Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 36 (2.9.1904)
- Date
- 1904-09-02
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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teile einzutreten. — Die Konferenz der Misra chi-Partei hat nun doch in dem heiligen Preßburg stattgefunden. . Es gibt eben keine Autorität mehr im orthodoxen Lager. AuS Deutschland war übrigens nur ein Rabbiner erschienen. — Neuerdings wird behauptet, auchGenerab .Stöffel, der Verteidiger Port Arthurs, sei ein Sohn jüdischer Eltern. Und zwar sei die Vaterstadt des Generals Brünn. Verwandte des Generals leben noch heute in Brünn und, wie es heißt, auch in Nikolsburg. Mit seinen Brünner Verwandten hatte General Stöss^ noch zu Beginn des Krieges korrespondiert. In Brünn war frühex ein Religionslehrer Moritz Stöffel, 'der auch ein gutes Lehrbuch der jüdischen Religion geschrieben hat. f Amerika. I (1. Newyovk, im August. In Atlantic-City hat die acht^ Sommertagung der jüdischen Obautau gua-Gesellschaft stattgch funden, die mit einer besonderen „hebräischen Klasse", ferner eine^ jüdischen Lehrerkonferenz verbunden ist, in ihren Hauptsitzungen aber in Vorträgen religiös-geschichtliche und allgemein interessante literal rische und soziale Themata behandelt. Unter den etwa 40 Vorträgen sind die Vorlesungen von Dr. S. Schechter, dem Präsidenten deß Newhorker jüdisch-theologischen Seminars, über „Ben Sira", über das Achtzehngebet und anderes, von Dr. Joseph Krauskopf in Philar delphia über „Lessing und Nathan der Weise", von Dr. Berkowitz- Philadelphia über den Anschauungsuntericht in der jüdischen Religionsschule hervorzuheben. Ebenso wie in unseren deutschen Literaturvereinen beteiligten sich an diesen jüdischen Vortragszyklen auch hervorragende christliche Gelehrte, Universitätsprofessoren, usw. Sv sprach in einer Sitzung der jüdischen Obautaugua Svmmertagung der Generalkommissar für das Einwanderungs-Departement der Vereinigten Staaten, Herr Frank P. Sarg ent, über den Stand der „Einwanderung nach Amerika", indem er die harte Notwendigkeit hervorhob, nach den bestehenden Gesetzen eine große Anzahl-Einwanderer dicht vor den Toren des geträumter: Eldorados abzuweisen und zurückzusenden. . So wurden in dem Einwanderungsjahr, das mit dem 30. Juni 1904 schloß, allein 1551 Personen wegen gefährlicher : ansteckender Krankheiten zurückgewiesen. Unter dem. Vorsitz des bekannten Herrn Simon Wolf in Washington, der sich erst kürzlich wieder große Verdienste um die bürgerliche Gleichstellung der nach Rußland reisenden jüdischen Kaufleute erworben hat, wurde in einer besonderen Sitzung die Wohnungsfrage der Armen erörtert. In der Sonntägssitzung, in der Rabbiner Dr. H. Berkowitz den Vorsitz führte, sprach Herr Jako b Gordin, ein jüdischer Jargon-Schauspieler, über „das jüdische Drama". Der Redner hob den bedeutenden steigenden Einfluß des neueren jüdischen Jargon-Theaters hervor. In Newyork bestehen jetzt vier solche „Jiddisch-Theater", und mit dem Bau des fünften wird jetzt begonnen. Diese Theater haben ein jährliches Einkommen von rund einer Million Dollars und geben jährlich etwa 15OO Vorstellungen vor zirka drei Millionen Zuhörern. Wenn auch nur ein es. dieser jüdischen Theater sich auf Stücke von höherem literarischen Wert beschränkt, so werden die jüdischen Massen jedenfalls durch das in i hrer Muttersprache gespielteTheater vor den lasterhaften und lediglich betäubenden anderen Zerstreuungen der Großstadt bewahrt. lieber die Autoren, welche ständig für das „Jiddisch- Theater" schreiben, sprach Herr Sydney Nosenfeld, Präsident der Nationaltheater-Gesellschaft,, wobei er den Mangel an dichterisch hervorragenden jüdischen Dramen der Gegenwart hervorhob. — Der „American Hebrew“ scheint mit oder ohne Absicht das Opfer eines Aufsitzers geworden zu sein.' In einem durchaus ernsthaften Interview mit dem bekannten Philantropen Jakob H. Schiff über dm Lage der Juden in Rußland läßt sich das Blatt melden, den russischM Juden habe die Regierung des Zaren für die .bevorstehenden Feier-., tage das Scho färb lasen verboten. Als der Interviewer sei:^ berechtigtes Erstaunen über eine derartig in das religiöse Lebens eingreifende Maßregel ansdrückte, die zweifellos unter .den Juden, der^ ganzen Welt Bestürzung Hervorrufen müsse, antwortete Herr Schiffs daß der Klang des Wortes „Tokio" beim Schofarblasen wegen. des Krieges mit Japan den Russen an diesem Roschhaschonoh sehr unangenehm . sei. Der „American Hebrcw“ hält es bei diesen: etwas gewaltsamen Scherz noch für notwendig, seinen Lesern mitzuteilen daß Tokio den ersten und. letzten Klang beim Schofarblasen. bedeutet^' Von Sah und Frrii. — Den: Rabbiner und Gymnasiäl-Religionslehrer Dr. Philipp Kroner in Berlin ist der Rote Adlerorden IV. -Klasse verliehen worden. Der Altrektor der Kaiser Friedrich-Schule, Herr Dr. Zernecke, überbrachte Herrn Dr. Kroner den Orden in der Aula unter herzlichster, die ganze amtliche Tätigkeit des Ausgezeichneten wärm anerkennender Ansprache. — Dem- Geheimen Sanitätsrat Dr. Alexander'Schlesinger ist der Rote Adlerorden IV. Klasse verliehen worden. — Von den rund '285000 Schülern paritätischer Schulen sind im ganzen etwas über 5000 jüdisch, d. 1,81 Prozent. Nach der amtlichen Statistik vom 27. Juni 1901 gab es in Preußen'803 Simultanschulen, von denen 403 in Westpreußen, und 169 in der Provinz Posen sich befanden. Von den an diesen Schulen wirkenden Lehrern waren 3895 christlicher und nur 48 — 1,22 Prozent jüdischer Konfession.- Von den 868 Lehrerinnen waren 823 christlichen und.45 — 5,4 Prozent jüdischen Glaubens. — In der „Dentschen Medizinal- Zeitung" Nr. 66 findet sich im Annoncenteil folgendes Gesuch: „Dr. med. oder Cand. med., evang. Konfession, unverheiratet, mit bakteriologischen Arbeiten vertraut, wird zur Leitung milch wirsch aftlicher Arbeiten von einem größeren Institut gesucht." Welch ein Unglück für die Kühe oder deren Milch konnte entstehen, wenn dieser Bakteriologe katholischen oder gar jüdischen Glaubens wäre! — Der Oberlandesgerichtsrat, Geheimer Justizrät Dr. Albert Masse ist zum ordentlichen Honorarprofessor an der juristischen Fakultät in Königsberg ernannt worden. — Der Direktor der Risaer Speicherei- und Speditions-Aktiengesellschaft und langjährige Deputierte der israelitischen Kultusgemeinde Dre s den, Karl S. Glücks mann, hat den Titel eines sächsischen Kommerzienrats erhalten. — In Würz - bürg ist am 24. d. d. M. der bekannte ehemalige Reichstagsab- - geordnete Pfarrer Friedrich Frank im Alter von 71 Jahren gestorben. Derselbe ist in zwei Schriften mannhaft gegen den Antisemitismus aufgetreten. Ehre seinem Andenken! — Die "' vier Bezirksrabbiner der Pfalz haben in Eingaben an das königliche Staatsministerium des Innern für Kirchen-und Schulangelegenheiten beantragt, die in der Ministerial-Entschließung vom. 29. Juli 1863 den rechtsrheinischen Bezirksrabbinern Bayerns eingeräumten Befugnisse auch den. pfälzischen Bezirksrabbinern zu gewähren. Gegenwärtig werden die Synagogenausschüsse der Pfalz von den Verwaltungsbehörden in dieser Sache vernommen. — -Der Chefredaktrur Julius Katz in Karlsruhe hat den Kronenorden III. Klasse erhalten. — Nach der „Statistik des Unterrichts und Erziehungwesens in Württemberg" besuchten in den gelehrten Schulen 51 Israeliten die Oberklassen und 227 die Mittel- und Unterklassen, zusammen 278 3 Prozent, die Realschulen 303 — 2,4 Prozent, höhere Mädchenschulen 290 — 8 Prozent.' Israel, Volksschulen, alle, einklassig, zählt Württemberg 17 und zwar 7 unter evangelischer und 10 unter katholischer Aufsicht, in denen 199 Knaben und 240. Mädchen, zusammen 439 Schüler — 0,14 Prozent unterrichtet werden. Von den Schulstellen sind 22 mit ständigen Lehrern.und 5 mit Amtsverwesern besetzt. Württemberg zählt 11 500 Juden 0,57 Prozent der Bevölkerung. — Der nächste große Zionistenkongreß soll; für den 12. März 1905 nach Basel einberufen werden. Dieser Kongreß wird sich nur mit der Abänderung der Organisation und mit der Wahl der Leitung zu befassen haben. — Professor Dr. Rosen stein in Leyden, der hervorragende Kliniker, feierte vor einigen Tagen sein 50: Doktorjubilüum. Derselbe, ein geborener Berliner, steht jetzt im 75. Lebensjahre. — In Nancy ist im Alter von 87 Jahren der Lazarettoberarzt Dr. Abraham ^Netter, ein geborener Straßburger, gestorben. Derselbe war Ehrenbibliothekar der Universität. Er hat in mehreren Kriegen als Lazarettarzt sich ausgezeichnet. — Dr. Baron Henri v. Hpthschil d ist zum Ritter der Ehrenlegion ernannt worden. — In Paris ist Dr. Anselm Weill, Arzt des Nothschildhospitals, im 62. Lebensjahre gestorben. — Eine sehr wichtige Entscheidung hat der Kassationshof in Bukarest gefällt. Nach derselben sind die in Rumänien geborenen "Juden als rumänische Staatsbürger anzuerkennen! — In der Woche vom 21. bis 28. August fand ln Namsgate die Sommersitzung der Vereinigung aller Gesellschaften für jüdische Literatur in England statt, bei der tägliche Versannnlungen.morgens und abends abwechselten. Die Eröffnungsrede am 21. d. M. hielt Dr. :Emi.l G. Hirsch aus Chikago. -1 .