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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-09-02 · Heft 36 (2.9.1904) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 36 (2.9.1904)
Date
1904-09-02
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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68. Jahrgang. No. 36. Der Gemeindetzote. Nvrlin, 2. Sei»tember 1904. Veilsge zur „Allgemeinen Leitung de§ Judentum^" korrelpondkn-en und Kschrichtm. Deutschland. L2 Berlin, 28. Augusts Wie unsere Leser seltsamerweise nur aus den politischen Blättern erfahren haben, findet am nächsten Sonntag den 4. September die Einweihung der neuen Synagoge in der Rykestraße statt. Der Bau der Synagoge ist von der Gemeindeverwaltung in allen Teilen in eigener Regie durchgeführt worden. Den Plan, von den Gemeindebaumeistern entworfen, haben sachverständige Mitglieder der Gemeindekörperschaften durchgeprüst. Am Vorabend des Neujahrsfestes wird die Synagoge zum erstenmal in Benutzung genommen. Es wird nunmehr Sache der Gemeindeverwaltung sein müssen/ der Synagogen-Not auch in anderen Stadtteilen abzuhelfen. Wir erhalten hierzu das folgende Schreiben, das wir der Beachtung der maßgebenden Faktoren empfehlen: Berlin, 22. August. Geschätzter Herr Redakteur! Obgleich der Zuzug jüdischer Familien nach dem oberen Teil von Moabit seit einem Jahre derart zugenommen hat, daß ein Gottesdienst im nördlichen Teil, etwa obere Turmstraße oder Beussel- und Oldenburgerstraße, für die hohen Festtage einen zahlreichen Zuspruch zu-erwarten hätte, hat die Fürsorge der Verwaltung unseres Gemeindelebens sich bis hierhin nicht erstreckt. Die große Entfernung von genannten Straßen, wo mindestens 150 jüdische, Familien wohnen, bis zum nächsten öffentlichen Gottesdienst in der Bandelstraße, wo die Sitze bereits alle ausverkauft sind, schließt auch in diesem Jahre wieder Hunderte von Israeliten vom Besuche jedes Gottesdienstes am Neujahrs- und Versöhnungstage aus. Könnte denn der Vorstand nicht noch in letzter Stunde in einem der vielen Säle in der Bremer-, Gotzkowskystraße oder Nachbarschaft einen Gottesdienst einrichten lassen? An geeigneten Persönlichkeiten, welche für die Wahrung der Würde dieses Gottesdienstes eintreten würden, fehlt es sicherlich nicht. Vielleicht veranlassen diese Zeilen, daß noch in letzter Stunde den religiösen Wünschen und Bedürfnissen Hunderter von Israeliten unserer Synagogenverwaltung Rechnung getragen wird. Hochachtungsvoll Ein alter Leser. s. Berlin, 28. August. Am 26. d. M. ist hier Heinrich Steinitz, der bekannte Publizist, nach langem Leiden gestorben. 71 Jahre alt, ist er dahingeschieden nach einem an Kämpfen und Mühen reichen, einem ehrlichen Streben gewidmeten Leben. Zu Ratibor 1833 geboren, wurde Heinrich Steinitz als junger Jurist von der großen revolutionären Bewegung erfaßt, die Ende der vierziger Jahre durch die deutsche Jugend ging.- Mit besonderer Begeisterung widmete sich Heinrich Steinitz dem Dienste des Freiheitsgedankens. Damit war ihm freilich die Möglichkeit zur Betätigung im Justizdienst abgeschnitten, uyd er wandte sich der Presse zu. Seine Wochenübersichten in der „Volks-Zeitung" erwarben sich in den fünfziger und sechziger Jahren ein besonders großes Interesse, seine Leitartikel, in denen noch der ideale Schwung und das helle Pathos der vierziger Jahre, die demokratische Ueberzeugungstreue lebte, übten eine recht lebhafte Wirkung. In den Zeiten der großen politischen Kämpfe stand Steinitz den Führern der Demokraten, den Größen der Fortschrittspartei, den Waldeck, Virchow rc. nahe, und er wurde später auch ihr Biograph. Seine Waldeck-Viographie namentlich, aus einer innigen Vertrautheit mit dem Leben und Charakter Waldecks entstanden, mit besonderer Liebe und Wärme geschrieben, erlebte mehrere Auslagen. Später war Steinitz in den Redaktionen einzelner Zeitungen, auf der Parlamentstribüne, aber auch im Vereinsleben vielfach tätig. Er hatte sich die.temperamentvolle, schwunghafte Beredsamkeit der vierziger Jahre erhalten, und seine Vorträge waren namentlich im Handwerkerverein sehr beliebt. In den letzten Jahren war Steinitz ernstlich leidend, seit Jahr und Tag hütete er das Zimmer, meist wohl auch das Bett, treu gepflegt von seiner Gattin Clara Steinitz, die als Schriftstellerin von vielseitiger Begabung sehr bekannt und geschätzt ist. Ehre seinem Andenken! - Lp. Aus der Provinz Posen, im August. Der Kaufmann Jastrow in Rogasen, Inhaber mehrerer Ehrenämter in der dortigen israelitischen Gemeinde und städtischen Verwaltung, beging neulich unter zahlreichen Glückwünschen und Ehrungen seinen 70, Geburtstag. — Bei der jüngst in Ostrowo stattgehabten Wahl des ersten Vorstehers der dortigen Synagogengemeinde wurde Herr Kaufmann M. Roth st ein wieder- und Oekonomierat D. Gold stein zu dessen Stellvertreter neugewählt. — In Pakosch fand am 17. d. M. die feierliche Einweihung der daselbst neuerbauten Synagoge statt. — Lehrer Lasowski aus Hannover ist an die Simultanschule zu Obornik berufen worden. — In Bromberg hat sich neulich ein Verein zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs gebildet, zu dessen Vorsitzenden Kaufmann Max Aron so hn daselbst gewählt wurde. — In Wongrowitz ist kürzlich die Vorstandsdame des dortigen israelitischen Frarrenvereins, Frau Albertine Moda, im Alter von 47 Jahren gestorben. — Der in Newyork lebende, aus Ostrowo stammende Bürger, Kaufmann Markiewicz, hat neulich bei dem Besuche seiner Heimatgemeinde Ostrowo dem Vorstande der dortigen israelitischen Gemeinde eine Spende von 200 Mark zur Errichtung einer Wasserleitungsanlage auf deren Friedhof überwiesen. — Fabrikbesitzer Benno Lichtner in Ra witsch ist zum Stadtrat daselbst neugewählt worden. — Ein christlicher Bäckermeister in Strehlen erläßt in dem dortigen Kreisblatt vom 10. August er. folgende Bekanntmachung: „Meiner verehrten Kundschaft in Strehlen und Umgebung zeige ich hiermit ergebenst an, daß mein Geschäft fortan jede Woche Freitag von Sonnenuntergang bis Sonnabend Sonnenuntergang geschlossen ist. Ich bin zu der Ueberzeugung gelangt, daß nur Gott allein ein Recht hat, in bezug auf die Feier eines Tages Vorschriften zu geben. Da nun obengenannte Zeit die bei der Schöpfung von Gott gesegnete und geheiligte ist, bin ich bestrebt, ihm fortan in Gehorsam zu dienen. Für das bisherige Wohlwollen meiner werten Kundschaft bestens dankend, bitte ich, mir dasselbe auch fernerhin zu bewahren, und gebe ich die Versicherung, daß ich weiterhin sie zufrieden zu stellen bemüht sein werde. Hochachtungsvoll I. Jjrmann, Bäckermeister. — Kaufmann Gold stein, der. 25 Jahre hindurch das Amt eines ersten Vorstehers in der Synagogengemeinde Cvbhlagora verwaltet hat, hat dasselbe infolge seines Fortzuges von dort niedergelegt; an seine Stelle ist Kaufmann Hartmann daselbst gewählt worden. — Kantor Lachmann in Pudewitz ist an die Synagögengemeinde in My.slowitz berufen worden. — Fabrikbesitzer Julius Lißner in Posen hat für die Wittingstiftung daselbst zur Unterstützung für Handwerker und Kleingewerbetreibende einen Beitrag von 4000 Mark gespendet. — Im preußisch-russischen Grenzorte Bla sch ke brach kürzlich im Hause des Rabbiners Feuer aus, das sich so ausdehnte, daß ein ganzes Stadtviertel eingeäschert wurde. Durch das Brandunglück sind über 250 Personen obdachlos geworden. Das Stadtviertel war meist von Juden bewohnt. In benachbarten Gemeinden der Provinz Posen wurden Sammlungen zur Linderung der ersten Not veranstaltet. Man vermutet, daß der Brand von antisemitischer Hand angelegt Wörden sei. — Fleischermeister L. Haase in Wreschen beging neulich sein 50jähriges Meisterjubiläum. Aus diesem Anlasse ist ihm von der dortigen Innung eine Ehrenadresse überreicht worden. — Der Schulvorstand der jüdischen Volksschule in Kobylin hat beschlossen, dem Anträge der Negierung, sämtliche Schulklassen der dort -bestehenden 3 Sozietätsschulen zu kommunalisieren, stattzugeben, obgleich den israelitischen Schulvätern daraus erhebliche finanzielle Nachteile entstehen; die Konsessionalität der Schulen bleibt trotzdem bestehen. ,, 1. Pakosch, 24. August. Am 17. d. M. fand Hierselbst die Einweihung unserer neuerbauten Synagoge statt. Als Ehrengäste bemerkten wir u. a. Landrat Dr. Conze-Mogilno, als Vertreter

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