Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 34 (19.8.1904)
- Date
- 1904-08-19
- Page
- Seite 408 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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408 auf den Dank aller Freunde der jüdischen Geschichte und Literatur er-H worben. Joseph den Mose war ein Schüler des berühmten Rabbiners-- Israel Isserlein in Marburg (Steiermark) und Wiener, Neustadt, 1427—1460. Nach Vollendung seines 40. Lebensjahres unternahm er eine Reise nach dem Rhein, und dort wurde er vielfach über religiöse Entscheidungen seines Lehrers befragt. Da er den Fragenden nur zum Teil Antwort zu stehen vermochte, so reifte nach seiner Rückkehr in ihm der Entschluß, sich über die religiöse Praxis seines Meisters Auszeichnungen zu machen. Anfangs waren diese Aufzeichnungen mehr zufälliger Art; sie waren auch keineswegs für die Oeffentlichkeit bestimmt, sondern nur für die eigne Information bemessen. Nach dem Tode Jsserleins fühlte er sich jedoch durch den Zuspruch gelehrter Genossen veranlaßt, sie zu zusammenhängenden/ in sich geschlossenen Werken zu-ergänzen. Hierbei dienten ihm die- Arba Turim des Jacob ben Ascher zur Vorlage. — Vor uns liegen' nun die im Anschluß an den Orach Chaim gemachten Aufzeichnungen/ die auf den Choschen Mischpat und Eben Haeser bezüglichen sind verloren gegangen, während wir die auf den Joreh Deah wohl im zweiten Teile zu erwarten haben. Es sind also nicht eigne Lehr-^ Meinungen und Entscheidungen des Rabbi Joseph ben Mose, die uns' hier kundgegeben werden, sondern es werden uns Mitteilungen ge^ macht über die Ansichten, die Lehrweise, das religiöse Tun und dik Amtswaltung seines Lehrers. - Wir sehen den berühmten Isserlein iw seiner Häuslichkeit und an seinem Familientisch, wir hören, wie eil seine Gebete verrichtet, wir lauschen auf seine Kanzelvorträge, die unsl in extenso mitgeteilt werden. So erhält durch diese Aufzeichnungew seines Schülers nicht bloß das Hauptwerk Jsserleins, die Gutachtensammlung Therumas Hadeschen eine recht bedeutsame Ergänzung? sondern wir erfahren durch sie auch eine gar schätzenswerte Be-> reicherung unserer Kenntnis des innern Lebens der deutschen Juden' im Mittelalter. Herr Dr. Freimann hat den Text mit kurzen aber trefflichen Anmerkungen versehen, in welchen er mit emsigem Ge-- lehrtenfleiß den Quellennachweis gibt und auf Parallelstellen ver-! weist. Eine große kultur- und literarhistorische Einleitung soll, wi^ wir hören, im zweiten Teil gegeben werden. Bei der umfassendes Gelehrsamkeit und tiefen Gründlichkeit des Herausgebers darf marv diesem mit berechtigter Erwartung entgegensetzen. Thorn. Dr. I. Rosenberg. '* -- Das Augustheft der illustrierten Monatsschrift für modernes Judentum „Ost und West" (Verlag von „Ostund West", G. m. b. H.^ Berlin), ist ganz dem Andenken des verewigten Dr. Theodor Herzl^ gewidmet. Das mehr als das Doppelte des gewöhnlichen Umfanges^ fassende Heft bietet eine reiche Fülle äußerst interessanten literarischem und Illustrations-Materials. Eine Reihe hervorragender Männer^ aus allen Ländern, die dem Verewigten im Leben nahe gestanden/ haben, vereinigten sich, um ihm ein Denkmal von bleibendem Wert' zu setzen. Die Abhandlungen bieten nicht nur wertvolle Beiträge^ zum bessern Verständnis des Menschen und der Bestrebungen beC* Führers, sondern gewähren auch tiefe Einblicke in die innere Geschicht? der zionistischen Bewegung. Den Reigen eröffnet Professor Dr. H.',' Vambery, Budapest, der in fesselnder Weise über die von ihm eingeleiteten Beziehungen Herzls zur Hohen Pforte berichtet, wie audjp über die Beurteilung, die dessen Bestrebungen am Goldenen HorN^ fanden. Dr. Wilhelm Goldbaum, ein langjähriger Freund uniT Kollege Herzls, zeichnet in feinen Umrissen ein ergreifendes Bild des^ Menschen und Schriftstellers. Während Israel Zangwill (Londons in seiner prickelnden Weise „die große Tragödie" charakterisiert, die fidCj in Herzls Lebensgang spiegelt, gibt Max Nordau (Paris) in erschütternden Worten dem Schmerz über den Heimgang seines Freundes und Mitkämpfers Ausdruck. Was N. Sokolow (Warschau) über die nur wenigen Eingeweihten zugänglichen Tagebücher, die Herzl hinters lassen hat, mitzuteilen weiß, ist geeignet, lebhaftes Interesse zu er/ regen, ebenso wie die Erinnerungen eines der hervorragendsten Führer der deutschen Juden, mit dem Herzl durch die Vermittlung' des Rabbiners Dr. Güdemann bekannt wurde und der wohl det^ erste war, dem der „Judenstaat" im Manuskript vorgelesen wurde/. D. M. Gaster (London) spricht eingehend und mit großer Sach-, kenntnis über die Zukunft des Zionismus, während Gustav G. Cohen in Hamburg außer interessanten persönlichen Reminiszenzen drei' lesenswerte Briese Herzls, die als Faksimile wiedergegeben sind, mitteilt. Heinrich Dort Steiner (Wien) entwirft ein. anziehendes Bild Herzls im Kreise seiner Familie und Freunde und schildert ferner die letzten Tage des Verblichenen. Einen tief empfundenen Nachruf widmet die Baronin Bertha von Suttner ihrem verewigten Freunde; Dr. I. Eljaschoff ^Warschau) gibt einige in die-Tiefe von Herzls Eigenart führende Apercus.^ Martin Buber (Berlin) behandelt dessen Verhältnis -zur Historie, während. Dr. Theodor Zlocisti (Berlin) in feinsinniger Weise auf Grund zweier Porträts des Verstorbenen die großen Wandlungen zeichnet-! die sein Schicksal an seiner äußeren Erscheinung vollzogen hat. Nicht ohne tiefe Rührung wird man die letzte literarische Arbeit Herzls (in Faksimile), einen Aufruf an die jüdische Jugend, lesen. Auch einige der feinsten älteren Arbeiten findet man hier wieder, wie „Solon in Lydien", Mauschel", „Die Menorah". Gegen fünfzig glänzend ausgeführte Illustrationen schmücken das vornehm ausgestattete Heft, von denen die meisten interessante Darstellungen aus dem Leben und Wirken Herzls bringen. Erschütternd wirkt die Reproduktion des neuesten großen Gemäldes „Golus", von dem berühmten Maler Hirßenberg, nebst 10 Einzelstudien zu demselben, von einem erklärenden Text begleitet. So bildet dieses Heft an Inhalt und Ausstattung ein schönes und würdiges Denkmal der Pietät und der Erinnerung. — Der neue Jahrgang 5665 (1904/05) des von der „Oesterreichisch- Jsraelitischen Union" herausgegebenen „Kalenders für Israeliten" ist soeben erschienen. Die Vorzüge dieses bewährten Hilfs- und Hausbuches sind längst bekannt. Auch der neue Jahrgang weist wesentliche Verbesserungen und Ergänzungen auf. Dem kalendarischen Teile wurde die größte Sorgfalt gewidmet und im schematischen Teile war die Redaktion bemüht, die möglichste Vollständigkeit und Aktualität der Daten, betreffend die österreichisch-ungarischen Kultusgemeinden, ihre Vorstehungen, Funktionäre und rituellen Institutionen zu erreichen. Ebenso wurde auch diesmal dem jüdischen Vereinswesen die größte Aufmerksamkeit zugewendet. Sprechfaul. Sehr geehrter Herr Redakteur! ^n Nr. 27 Ihres geschätzten Blattes berichtet Herr Professor ^} Dr. G. Deutsch in Cincinnati über die Einweihung eines Friedhofes in Amerika, bei welchem Anlässe ein Hahn geschlachtet und aus dem Friedhofe beigesetzt wurde. Professor Deutsch bittet um Aufklärung über diesen Brauch bei Friedhofseinweihungen, von welchem er weder im Talmud noch in Dezisoren irgendwelche Erwähnung fand. Ich gestatte mir Herrn Dr. Deutsch auf die Stelle im niH niT1 Kap. 179 Abs. 4 aufmerksam zu machen, woselbst im PDIETI Tina eine Notiz über das Vermächtnis des TDm nTUT '"1 gebracht wird, nach welchem es eine Gefahr wäre, ein neues Haus zu bauen (B^SK rP3) und um dieserH32D 5U entgehen, möge man einen Hahn und - eine Henne schlachten und dort begraben. Selbstverständlich entspringt der Brauch dem Glauben, der Hahn, der im Talmud auch (Mann) genannt wird (Vergl.Jona 20 b), möge ein Sühnopfer für die künftigen Bewohner des Hauses bilden. In den Responsen des Moses Soser aus Preßbürg rb"p HIH rhl1 wird übrigens dieser Brauch als “HUSK bezeichnet, lieber Friedhofseinweihungen vergleiche man B'TI JYDltWl» Jore deah 185. Hochachtend Dobrisch, 28. Juli. Dr. Link. * Lnekkslirn drr Lrdsktion. G. D. in £>♦: Der Verfasser der in Nummer 30 besprochenen Schrift: „Zur Lehr und Wehr über und gegen die kirchliche Orgel im Gottesdienste" ist Herr Prof. Dr. A. Berliner. Druck utld Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion Max Bauchwitz in Berlin.