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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-09-02 · Heft 36 (2.9.1904) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 36 (2.9.1904)
Date
1904-09-02
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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der Stadt Bürgermeister Krenz und Stadtverordnetenvorsteher Dr. Drescher, als Vertreter der Bromberger Synagogengemeinde Rabbiner Dr. Walrher-Bromberg, ferner Abordnungen des Vorstandes der benachbarten Gemeinden, besonders aus Jnowrazlaw. Die GeW lichen beider Konfessionen, denen Einladungen zugegangen waren, hatten ihnen nicht Folge geleistet. Nachdem sich der Festzug mit den Thorarollen von der Wohnung des Gemeindevorstandes Kaufmanns Samelson ans unter Vorantritt der Schuljugend und eines gemischten Chores mit seinem Dirigenten, Lehrer Joseph, nach der neuen Synagoge begeben hatte, überreichte Frl. Martha Chaskel mit passender Ansprache den Schlüssel dem Bürgermeister, worauf Landrat Dr. Conze das Gotteshaus erschloß. Mit dem vom gemischten Chor unter Harmoniumbegleitung vorgetragenen Gesang „Wie schön sind deine Zelte, Jakob", begann die Feier in der Synagoge. Herr Rabbiner Dr. Cohn-Jnowrazlaw entzündete zunächst unter entsprechenden Begleitworten das „ewige Licht", worauf die Thorarollen unter den üblichen liturgischen Gesängen, ausgeführt vom Kantor Silberstein und Chor, in die heilige Lade gestellt wurden. Nun hielt Rabbiner Dr. Cohn die Weiherede, in welcher er die hohe Bedeutung des Gotteshauses betonte, in welchem Gottes-, Nächsten- und Vaterlandsliebe gelehrt und geübt werden sollen. Er schloß seine wirkungsvolle Rede mit dem üblichen Gebet für „Kaiser und Reich" und einen: Segen für die Gemeinde. Nachdem noch der Chor die „deutsche K'duschah" von Lewandowski, bei welcher Frl. Eva Liebermann die Solopartien übernommen, gesungen hatte, war die synagogale Feier beendet. Darauf fand unter zahlreicher Beteiligung ein Festessen statt, bei dem Landrat Dr. Conze das Kaiserhoch ausbrachte, an welches sich zahlreiche andere Toaste schlossen. Ein Tanzkränzchen, verbunden mit Theateraufführungen, lebenden Bildern rc., beendete das Fest. — Das Gotteshaus selbst bildet in seiner einfachen und doch vornehmen Ausführung eine Zierde unserer Stadt. Fi'. Lubliititz, 21. August. Das benachbarte „heilige" Rußland kann im allgemeinen nichts weniger als ein Vorbild der politischen :md religiösen Toleranz des 20. Jahrhunderts sein, obschon die Bevölkerung an sich imgroßen und ganzen, wenn sie nicht gerade durch höhere Weisung aufgehetzt wird, keineswegs gegen die Juden eingenommen ist. selbst nicht gegen jene Juden, welche ihnen auf dem Gebiete des Handwerks eigentlich große Konkurrenz machen. Denn die Juden sind dort ja vielfach Steinklopfer, Schuhmacher Klempner, Dachdecker^ u. dgl. — Einige Besucher des russischen Grenzorts H erby mußten aber durch eine Erscheinung überrascht und angenehm berührt werden, , die sich ihnen bei einem Ausfluge am Sonntag dort darbot. Sie bemerkten nämlich Arbeiter, welche auf einem Dache eifrig beschäftigt waren und wandten sich an Bewohner des Platzes um Auskunft darüber, ob man denn in Rußland am Sonntag arbeiten dürfe. Da wurde ihnen der Bescheid in polnischer Sprache: „Dies sind ja Juden, diese dürfen am Sonntag arbeiten, denn sie haben ja ihren Sabbat." --- Wer hätte in dem im allgemeinen so tief dastehenden Rußland solche religiöse Toleranz vermutet! Was aber in dieser Beziehung selbst in Rußland möglich ist, — sollte doch auch anderwärts möglich sein. Oder nicht? Wäre eine Einrichtung nicht überall möglich, nach welcher die den Sabbat Feiernden am Sonntag arbeiten und die den Sonntag Feiernden am Sabbat arbeiten dürften? — Der Segen, welcher aus einer solchen Einrichtungfür die religiöse Erziehung und Förderung der Juden, also für diese selbst wie auch für den Staat, entströmen würde, läßt sich gar nicht ermessen. Viäeant, eonsules! u.. — Ofchersleben, 28. August. Eine Frage von grundsätzlicher Bedeutung wurde in der gestrigen Stadtverordneten-Sitzung verhandelt. Der Kultusbeamte der hiesigen israelitischen Gemeindeist zur Erwerbung des Bürgerrechts aufgefordert worden und zur Entrichtung des Bürgerrechtsgeldes von 6 Mark. Derselbe' beschwerte sich hierüber, indem er ausführte, er sei als Kultnsbeamter hierher berufen, und habe nicht die Absicht, sich hier dauernd niederzulassen. Er habe seit 1866 schon in vielen Orten amtiert, würde also schon oftmals das Bürgerrechtsgeld haben bezahlen müssen, doch sei bisher noch nie diese Anforderung an ihn gestellt. Er bitte, ihn auch hier davon freizulassen. Da in diesem" Falle die gesetzlichen Voraussetzungen für die Erwerbung des Bürgerrechts vorhanden sind,' hat der Magistrat der Eingabe keine Folge geben können und das Gesuch abgelehnt: die Versammlung schloß sich dem an. Nach dem Ortsstatut ist hier die . Erwerbung des Bürgerrechts an einen Steuersatz von 12 Mark gebunden; das neue Kommunalabgabengesetz setzte diese Grenze auf 6 Mark herab; der Kreis der zum Bürgerrecht Heranzuziehenden ist also namhaft erweitert. o. Köln, 25. August. Der Jahresbericht des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen pro 1903 ist soeben erschienen. Die Tätigkeit im Berichtsjahr 1903 entwickelte sich im wesentlichen im Rahmen des Vorjahres. Neben der gesamten Krankenpflege in: israelitischen Asyl für Kranke und Altersschwache wurden von den Privatpflegerinnen Tag- und Nachtpflegen bei begüterten und armen Familien übernommen und außerdem wurden sie zur Assistenz oder zu sonstigen Verrichtungen an Kranken von den Aerzten in Anspruch genommen. Wie durch Zahlen gezeigt wird, steigt die Nachfrage nach unseren Schwestern immer mehr, sowohl in unserer Stadl als auch besonders auswärts. Diesen vermehrten Ansprüchen gegenüber wächst die Zahl der Schwestern nicht in gleichem Maße. Hauptsächlich deshalb, weil von den aufgenommenen Pflegeschülerinnen im Laufe der Ausbildungszeit sich nur ein Teil als geeignet für den Berus erweist. Es fehlt nicht an Meldungen um Aufnahme als Pflegeschülerinnen aus allen Gegenden unseres Vaterlandes, auch nicht an Vorsicht unsererseits in der Prüfung aller in Betracht kommenden Verhältnisse bei den Kandidatinnen. Von 13 Aufnahmegesuchen im Jahre 1903 wurden nur 2 in Erwägung gezogen und angenommen; aber von den im Jahre 1903 eingetretenen 4 Pflegeschülerinnen (2 hatten sich im Jahre 1902 gemeldet) erwiesen sich 'trotzdem 2 nach 5-, resp. 10-monatlicher Ausbildungszeit als ungeeignet, so daß sie entlassen werden mußten. Der Verein beklagt wieder den.Tod eines Vorstandsmitgliedes, des Herrn Sgnitütsrates Dr. B. Oppenheiiuer, der auch von Anfarlg an dessen Interessen eifrig und liebevoll vertreten hat und an der raschen Entwicklung der jungen Institution aufrichtige Freude empfand. In der ordentlichen Mitgliederversammlung am 14. Juli d. I, wurde an Stelle des Verstorbenen Dr. med. O. Mastbaum in den Vorstand gewählt. Die Schwesternzahl betrug am Anfang des Berichtsjahres 1903: 14. Von diesen schieden 3 nach mehrjähriger Dienstzeit aus, 2 infolge von Familienverhältniffen, eine dritte mußte wegen Nervosität, die auch ein mehrmonatlicher Aufenthalt in einem Sanatorium nicht völlig beseitigte, mit 600 Mark jährlicher Pension entlassen werden. Dagegen traten 2 Pflegeschülerinnen, die Schwestern Martha und Beate, in den Schwesternverband ein, der am 1. Januar 1904 somit 13 Schwestern zählte. Die Heranbildung der Schwestern zu Volkspflegerinnen im eigentlichen Sinne, die bei den eigenartigen lokalen Verhältnissen, bei der großen Zahl der hier wohnenden armen ausländischen Glaubensgenossen so dringend und wünschenswert erscheint, zur Herbeiführung eines geordneten Hauswesens in diesem materiellen und oft auch moralischen Elend, konnte wegen der sonstigen Ansprüche noch nicht vollzogen werden. Auch bedarf es dazu noch eingreifender Reformen in unserer Organisation der Armenpflege und einer noch engeren Fühlung der verschiedenen Vereine untereinander. Wie im vergangenen, so wurden auch im Berichtsjahr 2 Schwestern während der Sommermonate zur Pflege und Beaufsichtigung der Kinder in dem Seehospiz Döse-Cuxhaven des „Vereins zur Gesundheitspflege israelitischer Kinder" in Hamburg entsandt. Mit dem theoretischen Unterricht' der Schwestern wurde Dr. Levison betraut. Damit die Schwestern in Notfällen sich auch bei erkrankten Wöchnerinnen und in der Säuglingspflege betätigen können, wurde durch Vermittlung der Frau Julie Herzbach, Vorstandsdame des Vereins Wöchnerinnen- Asyl, und durch das Entgegenkommen der Frau Oberbürgermeister Becker, der Vorsitzenden dieses^Vereins, die Einrichtung getroffen, daß die Schwestern abwechselnd einige Wochen zu einem Lehrkursus in das Wöchnerinnen-Asyl entsandt werden. Der Aufruf im vorigen!' Bericht, die Mittel zur Erbauung eines Schwesternheims zu schaffen, hat bei den Frauen unserer Gemeinde starken Widerhall gefunden? Unter Führung von Frau Julie Rothschild, der Gattin des tiefbetrauerten früheren. Vorstandsmitgliedes und Wohltäters, des seligen Fritz Rothschild, haben in edlem Eifer viele Damen von hier und auswärts sich bemüht, die Kosten für den Bau teils durch einmalige, teils durch wöchentliche Beiträge für drei Jahre zu schaffen. — Und der Erfolg, der in dem Gabenverzeichnis seinen zahlen-

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