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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1904-07-29 · Heft 31 (29.7.1904) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
68 (1904)
Issue
Heft 31 (29.7.1904)
Date
1904-07-29
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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68. Jahrgang. No 31. Berlin, 29. Juli 1904 Vettase zur „Allgemeinen Leitung deß Judentums". Lorrrlpondrn?rn und Nachrichten. Deutschland. y\- Berlin, 24. Juli. Der erste Rechenschaftsbericht des hiesigen Hilfskomitees für die rumänischen Juden in Palästina ist ausgegeben worden. Die in Palästina wohnenden jüdischen Armen werden je nach ihrer Nationalität von ihren Stammesgenossen in der Heimat unterstützt. Leider aber können die sehr zahlreichen rumänischen Juden in Palästina infolge der Not, die ihre Brüder in der Heimat traf, von diesen keine Unterstützung erhalten. So drang der Notschrei der in Palästina ansässigen Rumänen auch nach Deutschland und erweckte das Mitgefühl. Rabbiner Dr. Winkler, der mit den Verhältnissen in Palästina genau vertraut ist, suchte zuerst durch eine private Hilfsaktion das bittere Elend der Aermsten der Armen zu lindern, und gelang es ihm auch, im Jahre 1901 rund 2400 Frcs. für diese Zwecke zu sammeln und zu verwenden. Aber die Kräfte eines Einzelnen reichten für ein derartiges Hilfswerk nicht aus. Daher richtete Dr. Winkler sein Augenmerk darauf, eine größere Anzahl angesehener Männer für diese Zwecke zu interessieren und auf diese Weise kam Januar 1902 dieses Komitee zustande. Um das Geld in ersprießlicher und segenbringender Weise zu verwenden, wurde beschlossen, in Safed, wo die meisten der Notleidenden sich zusammendrängen, eine Volksküche unter Leitung des rührigen und äußerst tüchtigen Vorstehers der dortigen Gemeinde, des Herrn M. Taubenhaus, zu errichten. Im Dezember 1902 wurde diese Volksküche unter Teilnahme der angesehensten Männer und unter freudiger Begeisterung aller Einwohner der Stadt eingeweiht. Der Nutzen der Volksküche in Sased ist in den öffentlichen Blättern wiederholt anerkannt worden. Nach dem uns von seiten der Verwaltung zugegangenen Jahresberichte über die Tätigkeit der Volksküche beliefen sich die erstmaligen Kosten auf 4420 Frcs. Dafür sind in den 13 Monaten 10 726 Mahlzeiten verabreicht worden. Die Verwaltung der Volksküche bestand bis vor wenigen Monaten aus 5 Herren, an deren Spitze der erwähnte Herr Taubenhaus stand. Nunmehr hat sich auf Veranlassung des hiesigen Komitees die Verwaltung der Volksküche in Safed in der Weise konstituiert, daß Herr David Schoub, Meister der „B'ne Brith"-Loge zu Safed, der sich ihr anschloß, ihr Vorsitzender wurde, während Herr Taubenhaus das Schatzmeisteramt übernahm; die anderen 4 Herren fungieren als Beisitzer. Zur Vermehrung der spärlichen Mittel des Vereins veranstaltete der Vorstand im Winter 1902/3 und 1903/4 einen Zyklus von Vorträgen, die von den Herren Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Aron, Pros. Dr. A. Baginskh, Dozent Dr. Ellbogen, Dr. Gustav Karpeles, Schriftsteller Hans Land, Prof. Dr. Philippson, Geh. Negierungsrat Prof. Dr. Pinner gehalten wurden, und die eine erfreuliche Extraeinnahme brachten. Durch Einsetzung eines Damenkomitees, welches sich bezirksweise mit Büchsensammlung befaßt, hofft der Verein größere Einnahmen zu erzielen. Sein Streben verdient eifrige Förderung. Der Vorstand besteht aus den Herren: Willibald Löwenthal, Vorsitzender; Rabbiner Dr. Rosenzweig, stellt». Vorsitzender; Siegbert Seckelsohn, Schatzmeister; Alfred Roth, Schriftführer; Rentier L. Mainz^ Rabbiner Dr. Winkler. Rechtsanwalt Mendelsohn, Rechtsanwalt Caspar Guttseld, Beisitzer. 8. Berlin, 24. Juli. Der Bankier Max Priester, der vor einem Jahre in Nauheim gestorben ist, hatte ein Vermögen von 6 Millionen Mark hinterlassen. In einem Schriftstück, das von den Erben angefochten wurde, wurden dem „Brüderverein", der „Reuter-Stiftung", dem „Asyl für Obdachlose", dem „Auerbach'schen Waisenhause" und der „Jüdischen Gemeinde" 3V2 Prozent des Vermögens zu gleichen Teilen und Rechten vermacht. Wegen der Giltigkeit des Testaments schwebt ein Prozeß beim Kammergericht. Die Witwe ist bereit, den Willen ihres Ehemannes zu erfüllen, und die Geschwister Priester als Miterben wollen sich gegen Zahlung von 2 656000 Mark für befriedigt erklären. Die Witwe will nun 16 500 Mark an die Reuter- Stiftung zahlen, wenn ein Vergleich zustande kommt rc. Der Ma gistrat ist hiermit einverstanden und ersucht nunmehr die Stadtverordnetenversammlung um Zustimmung. — Die Ernst Reichen- Heim-Stiftung für Maler aus den höheren Semestern, welche Schüler der hiesigen akademischen Hochschule für die bildenden Künste sind, ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses, fordert zur Bewerbung um zwei je 600 Mark betragende Stipendien auf. Die Bewerbung ist bis zum 15. Oktober 1904 im Sekretariat der vorbezeichneten Hochschule einzureichen. Ein kurz geschriebener Lebenslaus ist beizufügen. L2 Berlin, 24. Juli. Am 17. d. ist hier Frau Mathilde Weigert, die Gattin des Stadtrats Dr. Max Weigert, nach langen Leiden im 58. Lebensjahre gestorben. Mit ihr ist eine der wohltätigsten Frauen unserer Gemeinde dahingegangen. Die innige Glaubenstreue und der unermüdliche Wohltätigkeitssinn, die sie im elterlichen Hause üben gesehen (ihr Vater war der sel. Elias Meyer in Aachen), übte sie selbst in ihrem Kreise mit treuer Pietät und feinem Verständnis für die Bedürfnisse der neuen Zeit. Der Vorstand des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen, des jüdischen Kinderheimes, des Pestalozzi-Fröbelhauses und vieler anderer jüdischer wie allgemeiner Vereine beklagen ihren Tod auf das lebhafteste. Der letztgenannte Verein widmet der Verstorbenen den folgenden Nachruf: „Seit Begründung des Vereins stellvertretende Vorsitzende, seit 1900 Vorsitzende unseres Vereins, hat dieselbe in liebevollster und hingebendster Weise sich seine Leitung und Förderung angelegen sein lassen. Stets hilfsbereit und opferfreudig griff sie tatkräftig überall ein mit innigem Verständnis für die Eigenart und die Bedürfnisse der Kinder und ihrer Eltern, übertrug auf sie mit zielbewußter Klarheit ihre segensreichen Erziehungsgrundsätze und erntete aufrichtige und ergebene Dankbarkeit. Mit teilnehmender Fürsorge und warmem Interesse nahm sie sich des Wohles und der Entwicklung der Lehrerinnen unseres Kinderheims an. Dem Vorstande und allen, die mit ihr wirkten, war sie in ihrer gütigen, liebenswürdigen Weise ein leuchtendes Vorbild." Ihr Andenken wird unvergessen bleiben. 8. Berlin, 25. Juli. In dem neuesten Heft der „Monatsschrift für höhere Schulen Preußens" finden wir einige interessante Daten über jüdische Abiturienten. Nach den von Provinzialschulrat Klatt aus Grund amtlichen Materials gemachten Feststellungen über das Jahr 1902 waren in der Rheinprovinz von den 878 Gymnasialabiturienten 28 jüdischen Glaubens, d. i. zirka 3,2 Prozent, von den 146 Realgymnasialabiturienten 36 jüdischen Glaubens, d. i. zirka 24,5 Prozent. - An den Oberrealschulen gab es im ganzen 63 Abiturienten, darunter nur einen Juden. Anders stellt sich das Verhältnis für das ganze Königreich Preußen. Hier gab es 1902/03 insgesamt 5709 Abiturienten, darunter 374 jüdischen Glaubens (323 waren Gymnasialabiturienten). Von diesen 323 jüdischen Gymnasialabiturienten entfiel ein Drittel allein auf die Provinz Brandenburg und 15 Prozent auf Schlesien. Der prozentuale Anteil des jüdischen Elements an der Gesamtzahl der Abiturienten stellt sich aus 6,55 Prozent. Das ist ein Prozentsatz, der dem Bildungsstadium unserer deutschen Glaubensgenossen ein glänzendes Zeugnis ausstellt, da ja bekanntlich die deutsche Bevölkerung jüdischen Glaubens nur etwa 1 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmacht. M. Hamburg, 20. Juli. Der Einladung des „Vereins zur Gesundheitspflege schwacher israelitischer Kinder" zu der kürzlich stattgefundenen Einweihungsfeier hatten etwa 140 Gäste Folge geleistet, die sich mit der Eisenbahn nach Cuxhaven und von dort nach Duhnen begaben. Als Vertreter der hamburgischen Behörden wohnte Herr Amtsverwalter Dr. Kämmerer der Feier bei. Unter den Ehrengästen bemerkten wir Herrn Gemeindepräses Levin Lion, den Präses des Shnagogenverbandes Herrn Gumpertz, Delegierte von Bürgervereinen und den verschiedenen Gemeindeinstitutionen. Eingeleitet wurde die Feier durch Gesangsvorträge des Knabenchors unter Leitung des

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