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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-08-19 · Heft 34 (19.8.1904) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 34 (19.8.1904)
Date
1904-08-19
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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wiederholt mit Herrn Dr. Letvit, und der Großherzog erkundigte sich über die Verhältnisse der jüdischen Gemeinden des Fürstentums. | — Frankfurt, 8. August. Heute Morgen erfolgte auf dem israelitischen Friedhof die Beerdigung des verstorbenen Professors Karl Weigert. Sehr stark war die Aerzteschaft und die Gelehrtenwelt vertreten. Bei dem Trauerakt in der ''Halle feierte Rabbiner Dr. Seligmann'den Verstorbenen als einen-Helden der Wissenschaft und als eine hervorragende Persönlichkeit in der menschlichen Gesellschaft. Weigert hat mit feiner ganzen Lebensarbeit der deutschen Wissenschaft gedient, feine Wirksamkeit war ein Ruhm für die Wissenschaft im In- und Auslande. Was das Königreich Sachsen dem großen Gelehrten schuldig geblieben ist, das_ hat unsere Vaterstadt Frankfurt gutgemacht, als sie ihn .zum Direktor des pathologischanatomischen Instituts der Dr. Senckenbergischen Stiftung berief. Hier konnte er seine Kräfte frei entfalten und als Lehrer für eine ganze Generation von Aerzten wirken. Als Mensch war er so schlicht wie groß, so einfach wie verdienstvoll. Bürgermeister Dr. Barrentrapp hielt eine kurze Ansprache: „Namens der Stadt Frankfurt und der städtischen Behörden lege ich an der Bahre einen Kranz nieder als ein Zeichen der Verehrung und Dankbarkeit für den großen genialen Gelehrten, den wir mit Stolz den unfern nennen. Ich danke an dieser Stelle nicht nur für das, was Geheimrat Weigert direkt für die städtischen Verwaltungen geleistet hat, indem er die wissenschaftlichen Ergebnisse der Leichenöffnungen im städtischen Krankenhaus unseren Aerzten übermittelte. Ich danke vor allen Dingen dafür/ daß er das geistige, das wissenschaftliche Leben unserer Stadt so außerordentlich gefördert und gehoben hat durch seine Forschungen, seine Lehren und seine Persönlichkeit, die die Augen der gesamten wissenschaftlichen medizinischen Welt auf unsere Stadt lenkten und Hunderte von Männern um seinen Lehrstuhl versammelten. Auch dafür danke ich, daß er mit regem Eifer teilgenommen hat an den Vorarbeiten für die Neugestaltung unserer medizinischen wissenschaftlichen Anstalt. Tief beklagen wir es, daß er, der berufen war, eine der ersten Zierden der Akademie zu bilden, die Eröffnung dieser Anstalt nicht miterleben konnte. Möge sein Geist strenger Forschung fortleben!" Geheimer Medizinalrat Professor Schmidt-Metzler sprach im Namen des Senckenbergischen Instituts. Er hob den gewaltigen Einfluß der Wirksamkeit Weigerts auf die wissenschaftliche Tätigkeit in Frankfurt hervor. Weigert war der rechte Mann am rechten Platz! Für den ärztlichen Verein legte Sanitütsrat Dr. E. Cohn einen Kranz nieder. Er entwarf in gedrängten Zügen ein Bild der wissenschaftlichen Tätigkeit des Verstorbenen. Nach medizinischen Studien in Breslau, Berlin, Wien begann seine Assistentenlaufbahn bei den Klinikern Graetzer und Leber und den pathologischen Anatomen Waldeyer und Cohnheim. Dazwischen fällt seine Anteilnahme am Feldzug 1870,71 als Arzt. Mit Cohnheim ging er als Assistent nach Leipzig. Als dieser starb, versagte ihm die medizinische Fakultät Leipzig die Berufung als Ordinarius aus konfessionellen Gründen, obwohl er durch die Bedeutung seiner Forschungen und den Umfang seiner Arbeiten hinter keinem zurückzustehen brauchte. Da kam in seiner Bedrängnis, als er schon entschlossen war, sich als Badearzt in Schlesien niederzulaffen, die Berufung cut das anatomisch-pathologische Institut der Dr. Senckenbergischen Stiftung. Die wissenschaftlichen Arbeiten Weigerts sind nach zwei Richtungen ausgeprägt: der philosophischen, auf breiter biologischer Grundlage aufgebauten, und der mikroskopisch-technischen, insbesondere der Färbetechnik verschiedener Gewebe. Die Wissenschaft wird Weigert unter den großen Anatomen den gleichen Platz mit Henle und Cohnheim zuweisen. Der Redner rühmte endlich Weigerts Wirken im ärztlichen Verein. Weigert war der liebenswürdigste, hilfreichste und mildeste aller Kollegen. Sein weiches Kindergemüt bewahrte er sich bis zum letzten Atemzug. „Die Menschen wandeln im Schattenreich in der Gestalt, mit der sie das Leben verließen," so gilt Achill als der ewig-jugendlich Strebende, so wird auch das Bild Weigert in seiner besten Schaffenskraft erhalten bleiben. Geheimer Medizinalrat Direktor Ehrlich legte für das Seruminstitut, Direktor Walter für den deutschen Realschulmännerverein einen Kranz nieder. Kränze spendeten ferner der Physikalische Verein, die Aerzte des Dr. Christschen Kinderspitals und des städtischen Krankenhauses sowie der Riesengebirgsverein. — Frankfurt a. M., 8. August. Nach dem Jahresbericht des Deutsch-Israelitischen Kinderheims für das Jahr 1903 betrug die . Anzahl der Zöglinge 40; von diesen gehören 17 Preußen an (Hessen-Nassau 4, Rheinprovinz 4, Westpreußen 3, Brandenburg 2, Hannover, Posen, Sachsen, Schleswig-Holstein je 1), Bayern 6, Königreich Sachsen 6/ Großherzogtum Hessen 4, Elsaß-Lothringen 3. Baden, Hamburg, Lübeck, Bremen je 1: Dieselben besuchten sämtlich die' Volksschule in Diez und erhielten wie bisher Religionsunterricht in der Anstalt. An dem Handfertigkeitsunterricht, welcher ebenfalls in der Anstalt erteilt wird, nahmen 20 Zöglinge teil. Zu Ostern wurden 5 Zöglinge entlassen; von welchen 3 als Lehrlinge, die während der Lehrzeit noch von der Anstalt unterstützt werden, sich dem Kaufmannsstande widmen, einer in das Elternhaus zurückkehrte und einer, der aus Köln gebürtig ist, von dem dortigen neugegründeten Waisenhause übernommen wurde. Außer den Geschenken und regelmäßigen Beiträgen wurden der Anstalt und ihren Pflegebefohlenen reichliche Beweise der Zuneigung zugewendet. Edle Gönner sorgten für die Renovierung und Ausschmückung der Haussynagoge, Gaben und Geschenke, die das Kinderherz erfreuen, Nutz- und Gebrauchsgegenstände wurden übermittelt. Die Verwaltung des „Deutsch-Israelitischen Kinderheim" besteht aus den Herren: M. Apelt-Halle, Herm. Cramer- Franksurt a. M., Louis Feist (Fa. Beer, Sondheimer & Co.), Frankfurt a. M., Jul. Goldschmidt (Fa. I. & S. Goldschmidt), Frankfurt a. M., Bankdirektor Carl Herzberg-Franksurt a. M., Aron Hirsch (Fa. Aron Hirsch & Sohn), Berlin, L. Mainz-Frankfurt a. M., Rechtsanwalt Memelsdorf-Limburg, Leop. Rosenthal-Diez, Professor Dr. A. Sulzbach-Frankfurt a. M. » i. Darmstadt, 9. August. Gegenwärtig sind in Hessen ouf Anordnung des Großherzoglichen Ministeriums Verhandlungen im Gange, die eine Neuregelung des israelitischen Religionsunterrichts auf dem Lande bezwecken. Durch ministerielle Verordnung vom 20. Januar d. I. sollen zur Erteilung des israelitischen Religionsunterrichts nur solche Bewerber zugelassen werden, die ihre Befähigung durch eine Prüfung nachgewiesen haben. Seither war dies nicht der Fall, und es wurden von Gemeinden vielfach durchaus ungeeignete Lehrkräfte angenommen. Derartig geprüfte Lehrer können, falls die Gemeinde sich verpflichtet, den Gehalt eines Volksschullehrers neben den gesetzlichen Dienstzülagen aufzubringen, mit den Rechten eines definitiv angestellten Volksschullehrers angestellt werden. Die meisten Gemeinden sind jedoch nicht imstande, die Mittel hierzu aufzubringen. Es wird deshalb die Bildung von besonderen Schulverbänden angestrebt, für die dann ein Lehrer mit entsprechendem Gehalt zur Anstellung gelangen würde. Vielfach stoßen diese Bemühungen jedoch auf Widerstand seitens der Vorstände, und es gelingt den Behörden leider oft erst nach mühevoller Arbeit, eine Einigung zu erzielen. r. Göppingen, 12. August. Im hohen Alter von 89 Jahren starb am 2. d. M., wie schon kurz gemeldet, Kirchenrat Max Herz, Rabbiner a. D., der 52 Jahre hindurch als einzige Stelle das Rabbinat Jebenhausen resp. Göppingen bekleidete, seit 9 Jahren lebte er hier als Pensionär. Seine Lehrtätigkeit begann er in dem Hofrat Pfeiffer'schen Hause in Stuttgart und durfte dort die anregende Förderung seitens des verstorbenen Kirchenrats Dr. v. Maier, über, den er auch einen erschöpfenden Nekrolog für den „Schwäbischen Merkur" verfaßte, erfahren. Seine religiöse Richtung neigte der Reform zu und er verstand es, durch seine Persönlichkeit und seine Wirksamkeit sich die Achtung aller Kreise und die Anerkennung seiner Vorgesetzten Behörde in hohem Maße zu erwerben; das zeigten die mannigfachen Ehrungen, die ihm zu seinen Dienstjubiläen (25., 40. und 50.), sowie zu sonstigen Gelegenheiten (Geburtstagen) entgegengebracht wurden. Er war Besitzer des Friedrichordens II. Klasse und der Erinnerungsmedaille in Silber. Zu seinem 50 jährigen Amtsjubiläum erhielt er den Titel Kirchenrat mit dem Rang auf die VII. Rangstufe. Der Beerdigung auf dem Friedhofe in Jebenhausen ging ein Trauergottesdienst in der hiesigen Synagoge voraus, bei welchem Herr Rabbiner Straßburger die Gedächtnisrede hielt. Die Verehrung, .welche der Verstorbene allenthalben genoß, zeigte die große Beteiligung an der Leichenfeier. U. a. waren anwesend mehrere Kollegen, die Vertreter des Oberamts und der Stadt, der evangelischen Geistlichkeit, des Oberamtsphysikats, der Bahnverwaltung, der hiesigen Presse

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