Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 68 (1904)
- Issue
- Heft 31 (29.7.1904)
- Date
- 1904-07-29
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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MM Herrn Oberkantors Dreiblatt. Der Vereinsvorsitzende Herr Ludwig Mathiason sprach zuerst den Behörden, namentlich dem Amtsverwalter Herrn Dr. Kämmerer seinen Dank aus für das Entgegenkommen bei der Errichtung des Hospitals. Redner gab dann einen kurzen Rückblick auf die Entwicklung des Vereins, der vor 21 Jahren damit begann, einer nur geringen Anzahl von Kindern die Wohltat eines Ferienaufenthaltes zu gewähren. Heute sei der Verein in der Lage, ein eigenes Heim zu beziehen. Dank gebühre vor allen den Männern, die durch Zuwendung reicher Mittel dazu verholfen hätten; in erster Linie dem unvergeßlichen Philantropen Herrn Jakob Plaut aus Nordhausen, dann Herrn L. Bleichröder und E. Tannenbaum aus Hamburg und Herrn Jakob Nordheim für die Zuwendung aus dem Nachlaß des verewigten Herrn Markus Nordheim. Redner schloß mit dem Wunsch, daß dieses Haus dem Verein zum Segen und den Kindern stets zur Erholung dienen möge. — Nachdem der Knabenchor „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre"- vorgetragen hatte, hielt Herr Oberrabbiner M. Hirsch die eigentliche Weiherede; anknüpfend an das Bibelwort aus Kohelet Kap. 3, V. 1 führte der Redner aus: „Für alles gibt es die geeignete Zeit, und die Zeit ist es, die ein jedes Bedürfnis aus ihrem Schoße hervorbringt". Der Festredner hob sodann hervor, „wie die neuere Zeit mit ihrer Anspannung aller geistigen und körperlichen Kräfte schon im Kindesalter das Bedürfnis geschaffen hat, die schwächlichen Kinder für einige Zeit aus dem geräuschvollen Treiben der Großstadt zu entfernen und ihnen die Wohltat eines längeren Aufenthalts in frischer, gesunder Luft zu verschaffen. Aus diesem Bedürfnis heraus sei dieses Haus entstanden, für dessen Gedeihen sowie für die weitere Entwicklung des Vereins er den Segen Gottes erstehe." Hierauf folgte das Gebet für den Kaiser und für den Senat. An die Feier schloß sich unter sachkundiger Führung ein Rundgang durch die Räume des Hospizes, und allgemein fanden die zweckmäßige Einteilung des Hauses, sowie die hohen, von Luft und Licht durchfluteten Räume bei den Anwesenden ungeteilte Anerkennung. Das Gebäude ist nach den Plänen und unter Leitung des Regierungsbaumeisters Friedheim- Hamburg ausgeführt worden. Die ganze Anlage entspricht in hygienischer Beziehung den weitgehendsten Ansprüchen. Um 3V2 Uhr versammelten sich die Gäste zu einer Festtafel. Den Kaisertoast sowie das Hoch aus den Senat und die Bürgerschaft brachte Herr Dr. Pels aus. Herr Herm. Gumpertz feierte in beredten Worte die Verdienste des Herrn Oberrabbiners M. Hirsch um die Hamburger Gemeinde. Herr Rabbiner Dr. Löwenthal toastete auf den Vorstand, hierauf feierte Herr Oberrabbiner M. Hirsch in herzlichen Worten den Erbauer des Hauses, Herrn Negierungsbaumeister Friedheim. Die bereits im Hospiz anwesenden 60 Kinder wurden zur Feier des Tages eben falls festlich bewirtet. Um 11 Uhr abends trafen die Gäste wieder am Damtorbahnhof ein, und man trennte sich in dem Bewußtsein, daß die Hamburger Gemeinde abermals um eine segensvolle Institution bereichert worden ist. i. Hannover, 20. Juli. Die Zion-Loge in Hannover hat vor vier Jahren bereits ein „Komitee, zur Fürsorge, Kur und Pflege bedürftiger Kinder" gebildet, das seitdem außerordentlich egensreich gewirkt hat. In dem pro 1903 erstatteten vierten Jahresbericht wird besonders betont, daß dank der Opferwilligkeit vieler Gönner eine erhebliche Anzahl von Kindern während der Sommerferien zum Kuraufenthalt fortgesandt, und außerdem der Fonds zur Errichtung eines Seehospizes um 1000 Mark gestärkt werden konnte. Im Jahre 1903 wurden die Kinder im Solbads Salzhemmendorf unter Beaufsichtigung des Herrn Dr. Mayer daselbst untergebracht, woselbst unter Leitung einer bewährten Dame eine eigene Haushaltung mit ritueller Verpflegung errichtet worden. Nach der dem Bericht beigegebenen Gewichtstabelle haben sämtliche Kinder an Körpergewicht ansehnlich zugenommen, einzelne darunter bis 4 kg; die Durchschnittszunahme betrug 1,7 kg. Es ist erfreulich, zu sehen, auf welch fruchtbaren Boden die von der Zion-Loge gegebene Anregung gefallen ist; das Spendenverzeichnis ergibt, daß von 137 Personen, in Hannover und Linden wohnhaft, 2188 Mark Jahresbeiträge gespendet wurden, außerdem gingen an Geschenken rc. im Jahre 1903 noch 2106,08 Mark ein. Die Ausgaben, inkl. der bereits erwähnten 1000 Mark, die dem Konto „Seehospiz" überwiesen wurden, betragen 4646,15 Mark und 1190,16 Mark sind für das Jahr 1904 als Bestand verblieben. Unter den Ausgaben sind auch Beträge enthalten, die für Einkleidung der Ferienkolonisten verwendet worden sind, woraus hervorgeht, wie das Komitee sich auch der Kinder allerärmster Leute fürsorglich annimmt. Daß das Konto Seehospiz gegenwärtig einen Bestand von 4682,95 Mark ergibt, soll schließlich noch hervorgehoben werden; die Errichtung eines Seehospizes wird von allen Logen geplant, die zum Nordwestdeutschen Logenverband gehören- und wenn alle diese Logen in gleicher Weise den Fonds für ein Seehospiz stärken, dann dürfte recht bald das geplante Seehospiz in die Erscheinung treten. i. Frankfurt a. M, 20. Juli. Der hiesige Verein für jüdische Krankenpflegerinnen besteht nunmehr zehn Jahre. Von den sechs Schülerinnen, die im letzten Jahre zur Ausbildung ausgenommen wurden, mußte eine während der Lehrzeit entlassen werden, da sie den Ansprüchen nicht genügte. Drei Schülerinnen haben ihre Lehrzeit noch nicht vollendet, hingegen erhielten zwei Schülerinnen das Reifezeugnis und wurden in die Zahl der Schwestern ausgenommen. Es sind dies Elise Lehmann aus Würzburg, die im Israelitischen Gemeindehofpital dahier, und Olga Philipp aus London, die im Krankenhaus der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg ihre Ausbildung erhalten hat. Leider wurde durch diese Neuaufnahmen die Schwesternzahl nicht vermehrt, weil während des letzten Berichtsjahres auch zwei Schwestern sich genötigt sahen, aus dem Verband zu scheiden. Von den Schwestern, die während des ganzen Jahres tätig waren, leistete eine das Maximum mit 292 Pflegetagen und 26 völligen Nachtwachen; darauf folgt eine Schwester mit 280 Pflegetagen und 40 Nachtwachen, dann mit 272 Pflegetagen und 22 Nachtwachen; hierauf eine mit 248 Pflegetagen und 27 Nachtwachen rc. Ueber die Tätigkeit der Armenschwester im abgelaufenen Berichtsjahre wird wie folgt berichtet: Die Tätigkeit der Armenschwester wurde im Berichtsjahre von 200 Kranken in Anspruch genommen, deren Pflege 2004 Einzelbesuche notwendig machte. Von denselben gehörten 117 der israelitischen und 83 der christlichen Religion an. Die Hilfeleistung der Armenschwester wurde von 31 verschiedenen Aerzten in Anspruch genommen. Bei 15 Operationen war die Armenschwester behilflich; in diesen Fällen wurde oft lange Zeit täglich Verbandwechsel notwendig. Massage, Verabreichung von Bädern und andere Hilfeleistungen, auch hydrotherapeutische, auf ärztliche Anordnungen hin, sind bei den Einzelbesuchen mit inbegriffen. In vielen Fällen mußte die Armenschwester Führung des Haushalts, Bereitung der Nahrung, Wartung und Beaufsichtigung der Kinder, soweit als es nötig und angängig war, mit übernehmen. Bei 39 Familien konnte die Armenschwester auch durch Unterstützung, Abgabe von Nahrungsmitteln, Wäsche, Kleidung rc. helfend eingreifen, wozu ihr von privater Seite das Nötige in höchst dankenswerter Weise zuteil wurde. Durch die Bemühungen der Krankenschwester wurden zwei Lungenkranke einer Heilanstalt überwiesen. Köln, 20. Juli. Die achte ordentliche Generalversammlung des Rheinischen Rabbinerverbandes fand am 17. d. M. zu Köln in der Rheinlandloge statt, unter Anwesenheit der Kollegen Auerbach-Elberfeld, Baßfreund-Trier, David-Bochum, Frank- Köln, Grabowski - Barmen, Hochfeld - Düsseldorf, Jaulus - Aachen, Rosenthal-Köln, Samuel-Essen, Tawrogi-Kreuznach. Der bisherige Vorsitzende, Samuel-Essen, verbreitete sich in seinem Jahresbericht über feine Tätigkeit als Mitglied des Ausschusses des Provinzialverbandes Rhein.-Syn.-Gemeinden, wo die Frage der Inspektion des Religionsunterrichts und der Bezirksrabbinate durch ihn zu behandeln waren, sowie als Mitglied des Zentralausschusses des Rabbinerverbandes in Deutschland, bei dessen Sitzungen er das eine Mal durch Baßfreund-Trier vertreten war, das andere Mal persönlich teilgenommen hat. Er berichtete ferner über die durch den bekannten Erlaß des Justizministers hinsichtlich der Beiziehung des Rabbiners zu den Sühneversuchen in Ehescheidungsangelegenheiten notwendig gewordene Zuteilung der einzelnen Kollegen an die Landgerichtsbezirke der Provinz, und wies schließlich auf die hocherfreuliche Tatsache der Vermehrung der Rabbinatssitze im Rheinland hin. — Nachdem die von Baßfreund-Trier erstattete Rechnungsablage genehmigt worden war, wurde zur Neubildung des Vorstandes geschritten: der Vorsitz geht turnusgemäß an Tawrogi-Kreuznach über, der im vorigen Jahre auf eigenen Antrag, mit Rücksich t auf seine i