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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-08-05 · Heft 32 (5.8.1904) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 32 (5.8.1904)
Date
1904-08-05
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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befriedigenden Resultaten der GewerbenndAckerbauschülen, und gab er den Mitgliedern bekannt, daß vor kurzem vom Zentralkomitee der Ankauf eines Landgutes in der Nähe von Algier beschlossen wurde, dessen Gesamtfläche 1800 Hektar beträgt. Es ist zur Pacht fürehemalige Zöglinge der von der Allianz in Tunis und im Orient unterhaltenen Ackerbauschnlen bestimmt. Sodann verlas der Schatzmeister, Herr Machiels, den finanziellen Bericht. Er beklagte es, daß die Zahl der Mitglieder der. Allianz rächt zunehme, namentlich in.Paris, und erklärte es als erforderlich, die Propaganda wieder aufzunehmen. Herr Konsul Simon-Hannover sprach einige Worte des Dankes an die Allianz für ihre eifrige und segensreiche Tätigkeit und brachte in ergreifender Weise die Anerkennung zum Ausdruck, welche die Gesellschaft ihrem Präsidenten, Herrn Narcisse Leven, schuldet. Herr Leven erwiderte hierauf: Die Fortschritte der Allianz seien auf alle Mitarbeiter zurückzuführen, die ihr stets treu zur Seite standen, und die heute wie früher ihre Kraft in den Dienst der Allianz stellen.. Ferner gedachte der Präsident aller derjenigen, die sich der Allianz als Helfer zugesellt, besonders der bewährten Männer, die es ihr ermöglichten, die schöne Bibliothek zu gründen, in der man tage, und die man an diesem Tage einweihe; vor allem müsse der verewigte L. M. Rothschild genannt werden, dem es zu verdanken sei, daß die Allianz heute eine der reichsten jüdischen Büchersammlungen besitze. Auf das allgemeine Werk zurückkommend, betonte Herr Leven zum Schluß, daß dieselbe ihr Ziel noch nicht erreicht habe und daß es sich immer weiter ausdehnen müsse zum Besten der unglücklichen und bedrückten Juden und zur Ehre der gesamten Judenheit. Noch lange Jahre muß die Allianz ihre Tätigkeit, entfalten, energisch wirken und aus das Gefühl der Zusammengehörigkeit aller Juden, die ihr zur Seite stehen können, rechnen dürfen. . Amerika. H. Newyork, Ende Juli. Die „Times", ein Newhorker Tageblatt, welches von einem Juden, Adolf S. Ochs, herausgegeben wird, enthielt kürzlich ein Inserat eines Hotels mit dem Beisatze, daß kein Jude daselbst ausgenommen werde. Es wurde von verschiedenen ' Seiten hervorgehoben, daß dasselbe Inserat im Newhorker Herald; ohne den Zusatz erschienen war. Jetzt wird die Erklärung veröffentlicht, daß Herr Ochs zurzeit, als das Inserat erschien, in Europa weilte, also um die Sache gar nicht gewußt haben konnte. — Eine Versammlung der orthodoxen (russischen und polnischen) Rabbiner in Newhork hat sich gegen das unter Leitung Dr. Schechters stehende Theological Seminary erklärt, weil dessen Lehrer des Vertrauens in religiösen Dingen unwürdig seien. Ein Vermittlungsversuch des portugiesischen Rabbiners H. P. Mendes hatte keinen Erfolg. Uebrigens hat der erste in diesem Jahre entlassene Kandidat eine Stelle bei einer Reform gemeinde angenommen. — Dr. Max Schloessinger aus Heidelberg, der seit einiger Zeit in Newyork an het Jewish Encyclopedia tätig war, ist als Dozent für den Talmud an der Hebrew Union College in Cincinnati berufen - worden. — In Albanh ist am 8. d. M. Charles Wessolowsky , im 66. Lebensjahre gestorben. Er kam 1856 nach Amerika und war während des Bürgerkrieges Chefsekretär des Quartiermeisters im Regiment des Obersten Harrison, dann wurde er gefangen genommen. In den siebziger Jahren gab er die Zeitschrift „Jewish South“ mit heraus. 1874 wurde er zum Sekretär beim Obergericht gewählt. Von Mh und fern. Herrn Joseph Fränkel, Inhaber der Baumwollfirma Gebrüder Fränkel, ist nach zwölfjähriger Tätigkeit bei der Einschätzungskommissson der Rote Adlerorden IV. Klasse verliehen worden. — Aus. den Universitäten im Deutschen Reich sind nach dem im „Reichsanz." j veröffentlichten Verzeichnisse im letzten Winterhalbjahre neun medih zinische Doktorpromotionen von Frauen vollzogen worden. Darunter; sind Therese Oppler und Paula Philippson in Breslau, die - Enkelin Ludwig Philippsons, Ra Hel Hirsch in Frankfurt, die Enkelin von Samson Raphael Hirsch, und die Russin Lea Gutkind jj in Freiburg. — Geheimer Justizrat Theodor Lesse, der langjähriges Vorsitzende der Berliner Anwaltskammer und ehemalige liberale Par-E lamentarier, ist im 77 .Lebensjahre gestorben. Der Dahingeschiedene, der an der Begründung des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus tätigen Anteil genommen hat, ist bis zu seinem Lebensende ein treues Mitglied desselben geblieben. — Am 26. v. M. ist hier Herr Moritz Lewinsohn gestorben, der seit 1886 der Armenkommission der jüdischen Gemeinde angehörte. Ehre seinem Andenken! — Dem Sanitätsrat Dr. Moritz Wiesenthal ist der Charakter als Geheimer Sanitätsrat verliehen worden. —Die praktischen Aerzte Dr. Benno. Holz, Dr. Martin Jacobsthal, Dr. Otto Wiesenthal haben den Charakter als Sanitätsrat erhalten. — Herr . Leopo ld Lemke aus Fordon ist zum Kantor der Shnagogengemeinde zu Krotoschin gewählt worden. — Auf dem israelitischen Friedhof in Bracht wurden sämtliche Grabdenkmäler zerstört. Die israelitische Gemeinde setzte 100 Mark Belohnung für die Ergreifung der Täter aus. — Das Kapitel „Israelitischer Kultus" wurde in der Kammer der Abgeordneten in München ebenso wie im Finanzausschuß ohne Debatte genehmigt. — Am 28. v. M. ist daselbst der Generalarzt a. D. Dr. Neuhöfer im 83. Lebensjahre gestorben. — Zum Generalsekretär der Richard Wagner-Stipendienstiftung wurde Dr. S. Benedict in Stuttgart gewählt. — Professor Dr. Ernst Sellin in Wien hat wieder eine Forschungsreise nach Palästina unternommen, um die Ausgrabungen bei Tel-Taanek zu Ende zu führen. — Aus Limerick inJrlandwird gemeldet: ZweiJuden wurden von einem irischen Arbeiter auf der Straße ohne weiteres angefallen. Der eine erhielt einen schweren Stockschlag auf den Kopf und fiel nieder, der andere entging diesem Schicksal nur durch die Dazwischenkunft eines Schutzmanns. Der Täter gab beim ersten Verhör an, die Juden seien böse Teufel ' und brächten dem Lande Schaden. — Zur Frage der Auswanderung veröffentlichen die in Warschau erscheinenden jüdischen Blätter eine - Warnung, welche besagt, die ökonomische Lage der Juden in Deutschs pm£>, England und Amerika sei so gedrückt, daß unbemittelte Ausk Wanderer aus Rußland auf die Hilfe der Glaubensgenossen im Aus-; lande absolut nicht rechnen können. — Die abgebrannten Juden in ( Wilkomir, Dombrovitza und Koro fths che w find von der Alliance > israelite universelle mit 3000 Francs unterstützt worden. — Wir haben f bereits über die jüdische Heldin in der Mandschurei berichtet. Sie j ift erst 20 Jahre alt, trägt Männerkleider, nennt sich Michael; Smolko und ist einer der kühnsten Patrouillenführer des Generals; Rennekampf. So sollte vor wenigen Wochen die Stellung der Japaner ■ in einem dichten Wald ausgekundschaftet werden. Der Erste, der sich freiwillig für die gefährliche Mission meldete, war Michael Smolko.; Am 21. Juni gelang es ihr, an der Spitze weniger Kosaken einen für die japanischen Truppen bestimmten großen Viehtransport zu erbeuten. — Die Alliance israelite universelle hat in Marokko folgende Schulen bestehen: Casablanca mit 361 Schüler und Schülerinnen, Fez mit 190 Schülern, Larache mit 292 Schülern, Marakesch mit 296, Mogador 362, Rabat 155, Tanger 522, Tetuan mit 411 Schüler und Schülerinnen. Die jüdische Einwohnerzahl der. Hauptplätze des 1 Landes beträgt für Tanger 10 000, Tetuan 2500, Safed 6870, Laracte 1316, Casablance 2000 rc. In Etat (wo voriges Jahr große Judenverfolgungen durch die räuberischen Kabhlenstämme stattfanden) leben unter der Gesamtbevölkerung an 5000 bis 6000 Seelen, 2Q0 jüdische Familien. —Der „AmericanIsraelite"in Cincinnati feierte seinfünzigjähriges Jubiläum durch eine prachtvolle Festnummer. Das vortreffliche Blatt" wurde 1854 von dem unvergeßliches Jsaac M. Wise begründet. Nachträglich unsere herzlichsten Glückwünsche. — Die amerikanische Rabbinerkonferenz fand diesmal in Louisville vom 26. v. M. bis zum 2. d. M. statt. — Präsident Roofevelt hat den jungen Advokaten Adolf G. Wolf, v on der Firma Cohen und Wolf, zum Richter des Bundesgerichts in Porto Rica ernannt, an Stelle des zurücktretenden Richters Sulzbacher. — Wie aus Chicago gemeldet wird, hat Professor Banks, der Leiter der Universitätsexpedition nach Babylonien, dort wichtige Funde gemacht. Er glaubt, die ältesten menschlichen Niederlassungen gefunden zu haben. (!) — In Afghanistan wohnen mehr als 40 000 Juden. In der Stadt Kabul sind 2000 derselben, meist gutsituierte Kaufleute, die ihren Handel bis ins Innere Asiens ausdehnen, ansässig, und nach deren Aussage befinden sich im Innern des Landes 60 jüdische Gemeinden, die ihre Zentralstelle in Kabul haben. Wenn auch nicht vollberechtigte Staatsbürger, erfreuen sie sich dennoch der. Gunst und des Schutzes des Emirs.

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