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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-08-05 · Heft 32 (5.8.1904) · p. Seite 384

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 32 (5.8.1904)
Date
1904-08-05
Page
Seite 384 (sequence 12)
Language
German
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jj i I •!: I - 38 1 -- , „O, o," stöhnte seine Begleiterin nn Sopran. Er erkannte. Rosa Silberstein.; „Fräulein Rosa?" fragte er leise. Ein übermütiger Fächerschlag war die Antwort. . , „Wissen Sie vielleicht, wer der Teufel da drüben ist?" Sie folgte der. Richtung mit ihren Augen. „Unbekannt," flüsterte sie — und hing sich in den Arm eines spanischen Granden, der groß, mager und semmelblond war. Leo wurde von phantastisch geputzten Masken umringt.. (Schluß folgt.) Literarische Mitteilungen. — Gelbhaus, S.: Esra und seine reformatorischen Bestrebungen.. Zur Geschichte und Literatur des zweiten jüdischen Staatswesens. Wien 1903. Verlag von R. Löwit. In dieser Schrift setzt dep rühmlichst bekannte Gelehrte seine Studien über die Religions- und Staatsgeschichte der Juden seit ihrer Rückkehr' aus Babylon, die er mit seinem „Nehmias"?c. begonnen hat, fort. Das Dunkel, das über' diese Periode ausgebreitet ist, lichtet sich zusehends unter der Hand dieses Forschers, der durch die eigenartige Methode, seiner Unter-, suchung, wie durch die Fülle neuen Materials, welches er herbeizieht,' eine neue historische Betrachtungsweise über diesen für die Geschichte! des Judentums wichtigsten Zeitabschnitt eröffnet. Den Geschichtssorschern, die sich bis nun mit diesem Gegenstand befaßten, standen außer den biblischen Büchern keine andern Quellen zur Verfügung/ Mehr oder weniger scharfsinnige Betrachtungen über die Bücher Esra und Nehemia bildeten die Grundlagen, aus denen sie sich ein Bild der Bestrebungen jener Epoche konstruierten. Da die politischen' und sozialen Zustände jener Reiche, welche den jüdischen Staat zerstörten, so gut wie unbekannt waren, blieb naturgemäß der Betrachtungskreis über das damalige Judentum ein beschränkter. Seit dem Aufschwung, den die assyrisch-babylonischen Studien durch die Entwicklung der keilinschriftlichen Literatur erfahren haben, ist man über die Geschichte der Völker Vorderasiens und der sie bewegenden geistigen Mächte in vieler Beziehung unterrichtet, und die Kenntnis dieser Kulturen ermöglicht eine tiefere Erkenntnis der Geschichte der Juden jener Zeit, deren Schicksale aufs innigste mit denen der vorderasiatischen Großreiche verknüpft waren. Gelbhaus, ein Schüler Eberhard Schräders und ein Kenner der keilinschriftlichen Literatur, zieht diese Studien in den Kreis seiner Untersuchungen, wodurch er zu Resultaten gelangt, die von denen anderer Historiker abweichen. Aber Gelbhaus zieht außerden obgenannten auch wissenschaftliche- Stoffe herbei, die bis jetzt unbenützt blieben. Er sucht in dem umfangreichen rabbinischen Schrifttum die zerstreuten historischen Splitter der mündlichen Ueberlieferung über diese Zeitläufte auf und weiß ihnen die Geheimnisse der Vergangenheit abzulauschen. Insbesondere ist es die halachische Literatur, in deren ältesten Satzungen und Normen er die Ueberbleibsel historischer Niederschläge gefunden. Bei seiner umfangreichen Kenntnis des talmudischen Schrifttums fällt es dem Verfasser nicht schwer, die zitierten Texte kritisch zu prüfen, bevor er aus ihnen historisches Kapital schlägt. Außerdem zieht Gelbhaus die sogenannten apokryphischen Schriften, die Psalmen und samaritanisches Material in den Kreis seiner Untersuchungen, wobei er sich mit den hervorragendsten Forschern über diese Materie eingehend auseinandersetzt. Nachdem der Autor ein Bild des Zustandes der Juden und des Judentums in den letzten Jahrzehnten vor dem Untergänge des ersten jüdischen Staates entworfen hat, zeigt er die Ursachen der Wiederherstellung des jüdischen Staatswesens. Eine der merkwürdigsten Erscheinungen jener Zeit ist die, daß die Juden als Götzendiener ihr Land verließen, und als Monotheisten aus dem Exil zurückkehrten. Der eine Gott der Väter, meint der Verfasser, hatte im eroberten Palästina keinen Ort, wo er von uralten Zeiten her ununterbrochen verehrt wurde, während die heidnischen Götter an bestimmten Orten ihre Anbetungsstätten hatten, von denen aus sie nach dem Glauben derUrbewohnerSegen und Fluch über die ihnen gehörenden Gegenden ausbreiten konnten. Die Eroberer verfielen in Furcht vor den Lokalgöttern,-und so wurde aus der Anbetung eines Gottes,, den sie niemals völlig ausgegeben haben, die Verehrung vieler Götter. (S. 4.) In Babylonien waren die kananitischen Götter.fremd und heimatlos und „da die heidnischen Gottheiten palästinensische Lokalgötter waren, so mußte sich mit dem Verlassen der Lokale in dem Bewußtsein ihrer Verehrer ihr Einfluß verringern. Ihr Schrecken und ihr Segen hätten außerhalb ihrer Landschaften ihre Bedeutung verloren, denn bis Babylonien reichte ihre Macht nicht. Es ist daher naturgemäß, daß der Götterglaube bei den Exulanten seine Intensität verlieren mußte." (S. 7.) Der Glaube an den Gott der Väter aber konnte, da er doch niemals ganz aus dem Herzen des Volkes verschwunden war, ietzt, wo keine bedeutenden Hindernisse ihm im Wege standen, wiederum hexvortreten. Dieses herbeizuführen, unternahmen mehrere erleuchtete Persönlichkeiten, unter denen Esra eine der hervorragendsten war. (S. 8.) Im alten Israel war die Darbringung von Opfern die allgemein geltende Form der Gottesverehrung, Esra und sein Kreis koordinierten das Gebet der Laien dem Opferdienste des Altars. (S. 20.) In der vorexilischen Zeit war die Thora ausschließlich in den Händen der Priester. Das Lesen der göttlichen Urkunden war ein Privilegium der Altardiener und der Leviten/ Das Volk erfuhr von ihnen nur soviel, als ihnen die ersteren mitteilten, weshalb es der Willkür der Priester preisgegeben war und völlig verknöchern mußte. Esra und sein Anhang treffen die Verordnung, daß die Thora am Sabbat, Montag und Donnerstag an den Andachtsstätten öffentlich verlesen werde. (S. 22.) Dadurch wurde das erreicht, was die Propheten nicht erreichen konnten, indem ihre Worte bald verhallten, während das geschriebene Wort dem Auge stets gegenwärtig war. Um dieses leichter zu ermöglichen, wurde von dem esraiischeu Kreis die ursprüngliche einfache Quadratschrift wieder eingeführt, welche früher von einer Zierschrist verdrängt wurde. (S. 58.) Im alten Reich bildete der Ackerbau den Hauptnahrungszweig des Volkes, Handel und Industrie waren nur Nebenzweige. Bei der Begründung des zweiten jüdischen Staatswesens sind die letzteren planmäßig angelegte Institutionen (S 48), weshalb manche, in das Volksleben tief einschneidende Normen (wie die Aushebung.des Jobeljahres, des Baues der verfallenen Felder rc.) getroffen wurden. (S. 44.) Sehr anregend ist die Abhandlung des Verfassers über die „Große Versammlung" (Lenesset hagdolah). Nachdem er fast alle Ansichten über dieselbe angeführt, gelangt er zur Ansicht, daß diese aus einem Bund bestand, der große Teile der babylonischen Juden umfaßte. Dieser Bund hatte eine feste Gliederung durch Ordensregeln und Ordensvorschriften. Er teilte sich in eigentliche Mitglieder und in Anhänger des Bundes, welche in verschiedenen Abstufungen die Lebensführung derselben beobachteten. Ein Abbild dieses Bundes war später der Essüerorden. (S. 39.). Zu dieser Kongregation gehörte auch Esra. Dieselbe hatte sich die Wiederherstellung des jüdischen Staatswesens zum Ziele. gesetzt. Ausführlich und scharfsinnig ist die Polemik Gelbhaus' gegen die Behauptung, daß Esra der Verfasser der Thora ist. Er führt die Ansichten Wellhausens, Kösters und Eduard Meyers an, prüft dieselben eingehend und tut durch Darbringung von zwingenden Beweisen die Unstichhaltigkeit vieler Hypothesen aufs klarste dar. Daß Esra der Spiritus reetor aller Neugestaltungen jener Periode war, wird in der Schrift mit Aufwand großer Belesenheit nachgewiesen. L. ■= Im Verlage von F. A. Lattmann in Goslar erscheint noch im Laufe dieses Jahres ein neues Werk unter dem Titel: „Das Hohe Lied der Bibel." Das Werk wird mit zahlreichen Illustrationen und mit ganz hervorragenden Zeichnungen des rühmlichst bekannten Zeichners E. M. Lilien versehen sein. Erinnern wir uns noch an die beiden Werke desselben Verfassers „Juda" und „Lieder des Ghetto", welche sich durch ihre prachtvolle Ausstattung viele Freunde erworben haben, so können wir diesen neuen Band nur mit Spannung erwarten. — Wie wir erfahren, feiert die Firma F. A. Lattmann in Goslar am 13. August d. I. das 30l)Iährige Bestehen ihrer Druckerei. Aus dem Gebiete der modernen Buchausstattung steht diese Firma in Deutschland überhaupt mit an erster Spitze. ' Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion Max Bauchwitz in Berlin. msäämmam

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