Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 33 (12.8.1904)
- Date
- 1904-08-12
- Page
- Seite 396 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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„Vielleicht bin ich aber .nicht.immer?so.-.. Hier'^fime'-ich^ der Lust, dem Prinzen Karneval. Aber im Leben> „Mußt Du ebenso sein. Deine Augen sprechen von Scherz und Frohsinn, Ich muß Dich kennen, ich weiß nicht, ich , ." Da dröhnten zwölf hallende Schläge, durch die schweigende^ Nacht. „Ich muß fort," flüsterte sie, „Du bleibst!" Mit festem Griff hielt, die eine Hand ihre zarten Finger, während die andere die Maske löste. Sie fiel. . „Deborah!" „Ja, Deborah," lachte sie lustig, „die unter Frau Lewins mütterlichem Schutze sich in das Lustgewüht gewagt, hatum ..." „Den armen Faust zu bezaubern und gefangen zu nehmen." Sie wehrte ab. „Und die Liebeserklärung zu dem fremden Mädchen unter der Maske?" „Ach, ich ahnte Dilch ja, der „Hahn" — brächte mich aus die Spur und der Gedanke, Pantoffelheld von einem solch süßen Wesen zu sein, macht mein Blut sieden." Keiner dachte daran, das vertrauliche „Du" abzulegen. „Neip, nein! Ich liebe nur starke Männer, die sich von allen Fesseln und Schmeicheleien befreien, die nicht für „alle" immer da sind." „Dann habe ich also keine Hoffnung?" murmelte er gepreßt. Sie sah ihn mit leuchtenden, liebeverheißenden Augen an. Da kam es über ihn wie eine Offenbarung. „Wenn ich Dir Treue gelobe und' den anderen Schönen, dem freien, fröhlichen Burschenleben Valet sage, ist das die Stärke, die Du begehrst?" Sie nickte, . n „Dann lüfte ich gern den Deckel meines Korbes, der Hahn springt in die Freiheit, um sich selbst ein weicheswarmes Nestchen zu bauen." „Und die Moral von der Geschichte?" scherzte sie errötend. „Ist ein Kuß und ein Heiratsäntrag!" —. Er beugte sich auf ihre Lippen, — da fühlte er eine leichte Hand auf seiner Schulter und er vernahm ein. abgebrochenes Lachen. „Werd ich zum Augenblicke sagen, Verweile doch! Du bist so schön, — Dann kannst Du mich in Fesseln schlagen . . „Nun, hat Mephisto seine Sache gut gemacht? Seht Ihr, nun wolltet Ihr doch in diesem Winkel Küsse tauschen, — ~ aber jetzt bitte, zur Tafel, Mama Lewin wartet." — So schnell ging es aber nicht, und Mama Lewin konnte ruhig warten. „Magda, Du?" — Fräulein Ehone. Sie?" erklang es im Tenor und Alt, worauf Umarmungen, Danksagungen und Händedrücke folgte. Tatsächlich hätte sich Deborah nie träumen lassen, daß ihre vermeinte Rivalin als Eingeweihte und Abgesandte Frau Lewins sie mit Leo zusammenbringen würde. Als Teufel mit den schwarzen Künsten der Hölle vertraut, führte sie alles zum guten Ende. „Darf sich Faust sein Gretchen morgen von Mama Herz erbitten?" fragte Leo seine Braut. Eine bestimmte Antwort kam nicht, — aber nach einigen Tagen besprach die ganze Stadt das neue Ereignis, — die Verlobung des neuen Kantors mit Deborah Herz, und die interessanteste Gabe war — eine Nippessache:. Der Hahn im Korbe mit dem Deckel über dem Kopfe. Literarische Mitteilungen. .-- Die Reisebeschreibungen des R. Benjamin von Tudela .nach drei Handschriften und älteren Druckwerken ediert und übersetzt, mit Anmerkungen und Einleitung versehen von Dr. L. Grünhut und Markus N. Adler. I. Hebräischer Text. II. Einleitung, Uebersetzung und Register. Jerusalem und Frankfurt a. M 71903—1904.. £°. I. Kauffmann. Der aus der Mitte des XII. Jahrhunderts stammende hochinteressante und wegen der. Verläßlichkeit seiner Angaben sehr wertvolle, hebräisch geschriebene Reisebericht R. Benjamins aus Tudela ist längst schon als eine für die Geographie und Geschichte des Mittelalters, insbesondere für die Geschichte der Juden, überaus schätzbare Quellenschrift erkannt und benutzt worden. Auch christliche Gelehrte haben mit dieserSchrift eingehend sich beschäftigt und einige Ausgaben davon mit und ohne Uebersetzung veranstaltet. Der Zufall aber, dem jedes Buch unterworfen ist — habent sua fata libelli —, hat gerade über diesem zweifach ungünstig gewaltet. Erstens darin, daß Handschriften, nach denen der fehlerhafte Text hätte verbessert werden können, bis vor kurzem nicht bekannt gewesen sind. Zweitens darin, daß es bisher zwar eine lateinische, französische, holländische und jüdisch-deutsche, aber keine deutsche Uebersetzung davon gegeben hat. Vor uns liegt nunmehr in zwei Oktavbändchen die von L. Grünhut-Jerusalem und Markus N. Adler-.London nach drei Handschriften besorgte Textausgabe nebst deutscher Uebersetzung, beide 'mit Einleitung, Anmerkungen und Registern versehen. Dem deutschen Teil sind überdies zwei orientierende Landkarten hinzugefügt. In den Fußnoten zum ersten hebräischen Teil ist alles zusammengetragen, was zur Wiederherstellung des ursprünglichen Textes dienen kann. Die Uebersetzung, mit .Sorgfalt gearbeitet, hält die rechte Mitte zwischen sklavischer Uebertragung und freier Wiedergabe. In einem wichtigen Punkte können wir der Auffassung des Uebersetzers nicht beistimmen, daß in allen den Angaben Benjamins, wo im Texte von der Zahl der Juden an den verschiedenen Orten die Rede ist, jüdische Familien gemeint sein sollen. Die größte Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß von jüdischen Seelen die Rede ist. Viel Beachtenswertes, namentlich zur Geographie des mittelalterlichen Palästina, wird in den Fußnoten zum zweiten Teil beigebracht. Wenn auch der Druck an Korrektheit, die Uebersetzung an Genauigkeit, das Ganze an strenger Wissenschaftlichkeit immerhin zu wünschen übrig läßt, so ist doch die Arbeit .der Herausgeber eine sehr anerkennenswerte Leistung und neben der Ausgabe von Asher und Zunz wird diese neue Ausgabe fortan als unentbehrlich gelten. Möge sie hierdurch zur Anschaffung und Benutzung aufs beste empfohlen sein. Dr. N. Porges. Der Väder-Almanach 1904, Mitteilungen der Bäder, Luftkurorte und Heilanstalten, in Deutschland, Oesterreich-Ungarn, der Schweiz und den angrenzenden Gebieten für Aerzte und Heilbedürftige, ist soeben in neunter Ausgabe — Berlin. 4°, Verlag von Rudolf Mosse — erschienen. Wie schon der Titel besagt, handelt es sich um ein Werk, in welchem die berufenen Vertreter der Bäder re. über deren Heilkraft und besondere-Eigenschaften alle für die Auswahl .eines Kurortes oder einer Heilanstalt 'in Betracht kommenden Mitteilungen machen. Das vorliegende, 585 Seiten umfassende Buch enthält über 700 nach wissenschaftlichen Prinzipien in zwölf Gruppen eingeordnete Originalprospekte. Diesen geht ein diesmal ganz besonders erweiterter wissenschaftlicher Teil voran, der unter. Leitung von Sanitätsrat Dr. Thilenius-Soden a. T. von einer Anzahl der hervorragendsten Balneologen verfaßt worden ist. In knapper, klarer Darstellung werden hier nach einer allgemein-wissenschaftlichen Einleitung die verschiedensten Krankheitsformen in ihren Beziehungen zur Balneotherapie behandelt und die für Auswahl der geeigneten Kurorte erforderlichen Direktiven gegeben. Wir können das Buch unfern Kreisen gegenwärtig besonders empfehlen, denen' der Bäderbesuch von antisemitischer Seite zwar auch als Verbrechen, angerechnet wird, die sich aber dadurch keineswegs abhalten lassen werden, die ihnen hier empfohlenen Bäder sowohl der Gesundheit als des Vergnügens wegen aufzusuchen. Drück und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich.für die Redaktion Max Bauchwitz in Berlin.