Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 32 (5.8.1904)
- Date
- 1904-08-05
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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abgeordneter, Elberfeld, Dr. Seligsohn, Rechtsanwalt, .Wiesbaden, A. M. Simon, Konsul, Hannover, Max Simon, Stadtverordneter, Elberfeld, Moritz Simon, Wiesbaden, Ph. Simson, Danzig, '^teinhauer, Hofbesitzer, Obermühle bei Köslin, Dr. O. Stern. Justizrat, Würzburg, Stoddart, Kommerzienrat, Danzig, I. Lews, Lehrer,' Berlin, I. Trenkner, Oberlehrer, Otterndorf, Victorius, Kommerzienrat, Graudenz, Emil Waldstein, Gnefen, Moritz Marburg, Hamburg, K. Weiß, Kgl. Stadtschulinspektor, Nürnberg, Dr. Wendors, Gutspächter, Toitz bei Grimmen, Dr. F. C. Witte, Fabrikbesitzer, Rostock, Carl Wolff, Darmstadt, Dr. Wolffberg, Breslau, Wolgast, Landtagsabgeordneter: Kiel. L2 Berlin, 1. August. Aus naheliegenden Gründen haben wir es bisher vermieden, den Fall Mirbach zu erwähnen. Angesichts der maßlosen Uebertreibungen aber, in denen sich die Sensationspresse gefällt, halten wir es doch für angemessen, aus einem Schreiben des Pastors Cremer in Potsdam, der Schriftführer des evangelischkirchlichen Hilfsvereins ist, einen Passus zu zitieren, der die Sache richtig stellt. Für ein.Märchen erklärt Pfarrer Cremer die Behauptungen, daß für evangelische Kirchenbauten „hauptsächlich Gelder von Juden" gesammelt worden seien. Tatsache sei, „daß der Vorstand des Kirchenbauvereins gegen die Stimme von Frhr. v. Mirbach dev Meinung war, daß zu einem Nationaldenkmal, wie es ja die Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche ist, sehr wohl auch Nicht-Evangelische beitragen könnten; daß dann von Juden im ganzen 19000 Mark (von 13 Millionen Mark Spenden), und zwar ausschließlich für die Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche, gestiftet wurden; daß einige Juden selbst darum gebeten hatten, für diesen Bau beitragen zu dürfen!" — Ebenso stellt der Kurdirektor v.Maltzahn in Homburg auch die Zeitungs- Meldung über einen israelitischen Spender, namens Speier, richtig. Danach erhielt Herr Speier den Kronenorden dritter Klasse für eine Schenkung von 25000 Mark zur Verschönerung der Umgebung des königlichen Schlosses zu Homburg und nicht für den Kirchenbau. s. Berlin, 2. August. An der Berliner U niversitä t sind mehrere Stiftungen gemacht.worden, darunter auch folgende: Frau Professor Dr.. Immanuel Munk hat zum Andenken an ihren Gatten der Universität ein Kapital von 12000 Mark zugewendet. Das „Immanuel Munk-Stipendium", aus den Zinsen des Kapitals, soll alljährlich einmal an einen bedürftigen, durch Fleiß und Leistungen ausgezeichneten Studenten der Medizin vergeben werden. — Justizrat Lisko hat als Testamentsvollstrecker des verstorbenen Fräuleins Dr. phil. Elsa Reumann (der ersten Berliner Doktorin) der Universität einen Betrag von 30000 Mark überwiesen; die Summe war ihm von einer Fräulein Dr. Neumann nahestehenden Seite mit der Bestimmung übergeben, daß damit eine Stiftung zum Andenken an die so früh Verstorbene begründet werde. — Während alle diese Stiftungen konfessionslos sind, ist die des 1864 verstorbenen Geh. Obermedizinalrat Casper, der aus einer alten jüdischen Familie stammte, zur Hälfte zur Unterstützung armer Studierender evangelischen Glaubens bestimmt. — Zum Andenken des am 28. Juli 1883 aus Jschia verstorbenen Malexs Adolf Ginsberg aus Berlin haben dessen Geschwister, Herr Philipp Ginsberg in Berlin und Frau v. Boschan geborene Ginsberg in Wien, eine Stiftung errichtet, welche den Namen „Adolf Ginsberg- Stiftung" trägt. Der Zweck der Stiftung ist, jungen befähigten Malern deutscher Abkunft ohne Unterschied der Konfession, welche ihre akademische Studienzeit absolviert und davon mindestens das letzte Semester die königliche akademische Hochschule für die bildenden Künste 31t Berlin besucht haben, durch Verleihung von Stipendien die Mittel für ihre weitere Ausbildung entweder in Meisterateliers oder auf auswärtigen Akademien oder durch Studienreisen ins Ausland zu gewähren. Die Stipendien sollen vorwiegend jungen Malern zugute kommen, doch sollen in besonderen Ausnahmefällen auch hervorragend begabte junge Bildhauer berücksichtigt werden dürfen. Das Stipendium beträgt ca. 1700 Mark und wird für die Zeit vom 25. Dezember 1904 bis dahin 1905 verliehen. . Geeignete Bewerber haben ihre Gesuche mit den in Vorstehendem geforderten Attesten bis zum 15. Oktober d. I an den Vorsitzenden des Kuratoriums, A. v. Werner, eipzupeichen. Königsberg, 31. Juli. Am letzten neunten Verhandlungstage wurde die Beweisaufnahme in dem Geheimbunds- und Hochverratsprozeß auch auf die Judenverfolgungen in Kischinew und Homel ausgedehnt. Die vorletzte in der Anklageschrift zitierte Schrift heißt ,/Die Gewaltakte gegen die Juden". Darin' wird unter anderem gesagt: Wer denn anders als die Regierung trägt Schuld an den Gewaltakten gegen die Juden? Wen anders als Nikolaus II. sollen wir für den Urheber der schrecklichen Metzeleien hastend Verteidiger Liebknecht bittet, aus einer Denkschrift, die das jüdische Schutzkomitee in Kischinew der Regierung übersandt habe, einiges Material.Vorträgen zu dürfen, um zu beweisen, daß die russische Regierung an den Kischinewer Metzeleien mindestens mitschuldig ist. Nach dieser Denkschrift teilte Sachverständiger Dr. Ballod mit, daß angesehene Zeitungen, wie die „Frankfurter Zeitung", die Wiener „Zeit", die „Times", sich im gleichen Sinne ausgesprochen hätten. In Bessarabien sei von jeher in der Bevölkerung alles ruhig gewesen, ein Haß gegen die Juden habe nicht bestanden. Gerade in Bessarabien sei das Land so fruchtbar und die Bevölkerung so wohlhabend, daß alle Gesellschaftsschichten gut nebeneinander hätten bestehen können; von einer Ausbeutung durch die Juden sei überhaupt keine Rede. Es fehle in Bessarabien auch völlig das Element der „Barfüßler", das.sonst besonders in den Hafenstädten die Anfälle auf die Juden in erster Reihe mitmache. Da plötzlich, etwa fünf Jahre vor den großen Judenmorden, sei der „Bessarabetz" von Kruschewan begründet worden, dessen skandalöse Demagogie mit schlimmeren Mitteln und heftigeren Ausdrücken gearbeitet hätte als'in Deutschland etwa Graf Pückler. Trotzdem im „Bessarabetz" täglich Redensarten, wie: „Tod allen Inden! Alle Juden müssen erwürgt werden!" gestanden haben, sei die Zensur nicht eingeschritten, und so habe dieses einzige zugelassene öffentliche Organ die Bevölkerung vollkommen vergiftet. Von den bevorstehenden Metzeleien fei schon lange vorher ganz öffentlich gesprochen worden. Weder der Polizei' noch den Juden sei das ein Geheimnis gewesen. Da den Juden aber von den Regierungsbehörden dir beruhigendsten Zusicherungen gemacht worden seien, hatten sie nicht an ihre eigene Verteidigung gedacht. An den Unruhen hätten sich Schutzleute und selbst Polizeioffiziere beteiligt, indem sie Juden entwaffneten und durch Zurufe: „Haut die Juden!" die rasende Menge noch angefeuert hätten. Als gegen Abend endlich die Polizei eingeschritten sei und Verhaftungen vorgenommen habe, hätten die Verhafteten ganz verwundert gegen ein solches Vorgehen protestiert: „es sei doch erlaubt, Juden zu hauen." Das Militär, das doch sonst bei jeder Kleinigkeit einschreite, sei dreimal telegraphisch requiriert worden, ehe die erforderliche Genehmigung zur Verwendung einging. Der Verteidiger Dr. Liebknecht machte noch auf die in der vorgelegten, von Peter Strube herausgegebenen und eingeleiteten Denkschrift enthaltenen, schauerlichen Bilder von Kifchinewer Leichen aufmerksam. Auf Veranlassung dieses Verteidigers gab sodann der Zeuge Buchholz eine Schilderung von der zwei Monate später erfolgten Judenverfolgung in Homel. Auch dort fanden die Metzeleien unter ähnlichen Grausamkeiten statt. Auch dort entwaffnete die Polizei das jüdische Schutzkomitee usw. Die Juden, die sich zur Wehr setzten, wurden verhaftet und sind bis zum heutigen Tage noch nicht wieder freigelassen worden. 44 Breslau, 22. Juli. Der Verwältungsbericht des Verbands- Ausschusses des Bezirks-Gemeindeverbandes Breslau-Liegnitz pro 1903,04 teilt mit, daß der Verband gegenwärtig insgesamt 281 Einzelmitglieder hat und deren Beiträge insgesamt 1888 Mk. betragen. Die Zahl der Verbandsgemeinden beträgt nunmehr 40 mit einem Jahresbeiträge von 2320 Mk., in den letzten Tagen hat auch die Filialgemeinde Festenberg ihren Beitritt zum Verbände erklärt. Im vorigen Jahre haben 12 Gemeinden 1550 Mk. an Beihilfen erhalten. Neben den Beihilfen, welche den Bestand der Gemeinden selbst und ihrer Kultuseinrichtungen, insbesondere des Religionsunterrichts sichern sollen, hat der Verband seine Aufmerksamkeit der Fürsorge für die Beamten zugewendet. Im Berichtsjahre find auch die Schulen in 19 Gemeinden inspiziert worden. Die Gesamteinnahme betrug, einschließlich des Bestandes in 1902/03 in Höhe von 3016,18 Mk. und den Depotzinsen in Höhe von 61,73 Mk., 7306,54 Mk., der eine Ausgabe von 3730,41 Mk. gegenübersteht; mithin ist ein Kassenbestand ' von 3576,13 Mk. vorhanden. — Am 10. v. M. hat der bekannte Kommissionsrat Schlesinger das Fest der goldenen Hochzeit gefeiert. Die Stadt Trachenberg, aus der der Jubilar stammt, würdigte seine Verdienste durch Ernennung zum Ehrenbürger. ---Karlsruhe, 25. Juli. Die Wahlen zur israelitischen Landes synode für die Periode 1904/1906 sind beendigt. Als geist-