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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-09-02 · Heft 36 (2.9.1904) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 36 (2.9.1904)
Date
1904-09-02
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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mäßigen Ausdruck findet, zeigt, welche Sympathien dem Bestreben entgegengebracht wurden. Wenn sich diese..in den nächsten zwei Jahren in gleicherweise wie bisher bekunden, so wird im Frühjahre 1907 neben und auf dem Grundstück der prächtigen Bauten des Kranken- und Altersheims auch das Schwesternheim sich erheben. Möge die aus dieser Vereinsarbeit ausströmende Menschenliebe auch wieder Menschenliebe wecken in den Herzen der Begüterten, damit sie sich zur Förderung dieses Werkes gedrängt fühlen. Der Vorstand besteht aus den Herren: Dr. B. Auerbach, Vorsitzender, Rechtsanwalt Carl Eltzbacher, stellvertretender Vorsitzender, Dr. Fritz Cahen, Schriftführer, Simon Herzbach, Schatzmeister, Max Bendix, Isidor Dülken, Amtsgerichtsrat Löwenherz, Heinrich Frank, Dr. O. Mastbaum. j&ftnitu, im August. Die 36. Jahresversammlung der i s r a e l i t i s ch e n Lehrerkonferenz Hessens fand hier im Saale des „Hotel zum Niesen" statt; sie war in Berücksichtigung der ungünstigen Lage des Versammlungsortes gut besucht. Außer den gewohnten und seit Jahren liebgewordenen Gästen, Landrabbiner Dr. Prager-Kassel als Vertreter des Vorsteheramtes zu Kassel und Provinzialrabbiner Dr. Munk-Marburg als Vertreter des Vorsteheramtes in Marburg, nahmen noch teil an der Versammlung: Provinzialrabbiner Dr. Bamberger-Hanau als Vertreter des dortigen Vorsteheramtes sowie der Kreisvorsteher des Kreises und die Aeltesten der Shnagogengemeinde Hanau. Nach einem gemeinschaftlichen Chorgesang eröffnete der Vorsitzende Herr Amram-Borken die Verhandlungen mit einem Begrüßungswort an die Mitglieder und Gäste. Der Vorsitzende weist dann auf das in nahe Aussicht gerückte — besonders auch für die jüdische Schule bedeutungsvolle — Schulunterhaltungsgesetz hin und tritt warm für die Erhaltung und Weiterentwicklung der jüdischen Volksschule ein. Provinzialrabbiner Dr. Bamberger dankt für die freundliche Einladung und Begrüßung, betont seine aufrichtige Teilnahme an den Bestrebungen zur Hebung der israelitischen Schule und erkennt an)' daß der Zusammenschluß der Lehrer ein wichtiges Mittel zur Förderung der Schulinteressen sei. Im gleichen Sinne spricht auch Landrabbiner Dr. Prager namens des Kasseler Vorsteheramtes und weist auf die Tatsache hin, daß das Vorsteheramt in Kassel auf der hessischen Lehrerkonserenz stets durch ein Mitglied vertreten gewesen sei. Er freue sich auch heute wieder aufs neue hervorheben zu können, daß das Vorsteheramt und auch er selbst die Bestrebungen der Konferenz gern unterstützen. Redner erläutert die Vorteile der gemeinsamen Arbeit und wünscht, daß auch die heutige Versammlung gleich den früheren Tagungen dazu beitragen möge, die hohen Ziele der Konferenz ihrer Verwirklichung näher zu bringen. Den gleichen Wunsch spricht auch Provinzialrabbiner Dr. Munk in längerer herzlicher Rede namens des Vorsteheramts in Marburg aus. Sämtlichen Rednern wurde reicher Beifall gespendet. Nachdem dann der Vorsitzende den Jahresbericht erstattet, aus welchem hier besonders der Hinweis auf den Erfolg der an den Landtag gerichteten Petition betr. die Besoldung des Vorsängerdienstes erwähnt sei, nahm Herr Oppenheim- Wehrda das Wort zu seinem Referat: „Die Verwendung der Pirke Aboth beim Unterrichte". Namens der Lesebuchkommission berichtet der Vorsitzende, daß die Kgl. Regierung angeregt habe, betreffs der Herstellung eines möglichst gleichartigen Lesebuches mit dem Hauptausschusse des Hessischen Volksschullehrervereins in Verbindung zu treten. Da jedoch die Fertigstellung des künftigen Lesebuches noch geraume Zeit in Anspruch nehmen wird, soll bis dahin im Notfälle zum Lesebuch des Hessischen Volksschullehrervereins gegriffen werden. Herr Strauß-Gelnhausen berichtet alsdann über die nun ins Leben gerufene Pensions- und Witwenkasse der Kommunalbeamten des Regierungsbezirks Kassel, die auch allen Beamten der jüdischen Gemeinde innerhalb des Bezirks offen steht. Leider sei jedoch die Anzahl der bis jetzt beigetretenen jüdischen Gemeinden,moch gering, weshalb Redner sich insbesondere an die anwesenden Vertreter der Vorsteherämter mit der Bitte wendet, die Gemeinden mit Religionsschulen zum Anschluß an die Kasse anzuhalten. Landrabbiner Dr. Prager erklärt, das Kasseler Vorsteheramt werde gerne seinen Einfluß im Sinne des Referenten in den Gemeinden geltend machen, wenn seitens der betreffenden Lehrer ein diesbezüglicher Antrag gestellt werde. Ueber die Frage der definitiven Anstellung der Religionslehrer sowie über die Begründung der Privatelementarschulen entspinnt sich eine lebhafte, zum Teil recht erregte Debatte. Nach Aufhebung einiger öffentlichen Volksschulen im diesseitigen Bezirk seitens der Königlichen Regierung hatte das Vorsteheramt zu Kassel die Gemeinden zur Gründung von Privatelementarschulen angehalten. Der hessischen jüdischen Lehrerschaft erschien das Vorgehen sehr bedenklich, und auf einer früheren Versammlung nahm der Vorsitzende Veranlassung, öffentlich auf die dadurch der öffentlichen jüdischen Volksschule entstehenden Gefahren hinzuweisen. Die Sache war bedeutungsvoll,. so lange der Herr Minister die Begründung solcher privaten Schulen innerhalb des Regierungsbezirks Kassel für gesetzlich nicht zulässig hielt. Neuerdings hat aber die Königliche Regierung ihren ablehnenden Standpunkt verlassen und die Gründung von Privatschulen zugelassen. Dieser Zustand liegt weder im Interesse der Schule und der Gemeinde noch im Interesse der Lehrer, und deshalb wurde das Vorsteheramt für die Folgen verantwortlich gemacht. Herr Dr. Pragererklärte, das Vorsteheramt habe eine solche Wirkung nicht vorausgesehen. Da die Versorgung der Neligionsschulen mit geeigneten Lehrkräften immer schwieriger werde, habe-das Vorsteheramt durch Begründung von Privat-Elementarschülen einer guten Absicht dienen wollen, da zu solchen Schulen sich eher Bewerber finden als zu vakanten Religionslehrerstellen. Bei der Neuwahl des Ausschusses blieb es beim alten. Er besteht aus den Herren Amram-Borken, Oppenheim-Treysa, Schwärzschild-Schlüchtern, Spiro-Fulda und Rosenstein-Rotenburg. Die nächste Versammlung findet 1905 in Kassel statt. Zu Referenten wurden bestellt: Herr Neuhaus-Sterbfritz und Herr Löwenstein-Fulda. Die Ausgabe lautet: „Der Bibelunterricht unter besonderer Berücksichtigung der Literatur dieses Gegenstandes." GesterreLH-Nngarn. □ Wien, 29. August. Anläßlich des Geburtstages des Kaisers sind hier in sämtlichen Synagogen Festgottesdienste abgehalten worden, ebenso haben die jüdischen Gemeinden in allen Provinzstädten diesen für jeden Oesterreicher glücklichen Tag durch feierlichen Gottesdienst geehrt. — Im Zionismus geht es nach der Mitteilung einer der angesehensten Mitglieder schon jetzt etwas bunt zu. Vom 16. bis 19. d. M fanden, wie ich Ihnen bereits geschrieben, Versammlungen des sogenannten großen Aktionskomitees in Wien statt, bei denen es klar zu Tage kam, daß die meisten Teilnehmer mehr oder minder daran dachten, ein Stück der Führung in die Hand zu bekommen. Das kleine Aktionskomitee wurde gegen die Konstitution aufgelöst, das heißt erst um fünf Mitglieder vermehrt, dann, als' der Ehrgeiz noch nicht gestillt war, um weitere vier. Der Kongreß, der sofort hätte stattfinden müssen, wurde für den März des nächsten Jahres einberufen. Auf diese Weise hoffen wohl diese Herren den sonderbaren Zustand einzubürgern, daß anstatt wie bisher, von Wien aus fünf Männer die Partei leiteten, dreizehn in ganz Europa verstreute Herren die Führung übernehmen. Es wurde vielfach bemerkt, daß die bedeutenderen Anhänger des Zionismus wie z. B. Max Nordau diesen Beratungen fern blieben. — Am 19. d. M. wurde die Generalversammlung des Jevvish Colonial- Trust (Jüdische Kolonialbank) abgehalten. Dieses Institut wurde bekanntlich gegründet, um die Kolonisierung der östlichen Juden zu unterstützen. Direktor Wolffsohn-Köln sowie der Manager Herr Hirsch- London erklärten, daß zwar ein sehr starkes russisches Diskontgeschäft gemacht werde, aber eine Dividende nicht bezahlt werden könnte. Aktionär Assessor Friedemann-Wiesbaden bekämpfte dieriskante Gefchäftsgebahrung und stützte sich auf das Urteil bedeutender deutscher Bankdirektoren. Die Bank hat in vierzigjähriger Tätigkeit nur einmal eine Dividende von 2 Prozent verteilt. — Dem kaiserlichen Rate Johann Lichtenstabt ist das Ritterkreuz des Franz Josefsordens verliehen worden. — Im Alter von 77 Jahren ist hier Hofrat Moriz Ritter v. Borkenau, Vizepräsident der Eskompte-Gesellschaft, gestorben. Derselbe war mehrere Jahre lang erster Vorsteher der hiesigen Kultusgemeinde. Ehre seinem Andenken! — Die Vertretung der israelitischen Kultusgemeinde hatte sich an den Stadtrat gewendet zum Zwecke der käuflichen Erwerbung des an die Realität Nummer 4 in der Seitenstettengasse (das Tempelgebäude) grenzenden Arrondierungsstückes. Der Stadtrat hat nun auf den Antrag des Herrn Bielohlaweks beschlossen, der Kultusgemeinde bekannt zu geben, daß die Kommune Wien derzeit nicht in der Lage sei, in Verhandlungen über die an das Tempelgebäude angrenzenden Grund-

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