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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-08-05 · Heft 32 (5.8.1904) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 32 (5.8.1904)
Date
1904-08-05
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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liche.Abgeordnete wurden gewählt: Die Rabbiner Dr. Doctor in Bruchsal, *Dr. Hanne» in Konstanz, *Dr. Oppenheim in Mannheim, *Dr...PinkußuiHeidelberg und *Dr. Nawicz in Offenburg. Als weltliche Abgeordnete (21) sind nach der Reihenfolge der Wahlbezirke gewählt: 1..E. Rothschild, Vorsteher, Bezirksältester und Stadtrat in Konstanz; 2. *Jakob Bernheimer, Gemeinderat .in Gailin gen; 3. Jos. Nordmann, Bezirksältester in Lörrach; 4. S. Kassewitz, Rechtsanwalt und. Vorsteher in Freiburg; 5. *H. Eppstein, Bezirksältester in Freiburg; 6. *J. Lang, Vorsteher und Bezirksältester in Altdorf; 7., *Leo Wertheimer, Altvorsteher in Bühl; 8. *Dr. R, Bielefeld, Rechtsanwalt, und *Bernh. Fuchs in Karlsruhe; 9. *Louis Marx, Vorsteher, Bezirksältester und Stadtrat in Bruchsal- 10. *Dr. Friedberg, Rechtsanwalt in Karlsruhe; 11. E. Carlebach, Vorsteher und Bezirksältester in Heidelberg; 12. *H. Halle, Vorsteher und Bezirksältester in Hockenheim; 13. *Julius Ettlinger. *David Kahn, Dr. A, Staadecker, Rechtsanwalt, und *Jos. Zimmern in Mannheim; 14. *M. Heinsheimer, Vorsteher in Eppingen; 15. *N. Rothschild, Vorsteher in Mosbach; 16. *E. Spiegel, Rechtsanwalt in Tauberbischofsheim;, 17. *Jul. Schlesinger, Vorsteher in Pforzheim. Die mit * Bezeichneten gehörten auch der vorigen Synode an. Von dem im vorigen Jahre begründeten Verein zur Wahrung der Interessen des gesetzestreuen Judentums in Baden war eine lebhafte Agitation entfaltet worden, die jedoch offenbar bei den Gemeinden keinen Anklaug gefunden hat. So ist zu hoffen, daß die im Oktober stattfindende vierte Tagung der Synode gleich . den früheren einen friedlichen und befriedigenden Verlauf nehmen wird. — Bruchsal, 31. Juli. Nach dem sechzehnten Jahresbericht des Landesvereins zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogtum Baden ist es für die Vereinsleitung — und gewiß auch für alle Freunde ihrer Bestrebungen — sehr erfreulich, konstatieren zu können, daß auch im Jahre 1903 der Verein eine äußerst günstige . Entwicklung aufzuweisen hat. Der Vorstand war in der glücklichen Lage, alle berechtigten Anforderungen, die an ihn gestellt wurden, zu befriedigen. Jur Laufe des Jahres konnten 14 Kinder aus der Fürsorge entlassen und 16 neu ausgenommen werden, so daß der Stand der Pfleglinge 79 ist. Unter den entlassenen 14 Kindern befinden sich sieben Mädchen und sieben Knaben. Ein Mädchen nahm eine Dienststelle an, die anderen werden von ihren Müttern weiter versorgt. Drei Knaben widmen sich dem Kaufmannsstande, einer wird Lehrer, einer hat das Sattlerhandwerk erlernt und einer mußte wegen unangemessenen Betragens in eine Zwangserziehungsanstalt verbracht werden. Von den in der Fürsorge des Vereins verbliebenen 79 Kindern sind vier in Pflege bei geeigneten Familien, vier Knaben erlernen Handwerke, hiervon je einer mit Unterstützung der „Vereine zur Förderung des Handwerks und der technischen Berufsarten unter den Israeliten des Großherzogtums Baden, in Mannheim, Karlsruhe und Freiburg", und die übrigen sind unter Gewährung von Erziehungsbeiträgen bei ihren Müttern bezw. Verwandten verblieben. Das Vereinsvermögen hat im abgelaufenen Jahre abermals zugenommen; die Mitgliederbeiträge sind sich gleich geblieben. Der Verein wurde wieder mit größeren Schenkungen und Stiftungen reichlich bedacht. Oesterreich-Ansarn. LI Wien, 1. August. Wie der „Alldeutschen Korrespondenz" gemeldet wird, richteten die Abgeordneten Schönerer, Bärnreither und Jro als Vorstand der Alldeutschen Vereinigung des Abgeordnetenhauses an die Mitglieder der Vereinigung ein Schreiben, in welchem sie die Auflösung der Vereinigung beantragen. .. Der Antrag fand die Zustimmung aller Mitglieder der Vereinigung. In dieser Vereinigung wurde neben staatssreundlicher Politik der wüsteste Antisemitismus getrieben. — Ein wahrhaft seltenes Alter war der jüngst in Miskolcz verstorbenen Frau Katharina Singer beschicken. Die Verblichene zählte 109 Jahre; sie war die Mutter des leitenden Oberarztes am Allgemeinen Krankenhaus des Bodroger Komitates und erfreute sich einer stattlichen Nachkommenschaft — 47 Urenkel und einen Ururenkel! — Wie berichtet, wurde am 15. MM. der Präsident des israelitischen Wohltätigkeitsvereins in Triest, Joses Morpurgo, von dem fünzigjährigen, aus Corfu gebürtigen Marc Hanel durch einen Dolchstich schwer. verletzt, weil Marc Hanel eine zu geringe Geldunterstützung erhalten hatte. Hanel warf die dreikantige Waffe weg und flüchtete, wurde jedoch eingeholt, und verhaftet. Nun wurde Hanel zu zehn Monaten schweren Kerkers verurteilt und seine Ausweisung aus Oesterreich ausgesprochen. —Bei den kroatischen Landtagswahlen wurden in Czernowitz von der Stadt Dr. B. S trauch er, von der Handelskammer W. T ittin ger gewählt. — Der xühmlichst bekannte Professor Dr. Salomon Ehrmaun wurde zum Primararzt der k. k. Wiener Krankenanstalten ernannt. — Wie aus Budapest berichtet wird, versendet die neologe Landeskanzlei an sämtliche auch orthodoxe Gemeinden Ungarns drei Fragebogen, um über die Kultussteuerbelastung der Judenschaft, über die Lage der Rabbiner und über die Stundenzahl und Honorierung des Religionsunterrichtes einen statistischen Ausweis anzufertigen Und auf dessen Grundlage vom Staate einen entsprechend hohen Beitrag für jüdische Kultuszwecke beanspruchen, sowie die einleitenden Schritte zur Gründung einer Pensionsanstalt für Rabbiner vornehmen zu können. Von orthodoxer Seite sollen ähnliche Schritte unternommen werden, da die Orthodoxen leider nicht gemeinsame Sache machen wollen. Im übrigen hat Ministerpräsident Graf Tisza in einer seiner letzten Parlamentsreden die Erklärung abgegeben, daß die Regierung demnächst darangehen werde, sowohl mit den Protestanten, als auch , den anderen Konfessionen des Landes Unterhandlungen zu pflegen, um den bestehenden Uebelständen äbzuhelsen. : Frankreich. Paris, 29. Juli. Am 15. v. M. fand die jährliche.Generalversammlung der Mitglieder der Allianz in dem^ neueingerichteten, geräumigen Bibliotheksaale des Lehrerseminars (Ecole normale israelite orientale), unter dem Vorsitze. des Herrn Narcisse Leven, Präsidenten des Zentralkomitees, statt. Die meisten in Paris wohnhaften Mitglieder des Zentralkomitees hatten sich eingefunden. Nach Eröffnung der Sitzung verlas der Generalsekretär den Bericht über die Wirksamkeit der Allianz im verflossenen Jahre, zunächst auf dem Gebiete der Hilfsaktion, sodann in Sachen des Schulwesens. Mit kurzen Worten faßte er die Greueltaten von Kischinew und Hornel zusammen und wies auf die Sammlungen hin, die von der Allianz veranstaltet wurden, um den Notständen der jüdischen Bevölkerung 'wirksam zu steuern. Sodann kam er auf die Lage der Juden in Rumänien zu sprechen und konstatierte, daß sie sich im abgelaufenen Jahre kaum verändert habe. Dementsprechend, mußte die Allianz ihre Hilfsaktion fortsetzen, namentlich durch Unterstützung der Vorschußkassen für Handwerker und Kleinhändler, die sich als sehr wohltätig erwiesen; ferner wurden in den jüdischen Volksschulen Mittagsfreitische geschaffen, Subventionen für Heizung und Schulgelder bewilligt. Gegen die falsche Anklage des Ritualmordes zu kämpfen ist das Zentralkomitee stets bestrebt und dank der Vermittelung seiner Vertreter gelang es ihm, namentlich in Aegypten, diese ungeheuerlichen Anschuldigungen zu nichte zu machen. Die Verhältnisse.der Juden in Marokko waren besonders mißlich und die Allianz mußte den von Räuberbanden mißhandelten und ins Elend gestürzten Glaubensgenossen, namentlich in Stat, Demnat, Seffron, Fez, ihre moralische und materielle Hilfe angedeihen lassen.. Ferner berichtete der Sekretär über das-Schulwerk der Allianz und dessen ununterbrochenen Fortgang. Die Zahl der Elementar- und . Gewerbeschulen beträgt jetzt 120, mit einer Gesamtzahl von. 33 600 Schülern. Er betonte mit besonderem Nachdruck' den segensreichere Einfluß dieser Schulen in Persien, wo die jüdische Bevölkerung auf einem so niedrigen kulturellen Niveau stehe. Tie bloße Anwesenheit eines Schuldirektors der Allianz bedeutet dort eine Bürgschaft für die Sicherheit der. oft bedrängten Juden, die den Plackereien der Muselmänner ausgesetzt sind. Dank der Vermittelmrg der Direktoren wird den Gewaltakten dieser fanatischen Leute ein Ende gemacht. Infolge der neulich mit Marokko geschlossenen Verträgen darf man einer Veränderung zugunsten der dortigen Juden entgegensetzen. Seit Jahren ist die Allianz bestrebt, die jüdische Jugend Marokkos derart auszubilden, daß sie sich am wirtschaftlichen Lehen des Landes zu beteiligen befähigt werde. Aus den Ereignissen geht hervor, daß die Allianz in die Verhältnisse Marokkos richtig hineingesehen hatte. Nun heißt es das begonnene Werk fortzusetzen ^und in verschiedenen geistig noch znrückstehenden Gemeinden neue. .Schulen zu gründen. Zum Schluß sprach Redner von den höchst

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