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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-08-19 · Heft 34 (19.8.1904) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 34 (19.8.1904)
Date
1904-08-19
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 sowie des leitenden Vorstandes der hiesigen Heilanstalt, Dr. Länderer, wo er seit ihrem Bestehen wirkte. Auf dem Friedhof sprach Rabbiner Dr. Kahn-Heilbronn im Namen der Kgl. Israel. Oberkirchenbehörde und Fabrikant S. Fleischer im Namen des Göppizrger israelitischen Kirchenvorsteheramts. Die hiesige israelitische Gemeindepflege verwaltet zwei seinen Namen tragende Stiftungen, welche er * durch letztwillige Zuwendungen bedachte. Ehre seinem Andenken! a. Aus dein Elsaß, 10 August. Die am 29. November 1903 von den Wählern des israelitischen Konsistorialbezirks Unterelsaß vollzogene Wahl des Herrn Dr. Levh und Mathias Bloch in Straßburg, sowie des Julius ^Klein in Bischheim zu weltlichen Mitgliedern des Konsistoriums ist jetzt durch Verordnung des kaiserlichen Statthalters bestätigt werden. Der Grund dieser Veri zögerung war die von dem Gegenkandidaten Herrn A. Durlach gegen ' die Giltigkeit der Wahl erhobenen Beschwerde, die aber nach zweimaliger Verhandlung, in denen die Konsistorialmitglieder durch Rechtsanwalt Lennig, der Kläger durch den Reichstagsabgeordneten - Justizrat Riff vertreten waren, vom Kaiserlichen Rat für Elsaß- Lothringen für unbegründet erklärt wurde. > Oesterreich-Ungarn. □ Wien, 15. August. Ein Schreiben der Kanzlei der Erzherzogs Franz Ferdinand an das Gurker fürsterzbischöfliche, Ordinariat, worin sich das lebhafte Interesse des Thronfolgers für die Erhaltung der heimischen Kunstdenkmäler bekundet, erregte allgemeines Aufsehen.^ Es enthält unter anderem den folgenden Satz : „Se. kaiserliche Hoheit berührt es stets sehr unangenehm, bei Juden und ausländischen Antiquitätshnndlern aus Kirchen stanimende Kunstgegenstände zu finden." Der Brief ist „im höchsten Aufträge" gezeichnet vom erzherzoglichen Flügeladjutanten Oberstleutnant v. Gelb! — Seit einigen Monaten erscheint in Pardubitz unter dem Titel.. „Rozvoj" ein tschechisches Blatt, welches sich angeblich die „Förderung^ und Vertiefung der tschechisch-nationalen Idee unter den Juden" zur Aufgabe gemacht hat. Dieses unter der Leitung des Dr. Bohryzek stehende und, wie man sagt, von einem Herrn Dr. Schulhof, Zahnarzt in Pardubitz, inspirierte Blatt scheint in letzterer Zeit mit fliegenden Fahnen in das Lager der Antisemiten übergegangen zu sein; als Beweis - dieser seiner Richtung denunziert es Herrn Dr. Ehren-f feld, Oberrabbiner in Prag, indem es die ebenso unwahre, als — J gelinde gesagt — unqualifizierbare Nachricht verbreitet, er habe öffentlich^ für den Sieg der japanischen Waffen gebetet. In derselben Nummer greift dieses edle Journal auch den Leitomischler Rabbiner Dr. Volkmann unter der Spitzmarke „Los von Galizien" an. Das sind jüdische Antisemiten schlimmster Sorte. — Bekanntlich ist im Zionismus eine Richtung vertreten, die auf dem Boden der Orthodoxie steht und sich „Misrachi" nennt. Es sind meist russische Rabbiner. Dieselben haben nun zusammen mit ungarischen, deutschen und amerikanischen, Kollegen für den 21. bis 24. d. M. eine „Weltkonferenz" nach Preß-- bürg einberufen, auf derüber „Zionismus und religiöse Gesetzestreue" von den Herren Rabbiner Dr. Ph. Klein-Newyork und Rabbiner Dr. N. A. Nobel-Leipzig, über den „Misrachi" und die allgemeine zionistische Organisation von Rabbiner M. A. Roth-Päpa, über die Agitation von Rabbiner I. L. Fischmann-Markuleszt, über die, Literatur von W. Jawetz-Wilna, über Jugenderziehung in Osteuropa von Rabbiner L. M. Landau-Botosani, in Westeuropa von Rabbiner Dr. D. Fink-Wien, über die Presse und schließlich — über Paläftina- Ethrogim von Rabbiner N. Grünhaus-Trok gesprochen werden soll. Nun haben aber die Koryphäen der ungarischen Orthodoxie, die bekannten modernen Gaonim, einen Aufruf an ihre Gläubigen erlassen, in dem sie gegen den Zionismus überhaupt, wie gegen die Weltkonferenz und den Misrachi im besondern, im Namen des Judentums entschiedenen Protest erhoben. Auch der Preßburger Ober-? rabbiner soll gegen die Sache sein. — In Suczawa ist der Advokat Dr. Joseph Weidenfeld als Abgeordneter für den kroatischen Landtag gewählt worden. — In Essek wurde am 6. d. M. ein zionistischer Kongreß durch den Stadthauptmann aufgelöst, weil Zionisten und Assimilanten miteinander ins Gedränge kamen. — In Banjaluka (Bosnien) wurde Dr. Moses Frankfurter, Schüler des Rabbinersenünars in Berlin, zum Prediger und Religionslehrer gewühlt. Von Aah und jfern. — Geheimer Sanitätsrat Dr. Croner hat das Großoffizierkreuz des serbischen S. Savaordens, Geh. Sanitütsrat Dr. Blumenthal das Kommandeurkreuz des Portugiesischen Mflitärordens „der Empfängnis Unserer Lieben Frau von Billa-Vieosa", Dr. K. Sobernheim das Offizierkreuz 'des türkischen Osmanie-Ordens erhalten. — Kantor Kroll feierte am 11. d. M. sein 25jähriges Amtsjubiläum. Er war in verschiedenen Gemeinden als Kantor und Lehrer tätig und erfreute sich wegen seines Pflichteifers des besten Rufes- Er begeht das Fest in voller geistiger und körperlicher Frische. — Graf Pückler hat sich, wie die „Zeit am Montag" meldet, vorläufig von seiner Wirksamkeit zurückgezogen; da der „Allgemeine Verein der Gewerbetreibenden", sein jüngster Bundesgenosse, ein weiteres Zusammenarbeiten mit dem Grafen nicht für tunlich hält. — Hauptlehrer a. D. Marcus Jaffa (früher über. 40 Jahre in Deutsch- Crone tätig, seit fünf Jahren pensioniert in Berlin lebend) ist am 6. d. M. im 72. Lebensjahre gestorben. Das Wirken dieses verdienstvollen Mannes haben wir anläßlich seines 70. Geburtstages (1902, Nr. 41) eingehend geschildert. — Zu Justizräten wurden ernannt die Rechtsanwälte: Eugen Wolfs, Dr. Richard Wolfs, Siegfr. Katz, Dr. A. Gerson, Bernstein, Henschel, Schiller, A. Apolant, Holz, A.Lustig, Reichenbach, Mankiewitz, Albert Lewin in Berlin; Wertheim in Frankfurt a. M., Goldberg in Marburg, Goldbaum in Duisburg/Lichtwitz, Choyke in Magdeburg, Dr. Simon in Krefeld. Zum Geheimen Justizrat wurde ernannt der Justizrat Dr. Herz in Wiesbaden.— In Gollub feierte der Kaufmann Be rnhard Ar onsohn sein 25jühriges Amtsjubiläum als Beigeordneter der Stadt. Bei der Gratulation der städtischen Behörden wurde Herrn Aronsohn der Titel Stadtältester verliehen und ihn: ein Diplom überreicht. — Der Lehrer und Kantor der Augsburger israelitischen Gemeinde, Ernst Frankl, hat an der philosophischen Fakultät der Universität Bern das Doktorexamen magna cum laude bestanden. Seine Dissertation behandelt das Thema „Ueber Vorstellungselemente und Aufmerksamkeit, eilt Beitrag zur experimentellen Psychologie". — Das Mitglied des großherzoglich badischen Verwaltungshoss, Geheimer Regierungsrat Dr. Mayer, bekanntlich zugleich Mitglied des Gr. Oberrats der Israeliten, ist zum Vorsitzenden Rat der ersteren Behörde befördert worden. Es ist dies seit der Ministerschaft Moritz Elstätters das erste Mal, daß — selbst in Baden — ein Jude in eine leitende staatliche Stellung berufen wurde. — Die Einweihung der neuen Synagoge in Rom fand am 4. d. M. in feierlicher Weise statt. Bei seiner Festrede erinnerte der Präsident der israelitischen Gemeinde, Cavaliere Sereni, daran, daß der Tempel genau an der Stelle, das heißt im alten Ghetto, stehe, wo die Vorfahren einst so viel geduldet, und ermahnte die Anwesenden zu stetem Danke gegen das Haus Savoyen, wie gegen Cavour, Garibaldi. Mazzini und alle die großen' Patrioten, die die Juden auf eine Stufe mit den übrigen Bürgern gestellt.-— Theodor Reinach in Paris, der bekannte Historiker, hat den Orden der Ehrenlegion erhalten. — Der bekannte englische Rechtsanwalt Rufus Jsaacs in London ist in einer parlamentarischen Nachwahl als Sieger über den konservativen Kandidaten hervor- . gegangen. — JnLissabon wird eine eigenartige Gedenkfeier im nächsten Jahre begangen werden. In diesem Jahre werden 200 Jahre verflossen sein, als in dieser Stadt Antonio Jose de Silva, ein bedeutender Schauspieler und Dramatiker, von der Inquisition auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Antonio Jose war ein Liebling des Theaterpublikums und wurde allgemein „O Judeo" (Der Jude) genannt.. Zum Andenken an dieses unschuldige Opfer der Inquisition wird auf Anregung der Presse an dem Tage, an welchem vor 200 Jahren Jose verbrannt wurde, eine imposante Gedenkfeier stattfinden, wobei ein Monument zu Ehren dieses Märtyrers errichtet werden wird. Eine Biographie dieses Dichters brachten wir kürzlich aus der Feder des Herrn Dr. M. Kahserling. — Der Zar hat die Bewilligung zu der seit langem angestrebte Anlage einer neueu Judenkolonie in Bessarabien erteilt. --- Unter den 13 Aerzten, die vorige Woche aus Odessa nach Ostasien abgingen, befanden sich 12 Juden.

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