Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 32 (5.8.1904)
- Date
- 1904-08-05
- Page
- Seite 382 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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382 Machten die Leute, nachdem ihre Bäuche versorgt waren, ihre Sachen nach G. . .. ls Meinung nicht gut, so ward er auf gut hamburgische Weise grob und schloß seine Strafrede immer mit seinem Leibspruch: . . . „Dessen Brot ich esse, Dessen Lied ich singe." Als He ine.sich in, Hamburg befand, wurde in der Stadt so viel von ihm gesprochen, daß G . ... l beschloß, auch ihn zu seinem nächsten Eiastmahl einzuladen. Erwünschter konnte dem Heine nichts kommen, der längst von andern erfahren hätte, wie es Freund G . . . . l mit den Musenkindern halten Pflegte., Ohne Anstand sagte er zu und erschien zur! bestimmten Stunde in sehr eleganter, schwarzer Kleidung in, G . . . . ls Salon. G . . . . l schien etwas über ben; eleganten Anzug und das feine Benehmen des Dichters, von dessen, „Tollheiten" und „Liederlichkeit" man ihm so viel erzählt hatte.! Ganz ,außer dem Häusel kam er aber, als Heine, der witzige Heine, >' der „Tausendsappermenter", kein Wort sprach und außer einigen Löffeln Suppe nichts genoß. G .... l, dem beides noch bei keinem andern Künstler oder Schriftsteller vorgekommen war, fragte; ihn ob ihm unwohl sei? „Sehr wohl!" lautete Heines Antwort. „Warum essen Sie denn nicht?" „Ich bin nicht, hungrig!" „Dummes Zeug! Was sollten Sie nicht hungrig sein? Versuchen Sie einmal den Braten da!" „Ich danke." „Oder die Pastete!" „Ich danke." „Oder die Meerbutten!) (mit erhöhter Stimme) Meerbutteu! Das Stück 7 Mark 8 Schilling! Courant!" (einen Dukaten). „Ich speise keine Meerbutten!" Das war unserm G .... l zu viel, und wütend rief er aus: „Na, wenn Se se nich freten, so mag se de Katt freien." Und in der Tat reichte er die Schüssel mit den teuren Fischen der alten Lieblingskatze hin, die bei Tische stets hinter seinem -Stuhle saß." Es läßt sich natürlich heute nicht mehr feststellen, was an dieser Geschichte wahr und was erfunden ist. Aber ganz erfunden ist sie sicher nicht. In jedem Falle hat Heine seinem Zeitgenossen Lazarus Gumpel, der ihm zu einer seiner Prächtigsten Gestalten Modell gesessen, ein dankbares Andenken bewahrt. Es war ein seltsamer Zufall, daß der Dichter gerade in Hamburg bei seiner alten Mutter zu Besuch weilte, als Gumpel im Herbst 1843 starb, und Heine hat es natürlich nicht unterlassen, ihm in seinem Wintermürchen „Deutschland" ein kleines Denkmal zu setzen. Dieses befindet sich in Caput 22 des Gedichtes. Er schildert darin, wie er seine alten Freunde wiedertraf, aber — „Nicht alle fand ich. Mancher hat Das Zeitliche gesegnet. Ach! Meinem Gmnpelino sogar Bin ich nicht mehr begegnet. Der Edle hatte ausgehaucht Die große Seele soeben, Und wird als verklärter Seraph jetzt Am Throne Jehovahs schweben." In dem Epilog zu seiner „Hypathia" sagt Charles Kingsley, der berühmte englische Romancier, von seinem Berufe folgendes aus: „Ich habe euch neue Feinde unter einem alten Gesicht h Mecrbuiten, ein sehr schmackhafter Fisch, davon die eine Art auch in Hamburg selbst teuer bezahlt wird. gezeigt'— euer eigen Bild in Toga und Tunica, anstatt im Herrenrock und Damenlleid. Derselbe Teufel,' der jene alten Aegypter versuchte, versucht euch, ihre Sünden sind' dieeuren, ihre Jrrtümer die euren, ihre Verwerfung die eure, ihre Erlösung die eure. Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Was gewesen ist) wird sein. Möge, wer ohne Sünde unter euch ist, den ersten Stein werfen auf Hypathia oder Pelagia, Mirjam oder Raphael, Cyril oder Phvtamon." ' Oder mutatis lnutandis — auf Christian Gumpel! Oder gar auf Heinrich Heine! G. K. MiiLLecoi? Der Hahn im Korbe. Humoreske von Anna Friedmann. VI. „-.Sie haben wohl alle möglichen guten Sachen für heute Abend eingekauft, Fräulein Herz, an denen sich die Gäste stärken sollen?" fragte Leo mit einem Blick auf die Paketladung. „Vielleicht! Kann sein. Ist das ein Wetter! Das Kleid raffen, den Schirm halten! Man weiß kaum, wie mau gehen soll, uff!!" „Ich sah Sie schon sehr lange nicht. Weshalb machen Sie sich so unsichtbar, Fräulein Deborah?" „Das Seltene hat man lieber, während das Oeftere gewöhnlichwird wie der Alltag. Sie sehen, ich bin sehr berechnet und vorsichtig," lachte fie luftig. „Heute ist ein famoser Tag. Ich habe so gute Nachrichten von meinen Geschwistern erhalten; ich bin in recht ausgelassener Purimstimmung. Schön ist es wahrlich, frei zu sein von dem Zwange, dem Drucke." „Sie haben gewiß Ferien?"' „Ja. Ich habe Ferien. Goldne, freie, imgebundene Zeit liegt zwei volle Tage vor nur, und so gern ich auch unterrichte, Freiheit ist halt das Schönste vom Leben!" „Werden Siezu dem Maskenball kommen, Fräulein Deborah?" „Ich glaube kaum, da ich Muttchen nicht gern lange allein lasse." „Aber auf ein paar Stunden wenigstens; ich bitte Sie sehr darum!" „Aber was liegt Ihnen denn daran, ob ich gehe? Sie werden Amüsement genug haben, Sie^sind doch gewissermaßen Löwe des Abends." Er schwieg unmutig, und sie sah eine Falte auf seiner Stirn. Sollte ihm wirklich etwas daran liegen'? Sie sondierte langsam. „Wenn ich gehen würde, könnte ich kaum bis zur Demaskierung bleiben, sondern ich müßte mich gleich Aschenbrödel Schlag zwölf Uhr entfernen. Ach nein! Es ist besser, ich bleibe zu Hause!" „Ich glaubte nicht, daß Sie so hartnäckig sein können. Sie würden mir eine große Freude bereitet haben!" Er sah so aufrichtig betrübt aus, daß sie nicht mehr an der Aufrichtigkeit seiner Worte zweifelte und alles Geschwätz über Magda ihr wie böser Klatsch erschien. Sie reichte ihm die Hand und sagte: - „Vielleicht kann ich es ein andermal nachholen. Es tut mir leid, wenn ich-Sie betrübt habe,"