahrhaftig! Ich hätte es mir niemals träumen lassen/ daß ich in meinem Hause einen Sprößling des biederen Phöbes beherberge." J Die Frau führte nun Märtens zu einem Stuhle, setzte siA ihm gegenüber, und erzählte ihm die Umstände von Klaras Geburt und deren Zurücklassung, wie uns das aus der Mitteilung Klaras an Joseph bereits bekannt ist. Als sie mit der Erzählung zu Ende war, schloß sie mit den Worten: „Ich überlasse es jetzt dem Edelmut Eures Herzens, ob Ihr der Enkelin Eures einstigen Wohltäters ein Hindernis in den Weglegen wollet, zu denen hinzugehen, die seit achtzehn Jahren ob ihrer Entfernung so viele Schmerzenstränen vergossen, oder ob Ihr von mir ein angemessenes Pflegegeld annehmen woM das Ihr in jeder Beziehung so redlich verdient habt." „Der Himmel bewahre mich vor dem Gedanken, an Elternf herzen einen Raub begehen zu wollen. Ich danke Gott, daß-, er mir Gelegenheit gab, dem wackern Phöbes an seiner Enkelin zu zahlen, was ich ihm schuldig war; und dieser Gedanke wird für mich und Ursula ein schwacher Trost sein für den Verlüstden wir an Klara erleiden. Auch die gute Ursula wird sich nicht wenig freuen, zu hören, daß die Familie des edlen Phöbes nicht aufgerieben wurde an jenem furchtbaren Tage. — Dochfl . . . wo ist Joseph?" , „Joseph ist zwar auch hier," erwiderte Klara, „und er will/ uns auch bis in unsere Heimat begleiten; allein seine Ent-, fernung von Marburg hat mit der meinigen gar keine B wandnis. Er ist fort, weil Herr Tanger es wollte." - „Herr Tanger wollte es?" I „So ist es, Vater Märtens!" Joseph wurde herbeigeholt, und Märtens nahm ihn ins Verhör. : Es tat dem biedern, liebevollen Herzen des alten Mannes wehe, gleichzeitig zweier so reichhaltiger Quellen der Liebe beraubt zu werden, er fügte sich jedoch, und am Morgen des nächsten Tages reiste er zurück nach Marburg, betrübten. Gemütes zwar, aber mit dem Bewußtsein, als ehrlicher Manu gehandelt zn haben. Klara, ihre Mutter und Joseph schlugen ihren Weg nach Görz ein, woselbst sie nach wenigen Tagen anlangten. ' (Fortsetzung folgt.) j Litrrsnlchr Mitteilungen. 1 — Die Ethik des Judentums von Moritz Lazarus erscheint demnächst in fünfter Auflage — ein Erfolg, wie ihn in unserer Zeit noch kein Buch unserer Literatur aufzuweisen hatte. — Dieser fünften Auflage hat die Gattin des Heimgegangenen Meisters folgende Begleitzeilen mit auf den Weg gegeben: „In tiefster Wehmut übergebe ich dem Leser die fünfte Auflage der „Ethik". Ihr Schöpfer ist nicht mehr. Diesem Werk gehörte.seine ganze Sorge, seine letzte Arbeitskraft bis zum Erlöschen . . . möge es mit desto dankbarerer Pietät empfangen und mit einem Abglanz jenes heiligen Eifers durchforscht werden, der ihn selbst allezeit beseelte. Meran, 1904. Nahida Ruth Lazarus." Im Verlage von Alphons Dürr in Leipzig ist soeben eine sehr interessante und lehrreiche Schrift von Dr. Alfred Leicht: „Lazarus, der Begründer der Völkerpsychologie" erschienen, die sicher nicht verfehlen wird, allgemeines Interesse zu erregen. Zum erstenmal wird in diesem Werk der authentische Nachweis geliefert, wie durch Lazarus der Gedanke und die Tat der Begründung der neuen Wissenschaft zustande kam. Das Buch enthält trotz seines verhältnismäßig geringen Umfangs eine Fülle wissenswertesten und äußerst scharfsinnig aneinandergereihten überreichen Materials. Dr. Leicht, der Lieblingsschüler von Lazarus und sein künftiger Biograph, ist der Autor des ungemein schwierigen Registers zu den 20 Bänden der Zeitschrift für Völkerpsychologie und Sprachwissenschaft und des „Lebens der Seele" zugleich auch der Herausgeber der im vorigen Jahre erschienenen „Pädagogischen Briese" von Lazarus. — „Altneuland", Monatsschrift sür die wirtschaftliche Erschließung Palästinas, Nummer 8 (August) ist erschienen. Das Heft enthält unter anderem einen Bericht von Dr. M. Vlankenhorn über die kürzlich erfolgte Einrichtung meteorologischer Stationen auf jüdischen Kolonien in Palästina, die er im Aufträge der Kommission zur Erforschung Palästinas vorgenommen hatte. / Bei der Einrichtung der meteorologischen Stationen gelang es" der Kommission mit dem deutschen Verein zur Erforschung Palästinas Hand in Hand zu gehen und das Zusammenwirken aus diesem Gebiete zu sichern. Die Beobachtungen der jüdischen Stationen mit der Zentrale in Sichron Jacob, ebenso die Beobachtungen der deutschen Stationen mit der Zentrale in Jerusalem werden sowohl in „Altneuland", wie in der Zeitschrift des deutschen Palästina-Vereins regelmäßig veröffentlicht werden. Es ist wohl überflüssig, darauf zu verweisen, welche Bedeutung diese Einrichtung von meteorologischen Stationen in den jüdischen Kolonien sowohl für die allgemeine Erschließung, wie auch insbesondere für die Landwirtschaft haben wird. Prof. Dr. O. Marburg setzt seine Auseinandersetzungen über die Aussichten der jüdischen Kolonisation in Nordsyrien auf Grundlage der Baumwollkulturim Gebiete der Bagdadbahn fort. Prof. Dr. D. Schönfeld- Jena berichtet auf Grund eigener Untersuchungen über dieHalbinsel Sinai, * '"n Erforschung bekanntlich Gegenstand der zionistischen El-Arisch- Expedition war. Des weiteren enthält die Nummer den Konsularbericht von Damaskus von 1902, die Angaben über den Regenfall an der Küste Palästinas im vergangenen Winter 1903/04 von Dr. M. Vlankenhorn, ' welche dartun, daß das laufende Jahr ein durchaus wasserarmes ist, eine Besprechung von Arnold Rieggis Werk „Auf heiligen Spuren — abseits vom Wege" von Dr. S. Soskin u. a. m. * Lrirkksltrn der Redaktion. M. M. hier; Das Neujahrsfest fällt zuweilen zwei Jahre hintereinander auf Sonnabend, damit der Versöhnungstag nicht auf Freitag oder Sonntag und Hosiana Rabba nicht auf Sonnabend fallen soll. In dem Zeitraum zwischen 5666 bis 5831 ereignet es sich fünfmal, daß Röschhaschonoh zwei Jahre hintereinander auf einen Sabbat fällt. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin, antwortlich sür die Redaktion: Max Bau i In Berlin.