Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 33 (12.8.1904)
- Date
- 1904-08-12
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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68. Jahrgang. No. 33.; Qfv0|* \PtUlEinüFPvIv« Berlin, 12. August 1904. Vellage zur „Allsemeinen Lettung de§ ZudentumK" Lrorrelponden-rn und Nachrichten. Deutschland. i. Berlin, 10. August. Am 4. September d. I. wird in Frankfurt et. M. eine Delegierten - Versammlung der Vereinigungen zur Ausbildung jüdischer Krankenpflegerinnen in. Deutschland stattfinden, in welcher die in dem vergangenen Jahrzehnt hierbei gesammelten Erfahrungen zur Erörterung gelangen dürften. Die Verhandlung wird sich wesentlich mit der Frage betreffend Festsetzung gemeinsamer Grundsätze für die Ausbildung, Verwendung und Versorgung der Schwestern beschäftigen. Es ist zu hoffen, daß immer weitere Kreise unserer Glaubensgenossen diesem schönen Beruf ihr Interesse zuwenden und immer mehr Mädchen und unabhängige Frauen aus besseren Familien sich der Krankenpflege widmen.. Das provisorische Komitee besteht aus den Herren Dr. S. Kirchheim, Dr. Günzburg, Philipp Schiff in Frankfurt a. M., Frau Julie Gerson -Liebermann und Herrn Louis Sachs-Berlin. — Berlin, 10. August. Dre Vereinigung jüdischer Akademiker zu Berlin, die auf dem Boden des gesetzestreuen Judentumes steht und es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Zusammenschluß aller gleichgesinnten jüdischen Akademiker zu fordern, hat soeben ihr zweites' Semester beschlossen. Auch im abgelaufenen Sommer hat sie, .ihrem Programm gemäß, durch Vorträge jüdisch-wissenschaftlichen Inhalts ihren Mitgliedern vielerlei Anregung geboten, während die Kneipen und sonstigen gemütlichen Zusammenkünfte dazu dienten, die Mitglieder auch persönlich einander näher zU bringend Die" Vereinigung zählt jetzt 23 Mitglieder. Zum ersten Vorsitzenden für das kommende Wintersemester wurde H'err-eanä. meä. Salomon Hildesheimer aus Berlin, Friedrichstraße 130, gewählt, an den auch alle Anfragen und Meldungen zur Aufnahme zu richten sind. 's. Berlin, 8. August. Aus dem Vorlesungsverzeichnis der Berliner Universität für das kommende Wintersemester, das eben erschienen ist, heben wir eine Anzahl Kollegien hervor, die das Interesse weiterer Kreise beanspruchen dürfen: Gunkel, Entstehung des Alten Testaments; Pfleiderer, über die Entstehung des Christentums; v. Bäudissin, der alttestamentliche Opferdienst; Delitzsch, Geschichte und Kultur Babyloüiens und Assyriens, durch Lichtbilder illustriert; Sachau, über Ausgrabungen in semitischen Ländern; Winkler,'über babylonische Religion und Mythologie. 8. Berlin. 8. August. Auf dem Grabe des Dichters Karl Emil Franzos in der Ehrenreihe des jüdischen Friedhofes zu Weißensee ist in aller Stille ein schlichter Grabstein aus schwarzem Granit ausgestellt worden, der folgende Inschrift trägt: „Hier ruht Karl Emil Franzos, geb. 25. Oktober 1848, gestorben 28. Januar 1904'. Ist Dein auch alle Erdenpracht Und aller Weisheit Blüte, ' Das, was Dich erst zum Menschen. macht Ist doch allein die Güte." 8. Berlin, .7. August. Am 2. d.; M. verstarb hierselbst im 71< Jahre nach langer,' schwerer Krankheit Herr Julius Oppenheim. Der Tod-hat dem Verblichenen Erlösung aus hoffnungslosem Leiden gebracht, einem schönen und gesegneten Leben und einer vielseitigen und gemeinnützigen Wirksamkeit Einhalt geboten. Seit vielen Jahren gehörte Herr Oppenheim der Repräsentantenversammlung der hiesigen jüdischen Gemeinde an, er war ein gesinnungstüchtiges Mitglied der konservativen Partei .und sein kluger Rat war oft von ausschlaggebender Wirkung. Mit aufrichtiger- Ueberzeugung und Begeisterung hing er der Sache des Judentums an. Das heilige Feuer wahrhaft jüdischer Nächstenliebe beseelte ihn, seine. .Entsagungsfreudigkeit und Opferwilligkeit erstreckte sich weit hinaüI überden Kreis seiner engeren Familie und seine Hilfe uyd innige Teilnahme verjagte niemals dort, wo.es galt, unverschuldetes Leid .und Elend zu mildern. . Die. Trauerfeier fand heute Mittag im ,Trauerhause statt. Seitens des Gemeindevorstandes und des Repräseytantenkollegiums war wegen der Ferienzeit die'Beteiligung naturgemäß eine recht spärliche; wir bemerkten nur den ersten Vorsitzenden des Gemeindevorstandes, zwei konservative und ein liberales Mitglied der Repräsentanten. Um so zahlreicher waren die Vertreter der Vereine, denen der Verewigte nahe gestanden, in denen er als treues und nützliches Mitglied gewirkt und geschaffen hat, besonders stark war der „Zentralverein für die religiösen Interessen der jüdischen Gemeinde zu Berlin" vertreten, dessen Vorsitzender der Verblichene seit einer Reihe von Jahren war und für, dessen Gedeihen er seine ganze Arbeitskraft bis in seine letzten Lebenstage eingesetzt hat. Nach einleitendem Chorgesang entwarf der in der Synagoge an der Potsdamer Brücke amtierende Rabbiner Herr Dr. Petucho wski in schlichten, aber zu Herzen gehenden Worten ein Lebensbild des Verstorbenen. Der Redner wies besonders darauf hin, daß Redlichkeit und Gerechtigkeit die unzertrennlichen Genossinnen waren, die den Toten auf seiner irdischen. Wallfahrt stets begleiteten, die auch, überall in seinen Taten und, Werken in die Erscheinung traten. Mannhafte Entschiedenheit, der Gesinnung sei der..Grundzug seiner Wirksamkeit innerhalb der Gemeindeverwaltung gewesen, und lediglich seiner Gerechtigkeitsliebe sei es zu verdanken gewesen, daß er trotzdem überall den Frieden zu wahren sich bestrebte. Fremde und ausrichtige Ueberzeugung seien ihm ebenso heilig und unverletzlich gewesen wie die seinige, und mit Recht habe er als Verkörperung des Einheitsgedankens gelten können. In warmen Worten dankte der Redner dem Toten für die treue Fürsorge um das Gotteshaus der Tiergarten-Synagogengesellschast, das einst der Vater des Verstorbenen mitgründen half und. dem nun seit 30 Jahren der Sohn in kindlicher Pietät Zeit und Mittel, in edler, selbstloser Hingebung zugewandt hatte.; Als Vertreter des „Zentralvereins für die religiösen Interessen der jüdischen Gemeinde" rief alsdann Herr Schayer dem Verewigten warme Worte des Gedenkens nach. In ergreifender Weise stimmte darauf der Kantor der bereits erwähnten Synagoge das El mole nachamim an und schmerzlich bewegt folgte die Trauerversammlung dem seelenvollen Vortrage, .,. Abermaliger Chorgesang beendete die er? hebende Trauerfeier. Alsdann setzte sich der Trauerkondukt nach dem Friedhofe in der Schönhauser Allee in Bewegung, wo die Beisetzung erfolgte. — Ehre seinem Andenken! §§ Frankfurt a. O., 5. August. . Dem praktischen Arzt Dr. med. G laser ist der Charakter als Sanitätsrat verliehen worden. Herr Dr. Glaser ist seit einer Reihe von Jahren auch gleichzeitig dirigierender Arzt der inneren Station des hiesigen städtischen Krankenhauses. Fast ausschließlich nach seinen Angaben und reichen Erfahrungen wurden seinerzeit die pesiesten Einrichtungen bei dem Neubau , des Krankenhauses getroffen und ist ihm anläßlich der vor etwa acht Jahren erfolgten Einweihung der Kronenorden vierter Klasse verliehen worden. — Die Synagoge in Friedland, noch ein Bauwerk - aus der Glanzzeit dieser Stadt, soll demnächst abgebrochen werden. In. der vergangenen Woche waren die Vorsitzenden der Gemeinden Lieber.ose und Lübben dort, um nähere Bestimmungen über die Weihgegenstände zu treffen. Der Vorhang aus persischem Sammet kommt nach Lieberose, der 'bronzene Kronleuchter und die übrigen Heiligtümer erhält die Lübbener Gemeinde. st. Greifswald, 8. August. In der letzten . Sitzung des 35. Ant.hropologen-KongresseH am 6. d. M. kam es zu einer interessanten Debatte, durch einen Antrag des Herrn Zunz, des Schatzmeisters. der Frankfurter Anthropologischen Gesellschaft, der im Hinweis auf die. Stiftung des vor einigen Jahren verstorbenen Kölner Nerbenarztes Dr. Mies, der' er .antisemitische Tendenzen unterschiebt, beantragte: „Die-Miessche „Stiftung zur. Förderung der anatomischen und physiologischen Anthropologie in Deutschland" enthält Bestimmungen, welche mit den Bestrebungen der deutschen Gesellschaft sür Anthropologie nicht'.vereinbar sind. Da es sich überdies heräüsgestellt hat, daß. das Legat vom. Erblasser nicht der Gesellschaft ver-